← Back to Details A Selection of Books Published by Methuen and Co. Ltd., October 1910

A Selection of Books Published by Methuen and Co. Ltd., October 1910

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1927 so weit
wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler
wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert.

Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere
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Antiqua: ~Tilden~

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Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen




Handfertigkeitsbuch für
junge Mädchen

Eine Anleitung für geschickte Mädchenhände
zur Anfertigung von Web- und Stickarbeiten, Malereien
und allerlei Handfertigkeiten
herausgegeben von der Redaktion des „Kränzchens“

Bearbeitet von

+Else Pauli+

+Mit 175 Abbildungen+

[Illustration]

Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart, Berlin, Leipzig




Zweite Auflage

Nachdruck verboten / Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung,
vorbehalten / Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in
Stuttgart




Inhalt


Vorwort 1


I. Kapitel: Web- und Stickarbeiten 9

1. Die Maske 9

2. Handwebereien 10

3. Buntstickereien 13

4. Das handbestickte Kleidungsstück 17

5. Kreuzsticharbeiten 19

6. Monogramme und Buchstaben 27

7. Häkeleien verschiedener Art 31

8. Künstlerische Blumen 38

9. Teepuppen 44

10. Nadelmärchen 51

11. Kissen aus bunten Wollresten 55

12. Körbchen mit duftenden Rosen 56

13. Wollpüppchen 61

14. Die Zupfpuppe 64

15. Lochstickerei 67

16. Tülldecken 70

17. Gabelspitzen mit Häkelei 73


II. Kapitel: Malerei 78

18. Stoffmalerei 78

19. Malerei auf Ton 81

20. Holzmalerei 87

21. Porzellanmalerei 94

22. Malerei mit Emailfarben 100

23. Osterkarten mit Malerei 102


III. Kapitel: Handfertigkeiten 105

24. Linoleumschnitt 105

25. Ausschneidetechnik 108

26. Teller und Schalen aus Luftschlangen 113

27. Bast- und Stroharbeiten 115

28. Untersetzer mit gepreßten Blumen 121

29. Klapperdeckchen und Tortenpapier in Ausschneidetechnik 124

30. Perlarbeiten 126


IV. Kapitel: Laubsägearbeiten 137

31. Puppenstube 137

32. Fensterbild 143

33. Handgearbeiteter Lampenschirm 146


V. Kapitel: Bastelarbeiten 151

34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn) 151

35. Knebelpuppen 155

36. Kreisel 157

37. Holztiere 158

38. Holzbasteleien 166

~a~) Geburtstagsleuchter 166

~b~) Sparbüchse 168

~c~) Brieföffner 170

39. Hampelmann 171

40. Flaschenkork 172


VI. Kapitel: Papp- und Papierarbeiten 174

41. Allerlei Spiele 174

42. Geduldspiele 181

43. Feine Buntpapierarbeiten 181

44. Behälter aus Kartonpapier 185

45. Schmuckpapier 188

46. Lampenschirme aus Papier 195

47. Bemalte Deckchen und Papierservietten 197

48. Papierpuppen 200


VII. Kapitel: Buntes Allerlei 202

49. Bildstickereien 202

50. Pinseldruck 204

51. Schattenrisse 206

52. Dackel als Bi-ba-bo-Spielzeug 209

53. Schattenspiele 211

54. Bilderbuch von eigener Hand 212

55. Purzelmann 214


VIII. Kapitel: Weihnachtsarbeiten 215

56. Handarbeiten für den Weihnachtstisch 215

57. Weihnachtliches Allerlei 228


IX. Kapitel: Handarbeiten für die Reise 235




Vorwort

Liebe Leserinnen!


Als ich ein kleines Mädchen war, wollte ich eines Tages Ölbilder
malen. Ich hatte von berühmten Ölbildern gehört und erkundigte mich,
„was man dazu braucht“. Nun nahm ich eine große Gänsefeder und tauchte
sie in das Öl der Nachtlampe, die in Großmamas Zimmer von abends bis
morgens brannte, dann malte ich los. Zunächst kamen die blaugetünchten
Wände des „großen Hausflurs“ an die Reihe, und wenn ich nicht daran
gehindert worden wäre, hätte ich nach und nach sämtliche Flächen, die
mir in dem alten Hause zur Verfügung standen, mit meinen phantastischen
Ornamenten bedeckt. So verstand ich die Ölmalerei. Später hatte ich
noch oft Gelegenheit, allerlei Fehlgriffe zu machen, wenn ich meinem
Vergnügen, zu basteln und zu pinseln, nachgehen wollte und so gar keine
Anregung und noch weniger eine Anleitung bekam; denn in der kleinen
Stadt im Osten gab es für derartige Betätigungen kein Verständnis.
Später bin ich dann zum Kunstgewerbe gekommen, und noch heute tun mir
alle die Mädel leid, die Geschick zum Basteln und Pinseln haben und
denen, besonders in kleinen Städten und auf dem Lande, die Möglichkeit
fehlt, sich vernünftig belehren zu lassen. Dadurch verlieren sie viel
Zeit und schließlich vielleicht auch die Lust; denn es ist keine reine
Freude, immer wieder von vorn anfangen zu müssen, wenn man etwas
falsch gemacht hat. Und dann besteht die Gefahr, daß die ganze Sache
in einen lächerlichen Dilettantismus ausartet, daß junge, moderne
Mädchen alte, längst überholte Techniken ausüben, ebenso überholte
Muster gedankenlos nacharbeiten und ihre Zeit mit unnützen Spielereien
vertrödeln, anstatt mit einfachen Mitteln etwas Brauchbares zu
schaffen, was ihnen Spaß macht, geschmackvoll aussieht und nützlich
ist. Es gibt ja so viel Kleinkunstgewerbe, das mit Geduld und
Geschick -- ich sage absichtlich nicht Talent -- und verhältnismäßig
geringen Ausgaben hergestellt werden kann, und man muß ja auch nicht
+alles+ können.

Es ist nur nötig, sich klarzumachen, was man will; ein kleiner
Gegenstand, gut und sauber ausgeführt, brauchbar und für die Person
geeignet, für die er bestimmt ist, ist viel, viel wertvoller als eine
große, unnütze Gabe. Der materielle Wert spielt bei allen diesen Dingen
eine unbedeutende Rolle. Junge Mädchen sollen keine Kostbarkeiten
verschenken, und schließlich ist es doch so, daß fast alles, was von
euch hergestellt wird, mehr oder weniger für Geschenke verwendet werden
soll, wenn ihr es nicht gerade für euren Privatgebrauch arbeitet, in
diesem Fall darf es erst recht nicht viel kosten. Aber, was ihr euch
auch vornehmt, auf eins müßt ihr unbedingt achten, das ist +gutes
Material+ und +gutes Handwerkszeug+. Ihr könnt machen, was ihr wollt,
wenn diese Dinge nichts taugen, ist es schade um Zeit und Mühe. Ich
will euch in diesem Buch keinen Unterricht erteilen, ich kann euch nur
einige Anregungen geben; ich will ganz zwanglos mit euch plaudern und
euch auf mancherlei aufmerksam machen, was ihr vielleicht nicht kennt
und was leicht herzustellen ist, wenn es euch Freude macht.

Ihr, die ihr vielleicht wenig oder gar keine Gelegenheit habt, hübsche
und dabei einfache Dinge zu sehen, die ihr nacharbeiten könnt, an euch
wende ich mich besonders. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, wie das
ist, wenn man zum Beispiel vor einem Schreibwarengeschäft steht und
im Schaufenster Tischkarten mit bunten Blümchen ausliegen sieht. Man
pinselt selber ganz nett, da möchte man doch zu gern wissen, wie man,
wenn auch nicht ganz dasselbe, aber doch etwas Ähnliches machen kann.

Aber ihr modernen Mädchen, ihr habt es doch viel besser; ihr habt in
der Schule allerlei Stunden, in denen ihr Handfertigkeiten lernt, und
für euch sind doch die ungesunden Benzinbrandmalereien und ähnliche
Kulturgreuel ein überwundener Standpunkt. Oder brennt +ihr+ etwa doch
noch Blumen und Tiere, Sprüche und Ornamente in weißes Lindenholz? Das
laßt lieber bleiben, und wenn ihr solch Hausgreuel besitzt, dann seht
es euch genau an, als abschreckendes Beispiel.

Ein +Schlüsselbrett+ zum Beispiel kann man mit einer Holzbeize glatt
anstreichen, dann sieht es manierlich aus; dasselbe Mittel eignet
sich für +Truhen+, +Kasten+, +Kästchen+, +Bilderrahmen+ und so
weiter. „Haussegen“ habe ich abhobeln lassen, die Bretter wurden für
Schrankfächer verwendet, da sind sie nützlicher, als wenn sie über
der Tür hängen und sich mit ihren Sprüchen wichtig tun. Also, solch
„Kunstgewerbe“ treibt lieber nicht, aber wenn ihr eine +Briefmappe+
selber kleistern wollt oder einen +Bucheinband+, dann will ich euch
gern helfen.

Ihr habt doch sicher alle eine kleine Bibliothek, ich kann sie mir ganz
gut vorstellen; da wird manch ein Buch ein Röckchen brauchen, und die
vielen Ansichtskarten und all die „Erinnerungen“ an die Tanzstunde, die
müssen doch unbedingt in eine anständige Mappe hinein, vom „Tagebuch“
gar nicht zu reden. Ich habe mir mein Tagebuch auch allein gemacht,
als ich ein Backfisch war. Da nahm ich ein ganz dickes Diarium ohne
Linien, band es sehr fein in mattes Glanzleinen, auf der Vorderseite
brachte ich ein kupfernes Schild an, das ich von meiner abgenutzten
Klaviermappe abtrennte, und dann kam als Hauptsache der Verschluß.
Ich befestigte eine kleine Schließe mit einem alten Messingschloß
an den Deckeln, ein Schlüsselchen gehörte dazu. Da dieser Verschluß
aber den Nachteil hatte, daß man von oben und von unten in das Buch
hineinsehen konnte, klebte ich aus einem blauen, festen Heftdeckel
drei Überschlagseiten ein, so daß der Buchinhalt fest darin lag, wie
in einer Mappe, man konnte nicht mehr oben und unten hineinsehen
und darin herumlesen. Jetzt habt ihr das Rezept, wie man selber ein
Tagebuch macht, aber nun hört weiter: Das alte Messingschloß, dieser
Fund aus der Bodenkammer, wurde gerade an dem Tage morsch, als ich
meinen Tanzstundenball beschrieben hatte; das Schlüsselchen brach
ab, blieb stecken, und ich mußte mit meinem Tagebuch in die einzige
Eisenhandlung der kleinen Heimatstadt wandern, in welcher der Freund
meines „Schwarms“ beschäftigt war. Ihr könnt euch nicht denken, wie
aufgeregt ich war, als ich ihm mein treubehütetes Tagebuch über den
Ladentisch hinüberreichen mußte, als er das Schloß untersuchte, es mit
der Zange aufknipste und schließlich ein neues Schlößchen anbrachte.
Also, liebe Leserinnen, nehmt keine alten Schlösser mit rostigen
Schlüsseln, dann braucht ihr keine Angst zu haben.

Aber wißt ihr, was immer hübsch wird, wenig oder nichts kostet und
viel Spaß macht? Das ist buntes +Spielzeug+; dafür gibt es allerlei
Techniken, manches eignet sich auch zum +Tafelschmuck+, als +Damen+-
und +Herrenspende+, vielleicht auch für +Lotterien+, aber hauptsächlich
ist es für die kleinen Geschwister gedacht, die haben die größte Freude
daran. Dafür will ich euch mancherlei Vorschläge machen. Ich bin auch
sehr für die lustigen +Perlarbeiten+, die +Untersetzer+ aus farbigen
Glasperlen, die so sehr praktisch sind, weil man heiße Schüsseln darauf
stellen kann und mit ihrer Hilfe das Tischzeug und die Tischplatte
schont.

Wenn ihr euch einen einfachen +Webeapparat+ wünschen dürft, dann
tut es; ihr wißt es vielleicht gar nicht, wie hübsch die bunten
handgewebten +Gürtel+, +Hutbänder+, +Lautenbänder+, +Kleiderbesätze+,
+Täschchen+ und dergleichen wirken, und außerdem sind sie ganz
besonders kleidsam.

Wer ein wenig Geschick zum +Laubsägen+ hat, wird auf diesem Gebiet
oft in Anspruch genommen werden. Früher war das eine ausgesprochene
Knabenarbeit, aber die Mädchen von heute haben sportgeübte Arme
und feste Hände, da macht ihnen das Sägen keine Beschwerde. In der
Häuslichkeit findet sich oft Gelegenheit, sein Können zu zeigen;
meist kommt es dabei mehr auf die Geschicklichkeit an. Ich sah
+Hausapotheken+ aus großen Zigarrenkisten, die sehr brauchbar waren und
recht gut aussahen, und mancherlei +Spielzeug+, +Schlüsselbretter+,
+Brieföffner+ und dergleichen mehr, die handwerklich mustergültig waren.

Von den neuen Techniken hat die +Ausschneidearbeit+ viel Freunde
gefunden. Da gibt es mancherlei Arten: am einfachsten ist das
Ausschneiden aus zusammengefaltetem Papier; man kann, wenn man
Geschmack und Phantasie hat, vielfache hübsche Muster entstehen
lassen und auf diese unterhaltende Weise reizende Tortenblätter und
Papierservietten anfertigen, die viel, viel hübscher sind als die
„gekauften“, schon weil sie eben gar nicht im Dutzend gekauft werden
können. Das ist ja eben der Reiz solcher Handarbeit, daß sie nicht
überall und immer wieder erhältlich ist; das werdet ihr längst gemerkt
haben. Aber seid deshalb nur nicht gar zu eitel auf euer Machwerk, wenn
euch einmal etwas ganz besonders gut gelungen ist, denn ihr könnt euch
darauf verlassen, es ist wie im Märchen von Schneewittchen; hinter den
Bergen, bei den sieben Zwergen, gibt es immer jemand und etwas, was
viel, viel tausendmal schöner ist.

Wer einen eigenartigen Zimmerschmuck braucht, den möchte ich an die
+Lampenschirme+ erinnern. Für euern persönlichen Gebrauch kommen ja
vor allem die +Papierlampenschirme+ in Betracht, die passen am besten
in euer Stübchen. Der +seidene+ Schirm wirkt anspruchsvoller; wenn ihr
aber Gelegenheit habt, die Herstellungsart zu erlernen, laßt sie euch
nicht entgehen, ihr habt gewiß einmal Veranlassung, Verlobungs- und
Hochzeitsgeschenke zu machen, da ist solch ein Lampenschirm ein sehr
geschätzter Gegenstand, besonders wenn ihr nicht auf Überraschungen
ausgeht, sondern euch rechtzeitig genau erkundigt, welche Größe, Farbe,
Technik erwünscht ist, sonst könnt ihr mit eurer Überraschung allerlei
erleben.

Viele von euch werden den +Linoleumdruck+ nicht kennen. Ich will
euch auch darüber einige Winke und Anleitungen geben, denn diese
Technik eignet sich nicht nur für Wandschmuck, sondern auch für
+Kalenderrückwände+, +Glückwunsch+- und +Tischkarten+, erfordert
indessen ganz besonderes Zeichentalent. Wer das nicht besitzt, braucht
trotzdem nicht zu weinen, es gibt ja so viel anderes, was sich mit
einigem guten Willen erlernen läßt.

Da sind zum Beispiel die +Buchstaben+ und +Monogramme+, die nicht
nur, wie üblich, zum Wäschezeichnen zu verwenden sind. Ihr könnt
euch mit solchen Zeichnungen sehr feine und originelle +Exlibris+
herstellen; die eignen sich, in entsprechender Größe, zum Schmuck
für Briefpapier und Karten. Ihr könnt sie bunt in feiner Seide und
in farbigen Perlen sticken und damit +Handtäschchen+, +Briefmappen+,
+Besuchskartentäschchen+, +Kassetten+ und ähnliches verzieren, es kommt
nur darauf an, daß ihr die richtige Form für die einzelnen Gegenstände
findet.

Wer +Gesellschaftsspiele+ selber herstellen kann, macht sich bei alt
und jung beliebt, denn moderne und eigenartige Spiele sind nicht
billig. Wenn man sie selber herstellt, kann man sie viel unterhaltender
machen, als die gekauften, denen doch immer die persönliche Note fehlt.
Hier kommt es wieder auf den Farben- und Formensinn an.

Wer pinsel- und farbenfroh gestimmt ist, hat mancherlei Aussichten,
sich mehr oder weniger nützlich zu machen. Die +Tonmalerei+ ist sehr
unterhaltend; man kann mit starken, ungebrochenen Tönen, am besten
ohne Vorzeichnung, aus freier Hand +Blumentöpfe+ und +Schalen+ recht
flott bemalen, sie sollen die wenig geschmackvollen Papierhüllen für
Blumentöpfe ersetzen; wenn sie vorsichtig behandelt werden, halten
sie sich recht gut und lange, und wenn sie schließlich unansehnlich
geworden sind, lassen sie sich ohne viel Kosten wieder ersetzen.

Sehr ähnlich ist die +Malerei+ auf +Holz+ und +Span+; da gibt es
+Körbchen+, +Dosen+, +Schachteln+, +Untersetzer+ und ähnliche
praktische Gegenstände, die im Haushalt immer Verwendung finden und
denen ein buntes Ornament recht gut steht.

Schwieriger ist die +Porzellanmalerei+, weil hier das Brennen der
einzelnen Stücke hinzukommt, das wieder eine besondere Kenntnis der
Farben und ihrer Wirkung nach dem Brennen voraussetzt. Da man indessen
auf diesem Gebiet viel Brauchbares leisten kann, solltet ihr es
nicht versäumen, die +Porzellanmalerei+ zu erlernen, falls euch die
Gelegenheit hierzu geboten wird; ihr werdet sicherlich klug genug sein,
keine kostspieligen Arbeiten anzufangen, solange euch die nötige Übung
fehlt.

Da ist zum Beispiel eine Abart der +Buchbinderei+, die nicht ganz
einfach ist; das ist das Anfertigen von +Kästchen+, +Dosen+,
+Schachteln+, eine saubere, angenehme Beschäftigung, bei der ihr zeigen
könnt, ob ihr an peinliche Sauberkeit und Pünktlichkeit im Arbeiten
gewöhnt seid, denn hier nützt euch der feinste Farben- und Formensinn
allein gar nichts, ihr müßt auf den Millimeter richtig messen können;
wenn die Maße nicht stimmen, ist die ganze Arbeit umsonst.

Bunt und lustig geht es auch bei der +Bastarbeit+ zu. Hier gibt es
außerordentlich viel Möglichkeiten, sich geschickt zu betätigen. Die
hübschen +Bastuntersetzer+ sind sehr praktisch, sie bewähren sich in
jedem Haushalt und können in den verschiedensten Arten hergestellt
werden.

Sehr wirkungsvoll sind auch andere handgearbeitete +Untersetzer+.
Es gibt da verschiedene Techniken: sehr beliebt sind die kleinen
Glasuntersetzer, bei denen der Hauptreiz in den Einlagen liegt; man
verwendet hierzu farbige Seiden, Brokatreste, Stickereien, Strick- und
Häkeldeckchen, Perl- und Filetmotive. Statt der wenig geschmackvollen
Einlagen aus bunten Federn oder gar Schmetterlingsflügeln bringt
man jetzt vielfach +konservierte Blumen+, ein Nachklang aus der
Biedermeierzeit. Wenn es richtig gemacht wird, sieht es reizend aus,
eine Geduldsprobe, die sicherlich manchen von unsern lieben jungen
Leserinnen gelingen dürfte.

Und da wir vorhin von „gefallen“ redeten, denke ich an die zierlichen
+Ansteckblumen+, die immer flott wirken und sicher nicht so bald
unmodern werden, weil sie kleidsam sind. Diese Ansteckblumen sind ja
eigentlich weniger für ganz junge Mädchen geeignet, für Backfische kann
ich mir ein buntes Bändchen für die Bluse hübscher denken. Aber wenn
ihr die vorgeschlagene Ansteckblume verschenken wollt, würdet ihr euch
sicher sehr beliebt machen, und für euren eigenen Gebrauch gebe ich
euch ein paar Winke, wie ihr euch seidene +Blusenbändchen+ recht fein
und eigenartig bemalen könnt, damit ihr nicht zu kurz kommt. Ich will
euch auch verraten, wie man +Gesichtsmasken+ anfertigt, weil wir doch
gerade bei der Eitelkeit angelangt sind.

Manche von euch wird gewiß recht gut sticken. Für solche fleißigen
Stickerinnen will ich einige +Nadelmalereien+ einfügen, in der
Voraussetzung, daß ihr die Technik vollkommen beherrscht. Es gibt
zwar in den einschlägigen Geschäften mancherlei Lehrbücher über die
einzelnen Textiltechniken, es gibt Vorlagen für +Strick-+, +Häkel+-,
+Kreuzstich+- und +Madeira-Arbeiten+, aber ich will doch nicht
vergessen, einige einfache Muster zu bringen, von denen ich annehme,
daß ihr sie gelegentlich recht gut verwerten könnt. Ich bin fest davon
überzeugt, daß ihr in späteren Jahren gerade die alten Techniken gern
wiedersehen werdet, manches andere wird inzwischen unmodern geworden
sein, aber solch ein richtiges, einwandfreies Kreuzstichmuster -- um
ein Beispiel zu nennen -- wird immer wieder Verwendung finden. Zu
andern Handfertigkeiten braucht man mancherlei Handwerk, man ist an
Raum und Zeit gebunden, aber zum Häkeln, Sticken und Stricken braucht
ihr nur die notwendigen Materialien, nicht wahr?

Ich bin, um euch recht viel Anregungen geben zu können, in viele
Werkstätten und Schulen, zu Kunstgewerblerinnen und Fachlehrerinnen
gegangen und habe mir dort, an der Quelle, mancherlei angesehen.
Was mir am besten gefallen hat, zeige ich euch in diesem Buch und
schreibe dazu einen Text, eine Anregung, eine Gebrauchsanweisung, wie
es sich am besten trifft. Es wird ein wenig kunterbunt und gar nicht
lehrhaft darin zugehen, aber das ist meine Absicht. Es soll durchaus
keine ausgeklügelte Abhandlung werden, in der Art „das dürft ihr aber
nicht tun“, es soll wie eine flotte Unterhaltung zwischen Freundinnen
sein, in der doch auch die Gedanken wechseln, man spricht von diesem
und jenem und lernt dabei ... Gerade bei den ernstesten Lehrbüchern
kommt es leicht vor, daß sie vor lauter Gründlichkeit ganz „furchtbar
langweilig“ werden, wie ihr sagen würdet, und das wäre hier bestimmt
das Verkehrte. Von dem vielen, was ich für euch, liebe Mädchen,
zusammengetragen habe, mache ich nun dieses Buch. Hoffentlich habt
ihr recht viel Nutzen davon; ihr sollt alle darin etwas finden. Ihr,
die ihr am liebsten mit Nadel und Faden arbeitet, ihr, die ihr pappt
und kleistert, ihr, die ihr pinselt und bastelt, ihr, die ihr die
Laubsäge, die Glasperlen, die Buntpapiere handhabt, ihr alle, die ihr
aus getrockneten Blumen, aus Seide oder glitzernden Flitterrestchen ein
wenig Freude und Buntheit in eure und anderer Häuslichkeiten bringt,
euch allen wünsche ich: Fröhliches Handwerk!




I. Kapitel

Web- und Stickarbeiten


1. Die Maske

[Illustration: Abb. 1.

Schnittmuster einer Maske.]

Der Gipfel der Tanzstundenfreuden ist der Maskenball. Ist das Kostüm
selbst entworfen und selbst genäht, so ist der Spaß besonders groß.
Nun fehlt nur noch die +Maske+, die man ebenfalls ohne viel Mühe und
Kosten selber herstellen kann. Das Grundmaterial besteht aus einem
dünnen Seidenrest in entsprechender Größe. Man schneidet den Stoff nach
der Zeichnung (Abb. 1) aus, den Schnitt stellt man selber her, indem
man etwas über Kopfhöhe an der Wand ein Stück Papier mit Reißnägeln
befestigt. Nun setzt man sich zwischen die Lampe und das an der Wand
angeheftete Papier so weit entfernt, daß der Schatten des Profils in
natürlicher Größe darauf fällt. Eine zweite Person umzieht nun den
Schatten, der auf das Papier fällt, mit Bleistift. Der so entstandene
Schnitt wird sauber nachgezeichnet. So entsteht der Maskenschnitt, der
immer wieder verwendet werden kann. Er wird mit Ölpauspapier oder mit
Kreide auf den Seidenstoff übertragen, die Seide wird mit der Schere
ausgeschnitten und gesäumt. Nun hält man sich die Maskenform vor das
Gesicht und zeichnet mit Kreide die Augenlöcher ein, die ebenfalls mit
einer Schere ausgeschnitten werden. Nagelscheren eignen sich ihrer
gebogenen Form wegen am besten für runde Öffnungen. Die Augenlöcher
werden mit Langettenstich umsäumt, der Seidenstoff wird mit weißem
Schleierstoff abgefüttert; ein Gummiband hält die Maske am Hinterkopf
zusammen, es wird an den beiden äußersten Seiten fest angenäht. Wer
die Maske besonders reich verzieren will, umnähe die Augenlöcher und
den Rand mit Pailletten. Es ist empfehlenswert, beim Säumen sehr
feinen besponnenen Blumendraht einzunähen, damit die Maske festere
Umrisse bekommt. Den unteren Rand der Maske kann man mit entsprechend
breiter Spitze benähen, sie verhüllt noch besser und erschwert das
Erkennen. Am geschmackvollsten sind schwarze Masken mit entsprechend
schwarzer Spitze; auch grüne Masken sehen hübsch aus, wenn sie zur
Farbe des Kostüms passen. Wenn die Spitze nicht dieselbe Farbe wie
der Seidenstoff hat, läßt man sie lieber fort, nur schwarze Spitze
kann schließlich für jede farbige Maske verwendet werden, sie paßt
indessen nicht zu Weiß. Wer sich besonders unkenntlich machen will und
keine passende Spitze zur Verfügung hat, kann einen Volant aus dem
Maskenstoff anfertigen und mit kleinen Stichen annähen; dieser Vorhang
darf nicht nach kurzem Tragen der Maske abreißen, dasselbe gilt für die
Spitze.


2. Handwebereien

Die +Hand+-, besonders die +Perlweberei+ ist eine der beliebtesten
Techniken, weil ihre Vielseitigkeit es ermöglicht, allerlei nützliche
Gegenstände in dieser ziemlich einfachen Weise zu verzieren. Es
gehören indessen scharfe Augen dazu, sehr viel Geduld und eine
gewisse Fingerfertigkeit, die man sich aber mit einigem guten Willen
aneignen kann. Wer keinen Webeapparat besitzt, kann ihn ohne viel
Schwierigkeiten, fast kostenlos, selber herstellen.

[Illustration: Abb. 2.

Einfacher Webeapparat aus einer Zigarrenkiste.]

Eine einfache +Zigarrenkiste+, +Fäden+ und +Reißnägel+ bilden
das Hilfsmaterial; damit kann man mit Leichtigkeit kleinere
Gegenstände, zum Beispiel +Achselträger+, +Gürtel+, +Hutbänder+ und
+Serviettenringe+ weben. Man schneidet Längsfäden in der gewünschten
Länge, und zwar einen Faden mehr, als man Perlen in der Breite
haben will. Diese Fäden werden an einem Ende verknotet, über die
Zigarrenkiste gespannt und mit Reißnägeln befestigt, wie wir es auf der
Abb. 2 deutlich zeigen. Damit die Fäden nebeneinander liegen bleiben,
ritzt man mit einem Messer kleine Kerben in entsprechenden Abständen
in das Kistenholz. Nachdem die Breite des Perlbandes festgestellt
worden ist, zieht man entsprechend viel Perlen auf, verknotet den
Anfangs-Aufziehfaden an einen Längsfaden, legt die aufgezogenen
Perlen +auf+ die Längsfäden, und zwar in der Art, daß jedesmal eine
Perle zwischen zwei Längsfäden liegt. Dann fährt man mit der Nähnadel
+unter+ dem Längsfaden wieder durch jede Perle hindurch. Die Muster
entstehen durch die verschiedenen Farben der einzelnen Perlen, und es
kommt nun darauf an, bei der Farbenzusammenstellung einen recht guten
Geschmack zu zeigen. Außer +Glas+- und +Metallperlen+ kann man auch
+Holzperlen+ verwenden. Auf unsrer Abb. 3 zeigen wir ein paar sehr
feine +Achselträger+ aus weißen Glasperlen, die in der beschriebenen
Art hergestellt worden sind. Sie sind sehr praktisch für Tanzstunden-
und leichte Sommerkleider, die silbrig glitzernden Perlen wirken
durchaus geschmackvoll, gar nicht auffällig, buntes Perlmaterial darf
man für diesen Zweck nicht verwenden, farbige Achselträger würden
bestimmt unfein aussehen. An jedem Achselträger wird an beiden Enden
je ein Perlmutterknopf zum Befestigen angenäht. Auf dem nächsten Bilde
sehen wir einen +Lacetgürtel+, der aus schildartigen Teilen besteht,
die über Lacetband gewebt sind. Diese Schilder sind in drei Farben
gehalten, die geschickt zueinander abgestimmt werden müssen. Bevor man
einen solchen Gürtel webt, muß man genau wissen, für welches Kleid er
bestimmt ist; man kann ihn hell, man kann ihn auch dunkel halten. Für
dunkle Kleider soll man keine hellen Gürtel wählen, auch nicht dunkle
Gürtel zu hellen Kleidern tragen. Aus diesen verschiedenen Gründen
müssen die Farben vor der Herstellung sehr genau überlegt werden. Sehr
fein sind Zusammenstellungen wie zum Beispiel Schwarz-Orangegelb-Weiß,
Türkis-Orangegelb-Grau, Pfauenblau-Giftgrün-Schwefelgelb,
Grasgrün-Weiß-Orangegelb, Lachsrosa-Grau-Weiß, Schwarz-Kobaltblau-Weiß,
Tiefveilchenblau-Giftgrün-Weiß, Ocker-Tütenblau-Türkis. Rot ist so sehr
auffallend, daß es lieber nicht oder sehr sparsam verwendet werden
soll, Hellblau und Hellila sind ebenfalls ungeeignet für diesen Zweck.
Wer besonders hübsche Muster weben will, achte auf die einfachen
Kreuzstichmotive, die sich dafür stets eignen dürften, besonders,
wenn man im Anfang zu leichten Übungszwecken solche Kreuzstichmuster
auseinandernimmt oder auf andere Weise vereinfacht.

[Illustration: Abb. 3. Achselträger in Perlweberei.]

Das zweite Modell auf unsrem Bilde (Abb. 4) ist ein handgewebter
+Gürtel+, der auch als +Hutband+ verwendet werden kann. Er besteht
aus Wollfäden und ist ebenfalls auf der Zigarrenkiste in der
angegebenen Art hergestellt. Das Muster eignet sich auch recht
gut für Perlenweberei; es sind vier Töne, die sehr geschickt
nebeneinandergesetzt sind; der tiefste Ton ist lila, daneben steht
Grasgrün, alles übrige ist kirschrot und dottergelb. Die Technik ist
dieselbe, die Verwendbarkeit des Streifens sehr vielseitig, er kann
unter anderem auch als +Kleiderbesatz+ benutzt werden; in diesem Fall
muß er recht schmal gehalten sein und in den Farben dem Stoff sehr
geschickt angepaßt werden. Wer mit der Technik gut Bescheid weiß,
kann von diesen einfachen Anfängen zu größeren Arbeiten übergehen.
Handgewebte +Kissenplatten+ und kleine +Wandteppiche+ sind sehr beliebt
und werden, wenn die Muster geometrisch gehalten sind, nicht so
schnell unmodern wie andre Handarbeiten, besonders, wenn man kräftige,
unvermischte Töne geschickt nebeneinandersetzt. Auf dem kleinen
Zigarrenkistenapparat kann man große Gegenstände nur dann herstellen,
wenn sie aus kleinen, dem Miniaturwebeapparat entsprechenden Stücken
bestehen, die dann zusammengenäht werden.

[Illustration: Abb. 4. Handgewebte Gürtel aus Wollfäden und Lacetband.

Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]

Während für Perlwebereien dünne Fäden aufgezogen werden müssen, kommt
bei Wollwebereien ein stärkeres Material, zum Beispiel Bindfaden, in
Betracht. Das gilt auch, wenn mit Seidenkordel gewebt werden soll. Man
stopft das Muster zwischen den Fäden, in dieser Art ist das +Band+
auf unsrer Abbildung ausgeführt.


3. Buntstickereien

Wenn man moderne Handstickereien mit solchen früherer Jahre vergleicht,
vor allem mit den sogenannten „Augenpulvern“ unsrer Mütter und
Großmütter, so können wir mit Leichtigkeit feststellen, daß die
Handarbeiten der letzten Moden, was Technik, Grundstoff und Ausführung
anbelangt, großzügiger, einfacher und dekorativer geworden sind. Und
wenn wir auch, dem Geschmack der Zeit folgend, vielfach die Ideen zu
unsern Mustern einer Epoche entnehmen, die in betonter Einfachheit und
Gefühlseligkeit förmlich schwelgte, so borgen wir uns doch schließlich
nur den vielfach veränderten Stil und die Farben; die komplizierte
Technik dieses mühseligen Stich-an-Stichreihens entspricht kaum mehr
unserm modernen Empfinden, und darum vereinfachen wir die Technik
und die Muster. Sticken ist heutzutage kein Mittel mehr, um die
überflüssige Zeit totzuschlagen, +gute+ Handarbeiten werden immer
teurer, ihr Wert steigert sich durch den Wettbewerb mit billigem
Dilettantismus.

Auch wir Modernen sticken bunte Blumenkränze und farbenfröhliche
Sträuße mit glänzender Seide, aber wir verwenden keine zeitraubenden
dünnen Fäden, wir bevorzugen +starke+ Seidenfäden, die schnell decken,
wir können uns nicht gar so lange bei einer Blume, bei einem Blatt
aufhalten wie die Stickerinnen früherer Jahrzehnte.

Während man früher farbige Muster mit den größten Ausmaßen, zum
Beispiel Vorhänge mit feinsten Seidenfäden stickte, verwendet man
jetzt zu verhältnismäßig kleinen Arbeiten, zu Taschen, Beuteln,
Kinderhäubchen, Nähkissen, Nähbüchern, Tabletteinlagen und so weiter
möglichst starkfädiges Stickmaterial.

Darum hat die Wollstickerei ganz besonderen Anklang gefunden, während
die Arbeiten mit buntem feinen Garn kaum mehr verwendet werden. Dagegen
verarbeitet man vielfach Wolle in Verbindung mit Seide und erzielt
dadurch recht gute Wirkungen mit verhältnismäßig wenig Mitteln.

Was die einzelnen Formen der Muster anlangt, so gilt das ungeschriebene
Gesetz nicht mehr, das einstmals forderte: „Der Grundstoff muß
vollständig von der Stickerei bedeckt sein!“ Im Gegenteil, besonders
bei größeren Handarbeiten findet man häufig eine Art „gesperrte“
Technik, der man die Absicht, Zeit zu sparen, deutlich ansieht. Solch
eine Stickerei wirkt, wenn sie technisch einwandfrei ausgeführt ist
und wenn Grund- und Stickmaterial geschmackvoll zueinander abgestimmt
sind, häufig fast skizzenhaft, betont flüchtig, ohne an Wirksamkeit
einzubüßen.

Als Farben des Stickmaterials kommen ständig neue Töne, gebrochen und
ungebrochen, in den Handel, eine Seide leuchtender und waschechter
als die andere, eine Wolle weicher und vollfädiger als die andere,
und auch die Stoffe, die als Grundmaterial zur Verwendung gelangen,
werden immer mehr darauf eingerichtet, die Wirkung der Stickerei zu
unterstreichen, vor allem aber auch die Arbeitsdauer so viel wie
möglich einzuschränken. Selbst die kleinsten modernen Handarbeiten
tragen unsichtbar, aber leserlich für die Eingeweihten, das Motto: Zeit
ist Geld.

[Illustration: Abb. 5. Buntstickereien: Kissen, Kaffeewärmer,
Arbeitstäschchen und Taschentuchbehälter.]

Wir zeigen auf unserer Abb. 5 eine Anzahl solcher Handarbeiten, deren
Herstellung in diesem Sinne durchaus zu empfehlen ist.

Die verschiedenen kleinen Täschchen können leicht aus Resten
hergestellt werden, nur das gestickte +Kissen+ unsrer Vorlage erfordert
ein größeres Stück Stoff. Hier ist karmoisinrotes Tuch in der Größe
von 32: 51 Zentimeter verwendet. Die Ecken sind mit blätterartigen
Figuren bestickt, die aus einem Kelch hervorzugehen scheinen. Sie sind
in bunter Wollstickerei und meist im schrägen Plattstich ausgeführt.
Die Ecken zieren starke Quasten. -- Sehr gut wirkt der aus feinem
weißen Waschtüll gearbeitete +Kaffeewärmer+ (im Vordergrund links).
Die untere Breite mißt ungefähr 36, die Höhe etwa 32 Zentimeter. Die
Zeichnung überträgt man am besten mit Blaustift auf festes weißes
Papier und heftet sie dem Tüll unter; die begrenzenden Linien lassen
sich auf diese Weise leicht einziehen. Größere Blumen und Flitter
werden noch mit Twist oder Glanzgarn in verschiedenen Stichen
ausgeführt. In die Verbindungsnaht wird ein schmaler 3 Zentimeter
breiter Tüllvolant mit eingefaßt; eine Tüllrosette dient zum Anfassen.
Die Grundform ist mit einfarbigem Seidenstoff überzogen. -- Zu dem
reizenden +Arbeitstäschchen+ (rechts vom Kaffeewärmer) braucht man ein
Stückchen Rohseide oder feines gelbliches Leinen von 18 Zentimeter
Breite und 31 Zentimeter Länge. Von dieser werden 9 Zentimeter zur
Tasche umgeschlagen. Den Deckel ziert eine Stickerei in bunter Wolle.
Nachdem das Satinfutter angebracht ist, wird das Ganze mit zwei Fäden
grüner Wolle eingestochen, über die sich dann noch solche von roter
Wolle legen. Einen besonderen Ausputz bildet der 11 Zentimeter lange
und 4 Zentimeter breite Zipfel, der einem alten Siegel nachgebildet ist
und das Täschchen zugleich schließt. Zu diesem Zwecke muß ein Knopf
auf der unteren Seite angebracht werden. -- Auch der aus schwarzem
Tuch hergestellte +Taschentuchbehälter+ (rechts vor dem Kissen) ist
sehr geschmackvoll. Er mißt 19 Zentimeter im Quadrat; die Ecken
werden hereingeschlagen und mit kornblumenblauer Wolle bestickt. Drei
Ecken werden durch Zierstiche -- Bäumchen- oder Languettenstiche --
zusammengefügt; die vierte dient als Schluß und wird mit einer Schlinge
versehen. Zuletzt wird die Arbeit mit blauer Seide gefüttert und an den
Ecken werden kleine blaue Bällchen angebracht. -- Das niedliche andere
+Arbeitstäschchen+ (an der äußersten rechten Ecke unseres Bildes) ist
12 Zentimeter im Quadrat groß, erfordert also einen Streifen Tuch von
12 Zentimeter Breite und 24 Zentimeter Länge. Auf der oberen Seite
ist eine bunte Wollstickerei angebracht; grüner Vorstoß umrandet das
aus blauem Tuch angefertigte Täschchen, das zuletzt mit grüner Seide
gefüttert und mit blauen Bändern gebunden wird.


4. Das handbestickte Kleidungsstück

Das +handbestickte Kleidungsstück+ erfreut sich besonders bei der
Jugend einer meist berechtigten Beliebtheit. Jungen Mädchen macht es
Freude, ihre Schürzen, Blusen, Kleider, Gürtel, Taschen, Mützen und
so weiter selber zu besticken; häufig entwerfen sie selber die Muster
dafür und geben sich viel Mühe, mit einem großen Aufwand von Zeit und
Kosten diese eigenen Entwürfe auszuführen.

[Illustration: Abb. 6. Handbesticktes Überziehjäckchen aus rotem Stoff
mit farbiger Stickerei.]

Gerade diese selbstentworfenen Muster und ihre Farbenzusammenstellung
wirken häufig sehr dilettantenhaft; man wundert sich oft, wie viel
Geschmacklosigkeiten auf einem einzigen Stück vereinigt sind. Da sieht
man naturalistische Rosen und Veilchen, zu einem Strauß geordnet, und
all dies auf eine Bluse gestickt, als ob es sich um ein altmodisches
Sofakissen handelte. Und naturalistisch gehaltene Weinranken auf einem
Gürtel, und große Schmetterlinge auf einem Kleid! Etwas Ähnliches haben
wir alle schon erlebt.

Wie lächerlich wirkt solch unverstandenes Kunstgewerbe auf den Kenner.
Geometrische Figuren sind für solche Ornamentik empfehlenswerter,
indessen wird auf diesem Gebiet wieder häufig der Fehler gemacht, daß
die Muster dadurch viel zu langweilig werden, und der Fehler wird
noch größer, wenn man versucht, die Eintönigkeit der Ornamente durch
krasse Farben zu vermindern. Diese Wirkung ist noch schlimmer, als wenn
man eine Bluse mit Lilien bestickt, „weil es die Lieblingsblumen der
Trägerin sind“.

Wer beim Besticken der einzelnen Kleidungsstücke einen guten Geschmack
zeigen will, bringe nur stark vereinfachte Formen und Linien. Gewiß
können Blumen und Schmetterlinge als Vorbild dienen, aber die Formen
müssen so lange auseinandergenommen werden, die Linien sollen so
stark stilisiert, das heißt vereinfacht sein, daß man bestimmt
nicht mehr erkennen darf, woher die Motive stammen. Auch die Farben
müssen dementsprechend verändert werden, und bei der Auswahl des
Stickmaterials sei man stets darauf bedacht, daß ein Kleidungsstück
keine Tischdecke, kein Sofakissen, kein Kaffeekannenwärmer ist.
Kleidungsstücke, die dem Witterungswechsel ausgesetzt sind -- auch
Handtaschen gehören in dieses Gebiet --, müssen unbedingt wasch- und
regenecht bestickt werden; unecht bestickte Hüte, die in den Regen
kommen und tüchtig abfärben, können einen ganzen Anzug, von Kopf bis zu
Fuß, gefährden.

Am besten ist es, die Handarbeit auf einem Kleidungsstück in möglichst
bescheidenen Grenzen zu halten, häufig genügen einige feine Zierstiche,
um es geschmackvoll zu schmücken. Wer aber durchaus mit Ornamenten
prunken möchte, dem zeigen wir obiges handbesticktes Überziehjäckchen
aus rotem Stoff mit farbiger Handstickerei (Abb. 6), das mit seiner
sparsamen, vornehmen Ornamentik durchaus mustergültig ist. Hier
sehen wir, wie hochrotes Tuch, das doch stets sehr schwierig in der
Verarbeitung ist, geschmackvoll und nützlich verwendet wurde. Es ist
in einzelne Teile aufgeteilt, die mit Zierstichen verbunden sind;
bestickte Knöpfe und zwei aufgesetzte, ebenfalls handbestickte Taschen
bilden den Hauptschmuck. Statt der Knopflöcher wurden geschürzte
Ösen als Verschluß angebracht. Auf den Taschen sehen wir außer den
umrandenden Zierstichen flachgestickte Ornamente, die aus Rosenknospen
und Blättchen umgewandelt worden sind, das heißt, man sieht dies nur,
wenn man sich sehr bemüht. Die Knospe und die Blätter sind auf den Kopf
gestellt, vor allem aber stark stilisiert. Das „Auf-den-Kopf-Stellen“
genügt nämlich nicht, um ein Ornament für solchen Zweck geeignet zu
machen, dazu gehört schließlich doch etwas mehr. Auch die Farben sind
nicht naturalistisch. Die Muster sind weiß gehalten, mit Grau und Blau
umrandet. Alte und neue Zierstiche sind für dieses Überziehjäckchen
zu Hilfe genommen worden, um ihm eine persönliche Note zu geben,
ein Verfahren, das sehr zu loben ist, wie überhaupt unsere hübschen
Zierstiche viel mehr verarbeitet werden sollten.

Hoffentlich wird unser gutes Beispiel dazu beitragen, noch mancherlei
Irrtümer auf diesem Gebiet zu beseitigen oder ungeschehen zu machen.


5. Kreuzsticharbeiten

Zu den bekanntesten Handarbeitstechniken gehört der Kreuzstich.
Daß er sich auch in früheren Zeiten schon einer großen Beliebtheit
erfreute, davon zeugen u. a. die prachtvollen farbigen Meßgewänder
in den Klöstern des Mittelalters; welch künstlerische Wirkungen
wurden da durch den Kreuzstich in seinen originellen Varianten --
Rosenstich, Augenstich -- erzielt! Nachdem ihn verschiedene andre
Techniken verdrängt hatten, kam er in der Biedermeierzeit wieder zu
Ehren, eignete er sich doch wie kein andrer Stich zur Verarbeitung der
farbenfröhlichen, naiven Muster jener Zeit. Ja, der Kreuzstich war
weltlich geworden, aber obgleich er immer noch vielfach zu kirchlichen
Zwecken verwendet wurde, fand man die hübschen Kreuzsticharbeiten mit
der bunten Ornamentik doch zumeist in den besseren Bürgerhäusern.
-- Die Gegenwart, die so viel aus den Tagen der Biedermeierzeit
entlehnt, brachte auch die Kreuzsticharbeiten wieder in Aufnahme. Stark
modernisiert und stilisiert, den heutigen Begriffen und Bedürfnissen
angepaßt, erkennen wir die anmutigen Motive in sichtbar veränderter
Form kaum wieder.

Während man sonst auf groben, löchrigen Geweben -- im Mittelalter
verwendete man sogar Hanf und Leder -- den Kreuzstich arbeitete, wird
jetzt meist Seide und mehr oder weniger starkes Leinen gewählt. Am
beliebtesten sind die bunten Rupfenarten, Leinwand, die in den feinsten
Nuancen und in reicher Auswahl eingefärbt ist.

[Illustration: Abb. 7. Kreuzstichmuster: Ornament.

Entwurf von Else Levin.]

Wir bringen verschiedene Kreuzstichmuster, die mit einigem Geschick
selbst von ungeübten Händen nachgemacht werden können, und deren
Herstellung mit wenig Kosten verknüpft ist. Wir sehen in Abb. 7
ein modernes Ornament, das, nach rechts und links angesetzt, eine
außerordentlich wirksame Borte ergibt. Durch Spieglung sind wir in der
Lage, das Muster auf seine vielfache Verwendbarkeit hin zu prüfen.
Wir können es sowohl zur Verzierung von Gürteln als auch von Decken
und Kissen verarbeiten. Es eignet sich zum Schmuck für Kinderkleider,
Theaterhauben, für elegante Blusen und Schürzen. Als einfaches
Ornament, wie wir es hier im Bilde sehen, läßt es sich als Mittelstück
für Kissenplatten in Hochformat verwerten. Man hält es am besten in
drei Farben, die man dem Hintergrund harmonisch anpaßt. Sehr dekorativ
wirkt die Stickerei in Schwarz, Orange und Grün auf kobaltblauem
Grund, ganz gleich, ob es sich um seidenes oder leinenes Material
handelt. Auf Leinen stickt man am besten mit Perlgarn, dessen Stärke
sich nach der Gewebeart richtet. Zur Ausführung verwendet man, wie
bekannt, Kanevas oder Kongreßstoff, ihre Fäden werden, wenn die Arbeit
vollendet ist, wieder herausgezogen. Abb. 8 stellt eine Bordüre dar,
die zum Schmuck von großen waschbaren Portieren und Vorhängen aller
Art zur Verwendung gelangt, zum Beispiel für Vorhänge auf Balkone,
Loggien, in Schlafzimmern, Dielen, vor Bücherregalen und anderen.
Unser Originalmodell ist in Schwarz, Zinnoberrot und Zitronengelb
auf cremefarbenem Grund gestickt und kann je nach Belieben und
Zweckdienlichkeit in großem oder kleinem Format ausgeführt werden.

[Illustration: Abb. 8. Bordüre für Portieren und Vorhänge.]

In Abb. 9 sehen wir das Muster für eine kleinere Mitteldecke, die
am besten auf nicht zu starkem weißen Leinen ausgeführt wird. In
Zinnoberrot, Grün, Violett und Schwarz ist die Stickerei gehalten,
doch überlassen wir es dem Geschmack unserer Leserinnen, eine andere
Farbenwahl zu treffen.

[Illustration: Abb. 9. Muster für kleinere Mitteldecken.]

Wer die Arbeit als Nähtischdeckchen oder Kissenplatte verwenden will,
dürfte sich am besten für grellfarbiges Grundmaterial -- Seide oder
Leinwand -- entscheiden. Auf kobaltblauem Hintergrund steht sehr
gut: Weiß, Giftgrün und Orangegelb, auf scharfem Grün: Zinnoberrot,
Schwarz und Hellkobaltblau, auf Orange: Schwarz, Weiß und Giftgrün.
Beliebig wiederholt, ergibt unsre Vorlage ein sehr originell wirkendes
Füllmuster, das besonders für starke Stoffarten in Betracht kommt und
für Abend-, Garten- und Dielendecken sehr zu empfehlen ist.

[Illustration: Abb. 10. Flächenmuster für Perlstickerei.]

Abb. 10 zeigt ein +Flächenmuster+, das sich auch für +Perlstickerei+
eignet. Dieses Muster kann sehr vielfach verwendet werden, so zum
Beispiel für +Bänder+, +Gürtel+, +Borten+, +Kinderhäubchen+ und
+Kleider+, +Taschen+, wenn man nur einen Streifen davon benutzt, sonst
paßt es für +Gartentischdecken+, +Vorhänge+ und +Kissen+. Unser Modell
ist schwarz, kobaltblau, giftgrün, mit weißem Mittelpunkt auf weißem
Grund gehalten.

[Illustration: Abb. 11. Tulpenmuster für Mappen, Kissen und Taschen.

Entwurf von Else Levin.]

Das fünfte Muster (Abb. 11) eignet sich am besten für +Kissen+ in
drei Farben, zum Beispiel Schwarz, Kobaltblau und Orangegelb. In
Wolle ausgeführt wirkt es sehr stark, man kann es auch für +Fußbänke+,
+Fußkissen+ und kleine +Vorleger+ benutzen.

[Illustration: Abb. 12. Muster für Kreuzstich- und Filettechnik.

Entwurf von Else Pauli.]

Der sechste Entwurf (Abb. 12) eignet sich auch sehr gut für
+Filettechnik+, ein Füllmuster von vielfacher Verwendbarkeit. In
Wolle gestickt empfiehlt es sich für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+,
+Vorleger+ und +Mappen+, in Seide ausgeführt paßt es besser
für kleinere Gegenstände, zum Beispiel +Taschen+, +Nähkissen+,
+Briefmappen+. Es besteht eigentlich aus zwei Teilen, verwendet man
die rechte oder die linke Seite einzeln, so entsteht ein Motiv zur
Verzierung von +Häubchen+, +Gürteln+, +Mützen+, +Blusen+; setzt man
dieses Motiv nach oben und unten fort, so entsteht eine +Borte+, die
stehend und liegend verwendet werden kann. Solche Borten eignen sich
für +Decken+, besonders aber für +Gürtel+ und +Kinderkleidung+. Je nach
dem Hintergrund stickt man die Arbeit in zwei bis drei Farben; eine
gute Wirkung erzielt man, wenn das Muster in Kobaltblau und Giftgrün
auf schwefel- oder orangegelben Grund gesetzt wird.

[Illustration: Abb. 13. Leichtes Flächenmuster.]

[Illustration: Abb. 14. Füllmuster.]

Auf der nächsten Vorlage (Abb. 13) sehen wir ein leichtes
+Flächenmuster+, das in +Streifen+ zerlegt werden kann; auf diese
Weise entsteht eine fortlaufende Borte, die für +Kindersachen+ ganz
besonders geeignet ist. Das Muster kann sehr farbig gehalten werden:
die Schmetterlinge abwechselnd in zwei Farben in jeder Reihe, so daß
vier verschiedenfarbige Schmetterlinge entstehen, in der ersten Reihe:
der erste feuerrot, der zweite tütenblau, in der zweiten Reihe: der
erste orangegelb, der zweite giftgrün. Die kleinen Kreuzornamente und
der Verbindungspunkt zwischen den einzelnen Schmetterlingen werden
schwefelgelb gestickt. Diese Farbenangabe gilt für einen weißen,
schwarzen, grauen oder dunkelblauen Grund, Farben, die bei starker
Leinwand häufig vorkommen. Solches Leinen wird gern zu +Garten-+ und
+Balkonkissen+, auch für +Kinderzimmer-+ und +Dielenkissen+ verwendet,
und gerade dafür ist das Schmetterlingsmuster ganz besonders geeignet.

Abb. 14 zeigt ein einfaches +Flächenmuster+ in zwei Farben für
+Garten-+ und +Dielentischdecken+, +Kissen+, +Vorleger+, +Schreib-+ und
+Sammelmappen+, +Kassetten+. Am besten wirkt die Stickerei in Wolle
oder -- waschecht -- in Perlgarn und Garn in drei Farben: schwarz,
weiß auf orangegelbem, kobaltblauem oder giftgrünem Grund, tütenblau,
schwefelgelb auf grasgrünem Grund; die Mittelstücke können einzeln für
+Knöpfe+ verwendet werden.

Die nächste Zeichnung (Abb. 15) stellt ein +Flächenmuster+ dar, aus
dem man eine +Borte+ machen kann, sowohl eine aufrecht stehende, als
auch eine sich nach rechts und links fortsetzende +Borte+, die sich
für +Taschen+, +Kindersachen+ und +Deckchen+ recht gut eignet. Als
Flächenmuster paßt sie für +Kissen+, +Mappen+, +Taschen+ und, wie die
meisten dieser Entwürfe, auch für +Bucheinbände+. Man stickt das Muster
am besten in drei Farben: die Herzen kobaltblau auf schwarzem oder
türkisgrünem Grund, die Verbindungslinien schwefelgelb, oder giftgrüne
Herzen auf pfauenblauem Grund mit orangegelben Verbindungslinien.
Solche Farben wirken immer gut; aber nur nicht Rot für die Herzen
nehmen!

[Illustration: Abb. 15. Flächenmuster. Entwurf von Else Pauli.]


6. Monogramme und Buchstaben

Schon unsere Groß- und Urgroßmütter wandten dem Wäschezeichnen ein
berechtigtes Interesse zu. Gehörte es doch zum „guten Ton“, jedes Stück
der Aussteuer selbst zu zeichnen, und der runde Stickrahmen spielte
eine wichtige Rolle im Leben der Braut.

Da aber in früheren Zeiten das Hauswesen unendlich viel mehr Ansprüche
an die Frauen stellte als heute, gleichviel welchen Standes sie waren,
so konnte -- wie bei manchen andern Dingen -- auch dem Wäschezeichnen
nicht allzu viel Zeit gewidmet werden, und so griff man nicht nur aus
Sparsamkeits- oder Bequemlichkeitsgründen zur „Schablone“. Sehr elegant
und eigenartig waren die Buchstaben und Monogramme meistenteils nicht,
die ihr Entstehen dieser dünnen Kupferplatte und dem unvermeidlichen
Tuschnapf mit Marineblau verdankten, aber die wenig verwöhnten Frauen,
die sich ihrer bedienten, fragten nicht viel nach „persönlicher Note“.
-- Man zeichnete eben die Wäschestücke mit Monogrammen (Abb. 16 bis
20) nicht aus einem besonderen Schönheitsbegriff heraus, sondern weil
man sein leinenes Hab und Gut auf diese Weise am besten voneinander
unterscheiden und schneller ordnen konnte. Daher war auch das hellrote
Stickgarn, das sich scharf vom Weiß der Wäsche abhob, sehr beliebt, und
es hat lange Zeit gedauert, bis es vom weißen Stickgarn der vornehmeren
Wirkung wegen verdrängt wurde.

[Illustration: Abb. 16.]

[Illustration: Abb. 17.]

[Illustration: Abb. 18.

Abb. 16-18. Monogramme.]

Heutzutage rechnet man das Wäschezeichnen zum „Augenpulver“ und
verzichtet meist gern darauf, mit eigener Hand all seine weißen Schätze
zu signieren. Wir haben es ja auch gar nicht mehr nötig, nimmt uns doch
die Maschine die unwillkommene Arbeit ab, eine Entlastung, die oft
doppelt angenehm empfunden wird, da die Maschinenarbeit, was peinliche
Genauigkeit, Schnelligkeit und Linienschwung anlangt, stets siegreich
mit der mühseligen Handstickerei konkurrieren dürfte.

Die große Umwälzung, die durch die Maschine auf dem Gebiete der
Handarbeit herbeigeführt wurde, hat es wohl auch zum Teil bewirkt, daß
mit der Schablone in ihrer früheren Gestalt aufgeräumt wurde, vertragen
sich die alten Schablonenzeichen doch kaum mit unserm modernen,
persönlichen Geschmack.

Das Wäschezeichen ist heutzutage nicht mehr nur ein Ausdruck der
Ordnungsliebe; man läßt nunmehr vielfach die Zahlen fort und trifft
dafür mit desto größerer Sorgfalt die Auswahl der Buchstaben und
Monogramme.

Im Gegensatz zu früher ist das Wäschezeichen zum Schmuck, zur
anerkannten Zierde einer jeden Ausstattung geworden. Während man
sich in früheren Jahren damit begnügte, jedes Stück mit einfachen
Buchstaben zu zeichnen, macht man heutzutage in dieser Beziehung
feine Unterschiede: nicht alle Stücke einer Ausstattung brauchen in
ein und derselben Art signiert zu werden. So zum Beispiel zeichnet
man die +Taschentücher+ mit Buchstaben oder Monogrammen und umrandet
das Zeichen mit einem geschmackvollen Ornament. Sehr beliebt sind
dafür Kranzformen, Kreise, Quadrate und ähnliche Ornamente. -- Große
Buchstaben oder Monogramme wählt man für +Tafeltücher+, während die
dazugehörigen +Servietten+ zwar dieselben Zeichen, doch bedeutend
verkleinert, tragen.

[Illustration: Abb. 19. Buchstaben für Taschen, Kassetten, Handtücher
usw.]

[Illustration: Abb. 20. Buchstabe für Mappen, Taschen,
Taschentuchbehälter, Badewäsche.]

Man zeichnet jedoch nicht nur +Leib-+ und +Tischwäsche+; viele andre
Gegenstände, die mehr oder weniger unsrem täglichen Gebrauch dienen,
erhalten einen praktischen Schmuck durch geschmackvolle Buchstaben
oder Monogramme, so zum Beispiel +Serviettentaschen+, +Fächerhüllen+,
+Behälter für Tennisschläger+, +Schlittschuhbeutel+, +Schleier-+
und +Handschuhbehälter+, +Taschentuchordner+, +Badelaken+, auch
+Handtaschen+, +Schreibmappen+, +Besuchskartentäschchen+ und so weiter.

Aus hygienischen Gründen werden einzelne der aufgeführten Gegenstände,
die meist Handarbeiten sind, waschecht angefertigt. Infolgedessen
empfiehlt es sich, die Signaturen waschbar zu sticken, wie man sich
auch bei der Auswahl des Materials, das zur Herstellung der Buchstaben
und ihrer Umrahmungen verwendet werden soll, genau nach dem dafür in
Betracht kommenden Grundstoff richten muß. Gegenstände, die häufig der
Wäsche ausgesetzt werden, dürfen nur mit Waschgarn gezeichnet werden,
dagegen kann man, wenn es sich um einen Grundstoff aus Seide, Tuch,
Leder und so weiter handelt, mit farbiger Seide signieren.

Geschmackvolle, deutlich lesbare Buchstaben werden sich stets
allgemeiner Beliebtheit erfreuen, während Schnörkelzüge mit womöglich
symbolischen Randverzierungen, die sich vielleicht gar auf Beruf
oder Charaktereigentümlichkeiten des Besitzers beziehen, ungemein
lächerlich wirken. Glücklicherweise sind derartige Geschmacklosigkeiten
kaum mehr anzutreffen, nur mit der „Krone“ wird noch häufig genug
Unfug getrieben. Seitdem gerade in allerletzter Zeit in Schulen und
Fortbildungsschulen dem Wäschezeichnen sehr viel Aufmerksamkeit
entgegengebracht wird, und auch das Kunstgewerbe sich damit
beschäftigt, hat sich das allgemeine Interesse für zweckmäßige, hübsche
Monogramme und Buchstaben in den gebildeten Bürgerkreisen wesentlich
gehoben. Von den Buchstaben, die ich euch zeige, eignen sich einige
auch recht gut für Briefpapier und Karten, ihr könnt sie auch als
Exlibris und zum Signieren für Noten verwenden.


7. Häkeleien verschiedener Art

Die +Häkeltechnik+ ist in den letzten Jahren wieder modern geworden;
man hat die hübschen alten Muster hervorgeholt, um sie, ziemlich
unverändert, vielfach zu verwenden. Wenn auch die riesigen gehäkelten
+Bettdecken+, die +Läufer+ und +Sofaschoner+ schon lange nicht
mehr gearbeitet werden, so gibt es doch eine ganze Menge Nutz- und
Zierhandarbeiten, die für Häkeltechnik gedacht sind. Die grobe,
dickfadige Technik ist indessen verdrängt worden, man verwendet
lieber feineres Garn, um Einsätze und Spitzen für +Kaffeedecken+,
+Tafeltücher+, +Kissenbezüge+, +Hemdpassen+, +Mitteldecken+ zu
arbeiten, die Muster wirken leichter und gefälliger, ohne, wenn sie
richtig angeordnet sind, an Geschmack einzubüßen.

[Illustration: Abb. 21. Gehäkelter Stern.]

[Illustration: Abb. 22. Gehäkelter Stern.]

[Illustration: Abb. 23. Gehäkelte Spitze mit Spitzensticharbeit.]

+Wäschestücke+ werden wieder vielfach mit Häkelspitze verziert, man
schätzt sie, weil sie haltbar ist, das häufige Waschen gut übersteht
und hübsch aussieht; es gibt ja außerordentlich viele Muster, und
mit einigem Geschick ist es leicht, die geeigneten Vorlagen für die
einzelnen Gegenstände auszuwählen. Es ist nicht dasselbe, ob ein
+Taschentuch+ oder eine +Frisierjacke+ mit Häkelspitze verziert werden
soll, die Anwendung der Muster, die Aufmachung entscheidet darüber, ob
die fertige Arbeit ansehnlich und modern oder veraltet und unkleidsam
-- dies gilt besonders für Wäsche -- wirkt. Gehäkelte +Beutel+ sind
nicht zu empfehlen, aber gehäkelte +Kindertäschchen+ können reizend
aussehen. Man häkelt auch vielfach +Kinderjäckchen+ und +Kleidchen+,
+Mützchen+ und +Häubchen+ in farbiger Wolle. Wenn Erwachsene oder
größere Mädchen bunte Wollsachen tragen wollen, müssen Muster und
Farben sehr sorgfältig ausgewählt werden, damit die Sache nicht in eine
Maskerade ausartet. Für Sportzwecke benutzt man gern gehäkelte +Mützen+
und +Schale+, sie können sehr flott wirken, man häkelt auch +Schuhchen+
für +Babys+ und +Bettschuhe+ für +Großmamas+; solche Arbeiten sind
unverwüstlich, wenn nicht gerade die Motten in die Wolle kommen.

Auf unseren Bildern (Abb. 21 bis 30) bringen wir eine Anzahl Vorlagen,
die sich für die verschiedensten Häkelarbeiten verwenden lassen.

[Illustration: Abb. 24. Gehäkeltes Kindertäschchen.]

[Illustration: Abb. 25. Zählmuster zum Kindertäschchen.]

Da sind zunächst einige +Sterne+ (Abb. 21 u. 22), die vielfach benutzt
werden können. In feinem Material ausgeführt, eignen sie sich recht gut
für +Taschentuchecken+, für +Untertaillen+, etwas stärker hergestellt
kommen sie, wie das +Quadrat+, für +Kissenbezüge+ in Betracht. Wenn
man eine Anzahl farbiger Wollsterne miteinander verbindet, erzielt man
eine originelle +Fläche+, die man für +Schlummerrollen+ -- wieder sehr
modern! -- +Puffs+, +Kissen+, +Kaffeekannenwärmer+, +Kindermützchen+
verwenden kann.

[Illustration: Abb. 26. Gehäkelte Badeteppiche.]

Das nächste Bild (Abb. 23) zeigt eine hübsche +Spitze+, die
für +Vorhänge+ und +Decken+ recht gut paßt; will man sie für
+Leibwäsche+ benutzen, so muß man feines Material verarbeiten. Für
+Gartentischdecken+ kann man sie in zwei Farben herstellen, falls
dunkelblaues Fischerleinen oder graues starkes Leinen als Grundstoff
verwendet wird. Zu blauem Stoff sieht ein grasgrüner Stern mit
bronzebrauner Spitze oder ein orangegelber Stern mit grasgrüner Spitze
sehr gut aus. Ist der Stoff grau, so wählt man Kornblumenblau und
Giftgrün oder Kornblumenblau und Kirschrot.

Auf der Abb. 24 sehen wir ein reizendes +Kindertäschchen+, zu dem wir
auch das Zählmuster (Abb. 25) bringen. Diese unterhaltende Arbeit
erinnert an die farbenfröhlichen Biedermeiertäschchen und -mappen,
von denen noch manches Stück in den einzelnen Familien zur Erinnerung
aufbewahrt wird.

Abb. 26 stellt zwei +Badeteppiche+ dar, einfache, bescheidene Muster,
die „wenig hermachen“, indessen sind solche Arbeiten wertvoller als
manches bunte, unnütze Zeug. Gerade in unserer Zeit muß man auf
praktische Werte bedacht sein, und ein +Badeteppich+ ist auf alle Fälle
ein brauchbarer Gegenstand.

[Illustration: Abb. 27. Gehäkeltes Kinderkleidchen.]

Das nächste Bild (Abb. 27) zeigt ein +wollenes Kinderkleid+, es ist
sehr praktisch in Schnitt und Farben und hat den Vorzug, nicht so
schnell unmodern zu werden. Außerdem kann es nach Belieben vergrößert
werden, wenn es „ausgewachsen“ sein sollte. Zum Unterschied von manchen
andern Wollkleidern wirkt es durchaus nicht plump, auch nicht bäurisch;
es ist sehr geschickt gemacht, und wenn es sorgfältig nachgearbeitet
wird, muß es unbedingt kleidsam wirken.

[Illustration: Abb. 28 Aus Wolle gehäkelter Blumenzweig.]

In der Vorlage (Abb. 27) bildet grüne und weiße Wolle das Material.
Das Leibchen in Kimonoform arbeitet man am besten nach einem Schnitt.
Man fängt es am vordern Ende an in hin- und hergehenden grünen
Stäbchenreihen, wobei man stets das hintere Glied erfaßt. Zu den Ärmeln
schlägt man entsprechend Luftmaschen an; nach zwei Reihen durch die
ganze Breite beginnt man den Schlitz und häkelt bloß halbseitig bis
zur Achsel. Dann wird die zweite Hälfte des Vorderteils ebensoweit
gearbeitet. Für den Rücken geht es in voller Breite weiter; er wird wie
das Vorderteil beendet. Wenn die Seitennähte verbunden sind, wird der
Rock an das Leibchen in flachen Bogenformen angehäkelt. Die erste Reihe
ist aus dreifachen grünen Stäbchenreihen gebildet. Vierzehn solcher
Stäbchen werden auf drei Maschen des Leibchenrandes verteilt, dann
fünf Maschen des Randes übergangen, und in die nächsten drei Maschen
wird wieder eine Stäbchengruppe ausgeführt. Bei dieser Reihe sind die
beiden Glieder der Maschen erfaßt. Die nächste Reihe sind einfache
grüne Stäbchen in die der vorigen Reihe. Dann folgt eine Reihe weißer
Doppelstäbchen, danach zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen. Diese
weißen Doppelstäbchen und die zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen
wechseln wir neunmal; Grün bildet den Abschluß. Der Kragen und die
Ärmelaufschläge sind in weißen Stäbchen gehäkelt, der Schlitz wird mit
weißen Pikots umrandet.

[Illustration: Abb. 29. Große gehäkelte Wollblume.]

Zum Schluß machen wir auf die hübschen +Wollblumen+ (Abb. 28 bis
30) aufmerksam, die, wie das Kindertäschchen, den Vorlagen aus dem
Verlag Otto Beyer, Leipzig, entnommen sind. Das „+Gänseblümchen+“
und die große „+Rundblüte+“ passen zum Schmuck von +Kinderkleidern+
und +Hüten+, man kann einige dieser Muster in verschiedenen Farben
anfertigen und daraus ein +Sträußchen+ herstellen, um es in dieser Art
zu verwenden. Auch zur Verzierung von +Nähkörben+ und +Kannenwärmern+
eignen sich diese Blumen, ganz besonders der +Blütenzweig+ auf dem
ersten Bilde.

[Illustration: Abb. 30. Aus Wolle gehäkelte Gänseblume.]


8. Künstlerische Blumen

In früheren Jahren gab es eine Mode der „künstlichen“ Blumen als
Zimmerschmuck. Das war damals, als Hellebarden und Stoßdegen sich an
der Wand des Speisezimmers kreuzten, als die Büfetts wie hochragende
Ritterburgen gebaut wurden, und das Makartbukett gemeinsam mit andern
Staubfängern als eine nicht zu umgehende Wohnungsdekoration etwas galt.
Diese Blumen mußten naturgetreu wirken, man stellte sie aus Woll- und
Seidenfäden her, brauchte viel Silberfiligran und dünnen Silberdraht
dazu und gab ihnen einen Kelch aus Gummimasse; Stengel und Staubgefäße
wurden aus Federkielen angefertigt. Das waren schöne Kunstwerke! Heute
ist die +frische+ Blume in Mode, und wenn man für den gedeckten Tisch
-- gleichzeitig als Damenspende -- künstliche Blumen verwendet, so
sollen sie künstlerisch wirken und in keiner Weise „wie echt“ aussehen.
Im Gegenteil, es wird alles vermieden, was irgendwie naturgetreu wirken
könnte, jede Form wird so lange vereinfacht, jede Linie so stark
stilisiert, bis ein mehr oder weniger farbenfröhliches Phantasiegebilde
entsteht, das sich recht gut als Ansteckblüte verwenden läßt und
ausnahmsweise gelegentlich ein paar Vasenblumen ersetzen kann. Sie
wirken sehr frisch und lebendig, wenn sie an dem Muff, am Pelzkragen,
am Mantel oder am Jackett befestigt werden, als Hutschmuck werden sie
statt einer andern Garnitur gern getragen, auch für Gesellschafts-
und Ballkleider kommen künstlerische Blumen in Betracht, doch muß
hier der Geschmack sehr sorgfältig wählen, denn nicht jede Blume
paßt für jede Gelegenheit. Für Waschkleider und Blusen sind sie zum
Beispiel kein geeigneter Ausputz und für sportliche Anzüge sind sie
ebenfalls nicht unbedingt zu empfehlen. Wir zeigen auf unseren Bildern
eine Anzahl künstlerische Blumen, von +Luise Wolbrandt+ entworfen
und ausgeführt. Die Wollblüten können recht gut zur Verzierung von
Kindersachen verwendet werden. Für gehäkelte, gestrickte oder gewebte
Sporthüte und Mützen sind sie nicht zu brauchen, denn es wäre gegen
den guten Geschmack, verschiedene Handarbeitstechniken miteinander zu
verbinden, darum kann man sie auch nicht für handgeflochtene Basthüte
benutzen. Dagegen wirken sie sehr hübsch als Schmuck für +Pelzhütchen+
und +Pelzmützen+, für einfarbige +Seidenhüte+, besonders wenn es sich
um Glockenformen handelt und wenn die Farbenzusammenstellung recht
sorgfältig ausgewählt worden ist. Wollblumen dieser Art sollte man
auch für +Tee-+ und +Kaffeekannenwärmer+ verwenden, sie passen für
+Kuchenschützer+ und sehen sehr lustig aus, wenn sie am Bügel eines
+Nähkörbchens+ angebracht sind. Nur muß man sich hüten, die Blumenmode
zu übertreiben; es sieht nicht gut aus, wenn in jedem Zimmer an irgend
einer Stelle mehr oder weniger farbige Blumen aus Seide, Wolle oder
einem andern Material ausgestellt sind. Das würde ganz bestimmt zum
Dilettantismus führen. Es muß auch sehr klug überlegt werden, für
welche Zwecke sich die einzelnen Blüten in den einzelnen Techniken
am besten eignen. Unser erstes Bild (Abb. 31) zeigt stilisierte
„+Rosenknospen+“, die als Schmuck für +Gesellschaftskleider+ und
Hüte gedacht sind; „+Glockenblumen+“ (Abb. 32) eignen sich für
+Kinderkleidung+, +Vasenschmuck+, +Tischdekoration+, +Kannenwärmer+,
+Körbe+. „+Seidenblüten+“ (Abb. 33) sind wie die schon erwähnten
„Rosenknospen“ zu verwerten. „+Wollblumen+“ (Abb. 34) passen für
+Hüte+, +Mützen+, +Kinderkleidung+, zum +Anstecken+, ähnlich wie
„Glockenblumen.“ Die +tütenförmigen Blüten+ auf Abb. 35 sind in der
Art der Rosenknospen zu benutzen, sie passen auch in hohe, schlanke
+Glaskelche+, wenn eine elegante +Tischdekoration+ vorgesehen ist,
kommen aber für Hüte nicht in Betracht, die +Sternblume+ ist die
echte, rechte +Ansteckblume+, sie wird stets fein wirken, ganz gleich,
ob sie für +Muffen+, +Kleider+, +Mäntel+, +Hüte+, +Pelzkragen+ oder
+Mützen+ verwendet wird. Dasselbe gilt von dem buntfarbigen +Sträußchen
aus Wollblümchen+ auf Abb. 36, das auch für +Kindersachen+ sehr zu
empfehlen ist. Die beiden letzten Modelle sind besonders für junge
Mädchen geeignet, sie schmücken ohne allzu elegant zu wirken und fallen
auch nicht peinlich auf, was bei weniger geschmackvoll geformten
Blumen, deren Farben womöglich ungeschickt zusammengestellt sind, sehr
leicht geschehen kann.

[Illustration: Abb. 31. Rosenknospen.]

[Illustration: Abb. 32. Glockenblüten.]

[Illustration: Abb. 33. Seidenblüten.]

Die Technik soll recht ausführlich beschrieben werden, sie wird
sicherlich zu Versuchen Anregung geben. Wenn auch unsre Modelle,
die von Künstlerhand stammen, nicht erreicht werden können, dürften
anderseits erfreuliche Erfolge nicht ausbleiben. Auf alle Fälle muß
gesagt werden, daß die Rosenknospen durchaus nicht rot oder rosa
gehalten sind, es sind Phantasieblumen, die genau so gut in Rehbraun
wie in Grau oder Violett ausgeführt werden können, vorausgesetzt, daß
der Schein der Seide, es kann auch Atlas oder Taft sein, recht weich
ist. Die Wollblumen können in ungebrochenen Tönen hergestellt werden,
doch sollen sie nicht bäurisch wirken.

[Illustration: Abb. 34. Wollblumen.]

Bei den Rosenknospen (Abb. 31) fällt uns sogleich die Form der
Blütenblätter auf, die nicht rund wie natürliche Rosenblätter
sind, sondern ähnlich wie die Form der Knospen erscheinen, die,
langgestreckt, durch die Umschließung der Staubfäden unten breiter,
oben schmäler aussehen. Nach dieser Form biegt man den Blumendraht
und umspannt ihn doppelt derart mit dem Stoff, daß sich alle Falten
soviel wie möglich schräg ziehen und die Stoffenden beim Umwickeln
nicht zu dick auftragen. Die Form wird gebogen, nach unten gerundet
und die Drahteinlage am Rand dann mit feinen, gleichmäßigen Stichen
übernäht, damit sie nicht aus der Lage kommt. Kürzer und gerundeter
sind die Blätter, die vom Mittelteil abstehen. Eigenartig ist auch
die Befestigung der Stiele, zu denen etwas stärkerer Draht genommen
werden kann. Man befestigt an einem Drahtende einen langen Faden
Filoselleseide und umwickelt damit den Draht ein Stück, worauf man
eine oder mehrere Perlen aufschiebt. Durch diese leitet man zuerst die
Seide, schiebt die Perle an und umwickelt dann weiter den Stiel, bis
die Blumenblätter ringsum angebunden werden. Auch nach der Herstellung
der Knospe, bei welcher der Stiel durch die Mitte geht, wickelt man
weiter und befestigt dabei die kleinen grünen Blättchen.

[Illustration: Abb. 35. Tütenförmige Blüten und Sternblume.]

Das Sträußchen mit den sechsteiligen Blüten (Abb. 36) ist etwas anders
ausgeführt. Man überspannt hier auch die einzelnen Blättchen mit weißem
Seidenstoff, den man an einer Längsseite gegenseitig einschlägt und mit
der Drahteinlage übernäht. Dann wird mit Filoflosseseide Hexenstich
auf beiden Seiten über die Blättchen gestickt. Den Mittelpunkt
bildet man mit einer Perle, die an den Draht geschoben und durch das
umgebogene Ende festgehalten wird. Die sechs Blättchen werden mit Seide
angebunden, dann umwickelt man den Stiel und befestigt an ihm ein oder
mehrere Blättchen, die das Laub darstellen. Knospen kann man hier durch
einige in die Höhe strebende Blättchen darstellen. Man verfertigt diese
Blumen meist nur in der hier dargestellten Größe, selten ein wenig
größer.

Wieder eine andre Art der Ausführung zeigt die Blütengruppe (Abb.
33), die in zwei Farben gestickt ist. Jedes der drei Blütenblätter
wird einzeln hergestellt. Man biegt dabei die Grundform aus Draht und
überspannt sie mit hellem Seidenstoff; dann übernäht man den Draht mit
feiner schwarzer Seide am Außenrand, daß er wie mit einem Schnürchen
besetzt erscheint. Mit veilchenblauer, sehr dunkler Filoflosseseide
stickt man zuerst den äußeren Umriß mit losen, breiten Stichen, dann in
diese Stiche unten eingreifend eine Reihe Stiche von hellerer Farbe.
Die Abbildung zeigt, daß drei fast gleiche spitze Blätter und drei
kleinere helle Blättchen die Innenseite der Blüte bilden. Nachdem man
auch diese drei kleinen Blättchen mit Seidenstoff überspannt und gelb
übernäht hat, kann man die Blüte zusammenbinden. Zuerst befestigt man
eine Perle an dem Draht und bindet nun die kleinen Blätter, dann die
Blütenblätter flach übereinanderliegend an. Die Abbildung zeigt auch
noch einige Knospen mit je zwei gestickten Blättern.

[Illustration: Abb. 36. Sträußchen aus sechsteiligen Blüten.]

Ohne Stoffunterlage kann man die glockenförmige Blüte (Abb. 32)
herstellen, indem man vier Drahtenden an den Stiel bindet und von unten
anfängt, mit Seide über den Draht zu flechten, die Seide einmal von
außen nach innen und wieder nach außen um den Draht wickelnd. Dabei
ist die nach oben sich erweiternde Form zu bilden. Am oberen Rand
legt man ein Drahtende glatt ringsum und nochmals in Bogen am äußeren
Rand. Über beide Drähte schürzt man den dreiteiligen Rand mit dichten
Stichen. Unten am Stiel einer der beiden Blumen ist eine Schnecke aus
grünüberwickeltem und schwarzübernähtem Draht und eine Spirale, die
aus überwickeltem und über eine Stricknadel gebogenem Draht besteht,
angebracht.

Die wirkungsvollste der abgebildeten Blumen ist das weiße tütenförmige
Modell (Abb. 35). Es erfordert die meiste Geschicklichkeit und sehr
sorgsame Arbeit. Die Herstellung geschieht in ähnlicher Weise wie bei
den Rosen; nur sind hier größere und schmalere Formen zu bilden und zu
übernähen. Die kleine Sternblume zeigt die gleiche Herstellungsart.


9. Teepuppen

Die +Teepuppe+ ist ein Kriegskind. Als der Spiritus knapp wurde, als
der „Rechaud“, der Wärmespender aus Nickel, Messing oder Silber vom
Teetisch verbannt werden mußte, als die verschiedenen Streike das
Kochen erschwerten und das Warmhalten der Speisen zeitweilig unmöglich
machten, damals tauchte die +Teepuppe+ auf, die +Teepuppe+ in ihren
vielfachen Verkleidungen. Ihr, liebe Leserinnen, saht, wenn ihr euch
dieser schweren Zeit erinnert, vielleicht nur die zierliche Puppe,
diesen amüsanten Tafelschmuck, aber ihr damaliges Auftreten hatte
wirklich eine ernste Veranlassung. Sie ist heute demnach überflüssig
geworden, und ihre Art wäre schon längst ausgestorben, wenn sie sich
in den verschiedenen Häuslichkeiten nicht so fest eingebürgert hätte,
nicht nur, weil sie so reizvoll, sondern weil sie praktisch ist. Eine
geschmackvolle +Teepuppe+ ist noch immer ein gerngesehenes Geschenk,
ein freundlicher Schmuck für die Anrichte, für den Teewagen, und ich
kann mir vorstellen, daß euch das Anziehen solcher +Teepuppe+ sehr viel
Spaß macht, mindestens so viel Spaß, als wenn ihr als kleine Mamas eure
Puppenkinder angezogen habt, nur, daß die Sache diesmal doch etwas
schwieriger ist.

[Illustration: Abb. 37. Jettchen Gebert.

Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger.]

Die +Teepuppe+ kommt als Rokokomarquise mit schneeweiß gepuderter
Perücke, als Biedermeiermadame im bauschigen Reifrock, als Japanerin in
farbigen, weiten Phantasiegewändern vor, sie steigt aus alten Stichen
heraus und nimmt den Namen berühmter Frauen an, wir kennen sie als
Lady Hamilton, als „Dame mit dem Muff“ von Madame Lebrun, als Tänzerin
Barbarina, als Marie Antoinette. Dann wieder heißt sie Prinzeß
Lamballe oder ganz schlicht bürgerlich „das Schokoladenmädchen“. Aber
welche Rolle die Teepuppe auch spielen mag, der breite faltige Rock
darf bei ihr nicht fehlen. Darum stammt die gut gearbeitete +Teepuppe+
stets aus Epochen, in denen die Frau weite Gewänder trug -- die Tracht
der Königin Luise, der Josephine Beauharnais, und gar ein modernes
„Komplet“ würden ihr nicht günstig sein, denn der Rock ist es doch, der
die Teekanne warm halten soll, sonst hat die reizendste Teepuppe ihren
Zweck verfehlt. Bei ihr kommt es nicht nur auf eine geschmackvolle
Kleidung, sondern ebensosehr auf eine praktische Montierung an. Mit
einigem Geschick, mit einer ausgeprägten Nadelfertigkeit kann wohl jede
von euch eine +Teepuppe+ anfertigen, umso eher, als alle Zutaten in den
einschlägigen Geschäften erhältlich sind.

Außer dem Oberkörper, den Armen und dem Gestell kommen bei dieser
Arbeit hauptsächlich nur Stoff-, Band- und Spitzenreste in Betracht,
diese Reste dürften in jedem Haushalt vorhanden sein. Den Kopf und
die Arme kann man meist bei denselben Firmen kaufen, bei denen das
Drahtgestell zu haben ist. Das Montieren und Ankleiden ist nicht sehr
schwierig, es gehören nur außer einem gebildeten Geschmack -- ihr müßt
euch da recht gut beraten lassen -- noch ein paar ungestörte Stunden
dazu.

Zuerst wird das Drahtgestell mit schmalen weißen Bändchen umwickelt,
dann näht man das Futter, beliebigen weißen Stoff, darüber, und zwar
in der Art, daß man, vorn beginnend, unter dichtem Anstecken, nach
der Rückseite zu das Gewebe straff über das Gestell spannt und durch
Abnäher die Glockenform erzielt. Die beiden Stoffteile werden durch
eine saubere Saumnaht miteinander verbunden, so daß eine geschlossene
Glocke entsteht. Der obere und der untere Rand wird fein gesäumt;
damit die Hülle nicht Falten wirft oder gleitet, befestigt man sie
mit leichten, aber festen Stichen an jeder Stabkreuzung des Gestells.
Nun wird aus Watte die wärmende Einlage hergestellt. Man verwendet
dazu einen Streifen Watte, der genau so breit und hoch wie das
Drahtgestell sein muß. Die Watte muß gerade geschnitten sein und wird
zur Rundung geschlossen. Man näht die Längskanten der Watte vorsichtig
zusammen und stülpt sie zunächst, um die Glockenform zu erhalten,
über das Gestell; jetzt werden an der Vorder- und an der Rückseite
zwei Abnäher ausgeführt, der überstehende Stoff wird fortgeschnitten,
die Schnittkanten verbindet man durch Kreuznähte. Nachdem auf diese
Weise die Form genau passend hergerichtet ist, wird die Watte in
die Innenseite des Gestells gesteckt und mit einigen festen Stichen
am Futterstoff angenäht. Sie wird innen mit leichtem Batistfutter
versehen, das ebenfalls röhrenförmig, genau wie die Wattierung, genäht
wird. Damit unter dem Kleid ein Unterrock angedeutet ist, wird ein
weißes Röckchen, nach Belieben mit Spitze verziert, auf die Futterform
aufgenäht. Um Stoff zu sparen, bringt man nur eine breite Falbel aus
weißem Mull oder Batist an -- jeder geeignete Stoff kann verwendet
werden --, die Falbel wird mit Fältchen und feinen Spitzen geschmückt
und mit leichten Stichen an einem der unteren Drahtstreifen angenäht.
Nun wird der Porzellanoberkörper der Puppe mit dem Gestell verbunden,
nur ein Puppenkopf mit „selbstgemachter“ Taille würde bestimmt nicht
gut aussehen. Man umwickelt den unteren Teil des Rumpfes mit Band,
näht es zusammen und steckt ihn in den oberen Ring des Gestells, der
für diesen Zweck freigelassen worden ist. Nun beginnt das Ankleiden
der Teepuppe, das sich nach einem bestimmten Modell richten muß. Ob
ihr „Jettchen Gebert“ anzieht oder eine altfranzösische Hofdame, das
ist gleich, ich rate euch, auf alle Fälle gute Bilder, Stahlstiche,
Reproduktionen auf Künstlerkarten zu Rate zu ziehen und immer zu
bedenken, daß die Teepuppe am besten eine graziöse, jugendliche
Persönlichkeit darstellen soll; stellt euch vor, wie hübsch es wäre,
wenn sie sich am Gespräch beteiligen könnte. Man hat auch schon
mit Erfolg versucht, besondere Kaffeekannenwärmer in dieser Art
herzustellen, dafür wählt man lieber behäbige Bürgerfrauentypen, sehr
wirkungsvoll sind Bäuerinnen in ihren echten volkstümlichen Trachten.
Solche Arbeit ist indessen nicht so leicht, weil die geeigneten Köpfe
nicht immer vorrätig sind, während die +Teepuppenköpfe+ und Oberkörper
in den verschiedensten Arten, zu den verschiedensten Trachten passend,
in den einschlägigen Geschäften stets erhältlich oder leicht zu
beschaffen sind.

[Illustration: Abb. 38. Die weiße Rose. (Aus Wiener Atelier „Lili“.)]

Ich zeige euch auf den nebenstehenden Bildern einige ganz besonders
reizende Teepuppen, die vorbildlich genannt werden können; hier seht
ihr graziöse Figuren, stilechte Aufmachung, hübsche „echte“ Gesichter,
alles, was zu einer richtigen Teepuppe gehört.

Das erste Modell (Abb. 37) stellt Jettchen Gebert dar, einen gut
bürgerlichen Biedermeiertyp; seht euch die dickzöpfige Frisur mit dem
Bandschmuck an, das dunkelseidene Kleid mit den vielen Krausen, ich
wette, es ist flaschengrün oder pflaumenblau, es kann aber auch braun
oder veilchenfarben sein, und dann die enge Taille, die noch enger
aussieht mit ihren vielen Nähten, weil der Rock gar so bauschig fällt.
Sehr echt ist der spitze, geblümte Seidenkragen, am Ausschnitt steckt
die übliche Brosche. Die Ärmel sind ziemlich weit, die Unterärmel
bestehen aus weißem Spitzenstoff, den Abschluß dieses Kostüms bildet
der seidene Pompadour mit Perlen und Spitzenverzierung und das
bescheidene Halskettchen. Es können Perlen sein, aber vielleicht ist es
auch aus dünnem Gold oder Silber.

[Illustration: Abb. 39. Karoline. (Wiener Atelier „Lili“.)]

[Illustration: Abb. 40. Rokoko. (Wiener Atelier „Lili“.)]

Das nächste Bild (Abb. 38) zeigt „die weiße Rose“, eine besonders
anmutige Teepuppe in einem stumpf-mattlila Seidenkleid, das durch einen
schimmernden, apfelgrünen Seidenschal ergänzt wird. Der Ausschnitt an
der schmalen Taille wird vorn von einer weißen Rose mit grünen Blättern
geschmückt. Diese Rose wiederholt sich an der Frisur, und schließlich
sehen wir sie wie ein Symbol in der Hand der Schönen.

Die dritte Teepuppe (Abb. 39) stellt ein +junges Mädchen mit
Hängelocken+ dar, sie könnte ein Lied von Schubert singen; ganz zart
und niedlich sieht sie aus in ihrem etwas steifen Seidenrock, der bis
über die Knie mit einem dunklen Spitzenstoff bedeckt ist, der auch die
enge Taille und die Ärmel verziert. Aus den weiten Spitzenärmeln gucken
weiße Tüllärmel hervor; aus diesem Tüll besteht auch die schmale Krause
am Ausschnitt, der in eine Tüllblume verläuft. „Karoline“, so heißt das
junge Fräulein -- damals, als man so aussah, hieß man Karoline --, hat
Blumen im Haar und hält einen schwarzen, feinen Spitzenschal über dem
Arm.

Die +Rokokodame+ der letzten Abbildung (40) trägt ein einfarbiges
weiches Seidenkleid mit Goldspitzengarnitur, am Ausschnitt sind ein
paar Seidenblümchen angebracht, das schneeweiß gepuderte Haar ist
ebenfalls mit solchen farbigen Blumen verziert, die sich als Ranke über
die Lockenperücke hinziehen. Die Lorgnette aus Golddraht ist an einem
dünnen, langen Goldkettchen befestigt, das vom Hals der reizenden Frau
herabhängt.

Die +Teepuppe+ ist eine liebenswürdige Bereicherung unserer gedeckten
Tafel. Sie gibt dem Teetisch das kultivierte Gepräge, sie bringt einen
verfeinerten Ton mit sich, es ist, als ob eine reizende Weltdame
mit eingeladen wäre, und ihr zu Ehren wird der Tisch ganz besonders
sorgfältig gedeckt. Die dünnen Teetassen werden aus dem Schrank geholt,
blitzendes Kristall, schimmerndes Silber, ein paar Blumen, liebevoll
geordnet, all dies ergänzt die geschmackvolle Anordnung; sie darf da
nicht fehlen, wo eine Teepuppe Verwendung findet. Auf den täglichen
Frühstücks- oder Nachmittagskaffeetisch mit seinem Alltagsgeschirr
gehört eine einfache Tee- oder Kaffeemütze, die Teepuppe stellt
Ansprüche.


10. Nadelmärchen

In der Kinderzeit hören wir nichts lieber als die innigen, teils
fröhlichen, teils traurigen deutschen Märchen, die alle irgendwie von
mythologischer Bedeutung sind und mit dem Geistesleben der alten
Germanen eng zusammenhängen. Diese Bedeutung ist längst verloren
gegangen, und in der Gegenwart bemühen sich berühmte Gelehrte, die
Zusammenhänge wiederzufinden. Die letzten Reste einer uralten Kultur
haben sich in die Kindermärchen, in manchen Kinderreim geflüchtet,
und ganz naiv und jugendselig singen jetzt Knaben und Mädchen kleine
Lieder, deren Inhalt so einfach klingt, und die einst von den
germanischen Priestern und den Nornen als Beschwörungsformeln verwendet
wurden und ganze Stämme in ehrfürchtige Schauer versetzt haben.

[Illustration: Abb. 41. Marienkind.]

Die lieben, uns allen vertrauten Märchen mit ihrer Gemütstiefe sind
ebenfalls Überbleibsel einer alten Kultur. Niemand kennt die Dichter,
die sie ersonnen haben; die echten deutschen Märchen haben sich
fortgeerbt von einem Geschlecht auf das andere, und kein Kind, Knabe
oder Mädchen, wird sich ihrem Zauber entziehen können.

Wenn die reifere Jugend aus den Märchenzeiten herausgewachsen ist,
wenn andre Interessen an sie herantreten, die Erinnerung an die selige
Spannung, an die harmlose Lust geht mit ihnen bis ins späteste Alter.
Die Märchen aber bleiben ewig jung. Immer wieder ist versucht worden,
sie in die Kunst zu übertragen. Es gibt Skulpturen, es gibt Malereien,
außer den vielen mehr oder weniger bekannten Buchillustrationen, die
alle das deutsche einfältig-liebe Märchen zum Mittelpunkt haben, und
von Zeit zu Zeit sind sie auch in die bunte Sprache der Stickerei
übersetzt worden.

Als Beispiele zeigen wir drei handgestickte Wandbilder, die Szenen
aus alten deutschen Märchen darstellen. Da sehen wir das betende
+Marienkind+ (Abb. 41) aus der Legende, wie es einen Stern auf der Hand
trägt, und wie aus diesem Stern ein großer Sternenkranz emporsteigt,
der sich um das Mädchen schließt. Ein Heiligenschein strahlt um ihre
Gestalt. Nun ist die arme Waise ein frommer Engel geworden.

[Illustration: Abb. 42. Dornröschen.]

Das andre Bild zeigt +Dornröschen+ schlafend unter dem Rosenstrauch
(Abb. 42). Ein Schmetterling träumt auf ihrer Hand. Alle Zweige und
alle Blüten neigen sich schützend über das verzauberte Prinzeßchen.

Das dritte Bild stellt +Aschenbrödel+ dar (Abb. 43). Es hat das neue
goldene Kleid unter dem Machandelbaum anprobiert. Die Kleine breitet es
mit beiden Händen aus und will nicht glauben, daß es ihr gehören soll.
Aber bald, bald wird es auch der fremde Königsohn bewundern, wenn sie
im schimmernden Gewande, den Blütenkranz im Blondhaar, mit ihm tanzen
wird.

Eine Berliner Künstlerin, Klara Rheinländer, hat die reizenden Bilder
entworfen und handgestickt. Sie arbeitet mit leuchtenden Farben,
das sieht man sogar auf unsern Abbildungen, die alle drei ganz
naturalistisch wirken.

[Illustration: Abb. 43. Aschenbrödel.]

Solche Nadelmärchen-Stickereien sind wohl sehr schwierig, aber es
ist doch recht gut, wenn ihr seht, was auf diesem Gebiet geleistet
werden kann, und diese Bilder geben euch sicher mancherlei Anregung.
Ich würde euch raten, einmal ein paar Einzelheiten aus diesen Bildern
herauszunehmen und sie nachzuarbeiten, einen Stern, eine Ranke, ein
paar Blumen. Wenn ihr damit Erfolg habt, könnt ihr weitere Versuche
machen, die Technik der Nadelmalerei ist euch ja bekannt, und
schließlich denkt euch einmal selbst etwas aus, das sich aufzeichnen
und sticken läßt. Ein paar spielende Schmetterlinge, ein Topf mit einer
blühenden Blume, eine Vase mit farbigen Blüten, ein Vögelchen auf
einem Zweig, und wenn ihr auf dieser Basis weiter arbeitet, kommt ihr
schließlich selbst auf kleine Szenen und Märchen, die ihr dann mit der
Nadel und vielen bunten Seidenfäden lebendig macht.


11. Kissen aus bunten Wollresten

In den letzten Jahren sind starkfarbige Handarbeiten sehr modern
geworden, besonders beliebt sind +Wollarbeiten+ in vielen bunten
Tönen. Allerlei Techniken wurden für dieses Material ausgedacht, eine
der hübschesten ist die Sternwickeltechnik, die sich für +Decken+
und +Kissen+, +Teekannenwärmer+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ am
besten eignet. Die Herstellungsweise ist sehr einfach, und da allerlei
Wollreste verwendet werden können, fast kostenlos.

[Illustration: Abb. 44. Die Anfertigung der Sterne.]

Man braucht dazu einen Stern aus Zelluloid, wie er zum Zwirnaufwickeln
benutzt wird. Findet er sich nicht im Nähtisch, so verwertet man die
Pappsterne, auf die das starke Nähgarn aufgewickelt ist. Man bespannt
solchen Stern mit einem einfarbigen Wollfaden und durchstopft, wenn er
fertig umspannt ist, mit einer Stopfnadel und vier Fäden das Muster,
bis ein Kreuz entsteht. Wir sehen die Herstellungsart auf dem ersten
Bild (Abbildung 44); nach und nach werden so viel Sterne angefertigt,
wie zum Kissen oder einer andern Arbeit notwendig sind. Damit eine
recht bunte Wirkung entsteht, wird jeder Stern andersfarbig gehalten,
doch kann man auch eine bestimmte Reihenfolge dabei verfolgen, so
daß durch die Anordnung der Farben wieder neue Wirkungen entstehen.
So hält man der Reihe nach die Sterne in Feuerrot, Briefkastenblau,
Schwefelgelb, Giftgrün, Karmoisinrot, Orangegelb und versetzt die
Sterne in entsprechender Weise. Weiß, Schwarz, Grau und Braun eignen
sich für diese Zwecke nicht. Am besten wirkt die Arbeit, wenn das
Wollmaterial gleich stark ist; jeder Stern muß einfarbig gehalten
sein. Die fertigen Sterne werden miteinander verbunden, man näht oder
häkelt sie zusammen, nachdem man ausgerechnet hat, wieviel Sterne
für die Arbeit verwendet werden sollen. +Kissen+, +Kannenwärmer+,
+Schlummerrollen+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ müssen abgefüttert
werden, ehe das Sternmuster aufgezogen wird (Abb. 45). Einfarbiger
Satin in Feuerrot, Papierblau, Gift- oder Grasgrün, Schwefel- oder
Apfelsinengelb eignet sich am besten dafür. +Decken+ brauchen nicht
abgefüttert zu werden; dieses Sternmuster eignet sich indessen nur für
kleine Decken, zum Beispiel für Vasenuntersetzer. Für große Decken
kann man das Sternmuster darum nicht empfehlen, weil die einzelnen
Gegenstände leicht darin hängen bleiben können, eine Ausnahme bilden
+Kinderwagendecken+, die entsprechend abgefüttert werden müssen.

[Illustration: Abb. 45. Das fertige Kissen.]


12. Körbchen mit duftenden Rosen

Alle jungen Mädchen schwärmen für Parfüm, für Duftstreuer und ähnliche
angenehme Dinge, die, mit Geschmack und Vorsicht angewendet, sicherlich
keine Gegner haben dürften. Am feinsten wirkt es, wenn man im Kleider-
und Wäscheschrank, in den Kommodenschubladen und in der Hutschachtel
ein paar Duftbeutel verteilt, die möglichst leicht und unauffällig
parfümiert sind, und die den Duft gleichmäßig auf die verschiedenen
Gegenstände übertragen. +Handschuhe+, +Taschentücher+, +Halstücher+,
+Schals+, +Wäsche+, +Bänder+ können in dieser Art parfümiert werden,
wenn man nur den „richtigen“ Ton trifft. Am geschmackvollsten sind
all die Düfte, die uns die Natur bietet; da sind +wilde Kräuter+,
wie +Thymian+ und +Rosmarin+, +Waldmeister+ und +Lavendel+, deren
Geruch zart und angenehm ist und außerdem den Vorzug hat, die Motten
fernzuhalten. Da sind die +jungen Triebe+ der +Nadelhölzer+, die, im
Mai gesammelt, sehr aromatisch duften und lange vorhalten. In alten
Gärten gibt es +Zentifolien+, deren Blüten, am frühen Morgen gepflückt,
schon von unsern Urgroßmüttern als Duftspender im Kleider- und
Wäscheschrank beliebt waren. Sie hatten ein einfaches Verfahren dafür:
In eine festschließende Porzellandose oder in einen „Potpourri“ wurden
die vorsichtig gepflückten Zentifolienblätter gelegt, je eine Lage
Blütenblätter und darauf eine Lage Salz, zum Schluß kam eine Lage Salz.
Wenn diese Mischung fest verschlossen, ungestört, möglichst im Finstern
einige Wochen gestanden hatte, wurde die Dose geöffnet, und ein feiner
Rosenduft erfüllte den Raum. Man sagte, erst wenn die Rosenzeit vorüber
sei, dürfe der Dufttopf geöffnet werden, so lange dauere es, bis der
Duft „fest“ geworden sei. Er hielt sich bis zur nächsten Rosenzeit,
dann wurden wieder junge Zentifolienblüten gepflückt, und die
Duftflasche, der „Potpourri“, gefüllt. Aber auch ohne Salz läßt sich
der Duft der Zentifolie festhalten, nicht so lange, aber wenigstens
für ein paar Wochen, wenn die Blütenblätter im Riechbeutel aufbewahrt
werden.

[Illustration: Abb. 46. Körbchen mit duftenden Rosen.]

+Riechbeutel+ und +Riechkissen+ sind immer beliebt, immer modern; man
stellt sie aus Seidenresten her, verziert sie mit leichten Stickereien,
verschließt die Beutelchen mit schmalen Seidenbändchen. Die Füllung
besteht aus parfümierter, nicht zu feiner Kleie, da sie sonst leicht
durch das Gewebe hindurchdringt. Man legt die Beutel in +Schubladen+
und +Kartons+, zwischen +Briefpapier+, in +Taschentuch-+, +Band-+ und
+Spitzenbehälter+ und hängt die Beutel in den +Schränken+ und +Fächern+
auf.

In den Drogerien gibt es Duftextrakte, die für Riechbeutel bestimmt
sind, unter anderm eine Pflanzenwurzel, die wenig bekannte
+Veilchenwurzel+, die einen feinen Duft hat, der ziemlich lange
vorhält. Diese +Veilchenwurzel+ kann man im Mörser zerstoßen und mit
dem Mehl die Beutel und Kissen füllen.

Eine Neuerung, die indessen eigentlich eine Wiederbelebung einer alten
Mode ist, ist die +Seidenblume+, deren Kelch aus einem Riechbeutelchen
oder Kissen besteht. Solch kleine Handfertigkeit sieht sehr hübsch aus
und ist sehr praktisch.

Noch reizender ist ein „+Körbchen mit duftenden Rosen+“. Das Körbchen
besteht aus einem beliebigen Geflecht, in jedem Haushalt dürfte sich
solch kleines Körbchen finden. Man frischt es auf, wenn es verstaubt
oder verbogen ist, meist kann man es mit einer Bürste und Sodawasser
reinigen, und die Farbe, wenn es nötig ist, mit Spiritusbeize erneuern.

Sehr geeignet sind die zierlichen japanischen Körbchen, auch
Strohkörbchen passen dafür. Wir zeigen auf unsern Bildern ein +Körbchen
mit Duftrosen+ (Abb. 46) und die Rose in ihren Einzelheiten (Abb. 47),
damit sie nachgearbeitet werden kann.

Jede Rose kann einzeln herausgenommen werden, ihre Kelchfülle umgibt
das Duftbeutelchen, es ist der „Halt“ der Blume, auf dem sie liegt. Man
füllt den Beutel in der bereits beschriebenen Weise, doch hüte man sich
vor dem Versuch, jede Rose mit einem andern Duft zu parfümieren. Das
wäre sehr geschmacklos! Die Rosen werden aus Glasbatist hergestellt,
man verwende möglichst zwei Schattierungen, zum Beispiel Rosa hell
und dunkel, Lila hell und dunkel, Gelb hell und dunkel, entweder mit
hellerem Innenteil oder umgekehrt. Das Kelchbeutelchen soll grün sein.
Am hübschesten wirkt das Körbchen, wenn es etwa 15 mal 6 Zentimeter
groß ist und mit vier Rosen gefüllt wird. Für jede Rose braucht man
fünf innere und vier äußere Blütenblätter in je zwei Schattierungen der
gleichen Farbe, also etwa fünf hellrosa und vier dunkelrosa Blättchen;
Altrosa wirkt besonders fein, auch Lachsrosa, wie die altmodischen
Rosen gefärbt sind.

[Illustration: Abb. 47. Einzelansicht einer Rose mit gefülltem
Beutelchen.]

Man schneidet Stoffquadrate von 15 Zentimeter Größe, legt sie zum
Dreieck zusammen und kneift den dadurch entstandenen Rand schmal
um, was auf unsrer Zeichnung (Abb. 49) gezeigt wird. (Muster eines
Rosenblattes.) Nun faltet man das Blättchen, das dadurch aus doppeltem
Stoff besteht, ein und legt nach der unteren Spitze zu seitlich je
zwei bis drei Fältchen ein, faßt diese unter der Spitze gemeinsam mit
dem umgerollten Rande zusammen und näht sie mit ein paar Stichen fest.
Sind genügend Rosenblätter vorhanden, so zieht man für das Innere der
Blüte ein Streifchen Stoff kraus zusammen, legt die Rosenblätter darum,
so daß eines stets zur Hälfte das andre deckt, gibt ihnen durch Druck
und Kniff eine hübsche Form und näht sie mit leichten Stichen zusammen.

[Illustration: Abb. 48. Muster für das zugleich den Blumenkelch
bildende Beutelchen.]

[Illustration: Abb. 49. Muster eines Rosenblattes.]

Zum Duftbeutelchen schneidet man grüne, 20 Zentimeter große Quadrate
und reiht sie wie auf der Abb. 48 mit kleinen Stichen aus grünen
Seidenfäden in der angegebenen Weise ein. Man füllt den auf diese Art
entstandenen Beutel mit beliebigem Duft. Der Faden wird nun, nicht
zu fest, zusammengezogen, dadurch bilden sich außer dem Beutelchen
die vier überstehenden Kelchblätter. In die obere Mitte schiebt man
die Rose, zieht den Faden fest an, wickelt ihn mehrmals herum, und
näht damit gleichzeitig die Rose fest an. Den umgewickelten Faden
bedeckt man, indem man ein schmales, grünes Seidenbändchen darüber
legt. Man füllt das Körbchen mit vier Rosen, gibt ihnen eine Einlage
aus Holzwolle oder Watte und bedeckt diese mit grünem Seidenpapier.
Mit grünem Seidenband wird der Korbhenkel verziert, den Abschluß
bildet eine flotte Schleife. Solch Körbchen ist für den Toilettentisch
bestimmt, man kann auch einzelne Rosen verwenden, indem man sie an die
Kleiderbügel hängt oder einzeln in Schubladen und Schränken verteilt.
Im Jungmädchenzimmer werden solche Duftrosen sicherlich sehr beliebt
sein, aber auch die Erwachsenen werden sich ebenso sehr darüber freuen;
solch Körbchen ist zum Beispiel ein sehr passendes Geschenk „für die
neue Wohnung“, nur dürfen diese feinen Rosen nicht gleich dutzendweise
auftreten.


13. Wollpüppchen

Von Zeit zu Zeit tauchen als eine Art Spielzeug mehr oder weniger
geschmackvolle Wollpüppchen auf. Die große Wollmode der letzten
Jahre brachte Wollpüppchen, die, praktisch verwendbar, einen
Industriezweig bildeten, der sich bisher immer mehr ausbreitete.
Immer neue Formen werden erdacht, um dieses neue Kleinkunstgewerbe
weiter auszugestalten, für viele Frauen bildet es einen Erwerbszweig.
Die Verwendungsmöglichkeit der Wollpüppchen ist sehr vielseitig,
man verziert damit Tisch- und Speisefolgenkarten, man bringt sie
auf Eierwärmern, Flaschenkorken, Nähkissen, Fingerhutbehältern an,
sie ersetzen die üblichen Fliegenbälle und werden an Buchzeichen
angebracht; bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es durchaus
nicht geschmackvoll wirkt, wenn in einem Zimmer zuviel Wollfigürchen
ausgestellt sind.

[Illustration: Abb. 50. Der Werdegang eines Wollpüppchens.]

Die Herstellung ist meist sehr einfach, es gehört indessen viel
Geschmack und Farbensinn dazu, um hübsche Modelle hervorzubringen.

Zu ihrer Anfertigung ist zunächst eine Grundform aus feinem Draht
nötig. Unsre erste Abbildung (Abb. 50) läßt ganz deutlich erkennen, wie
er gespannt und umwickelt werden muß. Für den Kopf legt man mehrfach
rosa Watte um die oberste Drahtschlinge, spannt ein Stückchen weißen
Mull darüber, dreht ihn fest um den Wattebausch und näht ihn sauber
zusammen. Das Überstehende wird weggeschnitten. Die Naht verdeckt man
durch die Haare, die in Zephirwolle mit ungleich langen Plattstichen
ausgeführt werden, wie die Abbildung zeigt. Zöpfe und hohe Frisuren
bestehen aus Luftmaschenketten; für Locken zieht man die Wolle
gleichmäßig durch und läßt immer eine kleine Schleife stehen. Augen,
Nase und Mund werden durch kleine Stiche in feinem schwarzen und roten
Garn angedeutet. Dann wird das ganze übrige Drahtgestell fest mit Wolle
umwickelt, wobei die Schlingen der Arme und Füße einzeln vorzunehmen
sind. Letztere führt man stets in rosa oder fleischfarbener Wolle
aus. Die Körperformen müssen der Natur entsprechen, sie dürfen nicht
gleichmäßig dick oder dünn sein. Zum Hals und Nacken spannt man die
Fäden kreuzweise, dann wickelt man sie fest um den Oberkörper. Die
Bekleidung der Püppchen läßt die größte Freiheit hinsichtlich des
Geschmacks und der Formen zu. Unsre Abbildungen, die dem Heftchen
„Wollblumen und andres“ (Verlag +Otto Beyer+ in Leipzig) entnommen
sind, geben sehr nette Anregungen dazu.

Die auf den +Tischkarten+ unsres zweiten Bildes (Abb. 51) angebrachten
5 bis 6 Zentimeter hohen Figürchen stellen einen blau und weiß
gekleideten +Ruderer+, eine +Kolombine+ in Weiß und Rot, einen
unternehmenden +Wintersportler+ in rotem Gewande und weißem Schal und
endlich eine flotte +Tänzerin+ in orangefarbenem und grünem Kleidchen
dar. Die Püppchen stehen auf einer Ecke der 10: 4,5 Zentimeter großen
Karten. Der Draht des einen Beines wird durch das Papier gezogen, auf
der Rückseite zu einem Ring gebogen und mit einem runden Blättchen
Papier überklebt.

Die in der letzten Abb. 52 auf dem +Eierwärmer+ tanzende Schöne trägt
blonde Locken mit eingesticktem blauen Kränzchen; das Röckchen bilden
2 Zentimeter lange rosa Wollschlingen, das Leibchen und die kurzen
Ärmelchen sind rund gewickelt. Der Eierwärmer wird mit einem Ring aus
zwei bis drei Luftmaschen in rosa Wolle angefangen, in den sechzehn
langgezogene Stäbchen geschlungen werden. Zweite Runde: mit blauer
Wolle abwechselnd eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche.
Dritte Runde: rosa, abwechselnd eine feste Masche in eine feste Masche
der vorigen Runde, eine Luftmasche. Vierte bis dreizehnte Runde: Blau
und Rosa wechselnd, wie die dritte Runde; doch von der sechsten Runde
an werden statt einer Luftmasche zwei Luftmaschen gemacht. Mit der
dreizehnten Runde in Rosa schließt die Form ab.

[Illustration: Abb. 51. Tischkarten mit Wollpüppchen.]

Der +Flaschenkork+ (Abb. 52, rechts) ist mit einer +Japanerin+ geziert,
die 6,5 Zentimeter groß ist. Die hohe schwarze Frisur schmücken zu
beiden Seiten angebrachte Blumen aus bläulich-rosa Wollschlingen.
Das Kleid ist in Kimonoform gehalten. Zuerst häkelt man zum Rock in
blaurosa Wolle einen Ring aus fünfzehn Luftmaschen, dessen Fadenenden
man in der Taille befestigt. Durch die hinteren Glieder der Luftmaschen
spannt man zur Taille und zurück blaue, gut 2,5 Zentimeter lange
Fäden, ebenso für die Ärmel bis zum Ellbogen. Der Ärmelrand, der
Halsausschnitt und der Gürtel, der rückwärts in Schleifen gebunden
ist, sind aus rosa Wolle. Zum Schirmstock wird ein 6,5 Zentimeter
langes doppeltes Stückchen Draht durch die rechte Hand gesteckt, die
Enden werden zum Griff umgebogen und mit schwarzer Wolle umwickelt;
zur Verzierung dient eine schwarze Schleife aus Luftmaschen. Das
Schirmdach wird mit einem kleinen Luftmaschenring in dottergelber Wolle
begonnen. Darein häkelt man siebzehn langgezogene Stäbchen. Die nächste
und zugleich letzte Runde: je eine feste Masche in ein Stäbchen, eine
Luftmasche; dabei häkelt man einen fein umwundenen Draht mit ein
und näht alsdann das Dach am Stockende fest. Das Püppchen wird auf
dem Kork befestigt, indem man den Draht des rechten Fußes durch die
Metallscheibe und den Kork zieht und mit einem Knoten abschließt.

[Illustration: Abb. 52. Eierwärmer und Flaschenkork mit Wollpüppchen.]


14. Die Zupfpuppe

Die Selbstherstellung von Puppen dürfte für jedes junge Mädchen ein
besonderer Anreiz sein, weil mit dieser Kunstfertigkeit andern viel
Vergnügen bereitet werden kann. In jeder Familie gibt es Kinder,
und wer besonders geschickt und erfinderisch in der Anfertigung
hübscher Puppen ist, wird bald in den weiteren Kreisen einen Namen als
Puppenkünstlerin bekommen und in Anspruch genommen werden. Nicht nur zu
Weihnachten und zu Geburtstagen kann man seine Fähigkeiten ausnützen,
es findet sich immer wieder eine Gelegenheit, Kinderheime, Ferienasyle
zu beschenken, dafür sind diese selbst hergestellten Puppen sehr
angebracht, und man wird sie umso lieber anfertigen und annehmen, als
die Herstellungskosten sehr gering sind. Man verwendet eigentlich nur
Abfälle; die Hauptsache ist dabei: ein wenig Zeit übrig haben und mit
Lust und Liebe nachdenken, wie man die Puppe recht praktisch ausführen
kann. --

Es kommt vor allem darauf an, daß sie beweglich ist, daß sie nicht
gleich entzwei geht, daß sie auch mal tüchtig naß werden kann und daß
keinerlei giftige oder gesundheitsschädliche Materialien dazu verwendet
werden dürfen.

[Illustration: Abb. 53. Zupfpuppe.]

Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 53) das Modell einer +Zupfpuppe+,
wie sie sein soll, die sehr leicht nachzuarbeiten ist: +Grobe
Sackleinewand+ wird in die einzelnen Fäden zerzupft; alle Fäden müssen
doppelt so lang sein, wie die Puppe hoch sein soll. Dann macht man
durch Zusammenlegen dieser Fäden einen Strang, er muß so dick wie ein
Bein der Puppe sein. Diese Fäden dreht man ganz fest zusammen und legt
sie auf die Hälfte. Aus dem oberen Teil arbeitet man den +Kopf+, der
mit einem Zwirnfaden abgebunden wird. Man polstert den Kopf mit Watte
aus und bezieht ihn mit einem viereckigen Stück +Hemdentuch+, das
auch die Schultern bedecken soll. Die +Arme+ werden ebenfalls aus je
einem Strang hergestellt. Man legt die Bündel in Schulterhöhe an und
fängt nun an, kreuzweise von der linken Hüfte zur rechten Schulter zu
wickeln, dann umgekehrt die andre Seite, so fest wie möglich, damit
die Puppe nicht nur beweglich, sondern auch haltbar wird. Schließlich
umwickelt man die +Arme+ mit Perlgarn oder Wolle, nicht ganz bis zum
Ende, sondern läßt die inneren Fäden als +Hände+ stehen. Nun bewickelt
man den +Rumpf+ und jedes +Bein+. Soll die Puppe +Füße+ haben, so wird
eine Haarnadel mit eingewickelt, in der Art, daß in jedem Bein eine
Nadel enthalten ist. Das unterste Ende der Nadel biegt man als +Fuß+ um
und umwickelt diesen bis zur Spitze recht sorgfältig, damit der Draht
sich beim häufigen Gebrauch der Puppe nicht frei machen kann. +Schuhe+
und +Strümpfe+ wickelt man mit andersfarbigem Perlgarn oder mit Wolle.
Schließlich malt man das +Gesicht+ mit Wasserfarben an: rosa +Wangen+,
einen roten +Mund+, die +Nase+ wird durch hellbraune Nasenlöcher
angedeutet, die auch weggelassen werden können, blaue +Augen+ können
gepinselt oder durch Perlen ersetzt werden, braune +Augenbrauen+ werden
angemalt. Braune oder schwarze +Haare+ stellt man aus Wollfäden her,
die in den Kopf eingezogen werden. Man kann auch dicke Seiden- oder
Perlgarnfäden verwenden, es gibt verschiedene Farben, vom hellsten
Blond bis zum tiefsten Braun in Wolle, Garn und Seide.

Als +Bekleidung+ kommen +Hemdhöschen+ oder +Kimonokleidchen+ in
Betracht. Unser Modell hat ein niedliches Kleidchen mit farbiger
Stickerei an, sogar ein +Gürtel+ aus Kordonettseide, der an beiden
Seiten in Ösen läuft und seitlich zu einer feschen Schleife verknüpft
ist, ist vorhanden. +Halsausschnitt+ und +Ärmel+ sind mit bunten
Stichen gesäumt. Für die Puppenkleidung kann man indessen jeden
farbigen Waschstoffrest verwenden, der gerade vorhanden ist, wenn er
halbwegs „kindlich“ wirkt. Kleingeblümte, gepunkte, gesternte und
gestreifte oder kleinkarierte, möglichst farbige Stoffe eignen sich
am besten dazu. Unser Modell trägt braune +Wollfädenschuhe+, die
+Strümpfe+ sind aus blauen Fäden gewickelt, je nach Belieben wird ein
passendes Material, Wolle, Garn, Perlgarn, starke Seide verwertet.

Will man eine +Puppe+ für +kleine Kinder+ herstellen, so genügt es,
sie nur bis zur Taille mit buntem Garn oder mit farbiger Wolle zu
umwickeln, um auf diese Weise eine Bluse anzudeuten. Ein krauses
Stoffröckchen wird angenäht, auf dem das Püppchen stehen müßte, da der
untere Teil des Rumpfes an dieser Puppe fehlen würde.

Für größere Kinder, die schon mit Verständnis spielen, ist die
„vollständige“ Puppe, wie wir sie auf unserm Bilde zeigen, indessen
empfehlenswerter, sie hält viel aus, kann hingesetzt werden, Arme und
Beine sind beweglich, und so ersetzt sie eine gekaufte, teure Puppe,
wenn sie in die Hände eines echten, rechten Spielkindes gerät.


15. Lochstickerei

Die Lochstickerei ist wie alle +Weißstickereien+ nur denen zu
empfehlen, welche die Technik wirklich beherrschen. Bei andern Arbeiten
entscheidet nicht zuletzt die Farbigkeit über den Erfolg der Stickerei,
geschickt gewählte Töne täuschen über kleine Stichfehler hinweg. Bei
der +Lochstickerei+, die, wenn sie unbedingt geschmackvoll wirken soll,
eine Weißstickerei sein muß, kommt es vor allem auf die tadellose
Technik an. Jeder holperige Stich ist deutlich zu sehen; was nutzt
der feinste Stoff, wenn der Linienschwung fehlt, wenn der Grund sich
kräuselt. Es ist vorteilhaft, mit kleinen Arbeiten zu beginnen, mit
einfachen Mustern anzufangen.

Die Verwendungsmöglichkeit für +Lochstickerei+ ist ziemlich vielseitig,
am liebsten verwertet man sie für +Leibwäsche+, wo sie sich als
durchaus praktisch erweist. Sie hält häufiges Kochen und Waschen aus,
und eher zerreißt schließlich der Stoff als die Stickerei. Darum zieht
man sie vielfach der Spitze vor, darum behauptet sie sich neben den
neuen und neuesten Techniken. Eine gute Weißstickerei wird nicht so
leicht unmodern; im Haushalt weiß man ihre Vorzüge zu schätzen.

Sie eignet sich besonders zur Verzierung von Bettwäsche,
Überschlaglaken, Kopfkissen; Bezüge werden mit Lochstickerei bestickt,
für Säuglings- und Kinderwäsche, die besonders häufig gewaschen
werden muß, eignet sie sich am besten. Häubchen und Lätzchen, Kleider,
Schuhchen, Unterwäsche verziert man in dieser Art, ebenso die
Leibwäsche von Erwachsenen und Backfischen, solch selbstgestickter
Ausputz ist unverwüstlich.

Man stickt auf Leinen und, wenn es sich zum Beispiel um Zierdeckchen,
Teller-, Klapper-, Brotkorbdeckchen handelt, auf Seide, in diesem Fall
mit Seide; Weiß auf Weiß wirkt am feinsten, für diese Arbeiten kann
man indessen ausnahmsweise schwarze Stickseide verwenden, die durchaus
waschecht sein muß.

Für Garten- und Balkondecken und Kissen benutzt man gegenwärtig am
liebsten wasch- und sonnenechte bunt gemusterte Druckstoffe, wenig
Handarbeiten; hier würden Buntstickereien sehr bald verblassen und von
Wind und Wetter beschädigt werden.

[Illustration: Abb. 54. Einsatzmuster.]

[Illustration: Abb. 55. Abschlußkante.]

Die Lochstickerei dürfte sich vielleicht für diese Zwecke ausnahmsweise
empfehlen, wenn man sie in unbedingt waschechtem Garn auf blauem
Fischerleinen oder auf grauem Leinen ausführt. Diese Stoffe sind
bestimmt waschbar und den Einflüssen der Witterung fast unzugänglich,
das Stickmaterial müßte sehr farbig gehalten werden, um in der Natur zu
wirken. Rot in verschiedenen Tönen, Gras- und Giftgrün, Blau, möglichst
grell und ungebrochen, Schwefelgelb, Apfelsinengelb, das sind geeignete
Farben, während Schwarz, Braun, Bronze, Grau hierfür nicht passen. Die
Technik ist bekannt; das Übertragen der Muster geschieht mit Hilfe von
Blaupaus- oder Graphitpapier, auch Ölpauspapier bewährt sich recht gut.
Weißes oder hellgelbes Ölpauspapier verwendet man für dunkle, rotes
Ölpauspapier benutzt man für helle Stoffe. Sehr eindringlich muß darauf
aufmerksam gemacht werden, daß ein harter, scharf gespitzter Bleistift
zum Durchpausen verwendet werden soll, damit die Umrisse möglichst
scharf und dünn werden, weiche Bleistifte geben verwischte Linien,
für kreisrunde Formen benutzt man Geldstücke, man kann auch mit dem
Zirkel korrigieren, denn ganz tadellos werden die Kugelornamente sonst
bestimmt nicht. Wenn man Klapperdeckchen und ähnliche Arbeiten aus
dünnem, durchsichtigen Stoff besticken will, so genügt es, die Muster
unter den Stoff zu schieben und Muster und Stoff straff zu befestigen,
dann zeichnet man den Entwurf nach, ohne Zuhilfenahme von Pauspapieren,
die leicht abfärben und den Grundstoff unsauber machen. Man pause
recht leicht und schnell, damit das Pauspapier nicht länger als nötig
aufliegt.

Weißstickereien sehen in Verbindung von Klöppelspitzen sehr fein
aus, das gilt unter anderem für Kaffeedecken, Mitteldecken,
Kopfkissenbezüge, Kuchenschützer, Kaffeewärmer. Auch andre Spitzen
kommen in Frage, wenn sie nicht zu dünn und fein sind, man kann
bei dieser Technik auch Seidenbanddurchzug verwenden; besonders
gute Wirkungen werden erzielt, wenn man farbige Seide oder farbigen
Satin unterlegt. Dies betrifft Kissen, Kuchenglocken, Lampenschirme,
Taschentuchbehälter, Schleierordner, deren Muster dadurch stärker
betont werden.

Wir bringen als Vorlagen einen Einsatz und eine Abschlußkante (Abb.
54 und 55). Diese Muster sind leicht nachzuarbeiten und vielfach
verwendbar.


16. Tülldecken

+Tülldecken+ sind schließlich immer beliebt und modern; sie behaupten
sich noch immer, während Filet- und Strickdecken längst wieder unmodern
geworden sind. Die +Tüllarbeiten+ werden darum so gern verwendet, weil
ihre Muster an keinen Stil gebunden sind; die verschiedensten Entwürfe
können dafür benutzt werden, die Arbeit ist sehr angenehm, und die
Wirkung stets vornehm. Tülldurchzugarbeiten gehören zu den feinen
Weißstickereien, bei denen es auf das wirkliche Können ankommt, weil
hier keine bunten Farben über mangelhafte Entwürfe und unordentliche
Stiche hinwegtäuschen können.

[Illustration: Abb. 56. Achteckige Decke in Tüllstickerei.]

[Illustration: Abb. 57. Einzelansicht zur Stickerei der achteckigen
Decke.]

Für die hellen oder dunklen glatt polierten Holzmöbel eignen sich
Tülldecken ganz besonders gut, sie wirken ebenso fein auf Salontischen
wie auf Kommoden, auf Nähtischen wie in Vitrinen; diese Technik
erstreckt sich aber nicht nur auf +Decken+, man kann sie auch für
+Kissen+, +Kuchenschützer+, +Kannenwärmer+, für +Lampenschirme+,
+Sonnenschirme+, +Kleider+, +Schals+, +Taschentuchränder+, +Läufer+,
+Einsätze+ und +Abschlußborten+ verwenden. Je nach der Stärke des
Grundstoffes richtet sich die Stärke des Durchzugfadens, und der
Grundstoff richtet sich wieder nach dem Zweck der Arbeit. Früher waren
die Tüllmuster viel steifer als heute; man kannte meist nur Borten und
Mittelstücke, die moderne Stickerin bringt Landschaften, Tiere, Häuser,
Menschen, Blumen, Obst auf den Tüll, sie vereinfacht die Muster, ohne
ihre Wirkung zu beeinträchtigen.

[Illustration: Abb. 58. Stickerei einer runden Tülldecke.]

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 56 bis 58) einige Vorlagen, die
ganz besonders geschmackvoll sind; sie lassen sich leicht nacharbeiten
und stellen keine allzu großen Anforderungen an die Stickerin. Auch
auf unsern Bildern handelt es sich um flotte, leicht zusammenhängende
Zeichnungen; diese heftet man dem Tüll unter und zieht sie mit feinem
Garn nach. Bei größeren Flächen folgt man entweder mit einfachen
Stichen fünf- bis sechsmal der äußeren Linie, oder man füllt die Figur
mit Gitter- und Zickzackstich vollständig aus. Die achteckige Decke
(Abb. 56) mißt 42 Zentimeter im Durchmesser, doch schneidet man sie 56
Zentimeter im Durchmesser, damit der 6 Zentimeter breite Saum gleich
übergeschlagen werden kann. An jeder Ecke ergibt sich eine kleine
Falte; der Rand des Saumes wird mit Stielstich aufgenäht.

Die im Durchmesser 1 Meter +große runde Decke+ (Abb. 58) ist sehr reich
bestickt. Die verschiedensten Modelle stellen sich uns dar: eine stolz
in die Höhe ragende Burg, eine Mühle, ein Schiff auf wogender See,
ein Schloß auf steilem Bergrücken, ebenso eines im Tale, dazwischen
palmenartige Bäume und wolkenähnliche Gebilde. Das muß alles sehr
leicht eingestickt werden, damit der Tüll sich nicht zusammenzieht.
Ungefähr 10 Zentimeter vom Saume entfernt, der schmal mit der Hand
genäht wird, setzt das Muster ein, das in weißem Twist ausgeführt wird.
Soll die Decke einen runden Tisch zieren, fertigt man sie im gleichen
Durchmesser der Tischplatte an und umgibt sie mit einem 35 Zentimeter
breiten, geraden Tüllstreifen als Volant, was sehr duftig wirkt.


17. Gabelspitzen mit Häkelei

Die +Gabelspitzen+ haben sich in letzter Zeit eine große Beliebtheit
erworben, sie wirken leicht und gefällig, können schnell hergestellt
werden, nehmen in der Arbeitstasche wenig Platz fort und sind, das ist
die Hauptsache, vielseitig in ihrer Verwendbarkeit. +Taschentücher+
mit Gabelspitzenverzierung sind ein praktisches Geschenk, wenn sie
ein wenig elegant hergestellt werden, sie dürften bei Verlobungen und
Hochzeiten, vor allem aber bei Konfirmationen viel Anklang finden. Es
wird soviel Unnützes verschenkt, was viel Geld kostet, warum sollte
man feine +Taschentücher+, noch dazu mit Handarbeit geschmückt, nicht
höher schätzen, besonders wenn ihre Herstellung mit wenig Kosten
verknüpft ist. Auch leichte +Untertaillen+ mit Gabelspitzen sind zu
empfehlen, für die dünnen Sommerblusen sind sie recht brauchbar; ich
denke es mir sehr nett, wenn junge Mädchen sich in dieser praktischen
Weise beschenken, man kann dabei sehr gut einige geeignete Stoffreste
verwenden. +Tellerdeckchen+, +Tablettdeckchen+ lassen sich in
dieser Technik sehr geschmackvoll verzieren, man darf nur nicht
übertreiben und diese Technik für alle möglichen und unmöglichen
Gegenstände verwenden wollen. Das Reizvolle an dieser Technik ist ihre
Vielseitigkeit, die sich auch auf das Material erstreckt. So kann man
mit farbiger Wolle mancherlei Nützliches in +Gabeltechnik+ ausführen,
denn schließlich kommt es sehr darauf an, daß Zeit und Material richtig
angewendet werden. Wir zeigen auf unsern Bildern einige Muster, die man
leicht nacharbeiten kann, und die auch weniger geübten Anfängerinnen
gelingen dürften. Da ist zunächst ein +gehäkeltes Kinderhäubchen+
(Abb. 59). Obwohl etwas abweichend von der üblichen Form, ist dieses
Häubchen doch von besonderem Reiz durch die Zusammenstellung der aus
drei verschiedenen Farben gearbeiteten Gabelbörtchen. Diese sind leicht
anzufertigen mit Hilfe einer Gabel, die man sich aus starkem Draht
selbst biegen kann, falls man keine kaufen will. Für das Börtchen
schlingt man eine Luftmasche, zieht die Häkelnadel heraus und legt die
Wolle um die eine Zinke der Gabel. Dann holt man die Wolle mit der
Nadel, zieht sie durch die Schlinge und häkelt eine feste Masche in
die Luftmasche. Hierauf nimmt man die Nadel wieder heraus, wendet die
Gabel und legt die Wolle um die andre Zinke, zieht sie wieder durch die
Schlinge und macht eine feste Masche in die vorige. So arbeitet man
weiter, bis die gewünschte Länge erreicht ist. Aus leichtem Stoff formt
man dann das Köpfchen und zeichnet gleich die Linien für die Figuren
auf. Diesen folgend, setzt man die Börtchen, von der Mitte ausgehend,
auf; danach faßt man die Schlingen zusammen, je zwei oder mehr, wie
es die Form bedingt; aus der Abbildung ist dies deutlich erkennbar.
In unsrer Vorlage ist hellgrüne, dunkelgraue und vergißmeinnichtblaue
Wolle verwendet. Die ovale Mittelform ist grün, dann kommt das graue
Börtchen, das wieder vom blauen umrandet wird, und zwar so, daß sich
dann wieder Grün einfügt. Dem äußeren Rand folgt eine blaue Borte, der
zum Abschluß graue Schlingen eingehäkelt werden. Zum Zusammenhalten
dient statt Band ein 22 Zentimeter langer, aus vier Reihen fester
Maschen bestehender grauer Streifen, der in der Mitte mit grünen Fäden
durchzogen ist und an einer Seite angeknöpft wird. Zuletzt wird das
eigenartige Häubchen mit blauer Seide abgefüttert.

[Illustration: Abb. 59. Gehäkeltes Kinderhäubchen.]

[Illustration: Abb. 60. Gabelspitze mit Häkelei, einem
Batisttaschentuch angearbeitet.]

Sehr ansprechend wirkt auch das feine +Taschentuch+ (Abb. 60), das
sowohl für ältere Damen als auch für junge Mädchen geeignet ist; es
kann aus einem kleinen Batist- oder Leinenrest hergestellt werden, ist
praktisch und macht wenig Kosten. Die Verzierung besteht aus einem
sauberen Hohlsaum und einer mehr oder weniger breiten Spitze; wir
bringen zwei Muster (Abb. 60 und 61), die dafür in Betracht kommen,
die aber auch anderweit, für Wäsche, Deckchen, Häubchen, Untertaillen,
Kindersachen, verwendet werden können; sie sind ein guter Ersatz für
die gewebten Bändchen und leicht nachzuarbeiten. Zu der abgebildeten,
reizenden Zackenspitze führt man kleine Stückchen Gabelborte mit 14
Schlingen aus. Dann häkelt man wie folgt: Erste Reihe: 1 feste Masche
in die 1. Schlinge der einen Seite, 5 Lftm., 1 f. M. in die nächste
Schlinge und so weiter. Wenden. Zweite Reihe: In jede Lftm. 1 f. M.,
nur in die mittlere zwischen der 7. und 8. f. M. der vorigen Reihe
werden 3 f. M. gehäkelt. Wenden. Dritte Reihe: Auf jede f. M. der
zweiten Reihe wieder 1 f. M., in die Mitte des Zackens 3 f. M. Stets
beide Glieder fassen. Vierte Reihe: 3 Doppelstäbchen, deren obere
Glieder miteinander abgeschlungen werden, in je 1 f. M., 5 Lftm. Unten
läßt man zwischen den äußersten Stäbchengruppen dreimal je 3 f. M.
aus, gegen die Mitte zu stets weniger. Bei der Mitte selbst werden 2
Stäbchengruppen dicht nebeneinander gesetzt. Dann läßt man wieder mehr
aus, entgegengesetzt vom Anfang. Fünfte Reihe: 4 f. M., 1 Pikot, 4 f.
M. in jeden Lftmbogen, in den der Mitte 4 f. M. und 3 Pikot, 4 f. M.
Bei den ersten 2 Pikots werden die Zacken aneinander geschlungen. Nach
dem letzten Lftmbogen 3 f. M. in das letzte der drei zunächstliegenden
Doppelst., 6 f. M. in die äußerste Schlinge, 1 f. M. in die Mitte des
Gab.-B., 7-8 f. M. in die äußerste Schl. der inneren Seite, 1 f. M.,
mit der alle 14 Schl. zusammengefaßt werden, 7-8 f. M. in die nächste
innere Schl., 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 6 f. M. in die äußerste
Schl., 3 f. M. in das letzte Glied der 3 Doppelst. Als letzte Reihe 1
St., 1 Lftm., unten 1 M. liegen lassen.

[Illustration: Abb. 61. Gabelspitze mit Häkelei.]

Als Ausputz an Wäsche eignet sich sehr das abgebildete, aus zwei Reihen
Gabelbörtchen bestehende +Spitzchen+ (Abb. 61). Es ist gar nicht schwer
auszuführen. Man macht zweimal die gewünschte Länge; dann verbindet
man sie, indem man in je 2 Schl. der einen Borte 1. f. M. häkelt,
sodann 2 Lftm. und 1 f. M. in je 2 Schl. der 2. Borte. Den einen
Außenrand begrenzt man folgendermaßen: 1 f. M. in 2 Schl., 5 Lftm.; der
andre Rand für die Spitze ist: Erste Reihe: 2 durch 3 Lftm. getrennte
Stb. in je 2 Schl., dazwischen 5 Lftm. Zweite Reihe: 1 f. M. in den 1.
Lftmbogen, 2 Lftm., 3 durch 3 Lftm. getrennte Stb. zwischen die Stb.
der vorigen Reihe, 2 Lftm.; von da ab wiederholen.

[Illustration: Abb. 62. Gabelspitze mit Häkelei.]

Dasselbe +Spitzchen+, nur mit einem Börtchen, ist zur Verzierung des
Batisttaschentuchs verwendet. Aus der Abb. 62 ist ersichtlich, wie
einerseits der schmale Saum gleichzeitig mit tief eingestochenen f.
M. erfaßt wird, anderseits je nach 3 f. M. des Saums 2 Schlingen mit
angehäkelt werden. Es fällt also der Außenrand der oben beschriebenen
Spitze weg.




II. Kapitel

Malerei


18. Stoffmalerei

In letzter Zeit wird die +Stoffmalerei+ wieder sehr gepflegt; das
bedeutet aber noch lange nicht, daß jeder, der ein wenig mit Pinsel und
Farben umzugehen versteht, sich nun hinsetzt und nach seiner Meinung
wunderschöne Muster auf irgend einen Stoff malt und sich einbildet,
daß diese Stoffmalerei nun auch praktisch verwendet, das heißt
getragen werden soll. Denn die meisten +Stoffmalereien+ gehören in das
Gebiet der Mode. +Schals+, +Halstücher+, +Taschentücher+, +Fächer+,
+Hutbänder+, +Schärpen+, +Blusenbändchen+, +Sonnenschirme+ werden in
dieser Technik verziert, es kommen indessen dafür auch +Vorhänge+,
+Scheiben-+ und +Schrankgardinen+ in Betracht. Die gut beherrschte
Technik läßt eine vielseitige Verwendungsmöglichkeit zu, nur müssen
Stoff, Farben und Muster geschickt miteinander in Einklang gebracht
werden. Sehr beliebt sind bemalte +Lampenschirme+. Die Stoffmalerei muß
unbedingt fach- und sachgemäß beherrscht werden, ehe man von kleineren
Versuchen zu größeren Arbeiten übergeht. Es gehört viel Geschmack und
Erfahrung dazu, um festzustellen, welche Farben, welche Technik sich
für die einzelnen Stoffe eignet, ob das Grundmaterial nicht überhaupt
lieber unbemalt bleiben soll oder aber eine andre Technik dafür in
Betracht kommt.

Es gibt nur wenige praktische Winke, die sich indessen immer wieder
bewähren. Dünne lichtdurchlässige Stoffe, wie Mull, Japonseide,
Tüll, feines Leinen, bemalt man am besten mit +Wasserfarben+,
+Ausziehtuschen+ und +Beizen+. Spiritusbeizen sind dafür ungeeignet,
da sie nach dem Auftrocknen hart und glänzend werden. Bei
+Lampenschirmen+, +Schals+, +Scheibengardinen+, +Sonnenschirmen+ kommt
es darauf an, „durchsichtig“ zu malen, hierzu eignen sich tintenartige
Farben am besten. Deckfarben sind mit Vorsicht zu gebrauchen, da sie
leicht kreidig wirken und wenig Leuchtkraft besitzen, „durchsichtig“
wirken sie keinesfalls.

[Illustration: Abb. 63. Schärpen, Hut- und Blusenbänder in
Stoffmalerei. Entwurf und Ausführung von Annemarie Irmler, Berlin.]

Auf alle Fälle soll man jede Farbenart vor der Verarbeitung auf dem
Stoff, für den die Malerei bestimmt ist, sorgfältig ausprobieren. Es
ist dabei zu beobachten, daß manche Farben vom „Liegen“ einen helleren
oder dunkleren Ton annehmen. Das Muster muß sehr aufmerksam gewählt
werden. Geometrische Figuren verlangen eine sichere Hand und viel
Übung. Wenn auch die Mode gegenwärtig eine gewisse Unregelmäßigkeit der
Formen bevorzugt, so darf sie doch nicht übertrieben werden, außerdem
sieht der Kenner sofort, wo die gewollte oder vielmehr vorgeschriebene
unregelmäßige Linie aufhört und die aus Ungeschicklichkeit entstandene
falsche Linie anfängt.

Am besten gelingen Stoffmalereien auf lichtem Grund, da hier jede
Farbe unverändert bleibt. Das Mischen der Farben muß geübt werden,
man kann durch geschicktes Mischen sehr gute Wirkungen hervorbringen.
Die gemalte Silhouette auf Seide, Karton oder Papier ist gegenwärtig
sehr beliebt, nicht nur in Tiefschwarz, sondern auch in verschiedenen
Farben. Sie eignet sich besonders gut zum Schmuck von +Tischkarten+,
+Exlibris+, +Glückwunschkarten+ und gelingt am besten, wenn man sie in
Ausziehtusche ausführt.

[Illustration: Abb. 64. Bemalte Stoffe. Entwurf und Ausführung von
Annemarie Irmler, Berlin.]

Wenn man durchsichtigen Stoff oder dünnes Papier (Pergament) bemalen
will, legt man das Muster darunter, spannt die zu bemalende Fläche ganz
glatt darüber, befestigt sie mit Reißnägeln und führt die Arbeit recht
sorgfältig aus. Ein Reißbrett ist die beste Unterlage, für die Umrisse
verwende man die dünnen, spitzen Konturenpinsel, das Arbeitsmaterial
muß sachgemäß zusammengestellt werden.

Im allgemeinen soll man die +Stoffmalerei+ recht sparsam anwenden, es
dürfen bestimmt nicht verschiedene Stücke in dieser Technik in +einem+
Zimmer zu sehen sein, das würde langweilig wirken; dasselbe gilt von
stoffgemaltem Modebeiwerk. Wer einen +Fächer+ oder einen +Sonnenschirm+
in dieser Technik trägt, braucht durchaus nicht einen „dazu passenden“
+Schal+ zu benutzen; die Wirkung würde verloren gehen.

Wir zeigen auf unserem ersten Bilde (Abb. 63) eine Anzahl handbemalter
Bänder, entworfen und ausgeführt von +Annemarie Irmler+; sie eignen
sich besonders gut für +Hüte+, je nach Größe und Breite der Muster kann
man sie auch für +Schärpen+ und +Blusenbändchen+ verwenden. Das zweite
Bild (Abb. 64) stellt originelle bemalte Stoffe derselben Künstlerin
dar, sie sind unter anderem für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+,
+Lampenschirme+ gedacht.


19. Malerei auf Ton

Auf kunstgewerblichem Gebiet hat sich neuerdings eine besondere
Vorliebe für Bauernkunst geltend gemacht. Die Bevorzugung
einfacher Formen, satter, ungebrochener Farben erstreckt sich
auch auf die verschiedenen Zweige der Keramik. So finden wir in
vielen Häuslichkeiten, die bisher ausschließlich Sammelplätze für
chinesische Vasen, japanische Schalen, irgendwo ausgegrabene Urnen
oder altvenezianische Gläser waren, heimische Bauerntöpfereien in
den verschiedensten Formen und Farben, die mit Stolz als „alt“ und
„echt“ vorgezeigt werden. Diese bunten, irdenen Gefäße, die früher
im besten Falle in der ländlichen Küche eine mehr als bescheidene
Aschenbrödelrolle spielten, sind urplötzlich „salonfähig“ geworden;
einfache Krüge und Teller, die in der Abgeschiedenheit irgend eines
Bauernhauses ein still verborgenes, häufig schlechtgekittetes Dasein
führten, finden sich im Zimmer einer vornehmen Stadtwohnung wieder.

Unsere farbenfreudigen lieben Leserinnen wollen nun sicherlich wissen,
wie man die +Tonteller+, +Töpfe+ und +Schalen+ selber bemalt, die
sich so sehr gut zum Schmuck ihres Stübchens eignen. Ich habe einige
dieser +Teller+, +Töpfe+ und +Schalen+, auch ein paar Krüge selber
zur Probe nach meinen Entwürfen bemalt, weil ich die Technik ganz
genau kennenlernen wollte, und erzähle nun, wie es gemacht wird.
Vorher möchte ich euch aber warnen, diese Gegenstände der Feuchtigkeit
auszusetzen, denn Ton zieht Wasser, und als Blumenbehälter dürft
ihr sie ganz bestimmt nicht verwenden. Am besten wirken sie als
+Wanddekoration+, auch als Behälter für Nadeln und andre Kleinigkeiten
eignen sie sich recht gut; wenn ihr ein Bordbrett habt, dann sieht es
recht lustig aus, wenn ihr eine Reihe bunter Teller eng nebeneinander
aufbaut. Die großen +Teller+ kann man für Obst verwenden, für Äpfel,
Birnen, Apfelsinen; für feuchtes Obst oder Beeren ist solche Schale
kein passender Aufenthalt, all dies klebt leicht an, und die Tonsachen
können nicht abgewaschen werden, wenn sie mit Temperafarben bemalt
und mit Temperalack überzogen sind. Man könnte sie ja schließlich
auch mit Email- oder Ölfarben wasserfest bemalen, aber die kleinen
Ornamente würden in diesen Techniken nicht so hübsch wirken, Tempera
scheint dafür geeigneter zu sein. Die +Blumentöpfe+ sollen die nicht
sehr geschmackvollen Papierhüllen ersetzen, sie müssen immer ein
wenig größer als die bepflanzten Töpfe sein, damit ein genügender
Zwischenraum für die Luftzufuhr vorhanden ist. Direkt bepflanzt dürfen
die bemalten Töpfe niemals werden, denn der Lack schließt die Luft ab,
und die Pflanze würde ersticken. Auch als Behälter für Bindfaden, Garn
und ähnliches Material kann man diese bemalten +Töpfe+ benutzen; am
besten ist es, wenn sie ziemlich hoch aufgestellt werden, damit man die
bemalten Wände sieht und nicht den Innenraum.

Als Grundmaterial kommen zunächst die bekannten Tonformen in Betracht,
die vor dem Bemalen gründlich mit heißem Sodawasser und einer
Wurzelbürste gereinigt werden müssen; sie dürfen erst dann mit den
Farben in Berührung gelangen, wenn sie vollständig wieder trocken
sind, da im andern Fall auf einen günstigen Erfolg nicht gerechnet
werden kann. Zum Malen benutzt man Aquarelldeckfarben, wie Guasch- oder
Temperafarben; Ölfarben lassen sich in diesem Fall nicht gut anwenden,
da die Motive dafür zu klein sind und leicht klecksig wirken könnten.
Über die Ausführung ist nicht viel zu sagen. Man streicht zunächst
den Grundton auf; erst wenn dieser völlig aufgetrocknet ist, beginnt
man mit dem Aufzeichnen der Ornamente. Kreise werden am besten mit
dem Zirkel übertragen, die übrigen Formen zeichnet man mit Holzkohle
auf, die, wenn die Arbeit fertig ist, wieder ohne jede Schwierigkeit
fortgewischt werden kann. Man spitzt sie recht scharf, um feine
Linien zu erzielen. Die Ornamente werden am besten mit einem kleinen
Borstenpinsel gemalt, nicht zu naß, eher trocken. Dabei achte man
vor allen Dingen darauf, daß die Farben, eine nach der anderen, gut
auftrocknen, da sie sonst leicht ineinanderlaufen; der Ton speichert
nämlich die Feuchtigkeit ziemlich lange auf. Wer nicht daran gewöhnt
ist, mit dem Borstenpinsel zu arbeiten, muß Marderhaarpinsel benutzen,
diese werden aber durch den rauhen Ton ziemlich stark angegriffen.
Stumpfe Pinsel verwendet man zum Grundieren, spitze zum Konturieren.
Die gutgetrockneten, fertigen Arbeiten werden mit Spiritus-,
Braselmann- oder Temperalack schnell und sorgfältig überstrichen. Man
gebraucht dazu einen weichen, kurzen Pinsel, der unter der Einwirkung
des Lackes sehr schnell hart wird. Mit Brennspiritus gewaschen, erhält
er jedoch seine frühere Geschmeidigkeit bald wieder.

[Illustration: Abb. 65. Blumentopf mit Bauernkeramik.]

Wir wollen nun in aller Kürze die Farbenzusammenstellungen der
einzelnen Abbildungen angeben, da die gute gegenseitige Abstimmung die
erste Bedingung zur Erzielung einer geschmackvollen Wirkung ist.

Der erste Topf (Abb. 65) ist tiefkobaltblau angestrichen; die Ovale
sowie der ziemlich breite Rand werden grasgrün gemalt. In den Ovalen
steht eine weiße Blume mit grüner Mitte, schwarzem Stengel und
schwarzen Blättern; sämtliche Punkte werden in Schwefelgelb ausgeführt.

Auf dem nächsten Bild (Abb. 66) sehen wir zwei größere Teller, mit
Ornamenten und Blüten verziert. Der linke ist orangegelb grundiert.
Den äußersten breiten Rand malt man kobaltblau. Das Ornament darin hält
man orangegelb und weiß. Das Mittelstück ist kobaltblau grundiert;
sämtliche Punktmuster werden grasgrün gemalt.

[Illustration: Abb. 66. Teller mit Bauernkeramik.]

Der rechte Teller wird umbrabraun gestrichen. Die Blumen sind
abwechselnd lachsrosa und schwefelgelb, mit orangegelben und grasgrünen
Tupfen. Die Blätter werden grasgrün gemalt. Der äußerste Rand des
Tellers ist tiefkobaltblau grundiert; sämtliche Punktornamente hält man
kobaltblau.

Die folgende Abbildung (Abb. 67) zeigt drei kleine Tonteller, die mit
stilisierten Blüten, sowie mit einfachen Ornamenten verziert sind.
Auf dem ersten Teller sehen wir ein blütengeschmücktes Mittelstück
als hauptsächlichste Verzierung. Der Hintergrund wird schwefelgelb
angestrichen, das Mittelstück tiefschwarz. Das Punktmuster am Rande
wird teils kobaltblau, teils grasgrün gehalten. Die Blumen malt man
lachsrosa mit orangegelber Mitte und umbrabraunen Punktornamenten.
Die Stengel und Blätter sind grasgrün gehalten. Das tiefschwarze
Mittelstück ist von einem Bandornament in Grasgrün und Dunkelkobaltblau
umgeben.

Der zweite Teller ist tiefschwarz grundiert. Die Blüten werden
hellkarminrot mit einem Zusatz von ein wenig Weiß gemalt. Sie haben
einen orangegelben Blütenboden und sind orangegelb getupft. Die Stengel
bestehen aus grasgrünen Punkten, wie auch die Blumen durch einzelne
grasgrüne Punkte voneinander getrennt sind. Auf dem Mittelstück des
Tellers steht ein Kreis aus schwefelgelben Punkten.

Den dritten Teller streicht man kobaltblau an, der breite Rand wird
tiefbraun grundiert. Das Mittelstück wird begrenzt durch ein kleines
Punktornament, abwechselnd in Karminlack, hell- und dunkelgrün. Den
zweiten äußeren Rand bildet ein Punktmuster in Tiefschwarz. Das nächste
Punktornament wird abwechselnd weiß und orange gemalt. Am äußersten
Rand steht ein Tupfenmuster in Grasgrün und Weiß.

Der nächste Topf (Abb. 68) ist schneeweiß grundiert. Die Trauben werden
rotbraun gemalt, die großen, sehr stilisierten Blätter tiefgrün, die
Strich- und Punktornamente kobaltblau.

[Illustration: Abb. 67. Teller mit Bauernkeramik.]

Auf dem letzten, tiefkobaltblau grundierten Blumentopf (Abb. 69) stehen
rotbraune Blumen mit grasgrüner Mitte und grasgrüne Blätterornamente
mit ebensolchen punktierten Stengeln. Das Ornament auf dem oberen Rand
wird in Schwefelgelb ausgeführt.

Im übrigen mache ich darauf aufmerksam, daß die natürlichen Farben
der einzelnen Teller bei der photographischen Aufnahme vielfach ganz
anders gekommen sind, als sie auf unser Auge wirken. Blau erscheint in
der Reproduktion fast hell, während manches leuchtende Gelb tiefdunkel
wird. Auf diese Weise ist es erklärlich, daß unsre Farbenangabe von dem
Aussehen der Bilder mehrfach abzuweichen scheint. Den Besitzerinnen
eines photographischen Apparates sind solche Farbenumkehrungen längst
wohlbekannt.

[Illustration: Abb. 68 u. 69. Blumentöpfe.]

Wir fügen ein Gruppenbild (Abb. 70) hinzu, auf dem sowohl Tonkrüge
und Teller als auch Holzspankörbchen und ein Schlüsselbrett zu sehen
sind. Der erste Krug ist gelb grundiert, die Ornamente sind feuerrot,
schwarz und giftgrün gehalten, der andere Krug ist kobaltblau mit
schwarzen Schlangenlinien, orangegelben, weißen und karminroten Tupfen.
Der große Teller ist feuerrot mit Schwarz, Schwefelgelb, Kobaltblau
hell und Orangegelb. Der erste der kleineren Teller ist in zwei
Farben grundiert, in Grasgrün und Kobaltblau. Die Zierlinien sind
orangegelb, die Tupfen und Kreise schwefelgelb, karmin- und feuerrot.
Der nächste Teller hat schwarze, orangegelbe, schwefelgelbe, karminrote
Muster auf giftgrünem Grund. Der vierte Teller ist kornblumenblau
angestrichen, die Ornamente werden ziegelrot, giftgrün, weiß und
schwefelgelb gemalt. Der letzte Teller in der Reihe ist pfauenblau
gehalten, die Ornamente sind karminrosa, weiß, orangegelb und giftgrün.
-- Das längliche Spankörbchen ist rehbraun grundiert, die Muster
sind schwarz, karminrot und schwefelgelb gemalt. Zum Schluß wird eine
flotte rot- oder grasgrünseidene Schleife am Bügel befestigt. Das runde
Körbchen ist giftgrün mit schwarzen und kobaltblauen Ornamenten. Das
Schlüsselbrett ist mit lila Holz-Spiritusbeize angestrichen, darauf
stehen die stilisierten Blüten und Kränzchen, die Schlangenlinien,
Blätter und Tupfen in Zinnoberrot, Karminrot, Weiß, Grasgrün,
Schwefelgelb, Kobaltblau hell und dunkel und Orangegelb. Zum Schluß
wird ein seidenes, farbiges Band zum Aufhängen mit einem Ziernagel an
beiden Seiten befestigt und ein paar Messinghaken für die Schlüssel
eingeschlagen.

[Illustration: Abb. 70. Bemalte Tonkrüge, Teller, Holzspankörbchen und
Schlüsselbrett. Entwurf von Else Levin.]


20. Holzmalerei


Was ich euch auf diesen Bildern zeige, das ist +Holzmalerei+, eine
Technik, die ihr gewiß alle kennt. Auf dem Lande, in waldreichen
Gegenden, zum Beispiel in Schlesien, in Thüringen, meist im Gebirge,
gehört diese Holzarbeit zu den Heimarbeiten, von denen ganze Familien
im Winter, wenn es keine andre Beschäftigung gibt, leben. Selbst
ganz alte Leute und kleine Kinder, die noch nicht zur Schule gehen,
müssen dabei helfen, und es kommt, da der Absatz im Vergleich zu dem
Angebot sehr klein ist, eine schlecht bezahlte Industrie zustande,
deren Erzeugnisse meist auf Märkten, in Basaren, in Warenhäusern, in
den Verkaufsständen der Badeorte verkauft werden. Die Muster vererben
sich in den einzelnen Ortschaften seit undenklichen Zeiten von den
ältesten Leuten auf die Kinder und Kindeskinder, in manchen Familien
werden bestimmte Farben immer wiederholt; das ist erklärlich, da es
sich meist um Massenartikel handelt, die in größeren Mengen möglichst
schnell an den Aufkäufer geliefert werden müssen. So kommt es
schließlich dahin, daß die +Spanschachteln+ und +Körbe+ -- dies sind
die hauptsächlichsten Erzeugnisse -- nach einer gewissen Schablone
behandelt werden. So werdet ihr bestimmte Muster, Rosen, Tulpen, Vögel,
Herzen und so weiter immer wieder antreffen, vielleicht ein wenig
verändert in Größe und Farbe, aber im Grunde sehr gleich, der Tradition
der einzelnen Bauernkünstler entsprechend. Es gibt, wie überall, auch
hierbei Ausnahmen, aber im allgemeinen ist es so, daß die älteren
Familienmitglieder die Hauptmotive malen, die Jungen und Mädel den Rand
und die einzelnen Kleinigkeiten, Striche und Punkte pinseln und die
fertigen Arbeiten firnissen. Zu den verschiedenen Hilfeleistungen, die
dabei notwendig sind, werden dann die Kleinsten hinzugezogen.

[Illustration: Abb. 71. Eierbecher aus Holz und bemalte Hühnereier.]

In den letzten Jahren hat das Interesse für die praktischen
Holzarbeiten mit ihrer lustigen Bemalung bedeutend zugenommen, man kann
es wohl der gesamten Richtung zuschreiben, die von den Siedlungen, den
Einfamilienhäusern mit dem ländlichen Zuschnitt ausgeht. Die einfachen
Möbel erfordern einen angemessenen Raumschmuck, die farbig gehaltenen
Truhen, die Korbarbeiten und Spansachen eignen sich ganz besonders
dafür. In jedem Haushalt gibt es schließlich einen Platz für die
einzelnen Kleinigkeiten, besonders da sie durchaus praktisch verwendbar
sind. Aus diesem Grunde zeige ich euch einige Modelle (Abb. 71 bis 74),
die ich aus der Erinnerung an früher gesehene Holzmalereien selber
entworfen und ausgeführt habe; sie sind ein wenig „städtisch frisiert“
und durchweg sehr einfach in der Technik. Besonders nützlich erweisen
sich die +Schachteln+ und +Körbe+ in den verschiedenen Größen als
Behälter für Obst, das für Geschenkzwecke hübsch untergebracht werden
soll. Auch selbstgebackene kleine Kuchen, zum Beispiel Zuckerplätzchen,
Pfeffer- und Mürbekuchen, Marzipan und Konfekt sehen, wenn es sich um
geringere Mengen handelt, sehr appetitlich aus, wenn sie zu festlichen
Gelegenheiten in selbstbemalten Spankörben oder -schachteln (Abb.
74) versandt werden. Später, wenn von dem süßen Inhalt nichts mehr
vorhanden ist, treten sie ihren Dienst im Haushalt an. Als +Löffel-+
oder +Schlüsselkörbchen+, als +Knopfschachteln+, als Behälter für
+Näh-+ und +Stopfsachen+ sind sie sehr handlich, das hölzerne +Osterei+
wird ein nützliches +Stopfei+, und schließlich finden sich in jeder
Häuslichkeit Kleinigkeiten, die eine feste Unterkunft brauchen können.
Indessen paßt die lustige Holzmalerei auch für andre Gegenstände,
zum Beispiel für +Kalenderrückwände+, für +Schlüsselbretter+, die
ohne viel Mühe und Kosten aus Zigarrenkistenholz selber hergestellt
werden können. So kann man auch praktische +Bindfadenbehälter+ aus
Holzschachteln anfertigen, und schließlich kommt man selber auf alle
möglichen neuen Gedanken, umso eher, als die Technik sehr anregend ist
und sich sehr schnell erlernen läßt.

In dieses Kapitel gehören auch die einfachen +Schablonen+, die man
selber schneiden kann, um größere Gegenstände, zum Beispiel +Truhen+
und +Kästen+ zu verzieren. Wir kennen sie alle, denn die zünftigen
Maler benutzen sie im allgemeinen zum Ausschmücken der Küchenmöbel,
eine Arbeit, die ihr sicher schon oft beobachtet habt. Was die
+Holzmalerei+ anbelangt, so ist es am besten, mit einfachen Mustern zu
beginnen und nach und nach schwerere Motive zu verwenden, dies gilt
auch für die +Schablonen+.

[Illustration: Abb. 72. Spandose mit Temperamalerei.]

[Illustration: Abb. 73. Untersetzer aus Holz.]

Außer dem Grundmaterial sind zunächst gute Farben nötig. Man verwendet
+Tempera-+ oder +Guaschfarben+, am besten in Tubenform, die sowohl in
großen als auch in kleinen Versuchstuben in den Kunstgewerbehandlungen
und Drogerien erhältlich sind.

Zum Malen benutzt man verschiedene Pinsel. Als +Grundierpinsel+ sind
stumpfe, runde oder flache Borstenpinsel zu empfehlen, deren Größe
und Stärke sich nach dem Umfang des zu streichenden Hintergrundes
richtet. Grundierpinsel sind in den verschiedenen passenden Größen zu
beschaffen und in den einschlägigen Kunstmaterial- und Drogengeschäften
erhältlich. Dasselbe gilt von den Malpinseln; Borstenpinsel sind
für diese Zwecke am geeignetsten. Zum Flächenausmalen benutzt man
spitze Borstenpinsel, zum Schablonieren verwendet man stumpfe, runde
Borstenpinsel, Konturen sind mit spitzen Borstenpinseln zu malen.
Handelt es sich um +kleine+ Gegenstände, für die nicht viel Farbe
nötig ist, so kommen auch +Haarpinsel+ in Betracht, besonders zum
Konturieren. Borstenpinsel werden in ganz feinen Nummern nicht geführt,
dagegen gibt es Haarpinsel mit ganz dünnen Spitzen, sehr dünnhaarig,
mit Nummer 1 beginnend. Ganz besonders feinhaarige Pinsel, zum Beispiel
+Marderhaarpinsel+, die als Aquarellpinsel bekannt sind, eignen sich
zum Malen mit Tempera- oder Guaschfarben nicht. Sie würden durch die
rauhe Farbe sehr strapaziert werden und bald abbrechen; man verzichtet
daher auf dieses Material.

[Illustration: Abb. 74. Holzmalerei: Körbchen.]

+Pauspapier+: Für dunklen Grund verwendet man helles, rotes, gelbes
oder weißes Ölpauspapier, für hellen Hintergrund benutzt man schwarzes
oder rotes Ölpauspapier, auch schwarzes Graphit- und blaues Pauspapier
kommt in Betracht. Für kleine Gegenstände genügt Schreibmaschinenpaus-
oder Durchschlagpapier, das für hellen Grund zu verwerten ist.

+Lack+: Die fertige Arbeit wird mit Spirituslack überzogen, um die
Farben haltbarer zu machen und ihre Leuchtkraft zu erhöhen. Man
verwendet +Temperalack+, der sowohl offen in Drogengeschäften, als
auch geschlossen in Flaschen in den Kunstmaterialienhandlungen und
Drogerien zu kaufen ist. Ölfarbenfirnis ist für diese Zwecke nicht zu
benutzen, dagegen kann man, wenn feiner Spiritus oder ~Spiritus vini~
und Schellack zur Verfügung steht, selber Lack herstellen, der sich
billiger als der gekaufte Lack stellt. Statt des teuren feinen Spiritus
kann auch im Notfall +Brennspiritus+ benutzt werden, wenn er nicht gar
zu schlecht ist. Man füllt eine gut gereinigte, helle Medizinflasche
mit Spiritus, schüttet Schellack hinein, daß ein Fünftel der Flasche
knapp bedeckt ist und läßt sie fest verkorkt stehen, bis sich der
Schellack aufgelöst hat. Dabei ist zu beachten, daß die Flasche nicht
nur peinlich sauber, sondern auch vollständig trocken sein muß, da die
geringste Spur von Wasser den Lack trüben und unbrauchbar machen würde.
Aus diesem Grunde dürfen Lackierpinsel niemals mit Wasser in Berührung
kommen, man kann sie nur mit Spiritus reinigen.

+Schablonen+: Schablonen für einfache Borten sind in den
Drogenhandlungen und Materialgeschäften fertig käuflich. In den
meisten Fällen wird man es vorziehen, selber Schablonen nach eigenen
Entwürfen anzufertigen. Zum Schneiden der Schablonen verwendet man
Schablonen- oder Ölpapier, in einschlägigen Geschäften erhältlich.
Das Schablonenpapier wird in beliebigen Mengen verkauft, auch
zentimeterweise. Zuerst wird das Muster aufgepaust und dann auf einer
Glas- oder Porzellanunterlage mit einem spitzen Messer ausgeschnitten.

+Malnäpfe+ und +Palette+: Malnäpfe aus Porzellan sind in den
verschiedensten Größen in den einschlägigen Geschäften erhältlich
und können durch Eierbecher oder Untertassen ersetzt werden, da
die Tempera- und Guaschfarben sich restlos abwaschen lassen. Das
Wasser, das zum Anrühren der Farben benutzt wird, wird in Gläsern
und Tassen zur Verfügung gehalten, die dafür im Handel befindlichen
Glasbehälter würden die Arbeit unnütz verteuern und kommen für euch
kaum in Betracht. Zum Farbenmischen wird eine Porzellanpalette einer
Blechpalette vorgezogen, da letztere im Gebrauch mit Wasserfarben
leicht rostet und dann eine Behandlung mit Salzsäure durchmachen
muß, um wieder gebrauchsfähig zu werden. Holzpaletten sind dafür
unverwendbar, doch können flache Porzellanteller benutzt werden.

+Mallappen+ aus alten Servietten, Handtüchern und so weiter halte
man in größeren Mengen zur Verfügung; dicke weiche Stoffe sind für
derartige Zwecke am brauchbarsten.

+Die Technik+: Die einfachen Muster sind meist der Pflanzen- und
Tierwelt entnommen und werden in passender Größe auf den zu bemalenden
Gegenstand übertragen. Zunächst wird die Farbe des Hintergrundes
angerührt. Tempera- und Guaschfarben trocknen immer einen Schein
heller auf, was bei der Farbenskizze, die auf Papier stets gemacht
werden sollte, zu berücksichtigen ist. Man rührt die Farben sehr
dickflüssig an, da sie sonst nicht decken und streifig auftrocknen. Es
empfiehlt sich auf alle Fälle, lieber ein wenig mehr Farbe als zu wenig
anzurühren, da selbst sehr geübte Malerinnen den ersten Ton kaum wieder
treffen. Darum sollt ihr nur mit ungebrochenen Tönen arbeiten, dadurch
wird viel Mühe und Farbe gespart, ohne die gute Wirkung der Arbeit zu
beeinträchtigen. Schwarz, Weiß, Ziegel-, Zinnober-, Feuer-, Mohn-,
Karminrot, Kornblumenblau, Kobalt hell und dunkel, Delfterblau, Gras-,
Smaragd-, Giftgrün, Apfelsinen-, Orange-, Schwefel- und Zitronengelb
wird am liebsten für solche Malerei verwendet. Ein kräftiges Violett
wirkt, nicht zu oft benutzt, recht gut, Braun, Grau oder ähnliche
Halbtöne sind am besten zu vermeiden.

Ist der Hintergrund vollständig aufgetrocknet, so wird das Muster
leicht aufgepaust; man paust mit einem spitzen, harten Bleistift über
Pauspapier. Dann malt man, indem die größten Flächen zuerst aufgesetzt
werden und nach und nach die kleineren Ornamente an die Reihe kommen.
So malt man bei einer Blume erst die Blütenblätter, dann den Kelch
und schließlich die Staubfäden. Da die Ornamente fast immer stark
vereinfacht sind, und es sich auch meist um Flächenmalerei handelt,
ist die Technik sehr einfach und sollte daher von euch recht oft
geübt werden. Etwas mühseliger als das Ausmalen ist das Konturieren,
das mit sicherer Hand ausgeführt werden muß, um die gute Wirkung der
Arbeit nicht zu zerstören. Ein „Ausbessern“ mit Farbe ist niemals
empfehlenswert, daher soll man die Arbeit vor Wassertropfen beim
Malen schützen, da Wasserflecke sehr auffallen und von euch kaum zu
beseitigen sein dürften. Man mache einen Versuch, die Fleckenränder mit
einem feuchten, farbenfreien Pinsel zu bestreichen, dadurch erreicht
man ein Verblassen der Flecke.

Ehe die Arbeiten lackiert werden, müssen sie sehr gut trocknen, da
sonst der Lack verdirbt; man mache niemals den Versuch, lackierte
Gegenstände am offenen Feuer zu trocknen, der Lack würde abspringen
und die Malerei mitreißen. In der Sonne kann man derartige Arbeiten
unbedenklich trocknen, auch die lauwarme Herdplatte ist für diese
Zwecke ausnahmsweise zu empfehlen. Man muß die Gegenstände stets
zum Trocknen +aufstellen+, damit sich der Lack nicht stellenweise
verdickt. Beim Lackieren achte man darauf, daß der Lack strichweise,
von oben nach unten, von links nach rechts, ein Streifen in den andern
verlaufend, wie die Farbe beim Grundieren, aufgetragen wird. Nur auf
diese Weise ist eine gleichmäßige, glatte Lackfläche zu erzielen.
Sollen die Arbeiten verschickt werden, so achte man darauf, daß sie
bestimmt völlig trocken sind, da sonst die Verpackung ankleben und die
Malerei verderben würde.


21. Porzellanmalerei

Während in früheren Jahren immer wieder die alten, oft außerordentlich
geschmackvollen Muster für Porzellanmalerei verwendet wurden, hat man
sich in letzter Zeit von der Überlieferung freigemacht und mit Erfolg
versucht, neue Muster zu ersinnen, die natürlich nur dann gut wirken
können, wenn auch die Form der Porzellanerzeugnisse modern ist. Es wäre
ja geradezu widersinnig, etwa eine Schale in Rokokoform mit Mustern
von heute zu bemalen, und es wäre ebenso stilwidrig, wenn man für eine
moderne Schirmkrücke ein Empiremuster benutzen wollte.

Die Handmalerei ist ein sehr beliebtes kunstgewerbliches Gebiet, das
leider nur allzuviel von „Dilettanten“ mißbraucht wird. Es gibt deren
immer noch viel zu viel, die, ohne mit den einfachsten Kenntnissen
der Technik vertraut zu sein, sich an die schwierigsten Aufgaben
heranwagen und den gesamten Freundeskreis immer wieder mit mißlungenen
Erzeugnissen ihres Fleißes überraschen. Die Porzellanmalerei muß wie
jede andre Technik auch richtig erlernt werden.

Das kalte Weiß des harten Stoffes verlangt einen stark ausgeprägten
Farbensinn. Es ist nicht gerade leicht, die Form der Stücke mit
den Mustern und Farbtönen in ein richtiges Verhältnis zu bringen,
es ist sogar oft recht schwierig zu entscheiden, ob Füll- oder
Einzelornamente, geometrische Formen oder Blumenmuster besser zur
Anwendung gelangen. Die Arbeiten von Emmy Seyfried, die unsere Abb.
75 bis 77 zeigen, mögen in diesem Sinne als Anregung dienen. Sie
geben ein gutes Beispiel, in welcher Art moderne Porzellanerzeugnisse
bemalt werden sollen. Wer sich also mit dieser Art Malerei ernsthaft
beschäftigen und nicht nur einen müßigen Zeitvertreib daraus machen
will, wird sicherlich mit Interesse einige Ratschläge aufnehmen, die
sich in jahrelanger Übung immer wieder bewährt haben und fleißige
Anfängerinnen vor unnötigen Mißerfolgen schützen werden.

Die Gefäße, die man bemalen will, müssen zunächst mit warmem Wasser
gereinigt werden, damit die kleinsten Staubspuren verschwinden. Mit
kaltem Wasser soll das Porzellan vor dem Bemalen möglichst gar nicht
in Berührung kommen. Ebenso wichtig wie gute Farben ist gutes Dicköl,
ohne das überhaupt nicht auf Porzellan gemalt werden kann. Je nach der
Größe des Stückes werden ein bis zwei Tropfen Dicköl mit einem reinen
Leinenläppchen so lange auf der zu bemalenden Fläche verrieben, bis es
von den Poren des Porzellans aufgesogen ist, also die Fläche nicht mehr
ölig wirkt. Leinwand eignet sich dafür am besten, weil sie keine Fasern
hinterläßt. Der Gegenstand muß nun über Nacht stehen bleiben und ist
dabei vor Kälte und Staub zu schützen.

[Illustration: Abb. 75. Tassen in Porzellanmalerei von Emmy Seyfried,
München.]

Auf flache Stücke wird jetzt das Muster mit Bleistift aufgezeichnet,
Pausen befestigt man mit Wachs. Dies gilt besonders für gerundete
Formen, also für Tassen, Dosen, Tellerwände, Krüge, Obstschalen,
Deckel und dergleichen. Der Bleistift muß hart und scharf gespitzt
sein, damit die Umrißlinien dünn und fein ausfallen; breite, weiche
Striche stören sehr erheblich. Je besser das Öl eingezogen ist, desto
besser gelingt die Arbeit des Musteraufzeichnens, eine klebrige, fette
Fläche erschwert es sehr. Will man verschiedene Stücke, zum Beispiel
eine ganze Garnitur, bemalen, so ist es ratsam, alle Teile zusammen
vorzubereiten, sowohl was das Reinigen und Einölen als auch das
Aufzeichnen anlangt. Man spart dadurch Zeit und Farben.

Die Pinsel sind stets sehr sauber zu halten. Jede Anfängerin muß
darüber sich klar sein, daß sie für andre Malereien nicht mehr in Frage
kommen. Ferner gehören zum Porzellanmalen außer dem Dicköl noch Nelken-
und Terpentinöl, die man zum Verdünnen der Farben benutzt. Man rührt
diese an, indem man eine volle Messerspitze Farbe zusammen mit je einem
Tropfen Dicköl, einem Tropfen Nelkenöl und zwei Tropfen Terpentinöl
mischt. Ist die Farbe noch zu dick, so wird zu gleichen Teilen
Terpentin- und Nelkenöl beigefügt, denn Dicköl würde sie noch mehr
verdicken. Auf alle Fälle soll man aber sparsam mit den Ölen umgehen,
da zuviel Fettigkeit die Arbeit erschwert.

Man malt wie bei der Aquarelltechnik, legt also sehr leicht an, beginnt
mit den hellsten Tönen und spart weiße Stellen aus, so daß der Ton
des Porzellans stehen bleibt. Will man Schattentöne einsetzen, so muß
die bemalte Stelle zuerst über einer Spiritus- oder Petroleumlampe
abgebrannt werden. Dann läßt man sie erkalten; bleibt sie warm, so
verlaufen die Farben; diese dürfen auch niemals zu dunkel aufgesetzt
werden, da sie nach dem Brennen zu hart und wenig vornehm wirken
würden. Ränder auf runden Gegenständen, auf Tellern, Schalen, Dosen und
dergleichen, werden am besten auf der Ränderscheibe gezogen; es ist
nicht ratsam, sie freihändig zu ziehen, da sie weder glatt noch sauber
ausfallen würden. Umrißlinien zieht man mit der Feder und recht dünner
Farbe nach, feine Linien und Striche müssen sehr sorgfältig aufgesetzt
werden. Man muß überhaupt sehr aufmerksam malen, um keine Fehler zu
begehen, denn das Ausbessern ist recht mühselig; verunglückte Muster
soll man lieber fortwischen und mit dem Einölen, Trocknen, Aufzeichnen
und Malen von neuem beginnen. Anfänger sollten auch am besten zweimal
brennen; die fortgebrannten Töne werden nochmals übermalt, andernfalls
dürfte kaum der richtige Ton zu erzielen sein.

Die fertigen Arbeiten übergibt man einem einschlägigen Geschäft zum
Brennen, damit die Malereien fest und wasserdicht werden. Selbst bei
größter Eile dürfen sie aber erst dann zum Brennen gebracht werden,
wenn die Malerei vollkommen trocken geworden ist. Die Verpackung muß
sehr sorgfältig geschehen. Als erste Hülle verwendet man Seidenpapier;
als zweite empfiehlt es sich, Watte oder Pflanzendaunen zu verwenden.
Dann folgen weiche Papiere und Holzwolle. Harte Bogen, Pappe, Sägespäne
und ähnliche Verpackungen kommen nicht in Frage.

[Illustration: Abb. 76. Potpourridose. Entwurf und Ausführung von Emmy
Seyfried, München.]

Die erste fertige, das heißt gebrannte Arbeit dürfte kaum den
Erwartungen entsprechen, denn die meisten Farben werden nach dem Brand
recht verblaßt wirken. Purpurrot und Veilchenblau sind die einzigen
Töne, die dem Brand gut standhalten. Alle Anfänger machen dieselben
Fehler und erleben daher auch die gleichen Enttäuschungen. Aber bald
lernt man aus den Mißerfolgen die richtigen Lehren zu ziehen, denn wie
auf allen Gebieten der Kunst, muß man auch bei der Porzellanmalerei
das rein Handwerkliche nach und nach richtig erlernen. So werden
sich ganz von selbst allerlei Erfahrungen einstellen; man wird bald
merken, daß das Abbrennen über der Lampe das Ineinanderfließen der
Farben verhindert, daß man aus diesem Grunde alle nebeneinander zu
setzenden Töne nacheinander abbrennen muß, ehe man weiter malen kann,
und daß im Gegensatz dazu alle Töne, die ineinanderlaufen sollen, naß
nebeneinander aufzutragen sind.

[Illustration: Abb. 77. Schreibgerät von Emmy Seyfried, München.]

Als Erstlingsarbeit empfiehlt es sich, einen Teller zu bemalen, der
als Versuchsgegenstand mit verschiedenen Farben in recht vielen Tönen
und Schattierungen bedeckt wird; zugleich kann man sich dabei in
Umrißlinien, in kleinen und größeren Musterteilen üben. Solch einen
Probeteller teilt man sternförmig ein und schreibt die aufgetragenen
Farben sorgsam auf. Ist der Teller dann gebrannt, so erweist er sich
als Farbenmesser außerordentlich nützlich. Überhaupt ist es nicht nur
für Anfänger sehr ratsam, sich stets Vermerke über die Wirkungen neuer
Farben und Mischungen vor und nach dem Brennen zu machen. So wird man
am besten alle Schwierigkeiten überwinden, allerhand Erfahrungen
sammeln und Fortschritte machen. Will man bemalte Arbeiten verschenken,
so wähle man besonders dann, wenn es sich um Anfängerarbeiten handelt,
recht leichte Muster und kleine Stücke; diese müssen aber sehr
sorgfältig ausgeführt werden, denn bei schwierigen Mustern liegt die
Möglichkeit des Mißlingens sehr nahe, und verunglückte Arbeiten eignen
sich, wie ihr einsehen werdet, kaum zum Verschenken.

[Illustration: Abb. 78. Porzellananhänger mit Malerei. Aus den
Porzellan-Werkstätten Ph. Rosenthal, Selb in Bayern.]

Zu den einfachen Kleidern, Blusen und Jumpern trägt man vielfach
+Porzellananhänger+ mit +Malerei+, die, besonders wenn es sich um
+Handmalerei+ handelt, sehr flott und geschmackvoll wirken. Wir zeigen
auf unserm Bilde (Abb. 78) eine Anzahl solcher hübscher Anhänger, alle
verschieden geformt, alle verschieden bemalt. Moderne Blumenmuster,
sehr farbig gehalten; sie passen sowohl für leichte Sommer- als
auch für schwere Winterkleidung und sind durchaus kleidsam, weil
sie jugendlich und anspruchslos wirken. An einem schwarzen oder
farbigen Seidenband getragen, kommen die feinen Motive auf der
weißen Porzellanfläche am besten zur Geltung. Die reizvollen Entwürfe
stammen aus den Werkstätten von +Kurt Severin+, sie sind in der
Porzellan-Manufaktur von +Ph. Rosenthal+, Selb in Bayern, ausgeführt
worden.


22. Malerei mit Emailfarben

+Emailfarben+ sind in Blechdosen in den einschlägigen Geschäften
erhältlich, sie decken wie Ölfarben, werden wie diese mit Terpentinöl
verdünnt und mit einem Borstenpinsel auf den Grund aufgetragen. Am
besten wirken einfache geometrische Muster in dieser Technik. Wir
zeigen auf unserm Bilde ein +Tablett+ (Abb. 79) aus Metall, das
durch langen Gebrauch sehr unansehnlich geworden, mit Emailfarben
aufgefrischt und wieder gebrauchsfähig wurde. Für solche Zwecke sind
diese Farben ganz besonders zu empfehlen; sie sind haltbar, vertragen
Wasser und passen für Gebrauchsgegenstände, die gereinigt werden
müssen. +Tablett+, +Untersetzer+, +Blumenkübel+, +Blumenkästen+ kann
man mit dieser Malerei verzieren, auch +Glasgegenstände+, zum Beispiel
+Teller+, +Gläser+, +Flaschen+, am besten mit Punktmustern, wie wir
sie auf unserm Muster zeigen. Die Innenfläche des +Tabletts+ ist
briefkastenblau angestrichen, der Rand weiß. In der Mitte steht ein
großer schwarzer Punkt, um diesen gruppieren sich neun orangefarbene
Punkte. Dann folgt ein Kreis von kleinen Punkten in Grasgrün, der
nächste Kreis ist schwefelgelb, der letzte kirschrot gehalten.
Innenwand und Innenfläche sind durch zwei Punktreihen in Mohnrot und
Orangegelb miteinander verbunden, der äußere Rand des Tabletts zeigt
ein Ornament in Kirschrot, das aus Punkten und kleinen geraden Strichen
besteht.

In dieser einfachen Art kann man +Gläser+, +Flaschen+ und +Glasteller+
verzieren. Es genügt, am oberen Rand ein paar Reihen bunter Punkte
in verschiedenen Größen anzubringen, wie wir es auf dem +Tablett+
sehen; in den einschlägigen Geschäften sind +Glasschalen+ in
verschiedenen Größen erhältlich, die mit Strickdeckchen bezogen
wurden, als dies modern war. Solch glatte +Glasschälchen+ sind
für die +Emailmalerei+ sehr geeignet, man verwendet sie als
+Konfektteller+, sie eignen sich indessen auch für den Toilettentisch
als +Nadelbehälter+. Auch +Glasflaschen+ kann man mit Emailfarben
bemalen, es gibt +Likörflaschen+, die sehr hübsch geformt sind,
auch +Toilettewasserflaschen+ haben häufig geschmackvolle Formen;
solche Flaschen sind zum Bemalen zu empfehlen, es kommt aber nicht
darauf an, daß sie gar zu bunt gehalten werden, es ist besser, mit
Mustern und Farben zu sparen; das gilt auch vom Bemalen der kleinen
+Parfümflaschen+, die oft so gut geformt und leicht geschliffen sind,
daß es sich lohnt, sie zu bemalen und neu zu füllen.

[Illustration: Abb. 79. Tablett in Emailfarben.]

Zum +Aufzeichnen+ der Muster auf Glas kann man Wachs-Signierkreide
Nummer 770 und 772 verwenden; andernfalls genügen Tusche oder Tinten,
die von der Emailfarbe bedeckt, schließlich nicht mehr zu sehen sind.
+Glasteller+ und +Schalen+ werden auf der linken Seite bemalt, dafür
wäre unser Muster auf dem Tablett ebenfalls geeignet. Es kommen
ausschließlich Strich- und Punktmuster für Malerei mit Emailfarben
in Betracht, die man nicht nur für Glas und Metall, sondern in der
beschriebenen Weise auch für Holz und Porzellan verwenden kann.


23. Osterkarten mit Malerei

Ostern wird gern im Familienkreise gefeiert, und ein paar farbige
+Tischkarten+ mit österlichen Motiven in der Art unserer Vorlagen
tragen viel dazu bei, die Festfreude zu erhöhen, die vom Schmuck
der Tafel stark beeinflußt wird. Für Kartengrüße eignen sich unsre
Vorlagen (Abb. 80 und 82 sind auf die Hälfte verkleinert, Abb. 81 ist
Originalgröße) ebenfalls, sie können auch von weniger geübten Händen
ohne viel Mühe hergestellt werden.

[Illustration: Abb. 80. Eiförmige Oster-Tischkarte.]

Als +Grundmaterial+ verwendet man weißes, nicht zu starkes
Kartonpapier; man malt am besten mit Aquarellfarben oder
Ausziehtuschen; Ausziehtuschen lassen sich wie andre Farben mischen,
indessen malt man in diesem Fall am besten mit klaren, unvermischten
Tönen. Die Muster werden mit Schreibmaschinen- oder Pauspapier
und einem scharf gespitzten, sehr harten Bleistift auf den Grund
übertragen; man malt mit einem spitzen Marderhaarpinsel und zieht die
Konturen mit einer Zeichenfeder nach. Eine neue Börsenfeder genügt
ebenfalls. Wer sehr geübt ist, kann mit einem Konturenpinsel die
Umrisse zeichnen.

[Illustration: Abb. 81 Osterkarte: Hühnchen.]

[Illustration: Abb. 82. Osterkarte: Krähender Hahn im Kranz aus Blumen
und Eiern.]

Die +eiförmige Karte+ (Abb. 80) ist mit einer +Girlande+ in
Biedermeierart verziert. Da sind allerlei altmodische Blumen, Veilchen,
Studentenblumen, Tulpen und andre sehr farbige Blüten, die recht
bunt zueinander abgestimmt werden. Briefkastenblau, Feuerrot, Rosa,
Karminrot, Lila, Schwefelgelb, Orangegelb sind die Hauptfarben; die
Blütenböden werden in abstechenden Farben gehalten. Die Blätter
und Stiele sind gift- und grasgrün, ebenso die Blütenkelche; die
Blattrippen zeichnet man schwarz wie die Konturen.

Die +Hühnchenkarte+ (Abb. 81) zeigt ein Küken in einem Kranz, der
aus bunten Ostereiern und Blumen besteht. Das Hühnchen ist hellgelb,
mit feuerrotem Schnabel und Kamm, die Augen und Füße sind braun,
die Krallen grün. Der Kranz ist sehr bunt, rot, blau, grün, gelb in
verschiedenen Tönen.

Der +Hahn+, der den Ostergruß kräht (Abb. 82), steht ebenfalls in einem
+Kranz+ aus bunten Eiern, Blumen und Blättern; der Hahn ist tiefschwarz
mit hellbraunen Füßen, die Schuppen sind mit schwarzen Strichen
angegeben. Der Schnabel ist gelb, ebenso die Augen mit schwarzem
Mittelpunkt, Kamm und Bartlappen sind feuerrot.

Die +Ostereikarte+ und die +Hahnkarte+ passen am besten für die
Speisenfolge, die +Kükenkarte+ eignet sich mehr zur Tischkarte, alle
drei Muster können als Osterkarten verwendet werden.




III. Kapitel

Handfertigkeiten


24. Linoleumschnitt

Der +Linoleumschnitt+, auch +Linolschnitt+ genannt, entspricht dem
+Holzschnitt+; nur ist das Material viel leichter zu bearbeiten.
Dieses Material besteht aus möglichst dickem +Linoleum+, es können
auch Abfälle von Teppichen verwendet werden. Das notwendigste
Werkzeug ist ein +Messer+ (Abb. 83), mit dem man sowohl Linien
als auch Flächen herausarbeiten kann. Die Technik ist für geübte
Hände sehr einfach, ungeübte Anfänger dürften sie in kurzer Zeit
erlernen. Sie hat vielerlei Verwendungsmöglichkeiten; vom +Exlibris+
bis zur +Glückwunschkarte+, vom bescheidenen Bildchen bis zum
Schmuck von +Gästebüchern+ und +Sammelmappen+ gibt es mancherlei
Ausdrucksmöglichkeiten, und schließlich ist es doch recht unterhaltsam,
wenn man bei einigem Zeichentalent Erinnerungen aus der Sommerfrische,
von Reisen und Ausflügen in dieser Technik herstellen kann; es genügen
Skizzen und Photos, nach denen man später zu Hause recht gut arbeiten
kann:

Man streicht mit weißer Deckfarbe (Temperafarbe) die Linolfläche an
und überträgt darauf die Zeichnung. Dann schneidet man mit dem Messer
die Flächen aus, die weiß wirken sollen, und läßt alle Flächen stehen,
die dunkel bleiben sollen. Die Platte legt man vor dem Drucken in
Wasser und läßt sie zwei bis drei Stunden darin liegen. Inzwischen
löst sich durch dieses Verfahren die weiße Temperafarbe ab; nun läßt
man die Platte gut trocknen und streicht sie, wenn dies geschehen ist,
mit breitem Pinsel (Abb. 83) mit Japanaqua gleichmäßig an. Das lange
Imwasserliegen der Platte ist nur nötig, wenn mit Japanaqua gedruckt
wird; sonst braucht sie nicht so lange zu wässern. Es empfiehlt sich,
die dünnen Platten auf Holz aufzuziehen, damit man sie beim Arbeiten
besser anfassen und handhaben kann. Zum Abdruck eignet sich am besten
+Bütten-+ oder +Japanpapier+, jedes saugfähige, dünne Papier; im
Notfall kann sogar +Seidenpapier+ dazu verwendet werden. Dagegen kommen
Pergament- und Butterbrotpapiere nicht in Betracht. Alle Papiere, die
für diese Technik verwendet werden sollen, müssen zunächst gleichmäßig
angefeuchtet und zwischen Löschblätter gelegt werden. Das Papier wird
vorsichtig auf die gestrichene Platte gelegt, mit festerem Papier
überdeckt und dann mit einem +Reiber+ (Abb. 83) so lange gerieben, bis
die Feuchtigkeit des Papiers die Farbe von der Platte löst. Statt des
Reibers kann ein +Falzbein+ verwendet werden. Den Reiber stellt man
selber her, er besteht aus einer runden Pappscheibe, die mit rauhem
Steifleinen bezogen wird. Über das Steifleinen spannt man möglichst
straff ein Stück Schweinsleder und befestigt diese Hülle entsprechend.

[Illustration: Abb. 83. Werkzeug für den Linoleumschnitt.]

[Illustration: Abb. 84. Linoleumschnitt.]

Wir zeigen auf unserm nebenstehenden Bilde eine Arbeit in
+Linoleumschnitt+, ein stimmungsvolles Städtebild (Abb. 84). Man sieht
hier eine einfache Zeichnung und kann aus unsrer Vorlage erkennen, wie
viel sich bei einiger Übung auf diesem Gebiet erreichen läßt. Wer
eine besondere Vorliebe für das Ornament hat, kann in +Linoleumschnitt+
mancherlei sehr reizvolle +Bucheinbände+, +Vorsatzpapiere+ und
+Einbände+ für +Notizbücher+ und +Blocks+ herstellen; +Linoleumdruck+
paßt auch zur Verzierung von +Rückwänden+ für +Kalender+ und für
+Stundenpläne+. Wenn man darüber nachdenkt, wird man immer wieder neue
Verwendungsmöglichkeiten für diese wirkungsvolle, interessante Technik
finden.


25. Ausschneidetechnik

Bei der +Ausschneidetechnik+ werden die Formen mit der Schere möglichst
genau ausgeschnitten und aufgeklebt. Es gibt Muster, die sehr einfach
sind, man klebt sie mit einem beliebigen Klebemittel ziemlich mühelos
auf. Amüsanter sind die Arbeiten, bei denen mehrere Farben verwendet
werden; dies ist zwar schwieriger, hat aber eine bedeutend stärkere,
malerische Wirkung: Man schneidet das +Buntpapier+ nach den Formen,
die größte Fläche wird als Grund gewählt, die übrigen Töne werden
aufgesetzt, die kleinsten Flächen kommen ganz zuletzt an die Reihe. Im
übrigen muß man darauf achten, daß alles, was im Hintergrund liegt,
zuerst, und alles, was im Vordergrund liegt, zum Schluß aufgeklebt wird.

Als Arbeitsmaterial verwendet man +Buntpapier+, das in verschiedenen
Farben in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, +Kartonpapier+,
ebenfalls farbig, als Hintergrund für die Muster und irgend ein gutes
+Klebemittel+.

Man klebt ohne Aufzeichnung das Muster auf den Hintergrund und bedeckt
ihn nach und nach mit den Ornamenten, die man, genau wie bei der
Reißtechnik, besonders für den Anfang, dem Pflanzen- und Tierreich
entnimmt. Auch Landschaften und Stilleben eignen sich für diese
Technik, wenn schon einige Übung vorhanden ist. Am hübschesten wirken
einfache Blumenstücke, Einzelblüten, Ranken, in mehreren Farben,
möglichst vereinfacht in der Form.

Die +Verwendungsmöglichkeit+ der +Ausschneidetechnik+ ist sehr
verschieden, man kann allerlei damit anfangen. Als +Wandschmuck+ unter
Glas, einfach mit Kaliko gerahmt, sind sie, wenn sie nicht in Mengen
auftreten, eine sehr reizvolle Zierde für das Jungmädchen-, Fremden-
und Kinderzimmer, für Gartenhäuschen und Diele, besonders, wenn es
sich um fortgeschrittene Arbeiten handelt. Sehr hübsch wirken sie
als Verzierung von +Gratulationskarten+; man kann +Widmungsblätter+
für +Gästebücher+, +Lichtschirme+, +Notizbücher+, +Bucheinbände+,
+Telegramm-+ und +Sammelmappen+ damit schmücken, sie passen für
+Erinnerungsbücher+, als +Einlagen+ für +Tablett+ und +Untersetzer+,
wo sie unter Glas gerahmt werden. Wer es versteht, kleine Untersetzer
mit Goldband zu umranden, kann die +Ausschneidetechnik+ für die runden
oder ovalen Einlagen verwenden, auch auf +Kassetten+ für +Briefpapier+,
+Taschentuchbehältern+ und +Handschuhkästen+ kann man farbige
Ausschneidebilder anbringen.

[Illustration: Abb. 85. Blumen in Ausschneidetechnik.]

Wer diese Technik gut beherrscht, wird immer wieder Möglichkeiten
finden, sie geschmackvoll anzuwenden, man muß es indessen vermeiden,
allzuviel davon gleichzeitig aufzuhängen oder aufzustellen, weil sonst
die Wirkung des einzelnen in Frage gestellt wird.

Wir zeigen auf unsern Bildern drei Originale, die ganz besonders hübsch
sind und sich für diese Technik außerordentlich gut eignen. Hier
zeigen sich die Feinheiten der +Ausschneidearbeit+ sehr genau, es sind
vorzügliche Muster für Anfänger und Vorgeschrittene.

Das erste Muster (Abb. 85) ist am einfachsten: eine flächig angelegte
Blüte. Die schönen Farben sind im Druck leider nicht zu sehen, bei
einiger Vorstellungsgabe wird es aber auch Anfängern möglich sein, sich
die Farbenwirkung des Musters zu denken. Auf ockerfarbenem Grund --
Kartonpapier -- stehen die großen Blüten in Bischofslila, die Blume,
die sich uns voll zuwendet, hat einen Mittelpunkt in der Farbe des
Hintergrundes, die andre Blüte liegt in einem zinnobergrünen Kelch,
der mit dem Stengel verbunden ist, und der auch mit den gefiederten
Blättchen und dem Stiel der großen Hauptblüte zusammenhängt. Das
bedeutet, daß die beiden Stengel, das Blatt und der Kelch, ohne
abzusetzen, zusammen ausgeschnitten worden sind. Die Knospe steht
seitwärts, auch hier sind Stiel, Blatt und Kelch aus einem Stück
geschnitten, die Knospe ist hellila, sehr matt, das im Schatten
liegende Blütenblatt ist bischofslila, die Staubgefäße, die ein wenig
durchblicken, sind ockergelb wie der Hintergrund, stechen daher wenig
vom Grundton ab.

Die Arbeit ist folgendermaßen eingeteilt: zuerst wird alles, was
bischofslila gehalten ist, aufgeklebt, dann folgt alles, was grün ist,
darauf das Zartlila und schließlich das Ockerfarbene.

Die Umrisse der einzelnen Blüten und der Knospe sind nicht glatt,
sondern sehr bewegt, was nicht mit schief und krumm zu verwechseln
ist, nur die Stengel müssen gerade Linien zeigen und recht gleichmäßig
geschnitten werden. Man muß darauf achten, daß die Stengel stets unter
den Blumen liegen.

[Illustration: Abb. 86. Rose in Ausschneidetechnik.]

Das zweite Bild (Abb. 86) zeigt eine +Rose+ auf schwarzem Grund, sehr
streng stilisiert, man sieht nur die notwendigsten Linien. Die Blüte
ist in vier Tönen gehalten, Hellrosa, Rosa, Dunkelrosa und Krapplack.
Das Mittelstück der Blume ist rosa, es ist die größte Fläche, die
zuerst aufgeklebt wird. Man sieht auf der Photographie die Verteilung
der übrigen Farben, am dunkelsten wirken die überschlagenen Teile. Nun
wird der Stengel aufgeklebt, er ist am oberen Teil, unter dem Kelch,
hellbraun; zum Schluß werden die grünen Teile aufgeklebt, der untere
Teil des Stengels, an dem das Blatt am feinen Stiel steht, alles aus
einem Teil, und zu allerletzt der grüne Kelch, der über den untersten
Teil der Rosenblüte geklebt wird.

[Illustration: Abb. 87. Strauß in Ausschneidetechnik. Entwurf und
Ausführung: Liselotte Volk.]

Am hübschesten wirkt der mehrfarbige Strauß (Abb. 87), der für
Vorgeschrittene gedacht ist. Die +Aster+ auf der rechten Seite ist
dunkellila, mit einem schwefelgelben runden Mittelstück, das aufgeklebt
wird. Daneben steht die orangegelbe +Studentenblume+, etwas seitlich
und tiefer die +Herbstaster+, in zwei Tönen lila, sehr hell und ein
wenig dunkler, aber nicht etwa dunkellila; in dem dunkleren Lilaton
sind die kleinen +Korbblütler+ oberhalb des Straußes gehalten;
sie haben je einen schwefelgelben Mittelpunkt und sind besonders
stark vereinfacht in der Form. Alle +Stengel+ und +Blätter+ sind
zinnobergrün, möglichst aus einem Stück geschnitten und sorgsam über-
und nebeneinander geklebt. Das +Bukett+ steht auf einem holzbraunen
Hintergrund aus Kartonpapier. Mit wenigen Farben, es sind nur sechs
Töne, ist hier eine gute malerische Wirkung gegeben, wie überhaupt die
+Ausschneidetechnik+ eine praktische Vorübung zur Malerei ist, denn
sie übt den Blick und den Farbensinn, man bekommt eine sichere Hand,
wenn man häufig solche Arbeiten ausführt, die Phantasie wird ungemein
angeregt und die Sorgfältigkeit ebenfalls gefördert.

Einige Handwerkskniffe, welche die Arbeit erleichtern, gibt es auch
bei dieser Technik: So kann man größere runde Formen mit dem Zirkel
leicht angeben, wenn das Augenmaß noch nicht sehr ausgebildet ist;
für kleinere Kreise verwendet man Geldstücke oder Spielmünzen. Für
runde Ausschnitte empfiehlt es sich, gebogene Nagel- oder Stickscheren
zu verwenden, sie erleichtern die Arbeit nicht unbeträchtlich. Ein
besonders brauchbares Klebemittel ist Dextrin, ein aus getrockneten
Roßkastanien hergestelltes Mehl, das in beliebiger Menge in kaltem
Wasser aufgelöst und zu einem mehr oder weniger dicken Brei glatt
verrührt wird. Man trägt das Klebemittel mit einem Pinsel auf,
unter möglichster Schonung der Papierränder, um jedem Verschmieren
vorzubeugen.

Die reizvollen Muster eignen sich auch zum +Malen+. Als Material
verwendet man Haarpinsel, Guasch- oder Temperafarben; auch als Vorlagen
für kleine +Flachstickereien+ kann man die zierlichen Blumenmuster
verwenden. Am besten passen sie indessen für die +Ausschneidetechnik+,
für die sie gedacht sind.

Wie die meisten der kunstgewerblichen Arbeiten, ist auch die
Ausschneidetechnik vor hundert Jahren ganz besonders gepflegt worden.
In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ging sie zurück; man findet in
Familienerinnerungen, in Stammbüchern hin und wieder noch mancherlei
hübsche Ausschneidearbeiten; es gibt Bildchen und Kassetten dieser Art,
die durch ihr Alter einen gewissen Wert bekommen haben, die Farben sind
zwar meist verblichen, aber die Technik ist noch genau zu erkennen,
und man kann sehr deutlich an solchen Arbeiten von Urgroßmutters Hand
den Unterschied zwischen der damaligen Arbeitsweise und der heutigen
erkennen. Damals hat man die Einzelheiten viel mehr hervorgehoben,
heute arbeitet man viel einheitlicher, geschlossener. Eines ist
jedenfalls dabei geblieben: die peinliche Sauberkeit und Genauigkeit,
ohne die keine gute Wirkung erzielt werden kann.


26. Teller und Schalen aus Luftschlangen

+Luftschlangen+ sind wohl bei allen jungen Mädchen beliebt. Lustige
Erinnerungen an Silvesterabende oder an Tanzstundenbälle sind
damit verknüpft; Luftschlangen sind für viele der Inbegriff der
Ausgelassenheit, denn meist treten sie in Erscheinung, wenn das
Vergnügen seinen Höhepunkt erreicht hat. Das ist allgemein bekannt,
durchaus nicht allgemein bekannt aber ist die Tatsache, daß die bunten
Luftschlangen ein vorzügliches Material für mancherlei sehr brauchbare
Basteleien sind, daß man hübsche Gegenstände aus ihnen herstellen kann,
die wenig kosten und vielfach verwendbar sind.

[Illustration: Abb. 88. Schälchen aus Luftschlangen.]

So kann man tiefe und flache +Tellerchen+ und +Schalen+ aus
Luftschlangen herstellen; einige Muster zeigen wir auf unsern
Bildern (Abb. 88 und 89). Die niedlichen Arbeiten erweisen sich
auf dem Näh- und Toilettentisch, auf der Diele sehr nützlich, sie
dienen zum +Aufbewahren+ von +Knöpfen+, +Nadeln+, +Schreibfedern+,
+Stopfmaterial+; ein wenig +Nähzeug+ kann man darin unterbringen;
auch für +kleine Kuchen+, die nicht fettig sind, eignen sich die
anspruchslosen Behälter. Wer ein paar Süßigkeiten, zum Beispiel
+Pfeffernüsse+ oder +Pfefferminzplätzchen+ als Erfrischungen für die
Reise verschenken will, wer zum Geburtstag oder zu Weihnachten Marzipan
und ähnliche, vielleicht selbstgebackene Leckereien verschicken möchte,
wird mit diesen farbenfrohen Behältern sicherlich viel Freude machen;
solch zierliche Behälter wirft man nicht achtlos fort, wenn sie geleert
sind, wie das bei den gekauften, manchmal sogar sehr geschmackvollen
Schachteln geschieht, weil man kein Interesse an den leeren Behältern
mehr hat. Die +Teller+ und +Schalen+ aus +Luftschlangen+ stellen
indessen eine nette +Handarbeit+ dar, die sich vielfach verwenden läßt,
und die, wenn sie schließlich unansehnlich geworden ist, durch eine
sicherlich ebenso hübsche Neuheit auf diesem Gebiet ersetzt werden kann.

[Illustration: Abb. 89. Schälchen aus Luftschlangen.]

Die +Technik+ ist sehr einfach, man kann -- selbst ohne Übung -- kaum
etwas daran verderben. Zunächst wickelt man die Luftschlangen von
außen zu einer großen Fläche oder Scheibe auf, nicht von innen, das
wäre falsch; das ganze Stück braucht nicht vollständig aufgewickelt
zu sein, bevor man mit der Arbeit beginnt. Man legt die Scheibe auf
den Tisch, dreht mit der rechten Hand und hält mit der linken den
Mittelpunkt der Scheibe und das Ende der Papierschlange fest. Die
Farben kann man nach Belieben wählen, je bunter die Arbeit wirkt,
desto besser; darum empfiehlt es sich, eine große Farbenauswahl
bereitzuhalten. Die Farbenreihe kann beliebig unterbrochen werden. Die
Enden werden -- zum Schluß -- aneinander geklebt. Die Arbeit besteht
darin, daß man eine Scheibe vorsichtig mit den Händen dreht und so
lange formt, bis +Schalen+, +Töpfchen+, +Teller+ entstehen. Ist die
notwendige Höhe des Gegenstandes erreicht, so hört man mit dem Schieben
auf. Für +Nadelschälchen+ wird eine kleinere Scheibe gebraucht als
für +Konfektteller+; allzu groß darf der Kreis niemals werden. Diese
Technik eignet sich +nicht+ für umfangreiche Gegenstände. Die fertigen
Stücke bestreicht man mit +farblosem Lack+ oder mit +Wasserglas+.
Wasserglas ist in Drogerien erhältlich, es ist im Küchengebrauch
bekannt, weil man Eier darin einlegt. Da Wasserglas feuerfest ist,
kann man die damit bestrichenen Schalen als +Aschbecher+ benutzen.
Solch bunte Aschbecher eignen sich recht gut für Vielliebchengeschenke
und können wie die übrigen Schalen und Tellerchen als farbenfröhliche
+Tischdekoration+ zu festlichen Gelegenheiten verwendet werden.


27. Bast- und Stroharbeiten

+Bast-+ und +Stroharbeiten+ waren lange Zeit durchaus aus der Mode
gekommen, sehr mit Unrecht, denn mit beiden Materialien kann man sehr
viel anfangen, wenn man Farbensinn, Geschmack und Fingerspitzengefühl
hat. In alten Vitrinen sieht man noch hin und wieder mancherlei +bunte
Stroharbeiten+, deren Hauptreiz in der guten Form, in der praktischen
Verwendbarkeit des Gegenstandes, in der feinen Farbenzusammenstellung
liegt. Da gibt es +Fingerhutbehälter+, +Kassetten+, +Federkästen+,
kleine +Tablette+, +Dosen+ und andre Kleinigkeiten, die besonders als
Reiseandenken sehr geschätzt wurden. Diese nicht sehr umfangreiche
Industrie kam in der Biedermeierzeit, die all diesen feinen
Heimarbeiten sehr günstig war, besonders hoch, dann verfiel sie und
endete in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, schließlich wurde sie
ganz vergessen. Es kamen die hübschen Japanwaren auf, die aus denselben
Materialien hergestellt waren; ihr sehr geringer Preis sorgte für eine
außerordentliche Verbreitung. Wer kennt sie nicht, die +Kästchen+ und
+Matten+, die +Untersetzer+ und +Körbchen+ aus dem Osten. In Dorf und
Stadt haben die Japanwaren Anklang gefunden. Es ist gar nicht so lange
her, daß die deutsche Heimindustrie sich auf ihre alte Überlieferung
besann. Wo früher Bast- und Stroharbeiten angefertigt wurden, hat man
an die Vergangenheit angeknüpft, und in manchen Gegenden, besonders
in Süddeutschland, ist diese Industrie wieder lebendig geworden. Es
handelt sich indessen hierbei meistenteils um ein feines Kunstgewerbe;
Kunstgewerblerinnen machen die Entwürfe, die von Heimarbeiterinnen
ausgeführt werden. Man sieht wieder reizende Gegenstände in Stroh
und Bast, +Teller+, +Schalen+, +Körbchen+, +Blumentopfbehälter+,
+Untersetzer+, praktische Dinge, die nicht so billig sein können wie
die Japanwaren, sondern vielmehr als Einzelstücke eine persönliche Note
zeigen und daher ihren Preis halten müssen.

[Illustration: Abb. 90. Anfertigen von Schälchen aus Stroh und Bast.]

Auf den Messen sah man in letzter Zeit ausgezeichnete +Bast-+ und
+Strohgegenstände+ dieser Art, sie bürgern sich wieder im Haushalt ein,
sind ein geschätzter Raumschmuck und werden auch als Liebhaberarbeiten
gern nachgearbeitet, da die Technik nicht sehr schwierig ist. Wenn die
Stücke gut aussehen sollen, müssen sie sehr sorgfältig ausgeführt sein,
sonst hat es gar keinen Zweck, damit zu beginnen, es wäre schade um
das Material, das in den einschlägigen Geschäften zu beziehen ist. Man
versuche, recht buntes Material zu bekommen. Der Bast ist in einzelnen
farbigen Strähnen erhältlich, er kommt aus dem Ausland.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 90 bis 95) mehrere ganz besonders
hübsche Arbeiten in +Stroh+ und +Bast+, die nicht nur gut aussehen,
sondern auch unbedingt brauchbar sind.

Die +Untersetzer+ (Abb. 92, 93 und 95) können sowohl in der Wohnung
als auch im Garten benutzt werden; sie sind als Schutz für die Tische
gedacht. Auf lackierten, gestrichenen, furnierten Platten sind die
schmiegsamen +Bastuntersetzer+ sehr angebracht, man legt sie unter
Schüsseln und Teller mit heißen Speisen; auf dem gedeckten Tisch
sehen sie reizend aus, ihre Vielfarbigkeit, ihre zierlichen Formen
schmücken die Tafel in einer ganz besonderen Weise. Wenn man sie
unter Blumentöpfe legen will, achte man darauf, daß ein wasserdichter
Blumenuntersetzer unter den Topf gestellt wird, denn es ist besser,
wenn die Bastteller nicht feucht werden. Im allgemeinen ist der Bast
echt eingefärbt, aber es lohnt nicht, damit Experimente zu machen,
außerdem leiden die Formen durch Nässe. Unter +Vasen+, +Körbe+,
+Schalen+ und dergleichen kann man sie unbedenklich legen; sie erweisen
sich als sehr praktisch, wenn man bei plötzlichem Besuch nicht den
Tisch decken möchte und Erfrischungen auftragen will. Wenn man die
Bastgegenstände naturfarben hält, kann man sie, wenn keine Pappe dazu
verwendet worden ist, noch vielseitiger benützen, denn dann sind sie
„waschecht“, es findet sich stets Gelegenheit im Haushalt dazu.

[Illustration: Abb. 91. Bast- und Stroharbeiten; flache Schale. Entwurf
und Ausführung: Liselotte Volk.]

Sehr brauchbar sind auch die selbst hergestellten +Bastkörbchen+ (Abb.
94), die ohne Henkel als +Schalen+ zu benutzen sind. Für +Näh-+ und
+Stopfsachen+ kommen sie in Betracht, wenn man sie in entsprechender
Größe anfertigt, sonst eignen sie sich für +Obst+ und +Backwerk+,
besonders für den +Frühstückstisch+. Wenn man einen passenden
Glasbehälter hineinstellt, kann man die Schalen und Körbchen nicht nur
für Obst und Konfekt verwenden, sondern auch für Blumen; man ersieht
daraus, wie vielfach die Verwendbarkeit dieser Gegenstände ist.

[Illustration: Abb. 92. Schüssel-, Flaschen- und Gläseruntersetzer.

Aus den Werkstätten: Trude Study.]

Auf unsern Bildern zeigen wir mehrere Beispiele von besonders hübschen,
einwandfrei ausgeführten Arbeiten +in diesen Techniken+.

Da sind +Untersetzer+ in verschiedenen Größen und Ausführungen, und ein
+Körbchen+, das auch als Schale gedacht ist, wenn der Henkel fortbleibt.

Als Technik kommt zunächst das +Wickeln+ in Betracht; in dieser Art
sind die drei +Teller+ in verschiedenen Größen und das +Körbchen+
ausgeführt.

Man wickelt über Papierbindfaden, über Bast oder Stroh. Man legt
den Bindfaden zu einer Schlinge und überwickelt zunächst die
doppelte Stelle, dann die Rundung und weiterhin das Ende des Fadens
mit Achterstich auf der vorhergehenden Runde fest, wie es auf dem
Körbchenbild an einigen kleinen Beispielen gezeigt ist. Man kann auch
den Bindfaden ein paarmal umwickeln und ihn erst dann auf der letzten
Runde festmachen. Die bunte Musterung erzielt man durch Anlegen eines
farbigen Bastfadens, der an der Musterstelle an den Anfangsfaden
angelegt wird. Soll der Teller hochwandig ausgeführt werden, so zieht
man die Schnur aus Bast oder Stroh straff an. Zum Schluß schneidet man
die Enden der Bastfäden ab, der Bindfaden wird schräg abgeschnitten,
um einen allmählichen Übergang zu erzielen.

Eine andre Technik ist die +Bastflechterei+, wir zeigen auf zwei
Bildern einige +geflochtene Untersetzer+ (Abb. 92 und 93). die in
folgender Weise hergestellt worden sind:

Man schneidet einen Stern aus fester Pappe, umwickelt die Zacken
strahlenförmig mit Bast, auf der oberen Seite, in der Art, wie wir bei
den bekannten Teneriffaspitzen oder Sonnenspitzen sehen. Dann stopft
man den ganzen Stern möglichst dicht mit Bast zu. Man kann bunte Kanten
einstopfen; der Rand wird mit einem Bastfaden umstochen, die fertige
Arbeit feuchtet man leicht an und preßt sie zwischen schweren Büchern,
damit die Teller flach aufliegen.

[Illustration: Abb. 93. Likörglas- und Flaschenuntersetzer aus Bast.

Aus den Werkstätten: Trude Study.]

[Illustration: Abb. 94. Henkelkörbchen.]

Auf unsern Bildern (Abb. 92 und 93) sehen wir +Bastuntersetzer+, deren
Grundmaterial aus mehreren Pappkreisen besteht, die in der Größe
voneinander abweichen und mit Bastfäden fest miteinander verbunden
sind. Das in der Mitte entstandene Loch ist mit Spinnen aus Bastfäden
ausgefüllt. Einige dieser Spinnen sind ganz einfach gehalten, andre
sind leicht gehäkelt und zierlich geschlungen, das Mittelloch auf dem
einen Teller ist mit Hardangerstichen zugeflochten. Diese Teller sind
besonders reizvoll, weil ihre Farben sehr hübsch zusammengestellt sind.
Das sechseckige Modell ist in Schwefelgelb gehalten, die sternförmigen
Zierstiche sind papierblau, der Stern in der Mitte ist in derselben
Farbe gearbeitet. Der Hardanger Teller ist dreifarbig: orangegelb,
grasgrün und bronzebraun. Die vier Teller auf dem nächsten Bild (Abb.
93) sind ebenfalls mehrfarbig, der kleine Likörglasuntersetzer ist
schwarz mit altrosa Umrandungsstichen und altrosa Stern. Der große
Flaschenuntersetzer rechts daneben ist abwechselnd lila und bronze
gewickelt, mit lila Stern und Verbindungsstichen. Der unterste Teller
ist grün und blau mit grünem Stern und blauem Sternornament auf grünem
Grund. Der erste Teller auf dem Bild -- linksstehend -- ist zweifarbig
geflochten, die Konturstiche sind in der helleren, der Stern in der
dunkleren Farbe gehalten. Will man solch einen Teller verschenken,
so ist es empfehlenswert, aus mehreren eine größere oder kleinere
Serie herzustellen. Ein Dutzend Likörglasuntersetzer, drei große
Flaschenuntersetzer, sechs mittlere Teller in verschiedenen Formen, das
würde am besten wirken, besonders wenn alle Arbeiten in verschiedenen
Farben gehalten sind. Wer drei Flaschenuntersetzer verschenkt, kann
auch die Formen wechseln; für Schüsseluntersetzer wähle man besonders
große Formen, hierfür eignen sich auch ovale Muster, die ebenso
ausgeführt werden. Will man Gläseruntersetzer anfertigen, so achte man
genau auf den inneren Ausschnitt, man nehme ein Bier-, ein Likör-, ein
Wasserglas als Muster dafür. Ist das Mittelloch zu klein oder zu groß,
so wird das Glas schlecht auf der Spinne stehen; will man das Loch in
Hardangertechnik verschließen, so achte man besonders darauf, daß das
Muster nicht zu dick wird, für Gläser kommen diese Muster überhaupt
nicht in Betracht; Gläser würden umkippen, aber für größere, nicht so
leichte Gegenstände jeder Art, Schüsseln, Teller, Blumentöpfe eignen
sie sich recht gut. Statt des Spinnetzes kann ein einfacher Stern in
den Mittelpunkt hineingearbeitet werden.

[Illustration: Abb. 95. Schüsseluntersetzer.

Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]

Solch Bastteller kann man jederzeit verwenden, sie eignen sich als
Damen- und Herrenspenden bei Gesellschaften und Lotterien, als
Geschenke „für die neue Wohnung“, sie passen zu Verlobungs- und
Hochzeitsgeschenken, müssen aber in diesem Fall serienweise hergestellt
werden, damit sie recht dekorativ wirken.


28. Untersetzer mit gepreßten Blumen

Starkfarbige Blumen, die nicht allzu schnell verblassen, eignen sich
am besten für die zierlichen Untersetzer, die im Haushalt vielfach
praktisch verwendet werden können. Um die Tischplatten zu schützen,
benutzt man die niedlichen Glasuntersetzer als Kannenteller und
Gläsertellerchen, wenn die Tafel aus Zeitmangel nicht gedeckt werden
kann; Vasen, Konfektschalen, Obstschüsseln stellt man darauf. Solch
farbiges Kleinkunstgewerbe wirkt sehr ansprechend und gibt geschickten
jungen Mädchen immer wieder Gelegenheit, sich auch auf diesem Gebiet
nützlich zu machen.

In der Biedermeierzeit war das Blumenpressen eine vielfach geübte
häusliche Kunst; man findet noch heute in alten Poesie- und
„Stammbüchern“ gepreßte Sträußchen und Kränze, die mit viel Liebe
und Sorgfalt zusammengestellt und sorgfältig gepreßt und eingeklebt
worden sind. In vergilbten Briefen rascheln noch manchmal die einstmals
duftenden Zeugen mancher ernsten und heiteren Stunden, und wer sich
darauf versteht, wird sich immer wieder wundern, daß die gepreßten
zarten Veilchen, die dünnstengligen, feinen Vergißmeinnichtblüten
die Jahrzehnte überdauert haben, während von den Menschen, die sie
gesammelt und gepreßt haben, kaum eine Erinnerung mehr vorhanden ist.

[Illustration: Abb. 96. Untersetzer mit gepreßten Blumen.]

Zum Pressen und Aufkleben eignen sich kleine Blüten und Blätter am
besten, die schönste, bunteste Betunie, die reizendste Aster, sie
kommen dafür nicht in Betracht, während Dotterblumen, Veilchen,
Vergißmeinnicht, Leberblümchen und andre Feld- und Wiesenblumen sich
recht gut dafür eignen. Man preßt sie zwischen reinem Löschpapier,
beschwert die Blätter mit dicken Büchern oder Steinen und achtet
darauf, daß die Fläche, auf der die Blüten liegen, gerade ist. Wenn
die Blumen trocken sind, beginnt das Ordnen, denn für einen Untersatz
genügen nicht ein bis zwei Blümchen, da muß schon ein kleines
Füllmuster zusammengestellt werden.

[Illustration: Abb. 97. Wandbild mit gepreßten Blumen.]

Der Untersetzer (Abb. 96) besteht aus einem kreisrunden oder ovalen
Rähmchen, statt des Bildes wird die Fläche mit den getrockneten Blumen
eingesetzt. Weiße, gelbe, schwarze Holzrähmchen mit Glas eignen sich am
besten für diesen Zweck. Man kann indessen auf diesen fertigen Rahmen
verzichten und den Untersetzer selber herstellen, indem man unter das
Glas einen starken, entsprechend geschnittenen Pappbogen legt; auf
die Pappe spannt man ein passendes Stückchen Seide, einfarbig, in
Lila, Grün, Braun oder Papierblau, darauf befestigt man die Blumen;
darüber wird die Glasscheibe gelegt, die Papprückwand wird mit
sauberem Packpapier beklebt, und zum Schluß umzieht man das Glas mit
einer nicht zu breiten Goldborte, so daß ein Rahmen entsteht. Solche
Goldborten und Brokatborten werden vielfach in Möbelhandlungen, bei
Dekorateuren verwendet, meist als Abschluß von Vorhängen und Decken;
die Reste eignen sich für Untersetzer sehr gut. Wenn die Blumen nicht
mehr gefallen, trennt man den Rand auf und erneuert den Inhalt. Es gibt
eine Sorte farbiger Strohblumen, die für diesen Zweck sehr empfohlen
werden können, auch Immortellen sehen sehr hübsch unter Glas aus,
sogar der bescheidene Mauerpfeffer kann dafür verwendet werden. Bei
einiger Übung kommt man schließlich selber darauf, welche Blüten sich
für diesen Zweck am besten eignen, und das Zusammensetzen von Mustern
ist so reizvoll und anregend, daß alle, die einmal damit begonnen
haben, nach und nach eine besondere Fertigkeit erlangen und selbst die
verschiedensten Möglichkeiten ersinnen, um ihre zierlichen Versuche
anzubringen.

In früheren Jahren war es üblich, den Myrtenkranz der Braut unter
Glas zur Erinnerung für Kinder und Kindeskinder aufzuheben. Solch
sentimentaler Zimmerschmuck ist unmodern geworden, indessen gibt
es einen unauffälligen, geschmackvollen Ersatz dafür, den sich die
Freundinnen einer Braut merken sollten. Aus einigen Zweigen vom
Myrtenkranz kann man in der beschriebenen Art ein kleines +Wandbild+
(Abb. 97) herstellen, ein Untersetzer würde dafür nicht in Betracht
kommen. Wenn die Brautjungfer solche hübsche Überraschung im Heim der
jungen Frau anbringt, wird die Freude groß sein; in dieser Weise können
mancherlei Erinnerungen an frohe Feste und gemeinsam verlebte Tage
festgehalten werden.

Die Gold- oder Brokatborte über Glas als Rahmen kann vielfach
Verwendung finden; für Liebhaberphotos, Künstlerkarten, kleine
Stickereien, Silhouetten, Klebebilder ist diese Art der Umrahmung sehr
zu empfehlen.


29. Klapperdeckchen und Tortenpapier in Ausschneidetechnik

Statt der üblichen Spitzen- und Stickereiklapperdeckchen wird man
bei passender Gelegenheit gern selbstausgeschnittene +Klapper-+ und
+Tellerdeckchen+ aus Papier verwenden, besonders, wenn es sich um
improvisierte Feste handelt, bei denen es mehr auf die lustige Stimmung
als auf die feierliche Aufmachung ankommt. Das wären sommerliche
Gartenfeste, kleine Tanzgesellschaften im Freien, Geburtstagsfeiern von
jungen Leuten, Geselligkeit im größeren Kreise von guten Bekannten; vor
allem müssen in diesem Rahmen die häuslichen Kostüm- und Maskenbälle
genannt werden, bei denen die Tafel scherzhaft und möglichst originell
gedeckt werden soll.

Da die Herstellung der ausgeschnittenen +Klapperdeckchen+ (Abb. 98
und 99) wenig Zeit und Kosten in Anspruch nimmt, eignen sie sich für
diese Zwecke sehr gut, sie bringen eine persönliche Note in die
Tischdekoration und können in mancherlei Abarten ausgeführt werden.

[Illustration: Abb. 98. Klapperdeckchen in Ausschneidetechnik.]

Man faltet das in der gewünschten Größe quadratisch zugeschnittene
Papier -- Butterbrotpapier ist dafür sehr brauchbar, auch Pergament-
und Kaffeefiltrierpapiere kommen in Betracht -- in entsprechender
Weise dreimal in der Diagonale und schneidet dann mit einer scharfen
Schere die beliebigen Muster: Dreiecke, Kreise, Streifen und so weiter
hinein. Beim Auseinanderfalten ist das ganze Papier symmetrisch mit
Mustern bedeckt. Will man nur den Rand verzieren, dann darf man nur
den Rand des zusammengefalteten Papiers ausschneiden. Man kann auch
mit dem Zirkel Muster aufzeichnen und danach die Formen schneiden.
Nach Belieben wird man die ausgeschnittenen Muster farbig unterlegen;
man klebt gelbes, orangefarbenes, grünes oder tütenblaues Glanzpapier
dahinter; wo es angebracht ist, kann man die +Klapperdeckchen+ auch aus
farbigem Glanzpapier herstellen. Das gilt für lustige Gesellschaften,
wenn die gesamte Tischdekoration auf Farbe eingestellt ist, wenn unter
anderem Papierketten, Konfetti und Lampions dabei eine Rolle spielen.

[Illustration: Abb. 99. Klapperdeckchen.]

In derselben Weise wird man selber +Tortenpapier+ herstellen; gekaufte
gute Tortenpapiere sind nicht billig, und zum selbstgebackenen Kuchen
paßt eine selbsthergestellte Unterlage recht gut. Sie eignet sich für
Obst und Konfekt, auch für selbstgebackenes Marzipan; es sieht sehr
hübsch aus, wenn ein Körbchen, eine Platte in dieser anspruchslosen
Weise verziert ist. Für solches +Tortenpapier+ eignet sich dünnes,
weißes Zeichen- oder auch Pergamentpapier am besten, wenn es nicht
vorrätig ist, genügt schließlich Butterbrotpapier.

Mit Hilfe solcher mehr oder weniger einfachen Ausschnittmuster kann
man sich sehr praktische +Untersetzer+ herstellen. Man klebt die
ausgeschnittenen Papiere auf Pappe, legt eine passend zugeschnittene
Glasscheibe darauf und rahmt den Untersetzer, der beliebig rund oder
eckig gehalten werden kann, mit Kaliko ein. Beim Photographen bekommt
man ausgesonderte Glasplatten, sie eignen sich sehr gut dafür. Sehr
hübsch sehen sechs- und achteckige Untersetzer aus, in jeder Glaserei
wird diese Form beliebig zugeschnitten. Die Wirkung ist am besten, wenn
runde Ausschnittflächen eckig und eckige Muster rund eingerahmt werden.

In der Ausschnitt-Technik stellt man auch hübsche +Schrankpapiere+
her. Wenn sie recht sorgfältig ausgeführt werden, dürften sie bestimmt
viel origineller und geschmackvoller als die üblichen gekauften
„Papierspitzen“ wirken; man verwendet sie am liebsten für Schränke im
Kinderzimmer und in der Küche.


30. Perlarbeiten

Die +Perlarbeit+ wurde erst kürzlich wieder aufgenommen. In
früheren Jahren ist das glitzernde, blitzend bunte Material nur als
Kinderspielzeug gewertet worden. Damit soll indessen nicht gesagt
werden, daß unsere Zeit die Perle entdeckt hat, im Gegenteil, vor
hundert Jahren machten die Frauen so reizende +Perlarbeiten+, daß wir
Modernen diese Art nie erreichen werden, schon darum nicht, weil man im
Jahrhundert des Autos, des Luftschiffes, im Zeichen der Eile und der
damit verbundenen Rekorde gar nicht die Ruhe hat, solche zeitraubende
Augenpulver zu fabrizieren. Auch in die kleinsten Dörfer kommt die
moderne Technik und nimmt den stillen Menschen die Gemächlichkeit, die
unbedingt erforderlich ist, wenn man langwierige, kniffliche Arbeiten
ausführen will. Diese Ruhe hatte man vor hundert Jahren, und darum
sehen wir in alten Vitrinen noch heute wunderfeine +Perlarbeiten+,
die unter einigermaßen ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen
entstanden sind. Wer von euch hat nicht schon einmal Urgroßmutters
+Klingelzug+ bewundert, der im Glasschrank neben Urgroßvaters
+Perlenbörse+ zur Erinnerung aufbewahrt ist. Da sind +Schreibmappen+
und feine +Geldtäschchen+, +Brotkörbchen+ mit perlgesticktem Boden,
+Nähtischeinlagen+, auf denen Schäferinnen mit Schafen und Hunden aus
ganz kleinen, bunten Perlen spazieren gehen. +Lichtmanschetten+, die
das Tropfen der Kerzen auf den Fußboden und auf den Tisch verhindern
sollten, arbeitete man aus großen, langen, goldenen und silbernen
Perlen; +Tabletteinlagen+ aus winzigen, farbigen Glasperlen waren
keine Seltenheit, selbst +Huthalter+ und +Handtuchständer+ wurden mit
Perlen gestickt, meist in Verbindung von Gobelinstickerei, schwimmende
Schwäne, in einem Kranz von Efeu- und Weinblättern und vollen Trauben
-- aber das war schon in der Verfallzeit, in den siebziger Jahren.
Vor hundert Jahren arbeitete man viel geschmackvoller; reizende
+Bilder+ wurden aus Perlen hergestellt, kleine, feine Landschaften
und Stilleben, die häufig mit bunten Papieren in Klebetechnik gerahmt
wurden. Die großen +Reisetaschen+ mit der Inschrift „Bon voyage“, denen
wir in den alten Lustspielen begegnen, wurden vielfach mit Perlen
bestickt, man bestickte unter anderem +Kassetten+ und +Zeitungshalter+,
+Sofakissen+, +Fußbänke+, +Nähkissen+, +Brieftaschen+, +Serviettenringe+
und +Taschentuchbehälter+ mit Perlen; natürlich wurde die +Perlarbeit+
in ihren verschiedenen Techniken auch für die Mode -- besonders die
Damenmode -- herangezogen. Noch heute bewundern wir die feine Arbeit,
Blumen und Früchte, Stilleben, Landschaften, Hunde und Katzen, Vögel
und Lämmchen, Liebespaare, Amoretten und sentimentale Ornamentik, zum
Beispiel rankenumsponnene Säulen, Köcher und Pfeile mit Herzen auf
den alten +Pompadours+ und +Ridiküls+, die von unseren Urgroßmüttern
sehr gern getragen wurden. Gleichzeitig waren auch +Perlarmbänder+
modern, breite oder schmale, meist schwarze Samtbänder, die mit
Silberperlen benäht wurden; auch +Hut-+ und +Halsbänder+ in dieser Art
kamen auf und waren -- den überlieferten Bildern nach zu schließen --
außerordentlich kleidsam. Später wurde diese Mode sehr vergröbert, aus
den zierlichen „Amibändchen“ wurden geschmacklose, perlenstrotzende
Samt- und Seidenbänder, die mit schlechten Mustern „geschmückt“ waren.
Schließlich, als mit dieser Mode wirklich kein Staat mehr zu machen
war, geriet sie -- mit Recht -- in Vergessenheit, und ebenso wie diesem
Modebeiwerk erging es den anderen Perlarbeiten, die ebenfalls sehr
zurückgegangen waren. -- Sie hatten das Schicksal aller Modesachen:
solange sie in der Minderheit auftreten, teuer und gut ausgeführt
sind, gefallen sie sehr; dann dringen sie in die breite Masse, indem
sie billiger hergestellt und demnach zur Imitation werden, und diese
Wandlung führt zu ihrem mehr oder weniger schnellen Ende.

[Illustration: Abb. 100. Muster für Perlarbeiten.]

[Illustration: Abb. 101. Zwei Serviettenringe aus farbigen Holzperlen.]

Wenn die +Perlarbeiten+ in den letzten Jahren wieder aufgekommen sind,
so bedeutet dies durchaus nicht, daß die alten Muster und Techniken
wieder hervorgeholt wurden; man knüpfte zwar an die erprobte Tradition
an, ging und geht heute indessen sichtlich andere Wege. Handgestrickte
und handgehäkelte +Perlbeutel+ für Theater und Besuchszwecke werden
zwar wieder gearbeitet, bewegen sich aber, wenn sie geschmackvoll und
vornehm sind, in so hohen Preislagen, daß sie nicht einmal für die
gute bürgerliche Gesellschaft in Betracht kommen, die Herstellung ist
zu teuer. Als Handarbeit -- wie irgend eine andere -- kommen sie auch
nicht in Frage, weil die Technik zu anstrengend und zu zeitraubend
für heutige Verhältnisse ist. Nur wenn die Perlen sehr klein sind,
und das Muster ganz besonders fein ist, sieht solch Beutel gut aus,
und wer hat schließlich ein Interesse daran, solch mühseliges Stück
zu arbeiten, umso weniger, als das Material sehr kostspielig ist,
wenn andere Techniken zeitgemäßer, angenehmer und billiger sind. Man
braucht heutzutage auch keine +Klingelzüge+ mit und ohne Perlen mehr,
die +Brot-+ und +Kuchenkörbchen+ mit Perlenboden empfinden wir Modernen
als unhygienisch, +Taschenbücher+ und +Schreibmappen+, +Brieftaschen+
und Geldbeutel können unserer Auffassung nach gar nicht fest und
handlich genug sein. Perlenverzierungen bedeuten Rücksicht nehmen,
Zeit verlieren; da muß man andere Gegenstände wählen, um die Perlen
anzubringen.

Für die +Halsbänder+ hat die Mode einen guten Ersatz gefunden, die
langen farbigen +Perlketten+, die so hübsch schlank machen, und die zu
den einfachen Kleidern sehr gut passen. Man hat auch +Holzperlketten+
in den Handel gebracht, aber sie sind lange nicht so reizvoll wie die
Ketten aus bunten Glasperlen, die es mit Korallen- und Bernsteinketten
aufnehmen können. Wer geschickt ist und Farbensinn besitzt, kann solch
feine +Perlenketten+ selber ohne viel Mühe und Kosten auffädeln,
wir bringen auf unseren Bildern entsprechende Muster, die leicht
nachzuarbeiten sind.

Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 100 bis 105) zunächst einige
handgezeichnete Proben für die verschiedenen Arten, große und kleine
Perlen aufzufädeln. Auf dem ersten Muster, das sich sowohl für
+Hutbänder+ als auch für +Gürtel+ eignet, zieht man zwei längliche
und eine runde Perle in der Länge des zu arbeitenden Gegenstandes
auf, fädelt wieder zurück, nimmt nun zwei längliche Perlen auf und
sticht durch die runde, schon aufgezogene Perle zurück. Statt der
zwei langen Perlen kann man auch vier runde Perlen in abstechender
Farbe nehmen (siehe Abb. 100 b). Dieses Muster eignet sich für farbige
+Glas-+ und +Holzperlen+, man verwendet es nicht nur für +Gürtel+ und
+Hutbänder+ usw., sondern auch zum Schmuck von +Lampenschirmen+, +Näh-+
und +Papierkörben+, man kann daraus +Serviettenringe+ und ähnliche
Perlarbeiten herstellen. Handelt es sich um Modesachen, so beachte man
die Farbenzusammenstellung; allzu grelle Farben kommen dafür überhaupt
nicht in Frage. Für Wandervogelkleider sind solche Ketten ein sehr
hübscher Schmuck, für die Stadtkleidung werden Holzperlenketten weniger
getragen. Die beschriebene Technik kommt aber auch für Glas- und
Bernsteinperlen in Betracht; schließlich gibt es nicht nur die kleinen
runden, bunten +Glasperlen+, für die Modeindustrie hat man +große+ und
+kleine+, +längliche+, +runde+, +eckige+, +einfarbige+ und +bemalte+
oder +irisierende Perlen+ in den Handel gebracht. All diese Perlen
lassen sich für +Ketten+ und +Gürtel+ und für kettenartige Verzierungen
in der Art verwerten, wie wir sie auf unseren fünf Zeichnungen so
anschaulich zeigen, daß eine allzulange Erklärung sich erübrigt, denn
die Technik ist immer dieselbe, es wechseln nur Formen und Farben,
und schließlich ergeben sich bei einiger Übung und Geschicklichkeit
vielerlei Möglichkeiten.

[Illustration: Abb. 102. Perlenhutband.]

Die Herstellung der +Serviettenringe+ (Abb. 101) geschieht in folgender
Weise:

1. Zwei runde, eine lange, eine runde Holzperle werden aufgereiht, dann
fährt man mit der Nadel wieder durch die beiden zuerst aufgezogenen
runden Perlen zurück, reiht weitere drei runde Perlen auf, sticht durch
die lange Perle zurück, fährt durch die obere der drei runden Perlen
und beginnt wieder von vorn, bis der Serviettenring die richtige Größe
hat.

2. Man reiht eine lange, drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die
lange Perle, reiht drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die lange
Perle, reiht wieder eine runde Perle auf und so weiter (Abb. 100 ~d~).
Man kann statt der langen Perle auch eine runde Perle in abstechender
Farbe nehmen und die einzelne, zuletzt aufgezogene, runde Perle
fortlassen (Abb. 100 ~e~).

Eine einfarbige lila +Kette+, die auch als +Hutgarnitur+ gedacht ist,
bringen wir auf unserer Abb. 102, um einen fertigen Gegenstand dieser
Art vorzuführen; man ersieht daraus, daß die Technik sehr einfach ist.

In derselben Art sind die +Serviettenringe+ aus Holzperlen ausgeführt
(Abb. 101); auf der Abbildung sehen wir ein Modell als Einzelaufnahme
und daneben ein anderes Modell „im Betrieb“. Es liegt wie ein Armband
um die Serviette; beide Muster sind voneinander verschieden und können
auch als +Kinderarmbänder+ verwendet werden; hier sind Holzperlen sehr
angebracht, wenn man keine schwarzen Holzperlen verwendet, die immer
sehr stark an Trauerschmuck erinnern.

[Illustration: Abb. 103. Farbige Schmuckketten von Liselotte Volk.]

[Illustration: Abb. 104. Farbige Ketten aus Glasperlen.

Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]

Auf dem dritten Bilde (Abb. 103) sehen wir eine geschmackvolle, etwas
komplizierte +Kette+ aus bunten Glasperlen und eine einfache +Kette+
aus farbigen Holz- oder Glasperlen. Die erste +Kette+ besteht aus
einfarbigen kleinen Glasperlen, die auf eine lange Schnur aufgereiht
sind; sie ist leicht verschlungen und hat als Abschluß größere bemalte
venezianische Perlen; aus der größten Abschlußperle hängt eine volle,
lange +Troddel+ herab, die aus denselben Perlen besteht, die für die
verschlungene +Kette+ verwendet worden ist. Die Abbildung ist so
deutlich, daß jede weitere Beschreibung überflüssig ist. Nur über die
Farbe der Kette soll gesprochen werden. Ein tiefes Porzellanblau, nicht
etwa Marineblau, ist immer kleidsam, Hellblau wäre sehr geschmacklos,
dagegen ist Pfauenblau, Violett, Gelb, besonders Dunkelgelb sehr
originell, und Grün, ganz gleich ob Türkisgrün oder Giftgrün, Blattgrün
oder Jadegrün, wird immer hübsch und vornehm wirken. Lapislazuli ist
sehr begehrt, das ist ein weiches, warmes Blau, ebenso Bronzebraun
hell. Nur keine Gold- oder Silberperlen! Das würde nach Zirkus
aussehen. Zwischen die großen venezianischen Perlen können ein paar
kleine, runde Perlen gesetzt werden, wie wir es auf der Photographie
sehen. Wenn die +Kette+ blau ist, wählt man für die runden Perlen Grün
oder Bronzebraun, ist sie grün, so wäre Blau oder Weiß angebracht,
ist sie gelb oder bronzebraun, so wähle man Grün oder Schwarz. Die
venezianischen Perlen sind buntfarbig, irisierend, man kann ebensogut
längliche wie kugelige oder auch eckige, große Abschlußperlen
verwenden, dunkle wirken feiner als helle, große Perlen. Die daneben
abgebildete +Kette+ soll eine Anregung geben, wie man Perlen richtig
aufzieht. Man sieht hier Perlen in verschiedenen Größen, Formen und
Farben. Die drei größten Perlen werden als Mittelstück verwendet, von
kleineren, länglichen Perlen unterbrochen, dann folgt je eine ganz
kleine, runde Perle. Und nun wird genau abgezählt, daß die Perlen bis
zum Schluß in richtiger Reihenfolge nebeneinander stehen, sonst sieht
die ganze +Kette+ nach nichts aus und hängt immer schief. Den Abschluß
bilden die kleinsten Perlen, die der Farbe nach richtig abgestimmt
werden müssen. Solche +Kette+ kann man sowohl aus Holz-, als auch aus
Glasperlen herstellen, es gibt sehr schöne böhmische Glasperlen in
feinen Farben, Grün, Bernsteingelb, Granatrot, meist durchsichtig,
aber auch perlmutterartig. Besonders für Kostümfeste eignen sich
solche +Ketten+ sehr gut. Wer Zeit und Geschmack hat, kann seine
+Kette+ selber aufziehen und wird viel Geld sparen, denn die fertigen,
sogenannten böhmischen +Bauernketten+ sind ziemlich teuer. Sie eignen
sich auch als Schmuck für Wandervogelkleider, denn zum Wandern wird
man am besten nur Schmucksachen tragen, die nicht kostspielig sind und
keine wertvollen Erinnerungsstücke darstellen.

In der Art, wie die +einfache Kette+ auf dem Bilde dargestellt ist,
kann man auch Bernstein-, Korallen- und Perlmutterketten aufziehen. Es
gibt dafür in den einschlägigen Geschäften gewachste und gedrahtete
Aufziehschnur in Weiß, Gelb und Rot, sowohl für Korallen, Granaten,
als auch für Bernstein und Perlmutter geeignet. Blaue und grüne Perlen
zieht man am besten auf weiße Schnur; an den käuflichen Fäden, die
meterweise aufgewickelt sind, ist ein Draht zum Aufreihen angebracht,
andernfalls muß man eine +Aufziehnadel+ verwenden. Es ist immer
notwendig, gute, feste Schnur zu verarbeiten; eine +Kette+ wird beim
Tragen mehr strapaziert, als man annehmen sollte; wenn sie reißt, ist
es fast niemals möglich, alle Perlen zu retten.

Das nächste Bild (Abb. 104) veranschaulicht uns drei hübsche +Ketten+
aus farbigen Glasperlen, die sowohl für Erwachsene als auch für
Backfische und Kinder gedacht sind. Die erste +Kette+ besteht aus
weißen, undurchsichtigen Glasperlen; es werden je siebzehn dieser
Perlen aufgezogen, dann folgen je drei größere, runde, grüne
Glasperlen, und nun folgt ein Muster aus denselben Perlen, je zwei
davon, in der Mitte eine große, längliche, dunkelblaue Perle. Diese
Farbenzusammenstellung wirkt immer jugendlich und kleidsam. Die
zweite +Kette+ ist sehr ähnlich; der Unterschied besteht darin, daß
die weißen Perlen auf einer dreifachen Schnur stehen und diese drei
Ketten zusammengedreht sind. Auch die dritte +Kette+ ist nach diesem
Rezept angefertigt, nur ist die Anordnung der verschiedenen Perlen
in verschiedenen Größen ein wenig anders. Man ersieht dies aus dem
Bilde sehr deutlich; was die Farben anbelangt, so sind dafür die
zuerst angegebenen Töne, Lapislazuli, Türkis, Porzellanblau, Grün in
den verschiedenen Schattierungen, Bronze, Gelb, auch Altgold sehr
zu empfehlen, vielleicht wird ein helles Rot ebenfalls gern gewählt
werden, doch sind andere Farben praktischer, weil man sich Rot sehr
leicht über sieht, außerdem ist es sehr auffallend und kann nicht zu
jedem Kleid, zu jeder Bluse getragen werden.

[Illustration: Abb. 105. Probe zu Perlarbeiten.]

Auf dem letzten Bild (Abb. 105) sehen wir +Proben+ zu +Perlarbeiten+,
sowohl für +Ketten+ als auch für +Armbänder+ und anderen Schmuck.
Man hat in den letzten Jahren verschiedene +Untersetzer+ aus Perlen
eingeführt, die sich auf der gedeckten Tafel sehr bewähren; man
verwendet sie zum Abstellen heißer Schüsseln und benutzt sie auch gern
zum Schutz der Tischplatte, damit Vasen und Blumentöpfe, Teller und so
weiter nicht die Politur verderben. Für solche Zwecke eignet sich der
+Stern+ in zwei Farben sehr gut; man kann ihn aus Glasoder Holzperlen
ausführen und auch verschieden geformte Perlen dazu verwerten. Die
beiden anderen Muster zeigen eine praktische Art, mehrfarbige Glas-
oder Holzperlen aufzureihen; das erste Muster kann ebenfalls als
+Untersetzer+ verwendet werden, wenn man größere Glas- oder Holzperlen
dafür benutzt. Je mehr wir uns mit dieser Technik beschäftigen, desto
mehr Muster fallen uns ein. Eigentlich kommt es doch nur darauf an,
verschiedenfarbige Perlen in verschiedenen Größen geschickt miteinander
zu verbinden; es wäre indessen geschmacklos, Holz- und Glasperlen
gemeinsam zu verwenden.




IV. Kapitel

Laubsägearbeiten


31. Puppenstube

Gut eingerichtete +Puppenstuben+ sind teuer und meist nach einem
bestimmten Geschmack hergestellt. Wer etwas Besonderes haben möchte,
muß sich selber an die Arbeit machen, sie ist unterhaltend und lohnend;
sie macht den Schaffenden eine doppelte Freude, denn einmal ist es
doch sehr reizvoll, einen Gegenstand von Anfang bis zu Ende selber zu
arbeiten, und außerdem wird das Vergnügen der kleinen Wohnungsbesitzer
umso größer sein, je persönlicher die +Puppenstube+ wirkt, je mehr ihre
eigenen Wünsche berücksichtigt werden, und dies läßt sich schließlich
nur dann erreichen, wenn man die Arbeit selber ausführt.

Die +Puppenstube+ ist nicht nur irgend ein Spielzeug, sie ist viel
mehr. Die kleinen Mädchen lieben ihre Puppenstube so sehr, weil sie
hier ihre eigenen Interessen vertreten können; nach ihrem Willen können
sie die Möbel umstellen, „umziehen“, wann es ihnen notwendig erscheint;
sie können ungestört ein „großes Aufräumen“ vornehmen und all das
ausführen, was sie bei den Großen sehen. Beim Spiel mit der Puppenstube
lassen sich frühzeitig die hauswirtschaftlichen Begabungen der Kleinen
feststellen, und manche Eigenschaft, wie Ordnungsliebe, Sauberkeit,
praktischer Sinn, wird beim Spiel mit der Puppenstube gestärkt, durch
Lob oder Tadel anerzogen.

Darum wird die ältere Schwester, die junge Verwandte oder Freundin sich
gewiß gern ans Werk machen, wenn es gilt, solch eine Puppenwohnung
herzustellen. Es gibt häufig genug Gelegenheit dazu. Junge Mädchen,
die ihre Ferien bei Freunden oder Verwandten angenehm verlebt haben,
wollen sich erkenntlich zeigen. Es sind Kinder, kleine Mädchen
im Hause; was gibt es da Hübscheres als eine selbst hergestellte
Puppenwohnung als Danksagung. Keine gehäkelte Decke, kein gesticktes
Kissen wird so viel Freude bei den Gastgebern hervorrufen, denn
Handarbeiten können schließlich auch andre schenken. Eine gut
eingerichtete, selbst hergestellte Puppenstube aber ist etwas ganz
Besonderes, das kann nicht jeder.

Als Grundmaterial dient eine feste +Kiste+, deren Vorderwand losgelöst
wird. In eine Wand sägt man Fenster, am besten in die breiteste Wand,
eins oder zwei, je nach Belieben. Nun gilt es, die Zimmerwände zu
tapezieren oder anzustreichen. Als Tapete kann man kleinmusterige
+Tapetenreste+ verwenden, die mit Kleister befestigt werden; auch
+Vorsatzpapiere+ kann man dazu verwerten. Wer gute +Holzbeize+ besitzt,
beize die drei Wände in Hell- oder Dunkelbraun, in Dunkelgrün oder
Dunkelblau. Auch +Ölfarbe+ eignet sich zum Wandanstrich. Man macht
sich eine hübsche Farbe zurecht, Ockergelb, Bronze, pompejanisch Rot,
Briefkastenblau, Tütenblau oder Türkis. Dann streicht man mit einer
dieser Farben die Wände und läßt sie einige Tage ruhig trocknen. Sehr
gut ist die Wirkung, wenn man am oberen Rande der Wände eine zweite
hellere Farbe aufstreicht und beide Töne mit einem schmalen Streifen
verbindet. Am besten sehen folgende Farbenzusammenstellungen aus:
Oben Hellcreme, unten Blaugrün oder pompejanisch Rot mit sepiabraunem
Streifen, oder: oben Türkis, unten Pfauenblau mit schwarzem Streifen,
oder oben Weiß, unten Kobalt- oder Briefkastenblau mit grasgrünem
Streifen, oder oben Weiß, unten Ockergelb mit pompejanischrotem
Streifen. Der Streifen wird auch um die Fenster gelegt, damit sie mehr
betont werden.

Wir raten, den Fußboden der Puppenstube, nachdem die Wände gestrichen
oder tapeziert sind, oder auch vorher, zu streichen. Am besten eignet
sich hell- oder dunkelbraune Ölfarbe dazu, auch dunkelgraue Töne
dürften Anklang finden.

Die Möbel stellt man mit der Laubsäge her, die Holzstärke beträgt am
besten 5 Millimeter.

In eine praktisch eingerichtete Puppenstube, wie sie z. B. in unserer
Abb. 106 zu sehen ist, gehören folgende Möbel: ein +Bett+, ein
+Schrank+, ein +Waschtisch+, ein paar +Stühle+, eine +Eckbank+ statt
des Sofas, dessen Herstellung zu schwierig sein dürfte -- eine Bank
erfüllt, mit Kissen belegt, denselben Zweck --, ein +Wandbrett+, ein
+Tisch+, ein oder zwei +Sessel+ -- je nach Größe der Puppenstube -- ein
+Nachttisch+, eine +Fußbank+. Die Größenverhältnisse sind in folgender
Weise festgelegt:

[Illustration: Abb. 106. Selbstgearbeitete Puppenstube.

Entwurf und Ausführung: Irmgard Volk.]

+Bett+: Kopf- und Fußwand 9 mal 11 Zentimeter Höhe. Daraus werden die
Füße, 2 Zentimeter hoch, gleich mit ausgesägt. Der Boden des Bettes
beträgt 17 mal 8 Zentimeter, die Seitenwände sind 17 mal 2 Zentimeter
groß.

Der +Schrank+ (Abb. 107) hat eine Rückwand von 10 mal 16 Zentimeter,
die Seitenwände sind 5 mal 16 Zentimeter groß, der Boden beträgt 11 mal
5½ Zentimeter, der Schrankaufsatz 6 mal 11 Zentimeter, die Tür 11 mal
16 Zentimeter.

Der +Waschtisch+ hat eine Platte von 10 mal 7 Zentimeter, die
Seitenwände betragen je 6 mal 8 Zentimeter, die Rückwand ist 8 mal 8
Zentimeter groß, das innere Brett 5½ mal 8 Zentimeter.

Der +Nachttisch+ hat eine Platte von 5 mal 5 Zentimeter, zwei
Seitenwände zu je 3 mal 8 Zentimeter, eine Rückwand von 4 mal 8
Zentimeter, ein inneres Brett 3 mal 3 Zentimeter.

Der +Sessel+ hat eine Rückwand von 6 mal 12 Zentimeter, zwei
Seitenwände zu 6 mal 8 Zentimeter, einen Sitz 5½ mal 6 Zentimeter, die
Höhe der ausgesägten Stuhlbeine beträgt 3½ Zentimeter.

Der +Stuhl+ hat eine Rückwand 5 mal 11 Zentimeter, einen Sitz 5
mal 5 Zentimeter, die Beine werden in 1 Zentimeter Stärke und 4
Zentimeter Höhe aus der Rückwand und aus dem Vorderbrett ausgesägt.
Die Vorderbeine sind 5 mal 5 Zentimeter, die Seitenteile 1½ mal 4½
Zentimeter.

Die +Fußbank+ ist 18 mal 18 Zentimeter groß, die Mittelbeine werden
über Eck 6 mal 5 Zentimeter angenagelt, die andern Beine sind 4½ mal 5
Zentimeter groß. Der Durchmesser des Holzes beträgt 5½ Zentimeter.

Zeichnung zur Fußbank.

[Illustration]

Das +Wandbrett+ hat ein Brett 3 mal 15 Zentimeter, Stütze: 4 mal 3½
Zentimeter.

Der +Tisch+ hat eine runde Tischplatte von 12 Zentimeter Durchmesser,
der Fuß besteht aus einer entsprechend großen Garnrolle.

Die +Möbel+ werden mit Messingnägeln zusammengenagelt, man achte
darauf, daß die Nägel runde Köpfe haben.

[Illustration: Abb. 107. Puppenschrank, Innenansicht.]

Die fertigen Stücke wird man am besten mit +Holzbeize+ färben.
Am feinsten wirkt Eiche, Palisander, hell- oder dunkelbraun, die
Ränder streicht man mit schwarzer Ölfarbe an. Die Beize wird
mehrmals aufgetragen, nachdem der erste Anstrich eingezogen ist;
der Anstrich darf nicht streifig wirken. Erst wenn die Beize völlig
eingezogen ist und bestimmt nicht nochmals aufgetragen zu werden
braucht, werden die Streifen mit Ölfarbe gestrichen. Der Ölanstrich
muß einige Tage auftrocknen. Wir zeigen auf unserer Abb. 106 die
vollständig eingerichtete +Puppenstube+ und bringen den +Schrank+
in einer Einzelansicht (Abb. 107), weil er aus technischen Gründen
bei der Aufnahme aus der Puppenstube entfernt werden mußte. In
dieser hübschen Originalpuppenstube steht der Schrank an Stelle des
Waschtisches, und der Waschtisch an Stelle des Sessels, der neben dem
Tisch stehen müßte. Der Schrank hätte die Aussicht verdeckt, man kann
ihn beliebig in der Puppenstube aufstellen. Auf unserm Bilde sieht
man das große +Einzelfenster+. Man kann eine vom Glaser entsprechend
groß geschnittene Glasscheibe mit Glaserkitt vorkleben, man kann
auch, wenn die Puppenstube sehr groß ist, zwei Fenster anbringen.
Aus buntem +Waschstoff+, am besten +Druckstoff+, +Kretonne+ -- ein
Restchen genügt -- wird der gekrauste kurze +Vorhang+ hergestellt,
und an kleinen +Ringen+ über eine +Stange+ gezogen. Wer Lust hat,
kann aus +Gardinenstoff+, aus +Tüll+ oder +Schleierstoff+ Gardinen
nähen, das ist Geschmacksache; geraffte Gardinen, Vorhänge, mehr oder
weniger lang, passen ebenfalls in dies Zimmer. Der +Teppich+ unter
dem Tisch ist handgestickt. Er zeigt ein geometrisches Muster, über
Kanevas in Kreuzstich gearbeitet, mit einer schwarzen Schnur am Rande
abgepaßt. Wer Zeit sparen will, verwendet am besten ein Stückchen
+Möbelstoff+ als Teppich, auch handgewebte streifige oder gekästelte,
kleinmusterige Stoffe passen dafür. Wie man +Betten+ herstellt, weiß
jedes größere Mädchen; statt der Federn verwendet man Kissenfüllung,
die in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, am besten eignen
sich +Pflanzendaunen+ dafür. Man näht rote oder blaue +Inletts+ und
weiße +Bezüge+ und +Bettlaken+; je ähnlicher sie den „richtigen“ Betten
der Großen sind, desto mehr Anklang werden sie finden.

Auf den +Waschtisch+ stellt man ein Puppenwaschservice, vielleicht
treibt man für den Nachttisch einen +Leuchter+ auf.

Es gibt in Spielwarenhandlungen kleine +Schalen+, die, auf den Tisch
gestellt, den Raum sehr hübsch beleben, dort findet man auch +Kännchen+
für das Wandbrett.

Zum Schmuck der Wände stellt man +Bilder+ her, indem man passende
Bildchen auf Pappe klebt, mit Kaliko rahmt und an schwarzen Schnüren
oder Perlgarn aufhängt.

Über dem Waschtisch hängt ein +Spiegel+, es ist ein Taschenspiegelchen,
das für diesen Zweck sehr geeignet ist. Man kann indessen selber solch
Wandspiegel aus einem Spiegelrest herstellen; der Glaser schneidet die
Form, dann rahmt man den Spiegel mit Kaliko, wie die Bilder, ein.

Was wir auf unsern Abbildungen zeigen und hier beschreiben, sind Möbel,
die sich durch einfache Linien und praktische Formen auszeichnen.
Da sind keine gedrehten Füße, keine überflüssigen Schnörkel, jedes
Stück ist auf Brauchbarkeit eingestellt und im besten Sinne „modern“.
Solche Puppenmöbel kann man kaum kaufen; was man im Laden erhält, ist
mehr oder weniger teure Dutzendware, was wir als Muster geben, ist
vorbildliche Handarbeit.

Der geöffnete +Schrank+ zeigt die kleinen Messingscharniere, an denen
die Tür befestigt ist, wir sehen das +Brett+ für die Hüte, sehr
praktisch ausgedacht; ein Draht ist in die Wände gezogen als Stange für
die Kleider; so sehen die Kleinen es bei den Erwachsenen, so wünschen
sie es sich für ihre Puppenkinder.

Auf der Eckbank liegt ein +Kissen+ mit einem farbigen Stoffrestchen
bezogen; wer Zeit und Lust hat, kann mehrere solcher Kissen anfertigen
und auf die Bank legen.

Die fertigen Möbel werden am besten gewachst, um die Haltbarkeit
der Beize zu erhöhen und sie vor Unsauberkeit zu schützen. Es wird
sich nicht vermeiden lassen, daß sie sehr häufig und nicht immer mit
tadellos sauberen Händen angefaßt werden, es werden wohl auch fremde
Kinder, kleine Gäste damit spielen, wenn auch die jungen Besitzer
solcher Puppenstube selber ihr Spielzeug in acht nehmen werden.

Als besondere +Handwerksregel+ wollen wir noch betonen, daß man für die
Möbel +Pappel-+, +Birnen-+, +Linden-+ oder +Ahornholz+ verwenden soll,
es ist weich und fest und läßt sich mit der Laubsäge gut behandeln.
Die Maserung des Holzes soll stets in der Längsrichtung liegen, das
Sägeblatt soll beim Sägen straff eingespannt werden. Man achte stets
darauf, daß die Zacken nach unten zeigen. Die fertig ausgesägten Stücke
werden sauber ausgefeilt, man reibt sie zum Schluß mit Sandpapier nach,
um alle Rauheiten zu ebnen. Je glatter die Flächen, desto handlicher
und ansehnlicher die Arbeit.

Da alle Möbelstücke aus festem Holz gut gearbeitet sind, kann man
wirklich nach Belieben damit spielen ohne befürchten zu müssen, daß
sie nach längerem Gebrauch „aus dem Leim gehen“. Das können sie nicht,
denn sie sind genagelt und nicht geleimt und, wenn es darauf ankommt,
schon einen Puff vertragen. Sie werden auch nicht so leicht unsauber,
denn die gewachsten Flächen wirken immer sauber. Indessen besteht wenig
Gefahr für diese reizende Puppenstube und ihre hübschen Möbel, denn die
Kinder, die solch gute Sachen zum Spiel erhalten, werden aus eigenem
Antrieb darauf bedacht sein, sie nicht unnötig zu strapazieren, und
wahrscheinlich sehr stolz auf ihre eigenartige Puppenstube sein.


32. Fensterbild

+Fensterbilder+ sind sehr beliebt, indessen sollen sie unbedingt
geschmackvoll wirken, sonst ist es besser, auf diesen lustigen
Zimmerschmuck zu verzichten. In früheren Jahren gab es bunte
Fensterbilder, die alte Kirchen- und Palastfenster vortäuschen
sollten; sie stellten rührselige Szenen dar, zum Beispiel den Abschied
aus dem „Trompeter von Säckingen“ oder „Gretchen am Spinnrad“, es war
eine -- trostlose Geschmacklosigkeit, aber damals schwärmte man für
solchen Raumschmuck. Er gehörte zu den gekreuzten Lanzen +neben+ dem
Sofa, rechts und links, er paßte zu den unförmigen Pokalen auf dem
Paneelbrett +über+ dem Sofa, zu dem türmchenbekrönten Büfett und zu
den troddelgeschmückten Plüschvorhängen. Heute ist die Mode ruhiger,
sachlicher, man verzichtet auf ritterburgartige Schränke im Zimmer
und sucht möglichst viel Licht und Luft hineinzulassen. Darum wird
man recht sparsam mit den Fensterbildern umgehen und sie in der Art
herstellen, daß sie den Raum nicht verdunkeln.

Wir zeigen auf unsrer Abb. 108 ein Silhouettenbild, das für diese
Zwecke gedacht ist, und geben es anbei als Beispiel; geschickte Hände
dürften weitere Motive finden, die in dieser Art verarbeitet werden
können. Unser Modell ist in +Laubsägearbeit+ ausgeführt. Man zeichnet
das passende Muster auf das Holz auf, am besten auf Ahornholz, weil
dieses sich für die +Laubsägetechnik+ sehr gut eignet. Die Übertragung
des Musters geschieht in derselben Art wie beim Sticken; Blaupaus-,
Ölpaus-, Graphitpapiere lassen sich dafür verwenden; man macht zuerst
die Zeichnung und überträgt sie mit scharf gespitztem, recht hartem
Bleistift auf das Holz. Das Ahornholz soll etwa 3 Millimeter dick
sein; die Silhouette wird ausgesägt und schließlich mit tiefschwarzer
Beize angestrichen. Man muß die Laubsäge so halten, daß das Sägeblatt
senkrecht zum Holz steht. Die Zacken sollen nach abwärts zeigen, das
Sägeblatt muß sehr straff eingespannt sein. Beim Aufzeichnen achte man
darauf, daß die Maserung des Holzes stets die Längsrichtung zeigt.

Die +Holzbeize+ ist zwar in den einschlägigen Geschäften und Drogerien
fertig käuflich, doch kann man sie selber herstellen, wenn man das
Beizepulver, ebenfalls dort erhältlich, in Wasser oder in Spiritus
auflöst. Das Holz muß vor dem Beizen mit Sandpapier tüchtig abgerieben
werden, damit es nicht rauh aussieht; rauhe Holzoberflächen sehen auch
nach dem Beizen unschön aus; all dies muß bei der Auswahl des Holzes
besonders berücksichtigt werden. Hat das Holz eine ungleichmäßige
Oberfläche, so nimmt es die Farbe ungleichmäßig an; die hauptsächliche
Wirkung der Gegenstände hängt indessen zum großen Teil von der mehr
oder weniger gut bearbeiteten Oberfläche ab. Zum Beizen eignen sich
die fertig käuflichen Anilinfarben sehr gut, die unter dem Namen
„+Holzbeizen+“ bekannt sind. Handelt es sich um eilige Arbeiten, so
löst man sie in Spiritus auf, sie trocknen sehr schnell, doch wirkt der
Anstrich leicht fleckig. Beizen, die in Wasser aufgelöst worden sind,
sind billiger. Die Beize trocknet in vierundzwanzig Stunden auf, am
besten in einem staubfreien Raum, dann ist die Arbeit so weit, daß sie
+gewachst+ werden kann.

Am einfachsten ist es, wenn man dazu fertige +Bohnermasse+ benutzt;
man behandelt den Gegenstand wie einen Fußboden, reibt die Bohnermasse
tüchtig und gleichmäßig ein und bürstet sie nach 24 Stunden mit einer
harten, sauberen Bürste, die trocken sein muß, so lange, bis ein
weicher Glanz gleichmäßig die Oberfläche bedeckt. Dieser weiche Glanz
ist durchaus notwendig, sonst könnte man die Fläche auch lackieren.
Aber gerade das Lackieren soll vermieden werden, weil das Fensterbild
dadurch einen harten Glanz bekäme, der sehr wenig vornehm wirken würde.

[Illustration: Abb. 108. Fensterbild in Laubsägearbeit.]

Man kann die +Wachsmasse+ sehr leicht selber herstellen, indem man
reines Bienenwachs in Terpentin auflöst. Man schneidet das Bienenwachs
in kleine Stückchen, legt diese in einen verschließbaren Behälter
und übergießt es mit Terpentin; das Wachs muß vollständig überdeckt
sein. Als Behälter eignen sich Blech-, Glas- oder Porzellandosen, zum
Beispiel kleine Weckgläser. Nach ungefähr drei Tagen hat das Terpentin
das Wachs aufgelöst, es entsteht eine weiche Masse, die mit einem
trockenen, sauberen Pinsel oder mit einem reinen, weichen Lappen
gleichmäßig auf den Gegenstand aufgetragen wird. Man nimmt nur wenig
Wachsmasse, es soll eine dünne Schicht aufgestrichen werden, damit das
Holz sie gleichmäßig aufnimmt, andernfalls gerinnt sie ungleichmäßig.
Mit +Terpentin+ kann man den Wachsanstrich wieder entfernen, wenn er
mißlungen ist.

Man gießt ein paar Tropfen Terpentin auf einen reinen Lappen und
wischt die Wachsschicht sorgfältig wieder ab. Ist die Wachsschicht
gut gelungen, so wird sie mit einer reinen, trockenen +Bürste+, zum
Beispiel mit einer Handbürste verrieben, bis der typische matte Glanz
entsteht. In einem staubfreien Raum bleibt die Arbeit ungefähr zwei
bis drei Tage liegen, dann wiederholt man das Verfahren. Man wird
beobachten, daß das Terpentin in das Holz eingezogen ist, der Glanz ist
kräftiger geworden, ohne indessen wie Hochglanz zu wirken.

Nun befestigt man +schwarze Seidenschnur+ in entsprechender Stärke
an der oberen Seite des Fensterbildes, damit es aufgehangen werden
kann, und achte darauf, daß die Schnüre gleichmäßig an beiden Seiten
angebracht sind, sonst hängt das Fensterbild stets schief. Außer
Ahornholz kann auch Erlen- oder Zigarrenkistenholz für ein Fensterbild
verwendet werden.


33. Handgearbeiteter Lampenschirm

Außer den üblichen +Lampenschirmen+ aus Seide oder Batist, die über
ein Drahtgestell gearbeitet werden, gibt es noch andre Arten, die
durch ihre originelle Form und Herstellungsweise auffallen. Da ist zum
Beispiel der Lampenschirm aus einem lichtdurchlässigen Stoff, der über
einen +ausgesägten Holzrand+ gespannt ist (Abb. 109 bis 111). Solch
ein Lampenschirm kann sowohl in den einzelnen Zimmern als auch auf
der Diele verwendet werden; für bessere Zwecke verarbeitet man Seide,
andernfalls genügt feiner Batist, der beliebig eingefärbt wird. Am
feinsten wirkt Grün in den verschiedenen Tönen, auch Türkis, Orange und
Altgold sieht sehr gut aus. Lila verdunkelt leicht den Raum, Feuerrot
ist nicht fein, Rosa wirkt süßlich, ebenso Hellblau, dagegen ist
ein kräftiges Tütenblau eher zu empfehlen. Wenn Lila gewählt werden
soll, so kommt das rötliche Bischofslila eher als andre Lilafarben in
Betracht, und ein tiefes Lachsrosa kann, wenn der Raum dafür geeignet
ist, sehr gut wirken. Karmoisinrot, das ja kein ausgesprochenes Rot
ist, sieht manchmal recht originell aus, besonders in Seide; die
Farbenwahl ist indessen sehr wichtig, denn schließlich liegt in der
richtigen Tönung einer der hauptsächlichen Reize. Der Schirm wird weiß
gefüttert.

Das Originellste an diesem +Lampenschirm+ ist der +Holzrand+, der aus
leichter +Laubsägearbeit+ besteht. Geschickte Mädchenhände dürften ohne
Schwierigkeit die Laubsäge führen, umso eher, als es dabei mehr auf die
Übung als auf besondere Lehrmethoden ankommt.

[Illustration: Abb. 109. Arbeitsprobe zum handgearbeiteten
Lampenschirm.]

Man zeichnet über Pauspapier das Muster auf und achtet beim Sägen
darauf, daß das Sägeblatt stets senkrecht zum Holz gehalten wird.
Die Sägeblätter werden so straff wie möglich eingespannt, die Zacken
sollen nach abwärts zeigen. Nach dem Sägen werden die Konturen sauber
ausgefeilt und mit Sandpapier glatt gerieben. Die Blitzsäge ist sehr
empfehlenswert. Für dickes Holz verwendet man Bandsägen, die man
beliebig vom Stück kauft; das Stück, das eingespannt werden soll, wird
mit der Zange abgezwickt. Für Laubsägearbeiten eignen sich besonders
gut die verschiedenen weichen Hölzer, zum Beispiel Erlen-, Linden-,
Pappel- und Birnenholz. Beim Verarbeiten soll die Maserung des Holzes
stets die Längsrichtung zeigen. Man verwendet Sperrholz, da anderes
Holz sich ziehen würde.

Der +Holzring+ kann, nachdem die Laubsägearbeit fertig ist, lackiert,
gebeizt oder gefirnißt werden. Bemalt man ihn mit Temperafarbe, so wird
er, wenn die Farbe aufgetrocknet ist, mit Temperafirnis überzogen.

+Beizen+ stellt man selber her, indem man die käuflichen Beizepulver in
Spiritus, nur im Notfall in Wasser auflöst, und das Holz, das vorher
mit Sandpapier abgerieben worden ist, zweimal mit dem Pinsel dünn und
gleichmäßig überstreicht. Für diesen Lampenschirm würde sich ein guter
Holzton empfehlen, Ahorn, Eiche, Schwarz, Hell- oder Dunkelbraun,
Hell- oder Dunkelgrau. Von bunten Tönen wäre in diesem Fall abzuraten.
Nach dem Beizen kann man das Holz +wachsen+: man trägt mit einem
weichen, sauberen Lappen möglichst dünn und gleichmäßig das käufliche
Bohnerwachs auf, läßt es zwölf Stunden einwirken und bürstet es mit
einer scharfen Bürste, bis die Fläche blank ist. Gelbe Bohnermasse
soll man nur für einen bräunlichen Ton verwenden, für Schwarz oder
Grau kommt sie nicht in Betracht. Auch flüssige Bohnermasse ist dafür
verwendbar.

Sehr gut wirkt die Arbeit, wenn sie +gefirnißt+ wird. Firnis macht den
Anstrich dunkler und ausdrucksvoller, glänzt mehr als Bohnerwachs und
schützt die Farbe ebenso wie dieses gegen die Einwirkungen von Wasser
und andern Feuchtigkeiten; der +Firnis+ -- in den Spezialgeschäften und
Drogerien fertig erhältlich -- wird mit einem dafür bereit gehaltenen
Pinsel, der vor Wasser geschützt werden muß, dünn aufgetragen. Dann
läßt man ihn auftrocknen, ohne die Fläche vorher zu berühren, da sich
sonst bestimmt „blinde“ Stellen zeigen dürften.

Will man das Holz +lackieren+, so verwendet man farblosen, fertig
käuflichen Lack, den man sich aus Spiritus und Schellack selber
herstellen kann. Lack muß in staubfreier Luft auftrocknen, sonst sieht
man jedes Stäubchen auf der Arbeit.

Man kann auch +Lackfarben+ selber herstellen, indem man die geeignete
Erdfarbe statt mit Wasser mit farblosem Lack anrührt und auf das Holz
überträgt, in diesem Fall spart man das Lackieren.

Ist die Laubsägearbeit fertig, so wird der Lampenschirm, der an sich
sehr einfach in der Herstellung ist, aufgezogen. An der Spitze sehen
wir einen fertig käuflichen Knauf, der den oberen Abschluß bildet,
eine große Holzperle dürfte diesen Knauf durchaus ersetzen. Aus
unsern Bildern ist die Herstellungsweise des Lampenschirmes deutlich
zu erkennen, sowohl die Muster am Reifen, als auch die Fältelung des
Stoffes.

Der Stoff wird außerhalb des Holzringes befestigt, der Schirm hat an
der Innenseite einen Volant, der nach unten hängend, die Lichtquelle
verhüllt. Der Holzring wird, in Breite von 6 bis 8 Zentimeter, am
besten aus Sperrholz ausgesägt, mit der Feile hilft man nach, damit die
Ornamente sauber herauskommen. Das Muster ist ausgesprochen einfach und
„durchsichtig“ gehalten, damit möglichst viel Licht hindurchscheinen
kann. Um die Zeichnung besonders sauber herauszubringen, teilt man den
ganzen Kreis erst mit dem Zirkel in kleinere Teile und versucht, durch
Zirkelmuster eine gute Aufteilung zu erzielen.

[Illustration: Abb. 110. Handgearbeiteter Lampenschirm mit ausgesägtem
Holzrand. Von Liselotte Volk.]

[Illustration: Abb. 111. Handgearbeiteter Lampenschirm. Der ausgesägte
Rand ist aufgestellt.]

Den Stoff zieht man, um besser arbeiten zu können, zunächst auf
ein Drahtgestell, das denselben Umfang hat wie der Außenumfang des
Holzreifens, dann legt man den mit dem Volant bezogenen Drahtring in
den Holzring und befestigt ihn mit kleinen, feinen Nägelchen. Den
ganzen Ring befestigt man am Draht des Lampenschirmes. Eine farbige
Holzkugel bildet den Abschluß des Lampenschirmes nach oben hin.
Will man einen doppelten Volant verwenden, so braucht man den Stoff
nur oberhalb der Mitte abzunähen und den inneren Volant noch einmal
aufzukräuseln.

Eine andere Art, selber einen +seidenen Lampenschirm+ herzustellen, ist
ebenso einfach und originell. Wir wollen sie recht genau beschreiben,
damit sie nachgearbeitet werden kann: Man lege den Stoff gespannt
um den ausgesägten Holzring, der auch bei diesem Lampenschirm die
Hauptrolle spielt, nachdem man einen Faden in der Höhe des Holzringes
aus dem Stoff ausgezogen hat, damit der Stoff gerade wird. Nun
schneidet man einen schmalen Papierstreifen, der so breit sein soll
wie der Holzrand hoch ist und so lang wie der Holzring, wenn man ihn
aufrollen würde. Dann nagelt man den Stoff und den Papierstreifen
zusammen auf; der Papierstreifen soll den Stoff beim Annageln schützen,
damit er nicht so leicht durchreißt. Außerdem würde sich der Stoff
sonst sehr bald verziehen; der Pappstreifen dient auch dazu, den Stoff
in gleicher Höhe zu halten, damit er gerade und nicht wellig am Rand
aufliegt. Das weiße Futter wird etwas kürzer, als der obere Teil der
Seide beträgt, glatt angenagelt, am besten mit dem Oberstoff zusammen,
um Zeit und Arbeit zu sparen. Am oberen Teil näht man einen Saum,
zieht eine Schnur durch und den Stoff zusammen. Das Futter reiht man
nur von oben bis zum Holzrand, wo es mit der Seide zusammen angenagelt
wird. Der Volant besteht nur aus Seide, ohne Futter; statt der Seide
kann man auch für diesen Lampenschirm einen anderen passenden Stoff,
zum Beispiel feinen Batist, verwenden, zum Abfüttern des Schirmes
läßt sich jedes dünne, weiße Gewebe verwenden; wer besonders sparsam
sein möchte, kann dafür die guten Teile aus schadhaft gewordener
feiner Wäsche benutzen. Der Stoff muß sehr genau verteilt werden, man
probiere es sorgfältig aus, während der Holzreifen wagerecht liegt, da
sonst der Lampenschirm stets schief hängen würde; dies gilt für jede
Herstellungsart.




V. Kapitel

Bastelarbeiten


34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn)

An den langen Winterabenden hat man Gelegenheit, sein Basteltalent
zu zeigen. Da kann man seine Phantasie zu Hilfe nehmen, mancherlei
ausdenken und mit geschickten Fingern in die Wirklichkeit übersetzen;
da kann man aber auch mancherlei Anregung von anderer Seite recht gut
gebrauchen. Was man gesehen und gehört hat, wird nachgearbeitet, eigene
Erfahrungen und Gedanken kommen dazu, und schließlich entsteht etwas
ganz anderes, ganz neues, was vielleicht noch viel hübscher ist als
das, was man ursprünglich herstellen wollte. So kommt man auch auf
einfaches +Spielzeug+, auf allerlei hübschen Zeitvertreib; die Kleinen
wollen und sollen spielen, ohne die großen Geschwister andauernd mit
Fragen zu stören, ohne auf das Mitspielen der Erwachsenen angewiesen zu
sein.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 112 und 113) solch unterhaltsame
+kleine Spielsachen+, mit denen die große Schwester, die junge Tante
oder Schwägerin das Herz der kleinen Lieblinge gewinnen dürfte, ohne
sich in Kosten stürzen zu müssen, und es wird ihr einen ganz besonderen
Spaß machen, mit oder ohne Hilfe des kleinen Volkes die niedlichen
Gegenstände herzustellen.

Da ist ein +Dorf+ (Abb. 112)! Das Grundmaterial besteht aus
+Streichholzschachteln+, die im Haushalt zu diesem Zweck gesammelt
werden, denn man kann nach Belieben ein kleines, aber auch ein reiches,
großes Dorf mit vielen Häusern anfertigen. Auf dem beschränkten Raum
eines Bildes kann nur das Notwendigste vorgeführt werden.

Die Streichholzschachteln werden zu +Häusern+ umgewandelt, indem man
die Seitenteile der Schachteln, die doppelt übereinander liegen,
aufritzt und als Dach winklig gegeneinanderstellt. Man beklebt die
Häuschen mit +Buntpapier+, die Wände hält man rosa, gelb, blau, grün
in verschiedenen Tönen, die +Dächer+ rot, die +Türen+ werden in Braun
oder Schwarz aufgeklebt, ebenso die +Fenster+. Man benutzt dazu
Fischleim oder Kleister; jedes Klebemittel, das für Papier geeignet
ist, läßt sich verwerten. Wer ganz besonders geschickt ist, kann
weiße Fenster kleben und schwarze +Fensterkreuze+ darauf pinseln.
Auch grüne +Fensterläden+ sehen sehr hübsch aus. Der +Ziehbrunnen+
besteht aus einer offenen, runden Schachtel, die beklebt werden
kann. Mit Kartonpapier werden die Röhren hergestellt. Die Phantasie
wird hier mithelfen müssen, es finden sich im Haushalt sicherlich
geeignete Hülsen, die dafür in Frage kommen. Für die +Kirche+ nimmt
man eine größere Schachtel, man kann auch mehrere Zündholzschachteln
übereinanderkleben, bis die richtige Höhe erreicht ist, und das
Dach aus Pappe aufsetzen. Auch der +Kirchturm+ wird in dieser Weise
aufgebaut, eine +Turmuhr+ aus gelbem Papier darf nicht fehlen. Vor der
Kirche hält ein +Planwagen+ aus einer Streichholzschachtel. Die +Räder+
bestehen aus Kartonpapier oder Pappe und werden in der Art angebracht,
daß man durch ihre Mitte ein Streichholz stößt und es in die Wagenwand
schiebt. Auch Zahnstocher eignen sich dafür. Das +Schutzdach+ besteht
aus Papier; blaue Heftdeckel kann man dafür benutzen. Die +Pferde+
bestehen aus großen länglichen Holzperlen; diese sollen den Rumpf
darstellen, der Kopf -- eine kleinere, ebenfalls längliche Holzperle
oder eine Bohne -- wird angeleimt, ebenso Zündholzbeine und Schwänze
aus Seiden- oder aufgerauhten Wollfäden. Das +Pferdegeschirr+ besteht
aus Wollfäden oder aus Perlgarn. Der +Kutscher+ wird, wie die
übrigen Dorfbewohner, aus halbierten Paketknebeln hergestellt; man
sägt die Paketknebel mit der Laubsäge in zwei Teile, klebt sie auf
Holzknöpfe, damit sie stehen können, zieht den +Frauen+ weite Röcke
aus Seidenpapier an und bemalt Männlein und Fräulein mit Deckfarben.
Man pinselt rosa Gesichter mit schwarzen Punktaugen und rotem Mund,
mit braunen und ockerfarbenen Haaren, man malt rote und blaue, grüne
und gelbe Oberkörper, als wenn sie bunte Jumper trügen, und malt mit
abstechenden Tönen den Unterkörper; mit einem schwarzen Strich in der
Mitte werden farbige Hosen angedeutet, die Arme aus Streichhölzern
werden an beiden Seiten des Rumpfes festgeklebt oder mit Blumendraht
beweglich befestigt. Man bohrt Löcher in die Paketknebel und zieht den
Draht durch, die Zündhölzer werden am oberen Ende damit umwickelt.

[Illustration: Abb. 112. Ein Dorf aus Streichholzschachteln. Von
Liselotte Volk.]

Besonders malerisch wirken die +Bäume+. Der Baumstamm besteht aus
Holzstöckchen in entsprechender Höhe, die auf Holzknöpfe geleimt
werden, damit sie feststehen. Man kann auch viereckige Holzstückchen
dafür verwenden. Das +Laub+ besteht aus grünem Seidenpapier; ein
langer Streifen Seidenpapier wird an einer Längsseite in Abständen
von ½ Zentimeter eingeschnitten. Der Baumstamm wird mit Kleister
oder Leim bestrichen, soweit das „Laub“ reicht, und nun wird der
Seidenpapierstreifen, von oben anfangend, nach unten darüber gewickelt,
bis ein voller Wipfel entsteht. Der Stamm wird braun angestrichen,
ebenso der Knopf oder das Standbrettchen. Noch einfacher ist die
Herstellung der Bäume, wenn man Luffaschwamm in grüner Beize färbt und
an den Baumstämmchen befestigt.

[Illustration: Abb. 113. Eisenbahn aus Streichholzschachteln.]

Die +Eisenbahn+ (Abb. 113) ist ein Spielzeug, das in jedem Kinderzimmer
helle Begeisterung auslösen dürfte; besonders Jungen sind immer für
Eisenbahnen zu haben, die ihre Phantasie anregen und die man nach
Belieben bewegen kann. Die +Wagen+ bestehen aus Streichholzschachteln,
die mit braunem oder dunkelgrünem Papier, mit Hilfe von Kleister,
Dextrin oder irgend einem anderen Klebestoff, verkleidet werden.
+Fenster+ und +Türen+ werden aus schwarzem oder braunem abstechenden
Papier sorgfältig ausgeschnitten und aufgeklebt. Um gerade Linien zu
erzielen, nimmt man das Lineal zu Hilfe, die Linien werden mit einer
Stricknadel längs des Lineals eingeritzt oder mit einem harten, scharf
gespitzten Bleistift vorgezogen. Die +Räder+ bestehen aus Pappe;
zum Aufzeichnen verwendet man runde Schachteln (Pillenschachteln),
legt sie unter die Pappe und zieht mit Bleistift den Kreis. Die
Zündholzschachteln werden zum Anbringen der Räder an geeigneter
Stelle durchlocht, die Räder durchlocht man genau in der Mitte und
befestigt sie mit Streichhölzern oder Zahnstochern an den Wagenwänden,
am einfachsten ist es, wenn man die Räder mit Reißnägeln anbringt.
Die +Lokomotive+ erhält einen +Schornstein+ aus einer Garnrolle,
die einzelnen Wagen werden mit Bindfaden miteinander verbunden, man
durchlocht die Schachteln und zieht den dünnen Bindfaden durch. Die
Wagenreihe kann beliebig verlängert werden, man kann auch Nummern auf
die einzelnen Abteile pinseln, um sie nach Klassen einzuteilen.


35. Knebelpuppen

[Illustration: Abb. 114. Puppen aus Paketknebeln und Streichhölzern.]

Die niedlichen +Knebelpuppen+, die wir auf Abb. 114 zeigen, eignen sich
sehr gut als +Tafelschmuck+, besonders als +Tischkartenhalter+. Man
kann damit eine sehr lustige „bunte Reihe“ erzielen. Die Herstellung
ist sehr einfach und kostenlos; im letzten Augenblick gelingt es
geschickten Händen noch, solche farbige Figürchen anzufertigen. Bei
einiger Übung kann man sie dutzendweise nacharbeiten. Man nagelt die
bekannten +Paketholzknebel+ auf +Holzknöpfe+ auf; es genügt auch,
sie mit Tischlerleim aufzukleben. Die Arme bestehen aus abgebrannten
+Streichhölzern+, die ebenfalls an beiden Seiten des Knebelrumpfes
angeleimt werden. Sollen sie beweglich sein, so befestigt man sie
mit Draht. Die +Paketknebel+ werden durchbohrt, der Draht wird
durchgezogen, und die Streichhölzer werden am oberen Teil fest
umwickelt; es muß aber so viel Raum bleiben, daß die Arme bewegt werden
können. Die „Dame“ auf unserer Photographie hat solche beweglichen
Arme, während die Arme ihrer beiden Kavaliere fest angeleimt sind.
Man malt die Knebelpuppen mit Guasch-, Leim- oder Temperafarben recht
bunt an und lackiert sie mit +Spirituslack+, möglichst mehrmals,
damit ein harter Hochglanz entsteht. Nach jedem Lackieren muß der
Anstrich auftrocknen, ehe man mit dem nächsten beginnt. Die +Gesichter+
werden rosa angepinselt, mit roten Backen und rotem Mund, die Augen
bestehen aus schwarzen Punkten, die Haare sind braun oder ockergelb.
Die +Jacken+ hält man tütenblau oder feuerrot, auch Kirschrot und
Orangegelb sind passende Töne. Sollen sie grün bemalt werden, so
verwendet man am besten einen giftigen Ton, auch Grasgrün kommt in
Frage. Die +Hosen+ werden in einer abstechenden Farbe angepinselt
und mit einem braunen oder schwarzen Strich getrennt. Hübsche
Farbenzusammenstellungen sind Kirschrot und Tütenblau, Giftgrün und
Orangegelb, Zitronengelb und Feuerrot.

Die „+Dame+“ bekommt ein angekraustes weites +Röckchen+ aus
Seidenpapier, das mit bunten Tupfen bepinselt wird. Irgend ein
Seidenstoffrestchen kann ebenfalls verwendet werden. Die +Holzknöpfe+,
die als Standbrett dienen, werden in einer der genannten Farben
angestrichen, möglichst abstechend, da der Hauptreiz der Knebelpuppen
in ihrer Buntheit besteht. Will man sie als +Lotteriegewinne+ paarweise
verwenden, so schlinge man farbige Woll- oder Perlgarnfäden um ihre
eingekerbten Taillen und verbinde je ein Pärchen durch diese zu
Schleifen verschlungenen, entsprechend langen Fäden. Man kann auch
schmale, bunte Seidenbandreste dazu verwenden, indessen soll man
dabei beachten, daß es sich um eine scherzhafte Spielerei handelt
und kein wertvolles Material dafür benutzen. Will man die Figürchen
als +Tischkartenhalter+ verwerten, so stecke man die Karte mit einer
Stecknadel an dem Holzknopf fest, damit sie nicht herunterfällt. Als
+Kinderspielzeug+ werden die +Knebelpuppen+ von den Kleinen sehr
geschätzt, man kann mit ihnen die Puppenstuben beleben; auch in ein
selbstgebasteltes Dorf, in einen Geflügelhof, möglichst „von eigener
Hand“, passen sie recht gut. Will man sie in sehr kleinem Format
herstellen, so halbiert man die Paketknebel und die Streichhölzer,
benutzt kleine Holzknöpfe als Ständer und verfährt im übrigen genau
wie bei den andern Figürchen. Die kleinen Leute sind besonders für
+Silvesterscherze+ zu empfehlen; man kann Namen auf die Knöpfe pinseln
und mancherlei Ulk damit treiben; bei Tanzstundenbällen und ähnlichen
Festen wird man sehr viel Fröhlichkeit damit hervorrufen.


36. Kreisel

+Kreisel+ sind ein altes Spiel, das sowohl von Knaben, als auch von
Mädchen sehr geliebt wird. Wer solches Spielzeug selber herstellen
kann, wird viel Freude haben und sich sehr beliebt machen. Junge
Mädchen, die in Familien mit Kindern verkehren, werden ihnen sicherlich
gern etwas „mitbringen“ ein selbstgemachter Kreisel macht keine Kosten
und wird gern angenommen, oftmals lieber als Süßigkeiten, mit denen man
sich im allgemeinen behilft.

[Illustration: Abb. 115. Kreisel.]

Der eine +Kreisel+, den wir im Bilde (Abb. 115 rechts) zeigen, besteht
aus einem +Paketknebel+ und einer +Garnrolle+, die mit kräftigen Farben
angemalt ist, das andere Modell ist aus einem +Paketknebel+ und einem
+Pappstern+, der zum Zwirnwickeln gedient hat, hergestellt; auch dieses
Modell ist bunt angepinselt. Haltbarer ist der erste Kreisel. Die
breiten Teile einer Garnrolle werden mit der Laubsäge abgesägt, die
Flächen reibt man mit Sandpapier glatt, man kann sie auch abfeilen.

Ein +Paketknebel+ wird durchgeschlagen, damit er fest sitzt. Dann
streicht man den fertigen Knebel mit einer haltbaren Farbe an, am
besten mit +Emailfarbe+, die nicht lackiert wird. Es genügt indessen
auch +Ölfarbe+, die mit Terpentinöl verdünnt und aufgetragen wird;
das Holz darf nicht durchscheinen. Ist die Ölfarbe aufgetrocknet,
so lackiert man den Kreisel mit +Ölfarbenfirnis+, der sehr langsam
auftrocknet. Man darf den Kreisel nicht eher anfassen, als bis der Lack
vollständig aufgetrocknet ist.

Auch der andere +Kreisel+ (Abb. 115 links) wird in dieser Weise
angepinselt; man kann die Kreisel mit bunten Tupfen verzieren. Den
Holzkreisel schmückt man am besten, wenn man den Garnrollenteil
in mehrere Felder aufteilt und jedes Feld in einer anderen Farbe
anstreicht; doch genügen auch Strich- und Punktornamente.

Am hübschesten sehen die +Kreisel+ aus, wenn sie recht grell bemalt
sind; als Grundton verwendet man Feuerrot, Kirschrot, Tütenblau,
Briefkastenblau oder Grasgrün. Die Tupfen hält man in Gelb und Blau,
wenn der Grund rot ist, in Rot und Grün, wenn er blau ist, in Weiß
und Gelb, wenn er grün ist. Teilt man den +Kreisel+ in Felder auf,
so streiche man sie rot, blau, grün, gelb, weiß an und trenne sie
mit schwarzen Strichen. Man kann auch zwei der genannten Farben zum
Grundieren verwenden, wenn man den +Paketknebel+ und die +Garnrolle+
oder den +Zwirnhalter+ in zwei voneinander abstechenden Tönen bemalt.


37. Holztiere

Es ist eine alte Erfahrung, daß man, wenn es sich um Spielzeug handelt,
für Mädchen viel eher etwas Passendes findet als für Knaben. Wenn man
die Spielsachen nun gar noch selber herstellen möchte, wird die Auswahl
immer geringer, und wenn man außerdem Zeit und Kosten beschränken will,
bleibt bestimmt sehr wenig übrig.

Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 116 und 117) zwei Holztiere, die
als Spielzeug für Knaben großen Beifall finden dürften, umso eher, als
auch das Schwesterchen und alle Freunde und Freundinnen damit spielen
können. Es ist ein Spielzeug, das weder auf das Haus, noch auf den
Spielplatz im Freien beschränkt ist; ihre vielseitige Verwendung in
Kinderhänden ist es, die solche Tierfiguren so sehr beliebt macht,
abgesehen davon, daß das Tier in der Kinderstube überhaupt eine
große Rolle spielt. Unsere Modelle sind aus +Holz ausgesägt+; da
die Laubsägearbeit in letzter Zeit in Jungmädchenkreisen vielfach
ausgeführt wird, dürften solche Anregungen sicherlich gern aufgenommen
werden, umso eher als auch Anfänger damit Versuche machen können.

[Illustration: Abb. 116. Elefant.

Von Liselotte Volk.]

Bei der Anfertigung der Holztiere achte man zunächst auf geeignetes
Material. Die Holzfaser ist entscheidend; paßt man bei der Auswahl des
Holzes nicht genau darauf auf, daß die Richtung der Holzfaser mit der
Form des Modells übereinstimmt, so kann es geschehen, daß das Stück
schon während der Arbeit zerbricht, jedenfalls wird es, wenn es die
Herstellung übersteht, keine lange Lebensdauer haben; Spielzeug muß
manchen Fall, manchen harten Griff vertragen können. Wenn ein Anfänger
mit diesen Begriffen noch nicht recht vertraut ist, ist es ratsam,
einen Fachmann darüber zu befragen, jeder Tischler weiß damit Bescheid.

Wenn man Zeit und Geld sparen will, versuche man die +einfache+
Ausführung der Holztiere, das heißt, man schneide die Silhouette des
Tieres aus einem Brett, dessen Stärke sich nach der Größe des Modells
richten muß. Wir zeigen auf unseren Abbildungen einen +Elefanten+
(Abb. 116) und einen +Pfau+ (Abb. 117). Für den Elefanten geben wir
auf der Zeichnung (Abb. 119) ein gebrauchsfertiges Schnittmuster und
eine Einzelzeichnung (Abb. 120), aus denen man die Größenverhältnisse
und alles Notwendige ersehen kann. Außerdem bringen wir das Muster von
einem +Kaninchen+ in natürlicher Größe (Abb. 118). Die Zeichnung wird
auf das Holz übertragen; man macht zunächst eine Pause auf Pauspapier
und überträgt das Muster mit einem harten, scharf gespitzten Bleistift
über Graphit-, Blaupaus- oder rotem Ölpauspapier auf das Holz,
dann werden die Umrißlinien ausgesägt. Will man ein ganz besonders
widerstandsfähiges Spielzeug herstellen, so verwende man nicht nur
+ein+ Brett, sondern +drei+ Bretter von derselben Art. Alle drei
Bretter werden einzeln ausgeschnitten, man braucht aber nicht dreimal
dieselbe Silhouette auszuführen. Es genügt meist, nur den Rumpf mit
den Beinen beiderseits auf das Mittelstück zu leimen, das Rumpf, Hals,
Kopf und Schwanz darstellen soll. Das Mittelstück soll stärker als die
Seitenteile sein, die Seitenbretter hält man etwa halb so stark wie das
Rumpfbrett, man kann auch 1 bis 2 Millimeter zugeben; das Rumpfbrett
wird am besten 10 bis 12 Millimeter dick gehalten.

Wenn man die Tiere einfach aus +einem+ Holzbrett aussägt, müssen sie
auf einem Standbrett angebracht werden, ein Zapfen verbindet Standbrett
und Holztier. Notwendig ist es, den Zapfen mit der Silhouette
gleichzeitig auszusägen, zum Anleimen wird Tischlerleim verwendet.
Wenn die Tiere aus mehreren Holzbrettern angefertigt sind, braucht man
+keine+ Standbretter, sie sind breit genug, um das Gleichgewicht zu
halten.

Die Kinder freuen sich am meisten mit den Spielsachen, die möglichst
beweglich sind, darum lieben sie besonders die Tiere, die sie auf
Rädern herumfahren können. Die Mühe ist so gering, daß man die
notwendigen vier Räder gern anbringen wird. Man sägt sie aus einem
Brett, durchbohrt ihren Mittelpunkt mit einem Bohrer, befestigt in dem
so entstandenen Loch eine passende Schraube, die in das vorgebohrte
Standbrett hineingeschraubt wird. Am Standbrett wird außerdem in
der Mitte der Vorderseite eine Metallöse eingeschraubt, damit das
Holztier an einer darin befestigten Schnur gezogen werden kann. Man
kann die Räder auch beim Drechsler herstellen lassen, am einfachsten
ist es, wenn man aus großen oder kleinen Garnrollen Räder macht,
indem man die beiden radähnlichen Teile absägt und mit einer Schraube
am Standbrett anbringt. Für größere Tiere verwendet man die großen
Schneidergarnrollen, für kleine Tiere genügen die Garnrollen, die im
Haushalt gebraucht werden. Um die Reibung der Räder zu vermindern, legt
man auf jede Seite des Rades ein Metallplättchen.

[Illustration: Abb. 117. Pfau in Laubsägetechnik.]

[Illustration: Abb. 118. Kaninchen.]

Tiere, die aus dreifachem Holz hergestellt werden, können zwar auch
ohne Standbrett „von selber“ stehen, wenn sie aber Räder erhalten
sollen, ist ein Standbrett notwendig.

Die Holzflächen sollen glatt sein; gerade da es sich um Spielzeug
handelt, das sehr häufig angefaßt werden soll, muß die Glätte
besonders betont werden, damit die Holztiere auch nicht die geringsten
Verletzungen hervorrufen, nur ausgesprochen glatte Gegenstände sind
wirklich handlich. Darum empfiehlt es sich, die rohen Bretter mit der
Ziehklinge abzuziehen oder sie vom Tischler abhobeln zu lassen. Die
einzelnen Umrißlinien werden am besten mit Sandpapier nachgeschliffen,
wobei alle Feinheiten berücksichtigt werden müssen, damit die Konturen
unter dem Nachschleifen nicht leiden.

Zum Schluß werden die Holztiere bemalt, am besten „nach der Natur“. Wer
nicht ganz sicher ist, nehme Naturgeschichtsbücher zu Hilfe, in denen
die einzelnen Tiere, die hergestellt werden sollen, genau beschrieben
sind. Wer nach unseren Angaben einige Übungen gut bestanden hat, kann
die verschiedensten Tiere mit der Laubsäge herstellen; wer Freude daran
findet, wird sich spezialisieren, das heißt man kann einen Geflügelhof,
eine Schafherde, einen zoologischen Garten, eine Serie Teichvögel,
eine Viehherde anfertigen. Solche Arbeit macht nicht nur den Kleinen,
sondern auch den Großen selber Vergnügen.

Das +Bemalen+ der einzelnen Stücke ist sehr einfach. Man benutzt dazu
die +billigen Leimfarben+, einfache Wasserfarben würden nicht decken,
Guasch- und Temperafarben stellen sich dafür zu teuer. Wenn man die
höheren Kosten nicht scheut, sind Email+lackfarben+ zu empfehlen,
sie haben eine starke Leuchtkraft und eignen sich besonders gut für
Spielsachen, weil sie immer wieder abgewaschen werden können, was
gerade bei dieser Art Spielzeug sehr angebracht ist. Auch +Ölfarben+
verwendet man vielfach zum Bemalen der Holztiere, sie müssen aber
längere Zeit trocknen, ehe die Spielsachen in Gebrauch genommen werden
können.

+Leimfarben+ werden in den einschlägigen Geschäften oder in Drogerien
in Pulverform gekauft. Man macht zunächst eine Lösung aus dünnflüssigem
Leim, das heißt, man kocht +Tischlerleim+, den man mit Wasser stark
verdünnt, und vermischt damit die Farbpulver, am besten in einer alten
Tasse oder einem ausrangierten Töpfchen. Ist die Farbmischung gut
verrührt, so streicht man die Holztiere mit einem +Borstenpinsel+ an;
zuerst kommt die Grundfarbe an die Reihe, zum Schluß die kleinsten
Farbflecke. Kleine Holztiere taucht man vorsichtig in die Farblösung
ein, um das Grundieren zu vereinfachen.

Der +Elefant+ ist grau, das Auge ist schwarz auf weißem Grund, der
Stoßzahn ist weiß, einige Konturen werden, wie die Photographie
zeigt, mit Hellgrau eingezeichnet, man benutzt dazu einen spitzen
Borstenpinsel und zeichnet die Linien beiderseits recht flott. Das
Standbrett und die Räder streicht man feuerrot oder briefkastenblau an,
auch Schwefelgelb eignet sich recht gut dafür.

[Illustration: Abb. 119. Schnittmuster für den Elefanten.]

Der +Pfau+ (Abb. 117) kann etwas phantastischer bemalt werden. Man hält
den Rumpf pfauenblau, die eingezeichneten eckigen Schmucklinien werden
abwechselnd giftgrün und briefkastenblau gehalten. Die „Pfauenaugen“ im
Schweif und in der Krone haben weiße Halbkreise, die sich scharf vom
Hintergrund abheben. Die Augen sind weiß mit schwarzem Mittelpunkt, den
Schnabel malt man gelb oder feuerrot, die Füße dunkelgrau.

Das +Kaninchen+ (Abb. 118) wird weiß angestrichen, die Konturen hält
man schwarz oder dunkelgrau, nach Belieben kann man es auch grau
grundieren oder tiefschwarz mit weißen Konturen.

Die fertig gemalten Holztiere werden lackiert, um die Farben zu
schonen; lackierte Gegenstände färben nicht, wenn sie gelegentlich
feucht werden; die Farben behalten durch das Lackieren nicht nur ihre
Leuchtkraft, die sonst leicht verloren geht, sie treten auch unter dem
Lack noch ganz besonders hervor.

[Illustration: Abb. 120. Der Elefant. (Einzelzeichnung.)]

Für die Leimfarben verwendet man Spirituslack, er trocknet schnell und
genügt meist, besonders wenn nach jedesmaligem Auftrocknen der Anstrich
zwei- bis dreimal wiederholt wird. Der Lack muß aber vollständig
aufgetrocknet sein, ehe man den nächsten Aufstrich beginnen darf, sonst
wird er streifig und unansehnlich. Spirituslack ist fertig käuflich,
im Haushalt kennt man ihn, weil man damit Strohhüte auffrischt. Man
kann Spirituslack selber herstellen: In einer Medizinflasche mischt
man ein Viertel Schellack mit drei Viertel Brennspiritus. Für größere
Gegenstände dürfte diese Menge indessen nicht ausreichen, es empfiehlt
sich, in den Geschäften, in denen man den Schellack kauft, die Größe
des Gegenstandes anzugeben, um die genügende Quantität zu erhalten und
die Mischung dementsprechend vorzunehmen. Bei einiger Übung wird man
sehr bald die richtige Mischung selbst zusammenstellen können, sie
hängt von der Stärke des Brennspiritus ab.

Auch +Ölfarben+ werden +lackiert+, aber nicht mit Spirituslack; für
Ölfarben erhält man in Farbenhandlungen den geeigneten Lack, der aus
Leinöl und Kopal oder Bernstein besteht. Gegenstände, die mit Ölfarben
bemalt sind, kann man, wenn man +Hochglanz+ erreichen will, mehrmals
lackieren. Die Ölfarben werden zum Bemalen mit Terpentinöl verdünnt; je
mehr Terpentinöl verwendet wird, desto dünner wird der Anstrich, man
achte daher darauf, daß sie nicht allzu flüssig werden, damit das Holz
nicht durchscheine.

Auch +Emaillackfarben+ werden mit Terpentinöl verdünnt und wie diese
behandelt, aber nicht lackiert.

Eine andere Art, Holztiere herzustellen, ist folgende: Man zeichnet die
Konturen des Modells auf Sperrholz auf, für die Übertragung benutzt man
Graphit-, Öl-, Paus- oder Schreibmaschinenpapier. Ein Laufbrettchen
gehört zu den Tieren; man verlängert die Füße der Holztiere nach unten
in der Stärke des Laufbrettchens und sägt aus diesem Laufbrettchen
genau in der Mitte die entsprechenden Teile aus, damit die verlängerten
Füße hineinpassen. Hat man das Modell ausgesägt, so steckt man die
verlängerten Teile in die ausgesägten Schlitze, die vorher mit heißem
Tischlerleim bestrichen wurden. Die oberen Kanten des Laufbrettchens
werden vor dem Einsetzen der Holzteile schräg abgefeilt. Die Räder
werden in der bereits beschriebenen Weise angefertigt, auch die
Bemalung wird in denselben Techniken ausgeführt. Dasselbe gilt vom
Lackieren.

Nach dem Bemalen und Lackieren müssen alle Gefäße gereinigt und alle
Pinsel sorgfältig ausgewaschen werden. Ölfarbenpinsel und Öllackpinsel
werden mit Terpentinöl gesäubert, Spirituslackpinsel behandelt man mit
Brennspiritus. Bleiben die Pinsel ungereinigt, so werden sie steif,
und die Borsten brechen ab, ein Verlust, der sich bei sorgfältiger
Behandlung des Arbeitsmaterials sehr lange hinausschieben läßt.


38. Holzbasteleien


~a~) Geburtstagsleuchter

Holz ist ein außerordentlich dankbares Material; man kann mit einiger
Übung allerlei nützliche und hübsche Gegenstände aus Holz herstellen;
wenn man Holzarbeiten ausführen will, hat man eine große Auswahl,
sowohl was die Gegenstände als auch was die Techniken anbetrifft.

Besonders gut eignet sich das Holz für +Basteleien+, für kleine,
amüsante Stücke, die ihrer Nützlichkeit wegen kein Krimskrams genannt
werden dürfen, die aber nicht unbedingt notwendig sind und schließlich
eine niedliche Spielerei darstellen. Einige solcher Modelle zeigen wir
im Bilde (Abb. 121 bis 123); sie lassen sich leicht nacharbeiten und
eignen sich für +Vielliebchengeschenke+, für „+Überraschungen+“ und
+Lotteriegewinne+ bei festlichen Anlässen im Freundeskreise. Einiges
davon dürfte man auch als +Tafelschmuck+ verwenden.

[Illustration: Abb. 121 Geburtstagsleuchter. Von Liselotte Volk.]

Da ist ein lustiger +Geburtstagsleuchter+ (Abb. 121), der sicherlich
gern nachgearbeitet werden wird. Das Grundmaterial besteht aus
einem +Holzreifen+ in beliebiger Größe, er soll ½ Zentimeter
stark sein. Wenn man keinen fertigen Reifen in den einschlägigen
Spielzeuggeschäften bekommen kann, ist es ratsam, ihn vom Tischler
anfertigen zu lassen; andernfalls sägt man ihn selber mit der
Bandsäge, die in die Laubsäge gespannt wird, aus. Man klebt mit
Tischlerleim dicke +Holzperlen+ als Füße unter den Reifen; solch
dicke, große Holzperlen werden auch als +Lichthalter+ aufgeleimt.
Der Holzreifen, die Füße und die Lichthalter werden mit Deckfarbe
bunt angemalt und lackiert. Tempera- oder Leimfarben eignen sich am
besten dafür. Temperafarben sind in Tuben erhältlich, Leimfarben
werden in Farbenhandlungen oder Drogerien gekauft; sie werden als
Farbpulver geführt, in einer dünnen Tischlerleimlösung aufgelöst und
vermischt. Sowohl Tempera- als auch Leimfarben werden mit Spirituslack
überzogen; ist der erste Aufstrich trocken, so beginnt man mit dem
zweiten und setzt dies fort, bis ein kräftiger Hochglanz entstanden
ist. Man streicht die Farben mit dem Borstenpinsel auf, der Lack wird
ebenfalls mit einem völlig trockenen Borstenpinsel aufgetragen. Am
hübschesten sieht der +Geburtstagsleuchter+ aus, wenn der Rand und
die Füße feuerrot, und die Lichthalterperlen briefkastenblau oder
delfterblau angestrichen werden. Schließlich kommen die +Glücksvögel+
an die Reihe: Sie bestehen aus je zwei Holzperlen, eine große Holzperle
stellt den +Rumpf+ dar, eine kleinere wird als +Kopf+ mit Tischlerleim
daraufgeklebt. Man benutzt die kleine Öffnung in der Perle, steckt ein
angespitztes Stückchen Holz als +Schnabel+ hinein und klebt es fest.
Ein dreieckiges Stückchen dünnes Holz aus einer Zigarrenkiste wird
als +Schwanz+ in die große Perle, die entsprechend angebohrt wird,
eingeleimt. Diese Glücksvögel haben keine Füße, die große Rumpfperle
wird mit Tischlerleim auf den Holzreifen geleimt, nachdem sie bemalt
und lackiert worden ist. Man malt abwechselnd einen Vogel zitronengelb
und einen Vogel orangegelb oder giftgrün. Die Schnäbel und Schwänze
hält man kirschrot, die +Augen+ werden als schwarze Punkte gepinselt,
die +Flügel+ durch schwarze Linien angedeutet. Auf der +Brust+ kann ein
kleines Ornament in Schwarz oder in einer beliebig abstechenden Farbe
gemalt werden, Feuer- oder Kirschrot auf Zitronengelb, Kornblumenblau
auf Orangegelb, Weiß oder Kirschrot oder Schwefelgelb auf Giftgrün.
Die +Lichthalter+ und die +Glücksvögel+ werden in genau abgemessenen
Abständen abwechselnd auf dem Holzrand verteilt. Die Holzperlen
müssen angebohrt werden, damit die dünnen, bunten Weihnachtslichter
darin befestigt werden können. Doch besser ist es, von Garnrollen
die breiten Teile abzusägen, in der Farbe der Lichthalter oder in
einer abstechenden Farbe anzustreichen, zu lackieren und auf die
Lichthalterperlen mit Tischlerleim aufzukleben, wie wir es auf unserem
Bilde sehen; die Öffnungen müssen, wenn es notwendig ist, mit dem
Bohrer erweitert werden.


~b~) Sparbüchse

Die zierliche +Sparbüchse+, die wir auf dem nächsten Bilde (Abb.
122) zeigen, wird sicherlich gern nachgearbeitet werden; sie ist
einfach in der Herstellung und macht wenig Kosten, dafür sieht
sie, wenn sie richtig gearbeitet wird, umso niedlicher aus; sie
eignet sich für +Tischdekorationen+ bei fröhlichen Festen, für
+Silvesterüberraschungen+, +Lotteriegewinne+, +Vielliebchengeschenke+,
auch als +Geburtstagsgeschenk+ kann man sie verwenden. In vielen
Familien gibt es eine Sparbüchse, die für die Weihnachtslichter
herangezogen wird, es gibt auch Strafgeldkassetten, besonders beliebt
sind solche Sparbüchsen in den verschiedenen „Kränzchen“; für den
Inhalt der kleinen Sparbüchse wird sich gewiß mancherlei Verwendung
finden.

Man sägt mit der Laubsäge kleine Holzbrettchen in Holzstärke von 5
Millimeter zu einem Würfel. Drei Brettchen sind 9 mal 9, zwei Brettchen
8 mal 9, ein Brettchen 10 mal 10 Zentimeter groß. Die beiden Brettchen,
die 8 mal 9 Zentimeter groß sind, werden zwischen die Brettchen 9
mal 10 Zentimeter gesetzt, das Brettchen, das 10 mal 10 Zentimeter
groß ist, bildet den Boden und steht ½ Zentimeter über. Das vierte
Brettchen wird mit einem Schlitz versehen und stellt den Deckel dar.
Man kann die einzelnen Wände zusammennageln, man kann sie aber auch
zusammenleimen. Als Füße verwendet man entsprechend große +Holzperlen+,
die untergeschraubt oder angeleimt werden. Die so entstandene Kassette
wird zum Schluß angestrichen, bemalt und lackiert. Man benutzt
+Wasserdeckfarben+, zum Beispiel Leim-, Guasch- oder Temperafarben,
die dick angerührt und mit einem starken Pinsel aufgetragen werden.
Zunächst wird die Sparbüchse grundiert; ein kräftiger Grundton in
Zinnoberrot, Kobaltblau, Grasgrün oder Orangegelb wird mit dem
Grundierpinsel breit und schnell aufgestrichen, damit die Farbe nicht
streifig auftrocknet. Erst wenn sie völlig trocken ist, wird ein
einfaches Ornament in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen,
mit Graphit- oder Schreibmaschinenpapier und einem harten, scharf
gespitzten Bleistift auf das Holz übertragen, nachdem man das Muster
auf Paus- oder Butterbrotpapier sauber aufgezeichnet hat. Mit einem
spitzen Pinsel wird das Ornament einfarbig gemalt; wer Freude an bunten
Farben hat, kann mehrere voneinander abstechende Farben verwenden.
Ungebrochene Töne sind dafür am besten geeignet. Auf rotem Grund sieht
Tütenblau, Zitronengelb und Weiß sehr gut aus; ist der Hintergrund
blau, so hält man das Ornament in einem grellen Rot, in Giftgrün und
Orangegelb. Auf grünem Ton stehen am besten Orangegelb, Zitronengelb
und Weiß. Ist der Grund orangegelb, so bemalt man ihn mit Delfter Blau,
Zitronengelb und Zinnoberrot.

[Illustration: Abb. 122. Sparbüchse aus Holz.]

Von den genannten Farben werden nach Belieben eine oder zwei
ausgewählt; will man das Ornament indessen in drei Tönen malen, so hält
man sich an die beschriebenen Zusammenstellungen. Sehr wirksam ist ein
gelber Grund mit schwarzem Ornament.

Die +Umrandung+ des +Schlitzes+, die vorstehende +Leiste+ und die
+Füße+ der Sparkasse werden am besten in +einer+ Farbe gehalten.

Ist die Malerei vollständig aufgetrocknet, so lackiert man sie. Es gibt
in den einschlägigen Geschäften den bekannten +Hochglanzlack+, wenn man
aber keine weitere Verwendung dafür hat, lohnt es sich nicht, ihn für
diese kleine Arbeit zu kaufen. Man stellt ihn selber her, indem man in
einer Medizinflasche +Brennspiritus+ mit +Schellack+ auflöst. In der
Farbenhandlung oder in der Drogerie, wo der Schellack erhältlich ist,
wird die Größe des Gegenstandes, der lackiert werden soll, angegeben,
danach richtet sich die Menge von Schellack und Brennspiritus, die
man mischen will. Je mehr Schellack verwendet wird und je stärker der
Brennspiritus ist, desto kräftiger wirkt der Glanz; genügt er nicht,
so läßt man ihn gut auftrocknen und lackiert nochmals, bis ein heller
Hochglanz erreicht ist.


~c~) Brieföffner

Ein sehr praktisches Geschenk ist der +Brieföffner+ (Abb. 123),
der auf keinem Schreibtisch fehlen dürfte und besonders geschätzt
wird, wenn er als Handarbeit auftritt. Er eignet sich für Damen und
Herren in gleicher Weise, paßt für alt und jung und kommt sowohl als
„ernsthaftes“ Geschenk zu Geburts- und Namenstagen, zu Weihnachten
und als Gastgeschenk, wie auch als „lustiges“ Geschenk in Betracht,
zum Beispiel zu Silvester, oder wenn man Gegenstände für Lotterien,
Julklapp, Tafelspenden braucht. Ein +Brieföffner+ ist eine sehr
nützliche Sache, die man häufig in die Hand nimmt, und wenn man darauf
schreibt „Zur Erinnerung“, so wird der oder die Beschenkte die fleißige
Spenderin ganz bestimmt nicht so bald vergessen, umso eher, als
hölzerne Handarbeiten, wenn sie gut gearbeitet sind, sehr lange halten.

[Illustration: Abb. 123. Brieföffner.]

Man sägt ihn aus 3 Millimeter starkem +Ahornholz+ mit der +Laubsäge+
aus, das Muster in Dolchform zeigen wir auf nebenstehender Zeichnung.

Die Kanten des Griffes werden rund gefeilt, die Schneide feilt man
scharf, damit sie gut schneidet. Damit alle Unebenheiten verschwinden,
überreibt man die Formen mit Sandpapier, bis sie sauber und glatt sind.
Zum Schluß wird der Dolch mit einer Holzbeize angestrichen und mit
Beizenlack überzogen. Naturfarbene Beizen wirken am besten, man wähle
Eiche, Polisander, Ebenholz oder Silbergrau.

Wer den Brieföffner farbig halten möchte, beize ihn mit Holzfarben in
Lila, Blau, Braun oder Grün, Rot sieht nicht sehr fein aus; Widmungen
schreibt man in natürlicher Schrift, bevor der Lack aufgetragen wird,
am besten mit schwarzer Ausziehtusche. Weiße Tinte, in Farbengeschäften
wie die Lacke und Beizen erhältlich, kann man für einen Grund
verwenden, von dem eine schwarze Schrift nicht genügend abstechen würde.


39. Hampelmann

[Illustration: Abb. 124. Hampelmann.]

Der Hampelmann ist nur für die Kleinsten gedacht. Wir bringen eine
Zeichnung (Abb. 124), aus der man die Herstellungsweise sehr deutlich
erkennen kann. Aus dünnem Holz wird die Figur mit der Laubsäge
ausgesägt, man kann sie indessen auch aus starker Pappe ausschneiden.
Dann malt man sie recht farbig an; für Holz kommen +Lack-+, +Öl-+ und
+Wasserdeckfarben+ in Betracht. Öl- und Wasserdeckfarben (+Guasch-+ und
+Temperafarben+) müssen mit entsprechendem Firnis bestrichen werden,
wenn die Farben vollständig aufgetrocknet sind. Man achte darauf, daß
für +Ölanstrich+ ein +Terpentinlack+, für +Wasserfarbenanstrich+ ein
+Spirituslack+ verwendet wird. Man kann diesen aus Brennspiritus und
Schellack selber herstellen; in einer Medizinflasche wird Schellack
mit Brennspiritus vermischt und tüchtig geschüttelt. Im Drogen-
und Farbengeschäft wird die Schellackmenge nach der Menge Spiritus
berechnet, die sich wieder nach der Größe des Gegenstandes richtet, der
lackiert werden soll. Es gibt käuflichen fertigen Lack in Flaschen und
lose, es lohnt aber nicht, ihn zu kaufen, wenn es sich um so kleine
und ziemlich wertlose Gegenstände handelt. -- Dem +Hampelmann+ zieht
man feuerrote Hosen, eine gelbe Bluse und knallblaue Schuhe an, setzt
ihm einen giftgrünen Hut auf, malt Hände und Gesicht rosa, pinselt
Augen, Mund, Nase in der üblichen Weise nach Belieben und lackiert das
Ganze erst dann, wenn die Malerei völlig trocken ist, was bei Ölfarbe
ziemlich lange, manchmal einige Tage, dauert. Handelt es sich um ein
eiliges Geschenk, so sind +Wasserdeckfarben+ mehr zu empfehlen, sie
trocknen in 24 Stunden auf. Der +Ölfarbenfirnis+ muß auch tagelang
trocknen, es hat keinen Zweck, diesen Vorgang beschleunigen zu wollen,
indem man die Arbeit auf die heiße Herdplatte oder in die Ofenröhre
legt, im Gegenteil, man zerstört die Arbeit, da die Farben abspringen.
Das gilt auch für den +Wasserfarbenlack+, den man, ohne das Stück zu
berühren, auftrocknen lassen muß, damit sich keine Fingerabdrücke
darauf zeigen. Arme und Beine werden befestigt, indem man an den
betreffenden Stellen (siehe Bild!) Löcher bohrt, einen entsprechend
langen Draht durchzieht, der hinten und vorn um die Spitze eines
Bleistifts gedreht und dann fest angedrückt wird, damit man sich nicht
daran sticht. Zum Schluß wird die Verschnürung, die Hampelvorrichtung,
ausgeführt, wie sie auf unserer Zeichnung angegeben ist.


40. Flaschenkork

Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 125) einen sehr lustigen
+Schmuckkork+, der mit einfachen Mitteln hergestellt werden kann.
Der +Glücksvogel+, der mit Tischlerleim auf den neuen Flaschenkork
aufgeleimt ist, besteht aus einer großen und einer kleineren
Holzperle, die Rumpf und Kopf des Vogels darstellen. Die Kopfperle
ist entsprechend abgesägt und mit Tischlerleim auf die untere Perle
aufgeleimt. Auch diese ist an der unteren Seite abgeplattet, damit
der Vogel recht fest -- ohne Füße -- auf dem Kork sitzen kann. Der
Schwanz besteht aus einem entsprechend geformten Stückchen Holz, das
in die Perle hineingeleimt wird, nachdem diese mit dem Messer oder mit
dem Bohrer vorbereitet worden ist. Dasselbe gilt von dem Schnabel, der
aus einem Stückchen Zahnstocher oder einem angespitzten Streichholz
besteht. Ist der +Glücksvogel+ in dieser Weise hergerichtet, so wird
er bemalt. Man verwendet Wasserdeckfarben, zum Beispiel Tempera-,
Leim- oder Guaschfarben, die, wenn sie aufgetrocknet sind, mehrmals
mit Spirituslack überzogen werden, bis sie Hochglanz bekommen. Jeder
Firnisaufstrich muß völlig aufgetrocknet sein, ehe man mit dem nächsten
beginnt. Der Firnis wird mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Man
bemalt den Vogel möglichst bunt, Kopf und Rumpf hält man feuerrot,
die Brust zitronengelb, den Schwanz grasgrün oder tütenblau, den
Schnabel orangegelb. Die Augen bestehen aus schwarzen Punkten, auf dem
Kopf stehen seitwärts ein paar gelbe Blattornamente, auf der Brust
kirschrote Tupfen, auf jedem Flügel drei zitronengelbe oder tütenblaue
Punkte, auf dem Schwanz zwei orangegelbe Tupfen.

Wenn man mehrere dieser lustigen Glücksvögel herstellen will, ist es
ratsam, sie nicht in gleichen Farben zu bemalen, sondern mit den Farben
abzuwechseln; auf alle Fälle müssen die Korkverzierungen recht bunt
wirken. Man achte darauf, daß der Schmuckkork bis ins kleinste sauber
und sorgfältig ausgeführt wird, sowohl was die Malerei, als das Kleben
anbelangt; wenn der Glücksvogel beim Gebrauch auseinandergeht, wenn er
schief aufgeleimt ist, hat die ganze Arbeit ihren Sinn verloren, umso
eher, als es sich hierbei nicht um einen wertvollen Gegenstand handelt.

[Illustration: Abb. 125. Glücksvogel als Flaschenkork.]




VI. Kapitel

Papp- und Papierarbeiten


41. Allerlei Spiele

Die Vereinfachung der Gebräuche, die für unsere Zeit besonders typisch
ist, die Einschränkung der gesamten Lebenshaltung, die mehr als je
an die Häuslichkeit geknüpft ist, bringt es mit sich, daß auch die
Geselligkeit einfachere Formen annimmt als in den früheren Jahren.
Man feiert Feste, besonders Geburtstage, im engeren Verwandten- und
Freundeskreise und pflegt besonders im Winter die Geselligkeit im
eigenen Heim. Das gilt sowohl für die ältere als auch für die jüngere
Generation; die „Kränzchen“ sind wieder modern geworden, bei denen
es nicht so sehr auf die mehr oder weniger reichhaltige „Aufwartung“
als auf die Unterhaltung ankommt. Gesellschaftspiele kommen wieder
auf, alt und jung belustigt sich an diesen Unterhaltungen, die
oft nur einen harmlosen Zeitvertreib, manchmal aber auch ein
geistiges Vergnügen darstellen. Man soll solches Zusammenspiel nicht
unterschätzen, im Spiel erkennt man frühzeitig die Charaktere der
einzelnen Mitspieler, das Gesellige, Liebenswürdige, Kameradschaftliche
kommt hierbei unverfälscht zum Ausdruck, und am reizvollsten sind die
Gesellschaftspiele, bei denen groß und klein vereinigt sind. Schach und
Halma sind die bekanntesten Spiele, die indessen größere Anforderungen
an die Partner stellen; es gibt aber auch eine Anzahl hübscher Spiele,
die „leichter“ sind und schon darum viele Freunde haben.

[Illustration: Abb. 126. Lottospiel.]

Solche Spiele selber herzustellen, dürfte manchem jungen Mädchen Spaß
machen, abgesehen davon, daß die verringerten Kosten dabei mit ins
Gewicht fallen. Es gehören geschickte Hände dazu und eine gewisse
Sorgfalt, sonst kommt nichts Rechtes dabei heraus; wer sich aber Mühe
geben will, wird viel Freude am Ergebnis haben.

Da ist zunächst ein +Lotto+, von dem wir ein Bild (Abb. 126) bringen.
Die Tafeln läßt man sich beim Buchbinder schneiden. Man braucht 6
Tafeln zu 14 mal 21 Zentimeter, dazu gehören 6 Decktäfelchen zu 6 mal
6 Zentimeter. Jede der großen Tafeln wird in 6 Felder eingeteilt.
Auf diese große Tafel und je ein Decktäfelchen wird je ein gleiches
Bild gezeichnet, dies Bild wird farbig angetuscht, mit schwarzer
Ausziehtusche umrandet und mit Bohnerwachs leicht poliert. Man reibt
das Bohnerwachs mit einem reinen, weichen Lappen auf die Fläche, es
darf nur wenig Bohnermasse verwendet werden, da der Überzug ganz dünn
sein soll. Mit einem zweiten Lappen wird nachgerieben; die Wachsschicht
dient dazu, die Tafeln, die viel angefaßt werden, vor Fingerabdrücken
zu schützen. Aus unsern Bildern kann man sehr genau erkennen, wie die
Sache gemacht wird; das beste daran ist die amüsante Ausgestaltung,
die nach eigenem Ermessen möglichst phantastisch sein soll. Es gibt
Lieder-, Gedichte- oder Sprichwörterlottos; auf die Decktafel schreibt
man das Lied, das Sprichwort oder das Gedicht auf und illustriert es
mehr oder weniger einfach; auf die große Tafel muß das Bild gemalt oder
gezeichnet werden.

Ebenso unterhaltend ist das +Domino+ (Abb. 127 und 128) und besonders
das +Bilderdomino+, zu dem 36 Karten aus Pappe gehören, die am besten
vom Buchbinder geschnitten werden, damit sie recht gleichmäßig werden.
Die Größe 5 mal 10 Zentimeter bewährt sich sehr, ist handlich und dafür
geeignet. Statt Zahlen, wie üblich, beim Domino aufzuschreiben, wählt
man Bilder, die auf die Karten aufgezeichnet werden. Für größere Kinder
wählt man ein +Dominospiel aus zusammengesetzten Wörtern+.

[Illustration: Abb. 127. Dominospiel. Von Liselotte Volk.]

Noch nicht allzu bekannt, aber sehr beliebt ist das +Angelspiel+,
bei dem es besonders auf die Geschicklichkeit ankommt. Man schneidet
aus dünner Pappe eine Anzahl +Fische+ (Abb. 129) aus, es können auch
+Frösche+ dabei sein, denn man angelt schließlich auch mal einen
Frosch; diese Tiere werden farbig angepinselt, durch das Maul eines
jeden Fisches oder Frosches wird ein kleiner dünner Drahtring gezogen.
Wir bringen auf unseren Bildern eine Anzahl solcher „Muster“, nach
denen man sich recht gut richten kann; im übrigen kann jeder nach
Belieben seine Lieblingsfische ausschneiden und bemalen und das
Naturgeschichtsbuch zu Hilfe nehmen. Am besten ist die Wirkung, wenn
man die Fische mit Aquarellfarben aus dem Tuschkasten bemalt und die
Umrißlinien mit schwarzer Ausziehtusche nachzieht. Dies gilt besonders
für die Flossen, Augen, Schuppen und Kiemen. Auch Temperafarben kann
man dafür verwenden; wer mit Ausziehtuschen umzugehen versteht -- das
Mischen dieser Tuschen will verstanden sein -- wird auch diese Farben
verwenden können; sie haben einen frischen Glanz, der für die Fische
und Frösche recht gut passen dürfte. Pastellstifte kann man zum
Bemalen verwenden, wenn man die fertigen Stücke mit Fixativ behandelt,
damit sie beim Spielen nicht abfärben. Dies gilt für die Herstellung
der Fische und Frösche. Nun wird das +Aquarium+ hergestellt. Eine Hut-
oder Herrenkragenschachtel eignet sich am besten dazu, das Wasser
muß man sich dazu denken. Die Fische und so weiter werden auf den
Grund der Schachtel gelegt, je tiefer diese ist, desto unterhaltender
gestaltet sich das Spiel, denn die Mitspielenden müssen versuchen, mit
einem Magneten, der an einer entsprechend langen Angelschnur befestigt
ist, die Wasserbewohner herauszufischen; wer am meisten fängt, ist
Sieger. Ist das Aquarium sehr groß und die Zahl der Mitspielenden
dementsprechend, so können sich mehrere Angler zugleich betätigen,
andernfalls würden sich die Angelschnüre verwickeln.

[Illustration: Abb. 128. Domino.]

[Illustration: Abb. 129. Fische für das Angelspiel.]

[Illustration: Abb. 130. Spiel: Fliegende Hüte.]

Noch weniger bekannt ist wahrscheinlich das Spiel „+Fliegende Hüte+“
(Abb. 130), bei dem es viel mehr als beim Lotto auf besondere
Gewandtheit ankommt. Den Boden einer Pappschachtel durchlocht man in
Zwischenräumen von 1 bis 2 Zentimeter. Die Löcher sollen 3 Zentimeter
Durchmesser haben, die Schachtel wird umgedreht auf dem Tisch, der als
Spieltisch dienen soll, aufgestellt, also mit dem Boden nach oben.
Dann wird ein Sprungbrett hergestellt: Paketknebel mit einem Brettchen
aus Zigarrenkistenholz, Größe 4 mal 15 Zentimeter. Nun stellt man die
Hütchen her, aus buntem Papier, von jeder Farbe sechs Stück. Wir
bringen einen Schnitt für die Abwicklung des Kegels (Abb. 131), in
die Spitze der Hütchen wird je eine Schrotkugel mit Fischleim oder
Tischlerleim geklebt. Das Spiel besteht darin, daß man versucht,
mit dem Sprungbrett die Hütchen in die Löcher zu schleudern. Der
Packknebel wird unter das Brettchen fest aufgeleimt, er liegt parallel
der Schmalseite des Brettchens; da wir aus der Turnstunde derartige
Sprungbretter kennen, ist ein Mißverständnis wohl ausgeschlossen. Die
Hütchen sollen wie Zuckerhüte aussehen; wenn man mit dem Zeigefinger
auf die richtige Stelle des Sprungbrettchens fest drückt, dann fliegen
die Hütchen kopfüber in die Löcher; wer am meisten trifft, ist Sieger.
Das ist ein Spiel, das auch größeren Knaben und Mädchen Vergnügen
machen dürfte, besonders, wenn das Spielzeug nicht allzu einfach
aussieht. So kann man zum Beispiel nicht nur die Hütchen farbig halten,
sondern auch die Schachtel bunt bekleben. Die runden Löcher wird man,
damit sie recht sauber werden, vom Buchbinder stanzen lassen. Will
man das Hütchenspiel als Geschenk verwenden, wozu es sich besonders
gut eignet, so wird man sich gern ein wenig mehr bemühen, als wenn es
für den eigenen Hausgebrauch hergestellt werden soll. So kann man
den Schachteldeckel in derselben Art wie die Schachtel bunt bekleben;
verschließt man nun nicht die offene, sondern die gelochte Bodenseite,
so schont man die Löcher, außerdem wirkt das Spiel vollkommener. Um die
Löcher kann man mit Temperafarben kleine Ornamente pinseln, auch die
Hütchen können am Rand in dieser Weise verziert werden. Die Ziellöcher
müssen ganz besonders sorgfältig ausgeklebt werden. Den Schachteldeckel
kann man bemalen; geometrische Muster, Punkte in verschiedenen Größen
und Farben, zu Mustern zusammengesetzt, passen für dieses Spiel am
besten, ganz gleich, ob sie für den Deckel, die Schachtel oder für die
Hütchen verwendet werden sollen. Um die Schachtel widerstandsfähiger
zu machen, kann man sie mit Lackfarbe anstreichen, man wähle einen
kräftigen Ton, zum Beispiel Feuerrot, Briefkastenblau, Grasgrün oder
Orangegelb. Wer die Löcher in der Schachtel selber ausschneiden will,
zeichne sie sorgfältig auf, am besten mit Hilfe des Zirkels, schneide
sie mit der Schere aus und feile mit einer Rundfeile nach, weil sonst
Ecken und Kanten stehen bleiben würden.

[Illustration: Abb. 131. Schnitt eines Hütchens.]


42. Geduldspiele

Man kann auf billige Weise ein sehr unterhaltsames Geduldspiel selber
herstellen, das besonders den kleineren Geschwistern und deren Freunden
viel Vergnügen bereiten dürfte. Es ist das „+Geduldspiel+“, mit dem
sich eine ganze Kindergesellschaft stundenlang die Zeit vertreiben
kann. Für Regentage in den Ferien, falls es sich um schulpflichtige
Knaben und Mädchen handelt, ist es wie geschaffen; man kann dieses
Spielzeug auch mit auf die Reise nehmen, da es nicht allzuviel
Platz einnimmt und unzerbrechlich ist, ein großer Vorteil für ein
Spielzeug. Es besteht aus +Bildern+ jeder Art, die auf Holz oder Pappe
aufgeklebt werden; man leimt sie mit dünnem Tischlerleim auf, beschwert
die Plättchen oder Klötze mit dicken Büchern, damit sie sich beim
Trocknen nicht werfen, läßt sie 24 Stunden liegen und sägt sie, wenn
sie vollständig glatt und trocken geworden sind, mit der +Laubsäge+
in kleine Teile, die von den Kindern wieder zusammengesetzt werden
sollen. +Ansichtskarten+, +Reklamebilder+, +Zeitungsillustrationen+
und so weiter eignen sich sehr gut dafür; am liebsten werden sich die
Kleinen solche Stücke zusammensetzen, auf denen Kinder, Blumen, Tiere
abgebildet sind. Zu diesem Spielzeug geben wir keine Abbildung, da es
sich auch ohne diese nach unserer Beschreibung sehr leicht und schnell
anfertigen läßt.


43. Feine Buntpapierarbeiten

Da in vielen Schulen Klebearbeiten gelehrt werden und sich manches
junge Mädchen für diese hübsche, saubere Technik interessiert,
bringen wir auf unsern Bildern einige Anregungen für moderne Formen
und geschmackvolle Ausstattung solcher Kleinarbeiten. In der
Biedermeierzeit waren Buntpapierarbeiten besonders beliebt. Es gab
damals die sogenannten „Papeterien“, das waren bunte Kassetten, in
denen verschiedene Karten und Kärtchen zu mancherlei Gelegenheiten
eingeordnet waren. Diese „Papeterien“ waren nahe Verwandte unserer
heutigen Briefkassetten, auf alle Fälle waren es sehr oft Meisterwerke
der Buchbindekunst. Auch kleine Döschen und Rähmchen, Schachteln
und Schächtelchen zeigten bunten Papierschmuck, der in späteren
Jahren in einer verkommenen Art wieder auftauchte, als man begann,
Kammkästen, Schmucktruhen und so weiter aus Pappe herzustellen und dies
Machwerk mit farbigen Tapeten zu bekleben. Das war nun wirklich sehr
geschmacklos, und diese Kulturgreuel kamen sehr schnell wieder ab.

[Illustration: Abb. 132. Fusselkörbchen für die Nähmaschine.]

Jahrzehntelang hat man sich mit derartigem Kunstgewerbe nicht mehr
beschäftigt, jetzt beginnt es langsam wieder hochzukommen und größeres
Interesse zu erregen. Es gibt viele junge Mädchen, die es verstehen,
ihre kleine Bibliothek selbst einzubinden, Schreibmappen herzustellen,
Markenkästen, Briefkassetten zu arbeiten. Das sind nützliche
Beschäftigungen, die gefördert werden sollen, denn hier kommt es darauf
an, das Augenmaß zu verbessern, die peinlichste Akkuratesse zu üben und
den Geschmack zu heben. Das Handwerkliche ist dabei die Hauptsache;
wenn der Deckel auf dem Kästchen nicht paßt, ist die schönste Farbe
kein Heilmittel dagegen.

Auf unsern Bildern zeigen wir eine Anzahl von gefälligen Mustern, die
zum Nacharbeiten empfohlen werden können. Da ist ein Fusselkörbchen
(Abbildung 132) für die Nähmaschine; das Papier ist grün-lila-gelb, der
Innenraum grün tapeziert.

[Illustration: Abb. 133. Schmuckschachtel.]

Das zweite Modell (Abb. 133) ist eine Schmuckschachtel, sehr modern
in der Linie mit dem hohen zuckerhutförmigen Deckel. Dieser kleine
Behälter ist hellblau, rötlichgelb abgepaspelt, der Deckel ist grau,
das Innere rötlichgelb.

Etwas einfacher ist der schalenartige, deckellose Behälter, den unsere
umseitige Abbildung 134 zeigt. Er ist sechseckig, für Besuchskarten
und andere trockene Kleinigkeiten bestimmt, und gehört auf einen
Dielentisch oder auf einen Ankleidetisch, wo er sich zum Aufbewahren
von Nadeln und dergleichen recht gut eignet. Er ist grau, rötlichgelb
abgepaspelt und hellgrün.

[Illustration: Abb. 134. Schale für die Diele oder den Ankleidetisch.]

[Illustration: Abb. 135. Bonbonniere.]

Unser viertes Muster (Abb. 135) eignet sich als Bonbonniere, wenn man
es recht sorgfältig mit auswechselbarem Stanniol- oder Seidenpapier
auslegt, um es sauber zu erhalten. Sonst paßt es auch für den
Spiegeltisch, für Nadeln und andere Kleinigkeiten. Es ist hellblau
mit Gold gehalten, innen ist gelbes Papier mit Goldpunkten; die Füße
sind schwarz. Das geschmackvoll gemusterte Papier wirkt sehr hübsch,
solche Papiere sollte man den andern, weniger ausdrucksvollen Papieren
vorziehen.

[Illustration: Abb. 136. Markenkästchen für den Schreibtisch.]

Unser letztes Modell (Abb. 136) zeigt ein Markenkästchen für den
Schreibtisch. Indessen eignen sich auch andere Formen für diesen
Zweck, wenn die quadratischen Einteilungen gemacht werden. Es
ist mit lederartigem gelbem Papier beklebt. Der Innenteil zeigt
lila-gelb-braunes Batikpapier, die Füße sowie der Deckelknopf sind
schwarz gehalten.


44. Behälter aus Kartonpapier

Häufig kommt es vor, daß man Kleinigkeiten verschenken oder verschicken
muß. Die einfache Papierpackung soll durch eine geschmackvolle
Umhüllung ersetzt werden; diese Umhüllung darf nicht viel kosten, man
will sie recht schnell herstellen, sie soll nicht wie eine Handarbeit
wirken, darf keineswegs zu Gegenleistungen verpflichten; da kommt es
nun wirklich darauf an, seine Geschicklichkeit zu zeigen.

[Illustration: Abb. 137. Schälchen aus grauem Karton mit
Ausschneidemuster.]

Wir geben auf unsern Bildern (Abb. 137 bis 139) einige Beispiele, wie
solche Behälter für Kleinigkeiten, die noch „im letzten Augenblick“
angefertigt werden können, aussehen. Da ist ein +Schälchen+ (Abb.
137) und ein +Kästchen+ (Abbildung 138), beide Modelle sind sehr
niedlich und praktisch. Wenn man Geburtstags- und Weihnachtspakete
zusammenstellt, wenn für die Sommerreise allerlei verpackt werden soll,
wenn etwas für den Umzug gestiftet werden soll, ist solch ein Behälter
sehr brauchbar; er kann nicht nur leicht hergestellt, sondern ebenso
leicht wieder zusammengelegt werden, und -- überhaupt -- wer spricht
da noch viel über solche Kleinigkeiten! Sie passen für trockenes
+Konfekt+, +Pfefferminzplätzchen+, +Süßigkeiten+, die noch schnell
ins Abteil gereicht werden, wenn man Freunde und Verwandte zur Bahn
begleitet. Man verwendet sie in Kästchenform für kleines +Nähzeug+,
+Briefmarken+, +Spielpfennige+, für +kleine Reiseandenken+, einfachen
+Schmuck+, +Fingerhüte+, die man mitbringt, besonders wenn es sich um
Kleinigkeiten für Kinder handelt. Die Verwendungsmöglichkeit solcher
Kartonschälchen und -kästchen ist fast unbegrenzt. Man kann sie in
verschiedenen Größen herstellen, mehr oder weniger farbig, ganz nach
Belieben. Auch für +Schreibtischutensilien+ eignen sich die offenen und
geschlossenen Kartonarbeiten recht gut.

Als +Grundmaterial+ wird Kartonpapier verwendet, darauf zeichnet man
den Schnitt sorgfältig auf (Abb. 139). Dann ritzt man die Seiten,
die geknickt werden sollen, auf der +äußeren+ Seite ein, schließlich
schneidet man die Kästchen mit dem Messer aus, leimt die Seiten mit
Tischlerleim zusammen oder befestigt sie mit Metallklammern, wie wir
es auf unsern Bildern zeigen. Zum Schluß bemalt man die Innenseite der
Schale oder den Deckel des Kästchens mit einer Wasserdeckfarbe, am
besten Guasch- oder Temperafarbe. Viel malerischer ist die Wirkung,
wenn man Buntpapier ausschneidet und das Ornament mit einem Papierleim,
zum Beispiel Fischleim, möglichst sauber aufklebt. Das Ornament muß
in der Mitte stehen und darf nicht krumm und schief aussehen. Sehr
einfach ist die Verzierung auf dem +Kästchen+; da sehen wir +Kugeln+
aus Buntpapier, die in regelmäßigen Abständen voneinander in einem
Kreise aufgeklebt sind. Mit Geldstücken erzielt man die runde Form, der
Kreis wird mit dem Zirkel gezogen, mit dem Zirkel teilt man auch die
Abstände ein. Statt Buntpapier kann man für diese kleinen Ornamente
auch farbiges Papier verwenden, wie wir es von Schokolade-, Seifen-,
Konfekt- und Kerzenverpackungen her kennen, je bunter, desto besser.
Das Grundmaterial -- Kartonpapier -- finden wir in jedem Haushalt vor,
wenn wir uns umsehen; es kommt nicht so sehr auf die Farbe an, wenn es
nur nicht fleckig ist.

[Illustration: Abb. 138. Behälter aus Karton mit aufgeklebten Mustern.]

Will man die niedlichen Behälter kleineren Kindern schenken, so genügt
es schließlich, wenn man auf Klebe- und Maltechnik verzichtet und
die Kartons mit bunten Bildchen, sogenannten Oblaten verziert. Man
kann auch aus Reklame- oder Ansichtskarten geeignete Motive, zum
Beispiel Tiere, Tierköpfe, Blumen und so weiter ausschneiden und
auf den Karton kleben. Die hübschen Basteleien eignen sich auch für
Kinderbeschäftigung; sie lassen sich leicht erklären, machen viel
Spaß und gehören zu den nützlichen Handfertigkeiten, die von groß und
klein geschätzt werden. Wir fügen einige Schnitte bei (Abb. 139),
aus denen zu ersehen ist, wie eine Bleistiftschale, ein Kästchen mit
angeschnittenem Deckel, als Markenkästchen gedacht, eine einfache Mappe
in dieser Technik am besten nachgearbeitet werden können.

[Illustration: Abb. 139. Schnitte für Kartonarbeiten.]


45. Schmuckpapier

+Schmuckpapier+ gehört in das Buchbinderfach. Seine Herstellung ist
altes Kunsthandwerk, das mit dem Buchgewerbe eng zusammenhängt und als
+Handwerk+ in früheren Jahren außerordentlich in Gunst stand. +Bücher+
mit +Einbänden+ aus +Schmuckpapieren+ waren sehr beliebt, Buchhändler
und Büchersammler legten großen Wert auf schöne Schmuckpapiere; es
gehörte zum Buch wie der gute Druck.

Als die Maschine sich auch des Schmuckpapiers bemächtigte, gingen die
+handgearbeiteten+ Papiere zurück. Die Maschinendruckpapiere wurden
so billig hergestellt, daß es sich nicht mehr lohnte, handgearbeitete
Schmuckpapiere anzufertigen; so kam ein uralter Handwerkszweig fast in
Vergessenheit.

In allerletzter Zeit ist man wieder darauf zurückgekommen, man findet
wieder Gefallen am +handgebundenen Buch+, an +handgeschriebenen+
Texten, an +handgearbeiteten+ Vorsatzpapieren. Bücher, die in dieser
Art geschmückt sind, bilden den Stolz der Hausbibliotheken; die Jugend
hat Freude an solchem Handwerk, sie hat auch Zeit dazu, es auszuüben,
sie lernt schnell alle Handgriffe und bringt bei einiger Übung
mancherlei Geschmackvolles zustande.

[Illustration: Abb. 140. Schmuckpapier.]

Hübsche Schmuckpapiere kann man sehr vielseitig verwenden, nicht nur
als Buchschmuck. Zum Bekleben von +Kassetten+ verschiedener Art,
+Dosen+, +Mappen+, +Kalenderrückwänden+, +Notizblöcken+ eignen sie
sich ganz besonders; wer sorgfältig arbeitet, wird auf diesem Gebiet
sicherlich manchen Erfolg haben.

Das einfachste Schmuckpapier, das auch von Anfängern gern hergestellt
wird, ist das +Kleisterpapier+. Es besteht aus Papier, Farbe und
Kleister und kann schnell und fast kostenlos angefertigt werden.

Als +Grundmaterial+ kommen verschiedene Arten Papier in Frage:
+Zeichen-+, +Ton-+, +Pack-+, +Konzept-+ und +Einwickelpapier+. Soll das
Schmuckpapier stark sein, so verwendet man starkes Papier, für kleine
Gegenstände genügt meist dünnes Grundmaterial.

Zum +Aufstreichen+ verwendet man sogenannte +Leimpinsel+, das sind
Borstenpinsel, die in beliebiger Stärke in Farbengeschäften und
Drogerien erhältlich sind.

Den +Kleister+ kann man selber herstellen; Stärkekleister eignet
sich für diese Zwecke am besten; Reisstärke, die in jedem Haushalt
gebraucht wird, benutzt man auch zur Anfertigung von Schmuckpapieren.
In einem halben Glase Wasser löst man einen Eßlöffel voll Reisstärke
auf, man nimmt dazu kaltes Wasser, damit die Stärke nicht kleine
Klümpchen bildet. Dann läßt man ½ Liter Wasser kochen, am besten in
einer sauberen Konservenbüchse, die das Doppelte faßt, und gießt, wenn
es kocht, die aufgelöste Stärke unter ständigem Rühren in das Wasser
hinein. Sehr bald entsteht ein dünner Brei, der nach dem Aufkochen
vom Feuer genommen wird. Erst wenn der so entstandene Kleister völlig
erkaltet ist, darf man ihn verwenden.

Um dem Kleister die entsprechende +Farbe+ zu geben, benutzt man
+Leimfarben+, die in Pulverform in den Drogerien und Farbengeschäften
erhältlich sind. Das Auflösen dieser Farben geschieht in kleinen
Näpfen, in Salbentöpfchen, in Tassen oder irgendwelchen Töpfchen; mit
Wasser wird ein dicker Brei hergestellt, den man mit einem ausgedienten
Federhalter oder einem Pinselgriff so lange verrührt, bis er flüssig
ist und keine Klümpchen mehr zeigt. Wenn man die Farben nicht sehr
sorgfältig verrührt, werden sie körnig, die Farbkörnchen lösen sich auf
dem Papier beim Aufstreichen auf und verderben das Muster. Da sich die
Farben meist nicht lange halten, sondern leicht schimmelig werden, soll
man nur so viel anrühren, wie man braucht, was sich bei einiger Übung
sehr bald feststellen läßt.

[Illustration: Abb. 141. Vorsatzpapier.]

Ist das Material zusammengestellt, so beginnt die Arbeit: Man
vermengt in einer Untertasse so viel Kleister mit der Farbe, daß er
einen kräftigen Ton zeigt; am besten ist es, erst den Kleister in
entsprechender Menge in das Gefäß zu füllen und nach und nach die Farbe
dazuzugeben, unter ständigem Verrühren, damit die Mischung gleichmäßig
wird. Dann macht man auf billigem Papier allerlei Pinselübungen,
unter möglichster Schonung der Tischplatte, die durch Unterlagen
(Zeitungsbogen) vor Kleisterspritzern geschützt werden muß.

Zuerst streicht man mit dem Pinsel gerade Linien und Wellenlinien auf;
wenn man beim Streichen den Pinsel kräftig aufdrückt, entstehen Muster,
wenn man den Pinsel steil oder schräg aufstellt, ihn auf dem Papier
dreht und hin und her schiebt, entstehen wieder andere Formen. Wird nun
der Bogen glatt zugestrichen und darauf solche Pinselübung regelrecht
betrieben, so entstehen immer weitere Muster, die schließlich nach
Belieben aufgesetzt werden.

Bei diesen Pinselübungen braucht es nicht zu bleiben, man kann
allerlei „+Stempel+“ verwenden, die man selber herstellen kann, wenn
man mit einem scharfen Messer Kreuze und andere leichte Muster
in Flaschenkorke schneidet und diese „Stempel“ auf das grundierte
Papier drückt. Außer Kork gibt es noch andere geeignete Materialien,
zum Beispiel +Gummistücke+, +Radiergummi+, +Kartoffel+- und
+Mohrrübenscheiben+, in die man beliebige Stempel hineinschneiden kann.
Wenn man in bestimmten Abständen mit der +Fingerspitze+ auf das Papier
tupft oder bestimmte Linien zeichnet, entstehen Muster; aus +Knöpfen+,
+ungespitzten Bleistiften+, +dicken Buntstiften+ in Holzfassung, mit
+Schwämmen+, die in Farbe eingetaucht und über dem Papier ausgedrückt
oder ausgespritzt werden, kann man gute Formen und Farbwirkungen
erzielen. Eine Art +Batik+ erreicht man, wenn man das gefärbte
Papier zusammenballt und wieder ausbreitet. Will man ein +geädertes+
Schmuckpapier haben, so bespritzt man das Papier mit verschiedenen
Farben und hält es so lange senkrecht, bis durch das Herunterlaufen der
Farben das gewünschte Adermuster entstanden ist.

Sehr originelle Musterungen erzielt man mit +kleinen Blechdosen+,
Schuhputz- und Cremedosen, mit +Zigarettenspitzen+ aus +Papier+, mit
+Weidenkätzchen+; auch +Streichhölzer+, +Hasenpfoten+, +Watte+ und
+Pappstreifen+ kann man verwenden. +Pappstreifen+ ergeben je nach ihrer
Form schmale und breite, gerade, gebogene oder Wellenlinien.

Wird ein Bogen gleichmäßig mit Kleisterfarbe bemalt, in der Mitte
gebrochen, mit den nassen Hälften wieder zusammengelegt, daß er ganz
schnell zusammenklebt, und wieder auseinandergenommen, so entsteht beim
Auseinanderziehen ein brauchbares Muster.

+Marmorierungen+ erzielt man, wenn man mit großen +Vogelfedern+
arbeitet; ähnliche Wirkungen kommen heraus, wenn man +Seidenpapier+
zusammenbauscht und darüber fährt; statt des zerdrückten Seidenpapiers
kann man auch +Watte+ zum Marmorieren benutzen.

Wenn man aus starker Pappe einen „Kamm“ ausschneidet und über das
Grundierte fährt, entstehen allerlei Muster; es kommt darauf an, ob man
den Kamm gerade oder schräg aufsetzt, ob die „Zähne“ des Kamms schmal
oder breit sind.

Wer sich mit solchen Kleisterpapieren beschäftigt, wird sehr bald
selber auf mancherlei Möglichkeiten kommen; mit einiger Phantasie
gelingen die amüsantesten Muster, und wenn noch eine längere Übung
dazukommt, können die Papiere kaum mißlingen.

[Illustration: Abb. 142. Schmuckpapier.

Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]

Man kann die Papiere in +Quadrate+, +Zickzacklinien+ und +Wellenlinien+
aufteilen. +Helle Bänder+ entstehen, wenn man mit einem leicht
zugespitzten Stück Pappe in die grundierte Fläche hineinzeichnet. Diese
Bänder können beliebige Formen haben.

Ist ein Muster mißlungen, gefällt die Farbe nicht, so ist der Schaden
sehr schnell behoben. Man streicht das Muster wieder zu und beginnt
von neuem; Grundfarben muß man mit dem nassen Schwamm abwaschen.

Wenn ein Ton zu dunkel geworden ist, so wird er wieder aufgelichtet,
indem man reinen Kleister darüberstreicht. Ist der Kleister zu dick,
so gibt man mit einem Pinsel oder einem Schwamm reines Wasser auf
das Papier; Wasser hilft auch, wenn die Kleisterfarben zu zäh und
dickflüssig geworden sind. Je fester der Kleister ist, desto schärfer
und dünner werden die Formen; will man also verschwimmende Ornamente
erzielen, so muß man den Kleister verwässern.

[Illustration: Abb. 143. Aufsetzen des Grundes.]

Das +Trocknen+ der Kleisterpapiere dauert nicht lange; man breitet
sie über Nacht über einigen Lagen Zeitungspapier aus, dann beschwert
man sie mit dicken Büchern; dadurch werden sie gleichmäßig glatt und
können, nachdem sie getrocknet sind, verwendet werden.

Die +Gerätschaften+ muß man sehr sorgfältig behandeln; die
+Farbentöpfe+ werden am besten mit Seifen- oder Sodawasser heiß
ausgewaschen, ebenso die +Pinsel+, deren Borsten lang ausgezogen
werden, ehe man sie, mit den Borsten aufwärts, wegstellt. Bleiben sie
mit den Borsten im Kleister stehen, so verbiegen sie sich und brechen
sehr bald ab.

Statt der beliebten +Leimfarben+ kann man auch +Tempera-+ und
+Aquarellfarben+ verwenden; für Übungszwecke dürften sie indessen zu
teuer sein. Sehr gut wirken die feurigen +Anilinfarben+, die sich
besonders für solche Schmuckpapiere eignen, die zum Beziehen von
kleinen Arbeiten, von Kassetten und Dosen verwendet werden. Mit ein
paar Tropfen der in heißem Wasser aufgelösten Farbe kann man den
Kleister sehr lebhaft färben. Das Farbpulver wird in heißem Wasser
flüssig. Man achte darauf, daß die entstandene Farbflüssigkeit nicht zu
dünn wird, da sie sonst nicht genügend färbt.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 140 bis 143) vier +Kleisterpapiere+,
die nach den obigen Beschreibungen entstanden sind. Nummer 1 ist
grün mit Goldtupfen; die Goldtupfen sind in Bronzefarbe aufgesetzt,
ebensogut kann man auch Silberfarbe verwenden.

Das zweite Papier ist in Rot und Grün gehalten, das dritte in Grau,
Blau und Weiß, das vierte in Rot mit schwarzen Kreisen. Nebenstehend
sieht man, wie der Grund mit breiten Pinselstrichen aufgesetzt wird.
Die Kreise werden mit kleinen Blechdosen aufgestempelt.


46. Lampenschirme aus Papier

+Lampenschirme+ aus Papier sind seit einigen Jahren sehr beliebt; diese
Mode wird sich voraussichtlich noch längere Zeit halten, denn der
+Papierlampenschirm+ ist eine sehr stimmungsvolle Bereicherung unserer
Wohnungseinrichtung, vorausgesetzt, daß er wirklich geschmackvoll
wirkt. Wenn er nicht sehr sauber gearbeitet und in schönen Farben
gehalten ist, hat er gar keinen Zweck, dann fällt er nur peinlich
auf und kommt als Zimmerschmuck gar nicht in Betracht. Wenn man
einen +Papierlampenschirm+ verschenken will, verzichte man darauf,
„überraschen“ zu wollen; im Gegenteil, man soll sich erst einmal
genau erkundigen, welche Form und Farbe für die betreffende Lampe
erwünscht ist, damit der Schirm auch wirklich verwendet werden kann
und nicht unbenutzt in die Rumpelkammer wandert, weil er „unmöglich“
ist. Unmöglich wird er sehr leicht, wenn das Papier schlecht gefaltet
ist, wenn es eine unfeine Tönung hat und womöglich kitschig bepinselt
ist. Das beste Material ist +Pergament-+ oder weißes +Zeichenpapier+,
das meist einen leichten gelblichen Ton zeigt. Das Papier wird mit
Fischleim oder einem beliebigen Papierklebemittel in der notwendigen
Länge zusammengeklebt, diese Länge richtet sich nach der Größe der
Lampe. Dann knifft man es in möglichst regelmäßigen Abständen; von der
Regelmäßigkeit dieser Abstände hängt der „gute Sitz“ des Lampenschirms
ab. Mit einem Falzbein werden die Falten scharf angeglättet; nach
Belieben plissiert man flache oder tiefe, große oder kleine Falten,
dies richtet sich nach der Größe des Lampenschirms, der nach der Größe
der Lampe berechnet wird. Durch das gefältelte Papier werden mit einem
Locher die Löcher für die Schnur geschlagen, damit -- an der oberen
Kante des Schirms -- eine entsprechend starke Seidenschnur durchgezogen
werden kann; sie wird zu einer Schleife mit lang herunterfallenden
Enden geknüpft; diese Enden werden verknotet, nach Belieben wird
je eine +Holzperle+ als Abschluß vor dem Knoten aufgenommen. Der
fertige +Papierlampenschirm+ sieht wie ein steifes, plissiertes
Röckchen aus, das mit Metallklammern oder Druckknöpfen geschlossen
wird. Man kann die Endstreifen auch mit Papierleim aneinanderkleben.
Meist genügt ein weißer Lichtschirm indessen nicht, man tönt das
Papier mit Wasserfarben in einer Farbe, die zu der Lampe, zu dem
Gesamtraum passen muß. Am feinsten wirkt Grün, Wasserblau, Altgold,
Zitronengelb, Orange, Dunkelgelb; man kann am oberen und am unteren
Rand leichte Abschlußstreifen aufmalen. Sehr häufig wird die ganze
Schirmhülle bepinselt, mit Vögeln oder Blumen, mit Schmetterlingen oder
Landschaften. Das ist viel zu viel, denn schließlich sind es durchaus
nicht immer Kunstwerke, die dem Pinsel entfließen; außerdem kann der
Charakter des Lampenschirms durch solch überflüssiges Gepinsel sehr
leicht verwischt werden. Je einfacher, desto besser; ein paar leichte
Randleisten in Silber oder Bronze wirken oft sehr viel besser als
die gut gemeinten Malereien, denn die steife Form des Lampenschirms
gestattet nur eine sparsame Verzierung. Die Innenseite des Schirms
bleibt weiß, sonst verdunkelt sie das Licht. Streifig bemalte
Lampenschirme können sehr geschmackvoll sein, verlangen indessen einige
Übung, denn das Streifige soll sich nicht auf die Technik beziehen; das
wäre ein Fehler, gemeint ist ein gestreifter Hintergrund in mehreren
Tönen, die recht fein zueinander abgestimmt werden müssen, zum Beispiel
Pfauenblau und Türkis, Orangegelb und Wasserblau; doch muß man sich
vorher erkundigen, ob solche oder andere Farbenzusammenstellungen
erwünscht sind. Für den eigenen Gebrauch ist es ebenfalls notwendig,
die Farben des Lichtschirms zur Farbe der Tapeten, der Möbel und der
im Zimmer befindlichen Webwaren abzustimmen. Man tönt und bemalt
das Papier, bevor es plissiert wird; die Farben müssen vollständig
aufgetrocknet sein, Lampenschirme werden nicht lackiert.

Wir bringen zum Papierlampenschirm keine Abbildung, da die
Herstellungsart sehr deutlich beschrieben ist, und betonen nochmals zum
Schluß, daß vor dem Zuschneiden des Papiers genau Maß genommen werden
muß, damit er weder zu eng noch zu weit, zu lang oder zu kurz wird. Es
empfiehlt sich, zu Übungszwecken zunächst Modelle aus Zeitungspapier
herzustellen, das starke Katalogpapier eignet sich besonders gut dafür.


47. Bemalte Deckchen und Papierservietten

Bei Picknicks und andern zwanglosen Vergnügungen macht es den Töchtern
des Hauses Vergnügen, nicht nur die Tafel festlich zu decken, sondern
nach eigenem Geschmack etwas „Besonderes“ dazuzustiften. Es gibt da
allerlei, was als Damenspende, als Tafelschmuck von eigener Hand
hergestellt werden kann; am beliebtesten dürften die selbstbemalten
+Papierservietten+ sein, wenn sie wirklich hübsch sind. Die Herstellung
ist indessen nur dann angebracht, wenn die Tafelrunde nicht zu groß
ist, die +selbstbemalten Papierservietten+ eignen sich mehr für einen
intimeren Kreis, in dem sich alle recht gut untereinander kennen, sonst
würde sich die Mühe der fleißigen Haustochter auch kaum lohnen.

Man verwendet am besten ausgebogte weiße, einfache +Papierservietten+,
die man mit farbiger Ausziehtusche und einem spitzen Marderhaarpinsel
recht sorgfältig bemalt. Statt Ausziehtusche kann auch Aquarellfarbe
verwendet werden. Man macht zunächst ein paar Skizzen von den
Zeichnungen, die dafür in Betracht kommen, dann pinselt man die
Muster direkt auf die Papierservietten, nachdem man sich ein paar
Anhaltspunkte und Linien mit feingespitztem harten Bleistift, wenn dies
notwendig ist, gemacht hat. Nun bemalt man die Papierserviette mit
einem bunten Rand oder einer farbigen Ecke. Auf unsern Bildern zeigen
wir zwei ganz besonders geschmackvolle Muster, die sich dafür eignen.

Nummer 1 (Abb. 144) ist mit einem +Randmuster+ verziert, kurze,
ineinander greifende Linien in Kobaltblau dunkel, Zinnoberrot und
Schwarz.

Ganz besonders hübsch ist die andere Papierserviette bemalt (Abb. 145),
ein +laufendes Muster+; die äußeren Formen sind kobaltblau hell, die
inneren zinnoberrot gehalten.

[Illustration: Abb. 144. Bemalte Papierserviette; Randmuster.]

Diese Ornamente wirken so reizvoll, weil sie sehr geschickt, ohne
Vorzeichnung, aus freier Hand dahingepinselt sind. Man sieht die
Leichtigkeit des Entwurfs, die schnelle Ausführung; da ist nicht lange
herumgetiftelt, und so muß auch die Wirkung sein, wenn es sich um
improvisierte kleine Handfertigkeiten handelt.

[Illustration: Abb. 145. Bemalte Papierserviette; laufendes Muster.]

Diese Muster kann man indessen auch anderweit verwenden: für
+Taschentücher+, sowohl in als auch in Batist oder einem andern feinen
Gewebe; für diese Art Kunstgewerbe ist indessen Übung notwendig, denn
es ist ein Unterschied, ob eine ungeratene Papierserviette fortgeworfen
wird oder ein verklextes Taschentuch. Wenn ein Taschentuch oder ein
+Brotkorbdeckchen+ bemalt werden soll, werden keine Ausziehtuschen
und keine Wasserfarben verwendet, sondern +waschechte Farben+, die
in den einschlägigen Geschäften erhältlich sind. Am besten ist es,
eine genaue Bleistiftzeichnung zu machen, sie unter das Gewebe zu
schieben, mit Reißnägeln rechts und links zu befestigen, damit sie
nicht verrutscht, und nun mit dem Pinsel die Formen nachzuziehen, die
man durch den dünnen Stoff hindurchsehen kann. Das gilt sowohl für
+Deckchen+ als auch für +Taschentücher+. Die Muster eignen sich auch
für +Kinderkleider+ und +Schürzen+, die ebenfalls waschecht bemalt
werden müssen; auch für +Porzellanmalerei+ kann man die einfachen,
zierlichen +Rand-+ und +Eckmuster+ verwenden.

[Illustration: Skizzen für Randmuster.]


48. Papierpuppen

[Illustration: Abb. 146. Papierpuppe mit Papierkleidern.]

Für die jüngeren Mädchen gibt es ein Beschäftigungsspiel, das besonders
dann sehr angebracht ist, wenn sie, zum Beispiel bei schlechtem
Wetter, im Zimmer bleiben müssen oder wenn sie krank und sich selbst
überlassen sind. Dieses hübsche Spielzeug besteht aus +Papierpuppen+,
die man aus Modenzeitungen ausschneidet, und für die man passende
Kleidungsstücke herstellt. Ein Spielzeug, das keinen Spektakel macht
und das von den Kindern ohne Unterbrechung stundenlang gehandhabt wird,
ohne sie zu ermüden. Erwachsene brauchen sich an diesem Spiel nicht
zu beteiligen, es braucht nicht erklärt zu werden, es ist ohne Kosten
herzustellen und macht allen Beteiligten viel Spaß. Am geeignetsten
dafür sind +Kindermodefiguren+, die in jedem Modenheft und in vielen
Katalogen und Zeitungsanzeigen anzutreffen sind. Man schneidet sie
aus und klebt sie mit Papierleim auf festes weißes Papier auf. Nicht
zu stark verdünntes Gummiarabikum ist ebenfalls dafür verwendbar. An
den Füßen soll das Papier überstehen, an einem Fuß wird es nach vorn,
am anderen Fuß nach hinten gebogen, damit die Puppe stehen kann.
Auf weißes +Zeichenpapier+ werden +Kleider+, +Schürzen+, +Mäntel+
und so weiter aufgezeichnet, angepinselt und ausgeschnitten. An den
Schultern und Hüften läßt man kleine Streifen überstehen, die --
nach hinten gebogen -- die Kleidungsstücke an den Puppen festhalten.
Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 146) einige Beispiele, in
welcher Art solche +Papierpuppen hergestellt+ und angekleidet werden;
zum Anpinseln verwendet man einfache +Tuschwasserfarben+ aus einem
billigen Tuschkasten oder billige +Buntstifte+. Um die runden Linien
recht schnell und sauber auszuschneiden, benutzt man eine gebogene
Nagelschere.




VII. Kapitel

Buntes Allerlei


49. Bildstickereien

In vergangenen Jahrzehnten war es Mode, eine bestimmte Art der
Nadelmalerei zu bevorzugen. Der Jugendstil war gerade aufgekommen und
mit ihm die gespreizten, langstengeligen Formen, in die mit Vorliebe
Schwertlilien, Alpenveilchen, Mohn, Tulpen und ähnliche Blüten
hineingezwängt wurden.

Inzwischen ist man längst von diesen gequälten Linien abgekommen, und
wenn die Mode sich aufs neue der Nadelmalerei zuwendet, so meint sie
damit ganz etwas anderes. Einige Malerinnen, die sich bereits einen
Namen gemacht haben, wandten sich der Stickerei zu und bringen modern
aufgefaßte Blumen und Landschaften in dieser Technik auf die Fläche.
So zum Beispiel Frau Hanna Schreiber de Grahl, die als Schülerin des
märkischen Meisters Hagemeister an der Havel malte und hier ihre
Eindrücke empfangen hat. Sie hat als Bildstickerin verschiedene
ausgezeichnete Arbeiten hervorgebracht.

[Illustration: Abb. 147. Bildstickerei; roter Mohn.]

[Illustration: Abb. 148. Bildstickerei; blühender Apfelbaum.]

An zwei Modellen solcher gestickter Bilder (Abb. 147 und 148) wollen
wir ihre Technik zeigen. Freilich fehlt der Hauptreiz, die Farbe, ohne
die man sich solche Arbeiten nur sehr schwer vorstellen kann. Es ist
daher hier nicht möglich, einen Vorhang wie den „Roten Mohn“ (Abb. 147)
zu beschreiben; die Phantasie muß uns helfen, die Wirkung zu ergänzen.
Auf alle Fälle ist dieses Stück Mohnfeld ausgezeichnet empfunden;
die großen und kleinen Blüten, die Mohnkapseln, die schlanken Stiele
und massigen Blätter sind durchaus naturalistisch wiedergegeben.
Hier ist nichts aufgebaut oder aus dem Gedächtnis gearbeitet; die
Künstlerin hat solch ein Mohnfeld studiert, aus vielen mühevollen
Skizzen ist die Stickerei entstanden, die so leicht und zierlich wirkt.
Der zweite Wandbehang, „Blühender Apfelbaum“ (Abb. 148), ist von
gleicher Art. Das Motiv steht im Vordergrund auf einer Wiese; Bäume,
Sträucher, Wolken bilden den malerischen Hintergrund für den prächtig
blühenden Apfelbaum, der das ganze Bild beherrscht. Die weiten Flächen
des Himmels sind geschickt durch Linien und Formen unterbrochen.
Die gesamte Komposition ist sehr reizvoll und, wie bei dem ersten
Wandbehang, ebenfalls durchaus naturalistisch. Hier sehen wir zwei
Nadelmalereien, die dem modernen Geschmack entsprechen und -- obgleich
sie rein bildhaft wirken -- dennoch als Stickerei technisch völlig
einwandfrei ausgeführt worden sind.

Wenn wir solche Bilder zeigen, wollen wir geschickten Stickerinnen eine
Anregung geben; es sind sicherlich viele unter ihnen, die recht hübsch
nach der Natur zeichnen und aquarellieren können. Da müßte einmal der
Versuch gemacht werden, ein kleines Stilleben, ein paar Blumen, einen
Ausschnitt aus einer Landschaft zu sticken; für den Anfang genügen
kleine Motive, die möglichst sorgfältig behandelt werden müssen. Von
der handgestickten +Tischkarte+ bis zum +Wandbild+ ist ein weiter
Weg, indessen kommt es vor allem darauf an, einen Versuch zu machen.
Es ist auch gar nicht notwendig, solche Stickereien als Wandschmuck
zu verwenden, kleine Arbeiten passen als Einlage für +Kassetten+,
+Andenken-+ und +Depeschenmappen+, für +Einbände+ zu +Gästebüchern+,
für +Schmucktruhen+ und ähnliche Gegenstände, die eine persönliche Note
tragen sollen.


50. Pinseldruck

Zu den einfachsten und hübschesten Verzierungen, die vielfach
Verwendung finden, gehört der +Pinseldruck+. Die Technik ist nicht
schwierig, wenn man sie erst einmal erfaßt hat, und es kommt nur darauf
an, dem Pinsel allerlei Stellungen zu geben und ihn geschmeidig zu
machen, damit er die verschiedenen Figuren willig ausführt. Unser Bild
(Abb. 149) zeigt einige Muster, deren farbige Ausführung der Phantasie
jedes einzelnen überlassen bleibt.

[Illustration: Abb. 149. Muster für Pinseldrucke.]

Man verwendet Pinsel von mittlerer Stärke, die mit Wasserfarben, am
besten Deckfarben, gut angefeuchtet werden. Durch Aufdrücken in
verschiedener Stellung des Pinsels werden die Muster ausgeführt. Solche
Ornamentik eignet sich recht gut zum Schmuck von +Spanschachteln+, von
+Holzkassetten+, +Pillenschachteln+, +Zigarrenkisten+, +Holzleisten+,
die als +Schlüsselbretter+ benutzt werden sollen, überhaupt für
einfache Gegenstände, die einfach verziert werden sollen. Solche Muster
kommen aber auch für +Seidenbänder+, zum Beispiel für +Hutbänder+,
+Gürtel+, +Blusenbändchen+ und ähnliches Modebeiwerk in Betracht; in
diesem Fall verwendet man am besten waschechte Farben, die in den
einschlägigen Geschäften für diese Zwecke käuflich sind. Diese Technik
eignet sich ganz besonders für +Lampenschirme+, für +Untersetzer+,
+Tablette+ und ähnliche +Einlagen+, die zum Schutz vor Staub und
Feuchtigkeit unter Glas gerahmt werden. In Emailfarben ausgeführt, kann
man die Technik sowohl auf +Glas+ als auch auf +Metall+, +Ton+ und
+Holz+ verwenden, es gibt dafür vielerlei Möglichkeiten; auch +Schals+
und +Halstücher+ lassen sich in dieser Art je nach Übung und Geschick
mit geeignetem Farbenmaterial recht geschmackvoll verzieren. Wer noch
nicht sehr geübt ist, macht am besten ein paar leichte Aufzeichnungen
auf den Hintergrund; bei Ton, Metall und Holz ist +Kreide+ oder +Kohle+
sehr zu empfehlen; beide Hilfsmittel können wieder entfernt werden,
ohne Spuren zu hinterlassen.

Der +Pinseldruck+ paßt besonders zur Verzierung von +Blumentöpfen+,
+Blumenkübeln+ und +Topfuntersetzern+, auch +Tonkästen+ können in
dieser Weise geschmückt werden.


51. Schattenrisse

Im achtzehnten Jahrhundert stand der +Schattenriß+ in seiner höchsten
Blüte, und im achtzehnten Jahrhundert bekam er auch den Namen
„+Silhouette+“, den er noch heute trägt, und unter dem er in der ganzen
gebildeten Welt bekannt ist. Die Bezeichnung stammt aus Frankreich.
Dort forderte der Finanzminister Etienne de Silhouette energische
Sparmaßnahmen in den Gesetzen, er wollte Ordnung in die zerrütteten
Finanzen des Reiches bringen und wollte es durchsetzen, daß an Stelle
der farbigen Porträte des Königs nur noch Schattenrisse, die sich
billiger stellten, als Ehrengaben verliehen werden sollten. Dieser
sparsame Finanzminister machte sich bei den Parisern sehr unbeliebt,
und nach seinem Sturz kam der Spottname +Silhouette+ auf, den nun alle
Schattenrisse tragen.

[Illustration: Abb. 150. Schattenriß.]

Die Mode begünstigte die Silhouette, man fand Ende des achtzehnten
Jahrhunderts Gefallen an der Neubelebung der Antike; die griechischen
Vasenbilder, damals sehr beliebt, zeigten Ähnlichkeit mit den
Schattenrissen, die dadurch noch begehrter wurden. Nicht nur Personen
wurden in Schattenrissen wiedergegeben, auch Säulen, Sträuße,
Landschaften, Stilleben hat man ausgeschnitten. Diese Mode hielt sich
bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts; wir können noch heute in
alten Stammbüchern und auf den vergilbten Freundschaftsbändern solche
schwarze Kunst bewundern, die in der Biedermeierzeit besonders von
den bürgerlichen Kreisen hochgeschätzt wurde. Da sind Porträte und
sentimentale Kränze, gebrochene Säulen und flammende Herzen, zärtliche
Girlanden, die sich um ebenso zärtliche Widmungen schlingen, üppige
Füllhörner und andere Sinnbilder einer in Gefühlen schwelgenden Zeit.

Als Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Daguerreotypie aufkam,
verdrängte sie den Porträt-Schattenriß nach und nach, bis die
Silhouette in ihren verschiedenen Formen ganz und gar in Vergessenheit
geriet und nur noch bei Antiquitätensammlern und in alten
Familienbüchern zu finden war.

Die Mode wechselt, alles kehrt wieder. Die Nachkriegszeit mit ihrer
Wohnungsnot bedingt Verhältnisse, die denen am Anfang des neunzehnten
Jahrhunderts, nach den Napoleonischen Kriegen, ähnlich sind. Mit
der Raumnot und der verringerten Kaufkraft, mit der Verarmung
und der Vereinfachung der Lebenshaltung, kam die Freude an alten
Erbstücken, an antiken Möbeln und Urväterhausrat auf. Zwischen
praktischen Sekretären und liebevoll betreuten Vitrinen zeigte sich
die Silhouette, vereinzelt schon vor dem Kriege, als große Mode in den
nachfolgenden Jahren, nachdem sie bis dahin nur auf Jahrmärkten ein
halb verstecktes, unbeachtetes Dasein geführt hatte. Man schnitt wieder
+Porträtsilhouetten+, aber man begnügte sich nicht mit diesen Übungen.
Die Schattenrisse paßten sich zunächst der Mode an, es wurden weniger
Bildnisse als Genrebilder geschnitten. Buchillustrationen in dieser
Technik kamen wieder auf, in Form und Linie modernisiert, man schnitt
Bilder, Szenen aus Theaterstücken, aus Volksliedern und Gedichten, und
schließlich, ganz unsentimental, hat sich auch in allerletzter Zeit der
Film des Schattenrisses bemächtigt.

In den bürgerlichen Kreisen herrscht das +geschnittene Bild+, das
als Wandschmuck und im Zierschränkchen hinter blanken Scheiben
Bewunderung erregt und dessen Technik je nach Geschmack, Geschick und
Übung immer wieder gern erlernt wird. Es gehört eine sichere Hand und
ein sicheres Auge dazu, und wer im Anfang bescheidene Motive wählt,
kann, wenn die Vorbedingungen zutreffen und wenn die Geduld nicht
erlahmt, schließlich recht gute Erfolge erzielen. Man braucht dafür
keine großen Vorkenntnisse und wenig Material; die Silhouette wird
mit der Schere geschnitten, man trägt die Zeichnung auf der Rückseite
des Silhouettenpapiers auf, für schwarzes Papier verwendet man helle
Kreide. Am besten läßt man rund herum einen schwarzen Rand stehen, an
den auch die anderen Teile anstoßen.

Den sogenannten „+Papierschnitt+“ führt man mit einem scharfen
Messer aus, es gibt dafür auch Federn in Messerform. Man legt die
Aufzeichnung aus dünnem Pauspapier auf das Silhouettenpapier und
schneidet nun die Teile, die weiß bleiben sollen, mit dem Messer heraus.

[Illustration: Abb. 151. Schattenriß.]

Wir geben zwei Modelle wieder (Abb. 150 und 151), die dem modernen
Geschmack entsprechen und die sich zum Raumschmuck eignen. Derartige
Bilder werden möglichst anspruchslos eingerahmt, Kaliko, schmale weiße
und schwarze Leisten, ganz dünne, unverzierte Goldleisten passen dafür
am besten. Schattenrisse in der Art der Blumenranken kann man zum
Schmuck von Glückwunschkarten, für die Widmungsseite von Gästebüchern,
Sammelmappen und für Kassettendeckel -- unter Glas -- verwenden. Sie
eignen sich auch für Tablette und Untersetzer.


52. Dackel als Bi-ba-bo-Spielzeug

Wer kennt es nicht, das lustige Spielzeug, das in den letzten Jahren
unter dem Namen „Bi-ba-bo“ in den Handel gekommen ist und durch seine
natürliche Beweglichkeit die Herzen von jung und alt gewonnen hat,
denn die Bi-ba-bo-Spiele sind für Erwachsene ebenso unterhaltend wie
für Kinder.

Nun ist eine Neuheit aufgekommen. Maria Skutsch, die bekannte Berliner
Kunstgewerblerin, hat sehr niedliche Dackel entworfen und selbst
ausgeführt, die als Bi-ba-bo-Spielzeug viel Anklang finden. Wenn man
sie in Bewegung setzen will, so steckt man den Zeigefinger in die
Höhlung des Kopfes, auf Daumen und Mittelfinger werden die Vorderfüße
gezogen, während die untere Hand unter dem verschränkten Arm versteckt
ist. So täuscht ein solcher Bi-ba-bo-Teckel einen lebendigen Männe
vor, der mit den Ohren wackelt, mit dem Kopf nickt und sich wie ein
richtiges Hundebaby gebärdet.

An solchem Spielzeug (Abb. 152) finden sowohl Jungen wie Mädel ein
rechtes Vergnügen, und dieses Vergnügen steigert sich, wenn man das
amüsante Spielzeug selber herstellt oder wenigstens dabei hilft.
Das Fell der kleinen Hunde besteht aus schwarzem und braunem Tuch
oder Satin. Den Rumpf fertigt man aus einer 24 mal 21 Zentimeter
langen Röhre, die sorgfältig zusammengenäht wird, ein ovales Stück
mit untergelegter Pappe fügt man als Sitzboden ein. Mit Lumpen und
Holzwolle wird der Rumpf fest ausgestopft, damit keine leeren Stellen
entstehen, und schließlich oben fest zugenäht; dabei schrägt man
die Schultern leicht ab. Für den Kopf schneidet man zwei Teile der
Profilansicht etwa 12 mal 9 Zentimeter groß zu, dazwischen wird ein
Streifen, 2,5 mal 3 Zentimeter breit, am vordern Ende in ein Dreieck
auslaufend, genäht. Die nach oben spitz auslaufende „Kehle“ wird als
ein 4 mal 6 Zentimeter großes Stück Stoff zwischen die unteren vorderen
Ränder eingenäht. Die Nähte werden links in dichtem Stich ausgeführt.
Zum Schluß wird der Kopf umgewendet, fest ausgefüllt und auf den Rumpf
genäht. Die Schlappohren werden verkehrt angenäht und zurückgeklappt,
nachdem man an der hinteren Seite vorher eine kleine Falte genäht hat.
Die Augen bestehen aus Jettplättchen, die in der Art aufgenäht werden,
daß die Augenwinkel mit weißer Wolle angedeutet werden. Über den Augen
und seitlich der Nase stickt man gelbbraune Flecke mit Wolle ein. In
dieser Art wird auch die Schnauze dunkelgrau gehalten. Die Pfötchen
bestehen aus zwei Gliedern. Das obere ist ein zusammengestepptes,
doppelt gelegtes Stück schwarzes Tuch; die eigentliche Pfote wird aus
gelbbraunem Tuch geschnitten, links zusammengenäht und nach dem Wenden
mit Watte ausgestopft. In den Kopf wird eine über das obere Glied des
Zeigefingers zu ziehende Pappröhre mit eingenäht. Sie wird so dicht mit
Stoff umwickelt, daß sie die Halsweite des Dackels ziemlich ausfüllt.

[Illustration: Abb. 152. Selbstgemachtes Kinderspielzeug; kleine Dackel
in Bi-ba-bo-Art.

Entworfen und ausgeführt von Maria Skutsch, Berlin.]

Maria Skutsch hat mit diesen Hunde-Bi-ba-bos etwas Reizendes
geschaffen. Geschickte Hände werden daraus manch frohes Spiel für die
Kleinen gestalten.


53. Schattenspiele

Ebenso unterhaltend und phantastisch sind die +Schattenspiele+,
an denen sich die „Großen“ stets sehr gern beteiligen. Wir wollen
dazu keine Illustrationen bringen, sondern nur kurz darauf
hinweisen und die Erinnerung daran wecken, falls diese reizvolle,
harmlose Beschäftigung, dieser fröhliche Zeitvertreib an traurigen
Regenabenden, an Wintertagen, wenn es noch zu früh zum Schlafengehen
ist und die Schularbeiten erledigt sind, nicht bekannt sein sollte.
Wie manche Stunde vergeht viel zu schnell beim +Schattenspiel+, das
die Einbildungskraft aufrüttelt und schon vor hundert Jahren zu den
beliebtesten Gesellschaftsspielen gehört hat. In einer Tür wird ein
Bettlaken mit Reißnägeln festgespannt; zwischen der Spannung und
einer hellen Lampe wird Theater gespielt, möglichst in einer Reihe.
Die Begebenheiten müssen sich +nebeneinander+ abwickeln, da der
Zuschauer nur die im Vordergrunde Auftretenden sehen kann; was sich
im Hintergrund abspielt, kann er nicht beobachten. Auf das Publikum
wirkt das Ganze silhouettenhaft; es ist im Interesse des Spiels,
wenn es schnell aufgeführt wird; je flüchtiger und schattenhafter es
wirkt, desto besser ist es. Wer Phantasie besitzt, kann es -- mit
Musikbegleitung -- außerordentlich reizvoll gestalten, denn das alte
+Schattenspiel+ ist nicht nur ein Zeitvertreib für Kinder von Kindern,
es kann auch für die Heranwachsenden und für die Großen zur fröhlichen
Unterhaltung werden.


54. Bilderbuch von eigener Hand

In dieses Kapitel gehört das „+Bilderbuch von eigener Hand+“, dem
man eine besondere persönliche Note geben kann, wenn man unter die
einzelnen Bilder lustige +Unterschriften+ setzt oder -- wenn es
irgend möglich ist -- passende +Knittelverse+ darunterschreibt. Als
Grundmaterial verwendet man +Kartonpapier+, für kleinere Kinder eignet
sich ein Bilderbuch aus +Pappbogen+ noch besser, weil Pappbogen
haltbarer sind. Man klebt mit +Fischleim+ oder +Dextrin+ Bilder auf
die Bogen, die Bilder schneidet man aus illustrierten Zeitschriften,
Katalogen, Reklameblättern, Ansichtskarten und Zeitungen aus. Es kommt
gar nicht darauf an, daß die Bilder gleich groß sind, es genügt, wenn
sie +deutlich+ sind. So kann man zum Beispiel den Katalogen von Blumen-
und Tierhandlungen sehr gutes, leicht verständliches Bildermaterial
entnehmen. +Dextrin+ zum Aufkleben stellt man selber her, indem man
das gelbe Dextrinmehl -- es besteht aus fein gemahlenen, getrockneten
Roßkastanien -- in einer Tasse oder in einer sauberen Konservenbüchse
mit lauwarmem Wasser dünn verrührt und mit einem breiten, kleinen
+Leimpinsel+, einem sogenannten +Bureauleimpinsel+, aufstreicht. Die
Bilder werden sorgfältig ausgeschnitten, am besten im Quadrat; es macht
zu viel Mühe, ihre Umrißlinien auszuschneiden, bei manchen Bildern
dürfte das gar nicht möglich sein. Man klebt eine Seite voll mit
Illustrationen und belegt sie mit schweren Büchern, damit sie glatt
auftrocknen. Dann schreibt man die Knittelverse unter die Bilder,
es genügt indessen, wenn man verständliche Unterschriften gibt, die
von den kleinen Lesern sicherlich ebensogern in ihre Gedankenwelt
aufgenommen werden; phantasiebegabte Kinder erfinden mehr oder weniger
hübsche Geschichten dazu. Auf alle Fälle sind solch selbsthergestellte
Bilderbücher sehr anregend. Pinselfreudige Knaben und Mädchen können
die Schwarzweißzeichnungen selber nach Belieben mit und ohne Hilfe
der Erwachsenen antuschen; ein billiger kleiner Tuschkasten mit
entsprechenden Pinseln als Beigabe zu diesem originellen Bilderbuch
dürfte seinen Zweck kaum verfehlen.

Man hält das Buch am besten in Mappenform, das heißt, man durchbohrt
die einzelnen Bogen mit dem Locher und zieht eine feste Schnur durch,
die auf dem Deckel zu einer Schleife verknüpft wird. Dies Verfahren hat
den Vorteil, daß man, wenn man Zeit und Lust hat, das Buch immer wieder
erweitern kann; vielleicht macht es den Kindern Freude, selber ans Werk
zu gehen und nach eigenem Belieben ein recht dickes, unterhaltsames
Bilderbuch herzustellen. Als Umschlag verwendet man besonders starke
Pappdeckel, die mit einem hübschen Titel und einer passenden Widmung
versehen werden. Dies +Bilderbuch+ kann man auseinandernehmen, so daß
sich mehrere Parteien damit beschäftigen können, ohne in Streit zu
geraten. Wir bringen von diesem eigenartigen Buch keine Abbildung, da
die ausführliche Beschreibung wohl genügen dürfte; außerdem steht es
jedem frei, solch Kinderbuch nach Belieben auszugestalten, es gibt
viele Möglichkeiten dafür.


55. Purzelmann

Ebenso beliebt wie der altbekannte Hampelmann ist der +Purzelmann+, mit
dem die kleinen Knaben und Mädel sehr gern spielen. Man kann ihn ohne
viel Mühe und Kosten selber herstellen; ein Purzelmann ist in jedem
Kinderzimmer ein gern gesehener Gast und eignet sich schon darum sehr
gut als „Mitbringsel“ für die Kleinen; auf diese Art kann man andere,
teuere Aufmerksamkeiten sparen. -- Man halbiert eine möglichst breite
+Glühstrumpfhülse+, legt eine schwere +Kugel+ hinein und leimt beide
Deckel fest; diese Glühstrumpfhülse stellt den Kopf dar, auf den ein
Gesicht aufgemalt wird. Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 153)
ein Modell, nach dem man das Spielzeug herstellen kann. Hier sehen wir
das aufgemalte Gesicht, Augen, Mund, Nasenlöcher, so einfach wie nur
möglich. Am besten ist es, das Gesicht auf weißes Papier zu pinseln
und dieses auf den Kopf aufzuleimen. Der Rumpf -- aus Stoff -- wird am
Kopf festgeklebt, Hände und Füße -- aus dünner Pappe -- werden mit ein
paar Stichen angenäht. Man hält den Anzug am besten feuerrot, die Mütze
tütenblau, die Schuhe giftgrün, die Knöpfe zitronengelb. Auf einer
schrägen Ebene schlägt der Purzelmann so viel Purzelbäume wie man will,
vorwärts und rückwärts; darum macht dieses bewegliche Spielzeug den
Kleinen immer wieder Spaß, ohne sie zu langweilen.

[Illustration: Abb. 153. Purzelmann.]




VIII. Kapitel

Weihnachtsarbeiten


56. Handarbeiten für den Weihnachtstisch

Weihnachtshandarbeiten? Ja, sind die denn anders als alle übrigen
Handarbeiten? Gibt es auch auf diesem Gebiet Unterschiede? Natürlich.
Man braucht sich nur zu überlegen, was Weihnachtshandarbeiten uns
allen für Kopfzerbrechen machen. Immer findet man noch im letzten
Augenblick, daß irgend jemand vergessen worden ist; dagegen soll es
seltener vorkommen, daß jemand doppelt bedacht wird. Die Großmama, die
von sechs verschiedenen Enkeltöchtern sechs nicht sehr verschiedene
Kaffeekannenwärmer bekommen hat, die gibt es in jedem Jahr, und sie
hätte so viel andere Handarbeiten viel nötiger gebraucht. Aber das
kommt von den Überraschungen. Heutzutage sind Zeit und Materialien
wirklich zu kostspielig, als daß man gar so verschwenderisch damit
umgehen sollte, und darum wäre es durchaus angebracht, die sonst
sehr hübsche Sitte des Überraschens zu durchbrechen und sich lieber
nach den Wünschen der einzelnen sehr genau zu erkundigen. Wenn, was
sicher eintreffen dürfte, mehrere Gegenstände genannt werden, ist
die Überraschung wirklich groß genug, wenn einer davon, möglichst
geschmackvoll und praktisch ausgeführt, auf dem Weihnachtstisch
ausliegt. Ist die Freude nicht größer, wenn uns ein Wunsch erfüllt,
wenn uns etwas geschenkt wird, was uns fehlt, als wenn wir etwas
bekommen, das wir nicht recht verwenden können? Schließlich kann die
Anregung ja von den Schenkenden ausgehen. Die Frage „Kannst du das
brauchen?“ zeugt stets von Interesse, von Fürsorglichkeit.

Man muß aber wirklich nachdenken, um etwas Passendes vorzuschlagen;
immer Sofakissen und Tischläufer, das ist auf die Dauer nicht möglich.

[Illustration: Abb. 154. Vornehme Einkaufstasche.]

Wir zeigen auf unsern Bildern eine Anzahl Handarbeiten, die praktisch
und hübsch zugleich sind, nicht zu viel kosten und nicht gar zu
zeitraubend sind, denn den Weihnachtshandarbeiten darf man nicht etwa
ansehen, daß sie ein „Augenpulver“, eine „Schinderei“ gewesen sind.
Der Beschenkte muß unbedingt den Eindruck haben, daß die Arbeit mit
Vergnügen von Anfang bis zu Ende hergestellt worden ist.

Zunächst einmal ein Geschenk für eine alte Dame. Das ist nicht
so einfach; alte Damen haben meist „schon alles“. Hier muß etwas
sehr Praktisches vorgeschlagen werden; darum bringen wir als
Anregung eine +Einkaufstasche+ (Abb. 154), die möglichst hübsch
ausgeführt wird, damit sie nicht nur für den Wochenmarkt, sondern
auch für nachmittägliche Einkäufe, die sich an einen Besuch oder
einen Spaziergang anschließen, benutzt werden kann, und die vom
Nachmittagsanzug nicht abstechen darf.

Unser Modell besteht aus schwarzem Seidenstoff, es ist mit einem
Bodenteil aus starkem Stoff versehen, 10 Zentimeter breit, 29
Zentimeter lang. Die Tasche selbst ist 34 zu 34 Zentimeter groß. Da das
Futter an der Außenseite zu sehen ist, wählt man am besten einen modern
gemusterten Satin- oder Seidenstoff, für die Schnüre verwendet man
schwarze Beinringe, die 8 bis 9 Zentimeter vom inneren Rand entfernt
angenäht werden.

Eine +gestrickte Hemdenpasse+ (Abb. 155), in der Art, wie wir sie auf
unserer Vorlage zeigen, paßt für jedes junge Mädchen.

Unsere Abbildung zeigt deutlich, wie ein entsprechend weites, glattes
Stück von gestricktem Einsatz möglichst „unsichtbar“ zusammengefügt
wird. Die Naht soll unter dem Arm angebracht sein. Ungefähr je 15
Zentimeter von der vorderen und je 13 Zentimeter von der hinteren Mitte
entfernt, bringt man die gestrickten Achselbänder an. Sie werden 1
bis 6 Zentimeter breit und 40 Zentimeter lang gehalten. Wenn man das
beste Garn, möglichst fein, verwendet, wird die Hemdenpasse manches
Hemd überleben; darum soll man sie mit der Hand annähen, um sie beim
Abtrennen nicht zu beschädigen, falls sie für ein neues Hemd verwendet
werden soll. Strickarbeiten wirken erst dann schön, wenn sie gut
gespannt sind. Das Spannverfahren ist sehr einfach: Nach der Wäsche
spannt man die Arbeit noch feucht auf ein sauberes weißes Tuch über
einer dicken Decke und steckt sie mit rostfreien Nadeln fest. Zacken
und Bogen werden einzeln gerade gezupft, die Mühe lohnt sich, denn
nach dem Spannen zeigt sich die Eigenart der Strickspitze bis in die
kleinsten Teile.

[Illustration: Abb. 155. Gestrickte Hemdenpasse.]

Ein +Tee-+ oder +Kaffeekannenwärmer+ für den Hausgebrauch ist stets ein
praktisches Geschenk für denjenigen, dem er fehlt. Nun muß man sich
aber auch erkundigen, für welche Zwecke er gewünscht ist; meistenteils
bekommt man sehr elegante Kannenwärmer, mit Spitze und reicher
Stickerei verziert, also für den Alltag nicht zu brauchen. Da ein
Strapazierkannenwärmer aber viel eher und öfter gebraucht wird als ein
eleganter, muß auch darauf Rücksicht genommen werden, und wir bringen
zwei Modelle, (Abb. 156 und 157), ein ganz einfaches und ein reich
besticktes Muster, zur Auswahl.

Der +einfache Kannenwärmer+ (Abb. 156) besteht aus einem Tuchrest;
Tütenblau, Giftgrün, Feuerrot, Orangegelb, Türkis, Pfauenblau, Altgold,
Bischofslila, Grasgrün, Kirschrot, das sind Farben, die sehr gut dazu
passen, denn man will auch auf dem alltäglichen Tisch etwas Farbiges
sehen; dadurch wird die Stimmung gehoben. Dieser farbenfröhliche
Hintergrund wird mit einer leichten Häkelei verziert, nachdem man
die „Mütze“ zugeschnitten hat. Zuerst schneidet man eine Papierform
von 30 Zentimeter Höhe, 35 Zentimeter Breite; am besten ist es, wenn
die Maße an den betreffenden Kannen ausprobiert werden. Will man
die Arbeit nach auswärts senden, so erbittet man auf alle Fälle die
genauen Maße, sicherheitshalber für Kaffee- +und+ Teekanne; es hat
keinen Zweck, drauflos zu arbeiten, wenn man keine Ahnung von den
notwendigen Größenverhältnissen hat. Unser Maß ist für die einfache
Durchschnittskanne gedacht; am wichtigsten ist es indessen, wenn es
sich um ein Geschenk handelt, das Muster der größten in Frage kommenden
Kanne abzunehmen.

Man schneidet nun zwei Teile und beginnt mit der Häkelei, die in zwei
Farben gehalten wird. Auf Rot wirken Tütenblau und Schwefelgelb am
besten, für einen grünen Grund verwendet man Orangegelb und Schwarz,
auf Blau Orangegelb und Giftgrün, auf Gelb Schwarz und Tütenblau oder
Grasgrün, auf Bischofslila Schwefelgelb und Schwarz oder Giftgrün, auf
Altgold Türkis und Tütenblau, auf Türkis Orangegelb und Schwarz.

Man verwendet feines Perl- oder Papiergarn und häkelt recht fein,
sonst wird das Muster zu groß und plump. Die Häkelei beginnt mit dem
kleinsten Ring in der Mitte, Anschlag 20 Luftmaschen, mit einer festen
Kettenmasche zum Ring geschlossen.

[Illustration: Abb. 156. Einfacher Kannenwärmer.]

1. Reihe: 3 Lftm. für die 1. Stäbchenmasche, 3 Lftm., 9mal 1 St., 3
Lftm., 1 Masche übergehen, zuletzt 1 f. Kttm. in die 3. Lftm. am
Anfang der Reihe. 2. Reihe: 1 feste Masche in die nächste M., 3 Lftm.,
1 M. übergehen, 1 f. M., ringsum wiederholt -- es müssen 20 Bogen sein
-- zuletzt 1 f. Kttm. in die 1. f. M. 3. Reihe: 2 f. Kttm. in die
ersten Lftm. der vorigen Reihe, 3 Lftm. statt 1 St., 3 Lftm., 20mal
1 St., 3 Lftm., 1 f. Kttm. in die 3 Lftm. am Anfang der Reihe. Damit
ist die Grundlage für die Häkelarbeit gegeben. Die nächste Reihe von
Ovalen wird mit 1 f. Kttm. am 4. Bogen der letzten Reihe angehängt; 2
Bogen bleiben dazwischen. Am nächsten wird wieder ein Oval angehängt.
Fünfmal sind die betreffenden Ovale, die wie das erste mit nur 1 Reihe
aus 12 St. weiß gehäkelt werden, nach Übergehen von 2 Bogen angehängt
und so die Hauptlinien des Musters gegeben. Die nächsten Ovale sind
wieder farbig mit 14 St. hergestellt; es folgen dann weiße mit 16
St. und zuletzt farbige mit 20 St. Sind so die Ovale zusammengehängt,
werden sie am Außenrand mit farbigem Garn im Zusammenhang umhäkelt.
1 f. M. um den mittelsten der 7 Bogen, die bei dem 1. Oval übrig
geblieben sind, 4 Lftm., 1 St. in die 1. derselben, 1 f. M. um den
folgenden Bogen. Der Übergang von einem Oval zum nächsten muß so glatt
wie möglich ausgeführt werden. Zuletzt, wenn die ganze Häkelarbeit
fertig und aufgenäht ist, durchzieht man die Ovale zweimal versetzt
in Schlangenlinien mit mittelstarkem weißen Perlgarn. Daß noch vier
besondere Teile mit je drei Ovalen zwischen die Hauptlinien eingefügt
werden, zeigt die Abbildung; sie lehrt auch, wie und wo mit dem
Perlgarn durchgezogen wird. Nachdem die Arbeit von der Rückseite aus
gut geglättet ist, legt man Watte und Futter auf, reiht alles ringsum
an und näht den unteren Saum nach innen ein. Der Außenrand wird sehr
fest aufeinandergereiht und dann zusammen mit festen Maschen umhäkelt.
Man nimmt dazu entweder Wolle von der gleichen Farbe des Grundstoffes
oder von der Farbe der Häkelarbeit. Schließlich häkelt man die Teile
von der Rückseite aus mit festen Maschen zusammen. Ein kleiner Ring,
mit festen Maschen umhäkelt und oben in der Mitte festgenäht, dient als
Griff.

[Illustration: Abb. 157. Reich bestickter Kannenwärmer.]

Man verziert den Kannenwärmer auf +beiden+ Seiten in der beschriebenen
Weise; da solch eine Häkelei unverwüstlich ist, kann sie immer wieder
verwendet werden.

Der zweite +Kannenwärmer+ (Abb. 157) zeigt einen reichen Schmuck in
Flachstickerei. Er besteht aus schwarzem Tuch, hat ebenfalls Mützenform
und wird genau wie das andere Modell zugeschnitten und montiert. Das
Muster wird mit weißem, gelbem oder rotem Ölpauspapier auf den Stoff
übertragen; man stickt es am besten im Rahmen. Der Entwurf besteht
aus großen und kleinen Blumen und Blättern; man kann ihn leicht von
unserm Modell abzeichnen, und es kommt nicht darauf an, ob eine
Blüte etwas größer oder kleiner ausfällt als auf der Vorlage; es ist
wichtiger, daß das Ganze recht harmonisch sich in die Form einfügt. Man
arbeitet mit bunter Wolle oder Seide, kann aber auch beide Materialien
mischen. Die Verbindungen der einzelnen Stoffteile werden mit großen
Knopflochstichen hergestellt. Dieser Kannenwärmer wirkt auch in starkem
Leinen sehr gut; in diesem Fall muß er unbedingt waschecht bestickt
werden, zum Beispiel mit Perlgarn oder waschechten, starken Seidenfäden.

[Illustration: Abb. 158. Wirtschaftsschürze mit leichter Stickerei.]

Ein praktisches Geschenk für junge Frauen und Mädchen ist die
+Wirtschaftsschürze+ mit leichter Stickerei, die wir in unserer
Abbildung 158 bringen. Als Grundstoff eignet sich dunkelblaues
„Fuhrmannsleinen“ am besten, doch kommt auch dunkelgraues Leinen in
Betracht. Sehr brauchbar ist auch englisches Lederleinen. Diese Stoffe
lassen sich gut waschen und sind unverwüstlich. Man bestickt sie
mit rotem, unbedingt waschechtem Perlgarn, auch weißes Garn kommt in
Betracht. Graues Leinen kann man auch mit tütenblauem oder giftgrünem
Garn besticken. Ziemlich auffallend, aber nicht unpraktisch sind rote
Leinenschürzen; roter Stoff fällt meist sehr haltbar aus, wenn eine
gute Qualität gewählt wird. Man bestickt ihn in Weiß, Tütenblau,
Dunkelblau oder Schwarz. Die schmale Borte ist 3 bis 4 Zentimeter
breit, die Blumen werden 10 Zentimeter hoch gehalten. Die Größe der
Wirtschaftsschürze richtet sich nach der Figur der Trägerin, man
rechnet im Durchschnitt eine Länge von 70 bis 75 Zentimeter, sie wird
dementsprechend 60 bis 65 Zentimeter breit geschnitten. Der doppelte
Bund ist 3 Zentimeter breit, der Latz oben 30 Zentimeter breit und 20
Zentimeter hoch. Die Bänder werden angeschnitten, nach unten etwas
abgeschrägt, auch der Latz wird auf jeder Seite nach unten 2 Zentimeter
abgeschrägt. Die Schürze ist gerade geschnitten. Sie wird mit je zwei
Falten auf jeder Seite in den doppelten Bund gefaßt; der Latz wird mit
je zwei nach außen gelegten Falten unter dem Bund angenäht. An den Bund
werden auch die gesäumten Bänder genäht, man näht zwei Wäsche- oder
Perlmutterknöpfe für die mit Knopflöchern versehenen Tragbänder an.
Die Stickerei über dem unteren Schürzenrand besteht aus Zackenlinien,
die in Stielstich ausgeführt werden, die länglichen Punkte hält man
in Flachstich, die Blumen in langem Kettenstich, die Blättchen in
Plattstich. Der etwa 15 Zentimeter breite Ausschnitt am Latz ist in
derselben Weise verziert, ebenso die 12 bis 14 Zentimeter breite
Tasche. Eine Stielstichreihe begrenzt den unteren und den seitlichen
Saum sowie den inneren Latzausschnitt.

+Buchhüllen+ sind ein sehr beliebtes Weihnachtsgeschenk; man schützt
mit ihnen sehr zweckmäßig eigene und geliehene Bücher, die man auf
diese Weise auf Reisen, auf Ausflüge, auf Spaziergänge mitnehmen kann,
ohne ihnen Schaden zuzufügen. Wir zeigen auf unserer Abb. 159 drei sehr
hübsche, einfache Modelle in Kreuzstichtechnik, die noch „ganz zuletzt“
ohne viel Mühe und Kosten angefertigt werden können.

Sie stammen aus Beyers Handarbeitsbüchern, Band 22, Kreuzsticharbeiten,
Heft 3. Die Hüllen werden bestickt; ihre Größe beträgt durchschnittlich
20 zu 30 Zentimeter. Man verwendet dazu ein Stück Stoff von 22
Zentimeter Höhe und 40 Zentimeter Breite. Wenn die Stickerei ausgeführt
worden ist, wird das Futter gegengenäht; je 5 Zentimeter der Breite
werden als Tasche nach innen geklappt und oben und unten mit kleinen
Stichen dem Deckel angenäht. Die Stickerei muß mit kleinen Stichen
hergestellt werden, so daß ungefähr sechs Stiche auf 1 Zentimeter
kommen. Die linke Buchhülle ist auf terrakottafarbenem Leinen auch über
dem Buchrücken mit schwarzem Twist gestickt. Die erste Zickzacklinie
ist hellblau gehalten; das Futter ist aus dem Oberstoff hergestellt.
Die mittlere Hülle wird aus holzbraunem Leinen mit braunem Satinfutter
gearbeitet. Außer den kleinen Dreieckformen in moosgrünem Twist ist die
Stickerei schwarz gestickt. Zur dritten Hülle wurde graublaues Leinen
verwendet; die Ecken sind lavendelblau bestickt, die Randlinien schwarz
und blau; das Futter besteht aus blauem Satin.

[Illustration: Abb. 159. Drei Buchhüllen mit Kreuzstichstickerei.]

Häufig bietet sich gerade zu Weihnachten Gelegenheit, Fernerstehenden
eine kleine Aufmerksamkeit zu erweisen; sie darf nicht viel kosten,
soll eigentlich nur zeigen, daß man auch an diese oder jene
Persönlichkeit in liebenswürdiger Weise gedacht hat, und eine Art
freundliches Gedenken bezeichnen.

Da ist zum Beispiel die alte oder junge Hausschneiderin, die noch
schnell das neue Festkleid genäht hat; da sind alleinstehende Tanten
und Hausfreundinnen, die zum Heiligen Abend eingeladen worden sind. Für
sie soll noch eine Kleinigkeit fertig werden. Was kann man wählen?

[Illustration: Abb. 160. Stecknadelfisch.]

Da wäre ein niedlicher Stecknadelfisch (Abb. 160), eine praktische
Handarbeit, die bestimmt nicht viel Mühe macht. Die Grundform wird auf
Papier gezeichnet. Dann erst schneidet man sie von kräftigem Stoff und
zuletzt von dem des Überzugs, etwa grauem Samt oder Seide, aus. Die
Länge beträgt 20 Zentimeter, an der dicksten Stelle 8 Zentimeter für
eine Hälfte. Ist die Grundform zugeschnitten, zeichnet man Kopf, Maul
und Augen mit einigen geraden Strichen auf; zu den Schuppen schneidet
man bogig geformte Pappdeckelstückchen in drei Größen und zeichnet sie
auf dem Stoff nach, indem man am Kopfe die größten, ungefähr sechs
Reihen, nimmt, hierauf die mittleren und gegen das Ende die kleinsten.
Dann näht man die Form zu, füllt sie fest mit trockenem Sand und zieht
den Außenstoff darüber. Zuletzt werden, der Vorzeichnung folgend,
Stecknadeln eingesteckt, und zwar Kopf an Kopf. Auch hier nimmt man
drei Größen: die stärksten für den Kopf und die ersten sechs Reihen,
die zweite Größe für das Mittelstück, die kleinsten für den Schwanz.
Zu den Flossen braucht man längere Stecknadeln. Man steckt diese nur
so tief, daß man die richtige Form bekommt, wie aus der Abbildung
ersichtlich ist. Haupterfordernis ist, nicht damit zu sparen; man
braucht eine ganze Menge Nadeln.

[Illustration: Abb. 161. Schere mit Fingerhutbehälter in Form einer
Nelke.]

Ein ähnliches Geschenk ist die +Schere+ mit dem +Fingerhutbehälter+ in
Form einer +Nelke+. Das ist etwas sehr Praktisches, was auch jungen
Mädchen viel Spaß machen wird. Man nimmt ganz wenig Maschen auf und
häkelt die Blume, deren Kelch den Fingerhut enthalten soll. In Hochrot,
Bischofslila, Pfauenblau, Orange wirkt die Blüte am besten. Statt des
Stiels wird eine doppelte Schnur aus Luftmaschen gehäkelt, an der
die große oder kleine Schere, natürlich in diesem Fall keine Nagel-,
sondern eine +Schneider-+ oder +Stickschere+, befestigt wird. Dieses
Geschenk, vielleicht zusammen mit dem Stecknadelfisch, ist eine sehr
geschmackvolle Aufmerksamkeit, die in Jungmädchenkreisen sicherlich
Anklang finden dürfte (Abb. 161).

Etwas ganz besonders Hübsches ist das +Kinderkleid+ (Abb. 162), das von
jungen Tanten und Patinnen bestimmt in die engere Wahl gestellt werden
wird, auch die „große“ Schwester wird dafür Verwendung finden.

[Illustration: Abb. 162. Gesticktes Kinderkleidchen, nach einem Entwurf
von Ida Blell, Berlin.]

Den eigenartigen Schnitt des Leibchens kann man nach der Abbildung
mit Hilfe des Körpermaßes leicht ausprobieren. Die Stickerei,
stilisierte Blätter und Blüten, wird mit geteilter rosa Waschseide fast
durchweg im Linienstich ausgeführt. Man arbeitet dabei immer rings
um eine Musterfigur, ein Blatt oder eine Blume, mit Vorstichen, dann
zurückgehend ebenfalls mit Vorstichen ringsum, indem man jetzt die
rosa Vorstiche auf die Nadel nimmt und die leeren Stellen überspannt.
Das Röckchen ist etwa 180 Zentimeter weit; die Länge kann verschieden
sein. Der Saum ist 3 Zentimeter breit; er wird als Lochsaum mit rosa
Seide ausgenäht. Man kann das Leibchen rückwärts in gleicher Länge
wie an der Seite herumgehen lassen oder auch wie vorn ausschneiden.
Die untere Kante, der obere Ausschnitt und die Ärmel werden mit rosa
Seide umhäkelt, nachdem die Schnittkante 1 Zentimeter breit nach
innen umgebogen wurde. Beim Umhäkeln führt man 2 feste Maschen in dem
gleichen Stich aus und häkelt 1 bis 2 Luftmaschen dazwischen, dann
wieder 1 f. M., 2 Lftm., 1 f. M. Das Röckchen muß selbstverständlich
beim Ausschnitt entsprechend höher heraufgehen; die Falten oben
werden mehrmals fein gezogen, worauf man die obere Kante auf der
Rückseite an die Häkelmaschen annäht. Ein einfaches Spitzchen in
Schiffchenarbeit schließt den oberen Ausschnitt und die Ärmel vorne ab.
Der Halsausschnitt ist mit rosa Band durchzogen.

Das niedliche +Körbchen+ (Abb. 163) ist ein sogenanntes
+Verlegenheitsgeschenk+, es soll nur eine kleine Aufmerksamkeit
vorstellen. Man wählt ein einfaches, hübsch geformtes Körbchen aus
Weiden oder Span in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen. Ist
es weiß, das heißt naturfarben, so beizt man es mit einer beliebigen
Holzbeize, am feinsten wirkt Grün, Braun oder Hellbraun. Dann reiht
man große, gleichmäßige Glasperlen auf einen starken Faden und
befestigt ihn an der Korbwand, wie wir es auf unserem Bilde sehen.
Diese Perlen sind in zwei Farben gehalten, in Dunkelblau und Gelb, wie
Bernstein getönt; es sind sogenannte böhmische Glasperlen, die sich für
solche Zwecke sehr gut eignen. Solch Körbchen kann man als Näh- oder
Stopfkörbchen herrichten, indem man ein Nadelkissen, einen Stopfer,
am besten auch einen Handschuhstopfer, Garn, Twist, Wolle in den
gebräuchlichsten Farben, einen Fingerhut, vielleicht auch eine Schere
darin verteilt. Es genügt aber, wenn man es als Schlüsselkörbchen
bestimmt und zunächst mit Süßigkeiten füllt.

[Illustration: Abb. 163. Körbchen aus Span mit Glasperlen.]

Zum „Füllen“ eignet sich auch die +Spanschachtel mit Handmalerei+, die
als Kragenbehälter sicherlich Gefallen finden dürfte (Abb. 164). Man
bemalt sie mit Temperafarben; der Grund ist Kobaltblau, die großen
Blumen an den Wänden sind abwechselnd feuerrot mit gelber Mitte und
schwefelgelb mit grüner Mitte gehalten. Blätter und Stengel sind
grasgrün. Der Deckel zeigt große Blumen, die dicht nebeneinanderstehen.
Sie sind abwechselnd orange und schwefelgelb, zinnober- und karminrot,
mit abstechender Mitte und Punkten in Grün und Gelb, die Punkte
sollen die Staubgefäße andeuten. Alle Blüten sind schwarz umrandet.
Die Spanschachtel wird stark glänzend lackiert, die Tempera- oder
Guaschfarben, die zum Malen verwendet werden, hält man dickflüssig.
Diese starkgetönte Spanschachtel eignet sich besonders zum Verpacken
von Süßigkeiten, die nach auswärts geschickt werden sollen. Auch zum
Julklapp ist sie gut zu gebrauchen. Man kann eine Menge Kleinigkeiten,
dicht umhüllt, hineinpacken, Strümpfe, Handschuhe, Kragen,
Taschentücher, ein passendes Geschenk für jüngere Herren.

[Illustration: Abb. 164. Spanschachtel mit Handmalerei.

Entwurf und Ausführung: Else Levin, Berlin.]


57. Weihnachtliches Allerlei

Zum Weihnachtsfest regen sich die Hände der mehr oder weniger fleißigen
Haustöchter mit besonderem Eifer. Nicht nur die Handarbeiten spielen
schon wochen-, sogar monatelang eine wichtige Rolle im Backfischleben,
es gibt noch mancherlei anderes, was ebenso ernsthaft vorbereitet
werden muß.

[Illustration: Abb. 165. Christbaumschmuck aus Oblaten.]

Da ist zum Beispiel der +Schmuck der Weihnachts-+ und -- ein wenig
später -- der +Silvestertafel+. Aber das letztere ist ein Kapitel
für sich. Und der +Christbaum+ und sein +Schmuck+, das ist eigentlich
etwas, was in jeder Familie traditionell behandelt wird. Wo nur
Erwachsene oder Halberwachsene das Weihnachtsfest gemeinsam feiern,
dürfte die Tanne im Schmuck weißer Kerzen, die Zweige mit Engelshaar
verhangen, ohne jede weitere Verzierung, am liebsten gesehen werden. Wo
Kinder unter dem Christbaum stehen, wird man vielleicht etwas weniger
feierlich sein und bunte Lichte, versilberte und vergoldete Nüsse,
Äpfel, Zuckerzeug und Pfefferkuchen an den grünen Zweigen anbringen,
damit es am +Dreikönigstag+ etwas zu „plündern“ gibt. Und wer noch
ein wenig weiter gehen will, der hängt +bunte Weihnachtsbildchen+ und
+Papierketten+ und vor allem recht farbige +Papiernetze+ und +Körbchen+
an den Christbaum, und in den Netzen und Körbchen schaukeln sich
Pfeffernüsse und kleine Steinpflaster, das übliche Weihnachtsgebäck,
das auch die Großen nicht verschmähen. Ja, man kann solch einen
Christbaum so lieb und lustig ausschmücken, daß ihn die Kinder ihr
ganzes Leben lang nicht vergessen und daß sich in ihrem späten Alter
die Erinnerung an Jugendseligkeit und Kinderglück immer wieder um
den brennenden Lichterbaum drängt. Der Christbaum, strahlend im
Kerzenschein, der Inbegriff aller Seligkeiten!

Wie leicht ist es, solchen fröhlichen +Christbaumschmuck+ selber
herzustellen; an einem Abend kann man die ganze bunte Herrlichkeit
hervorzaubern.

Wie macht man ein Netz? Man faltet ein quadratisches Stück
durchgefärbtes, ungummiertes +Buntpapier+ wie ein Taschentuch, dann
nochmals diagonal. Dann schneidet man mit einer scharfen Schere
parallel dem unteren Rand in ganz schmalen Abständen einmal von rechts
und einmal von links bis fast an den gegenüberliegenden Rand. Wenn
man es auseinanderfaltet, durch die äußeren Ränder einen festen Faden
zieht, ist das Netz fertig. Man legt eine bronzierte Nuß, einen kleinen
Pfefferkuchen hinein und hängt das bunte Netz an einen Zweig.

+Papierketten+, die um den Christbaum geschlungen werden, macht man
aus Papierstreifen; man benutzt dazu durchgefärbtes, ungummiertes
Buntpapier. Es wird 1 Zentimeter breit, 6 Zentimeter lang geschnitten
und zum Ring geklebt. Durch diesen Ring zieht man einen Streifen, klebt
diesen wieder zu einem Ring und so weiter, so lang man die Kette haben
will. Je bunter sie ist, desto hübscher wirkt sie, darum kann jedes
einzelne Kettenglied in einer anderen Farbe gehalten sein.

Sehr einfach in der Herstellung ist auch der +Christbaumschmuck+ aus
+Oblaten+, den wir in Abb. 165 zeigen.

Einige Vorsicht ist bei dieser Arbeit indessen notwendig, da
Oblaten leicht zerbrechlich sind. Als Unterlage dient ein farbiges
Kartenblatt. Auf diesem ordnet man die Oblaten zu Figuren, und zwar
nach Belieben in einer oder auch in mehreren Farben. Zum Ausstechen
kann jede scharfrandige Metallhülse dienen, zum Beispiel eine
Bleistifthülse oder eine leere Patrone. Als Klebstoff eignen sich
dickflüssige Zuckerlösung, Gummiarabikum oder Mehlkleister. Die unteren
Scheibchen bleiben, wie sie sind, und werden nur dachziegelartig
übereinandergeschoben. Für die aufgesetzten Sterne teilt man die
Scheibchen mit einem Messer in Hälften beziehungsweise Viertel. Wer
sehr geschickt ist, kann auch die Kartonunterlage weglassen.

[Illustration: Abb. 166. Weihnachtsleuchter.]

Nun zur +Weihnachtstafel+, für die ein besonderer Schmuck ausgedacht
werden muß, denn wenn den Kleinen zuliebe vielleicht die feierliche
Note des Festes ein wenig gemildert und zurückgedrängt wird und der
+Tannenbaum+ ein buntes Aussehen bekommt, so muß die +Weihnachtstafel+,
an der die Großen herrschen, desto ruhiger und würdiger geschmückt
werden. Der Christbaum und die aufgebauten Geschenke, all dies soll
den Kindern gehören, die Erwachsenen aber sollen die „Heilige Nacht“
+feiern+, und darum muß die Weihnachtstafel in Grün und Weiß gehalten
sein, strahlender +Kerzenschein+ und +Tannenzweige+, und dazwischen
flimmerndes +Engelshaar+.

Wer geschickt ist, kann jeden Leuchter in einen +weihnachtlichen
Kerzenhalter+ umwandeln; wir zeigen auf unserer Abb. 166 solch einen
feierlichen Lichthalter. Ständer und Arme sind dicht mit Tannengrün
umkleidet, Lametta ist darübergelegt, und den Abschluß bilden die
brennenden, dicken weißen Kerzen. Weiße Lichte wirken am schönsten,
es wird wohl niemand auf den Gedanken kommen, dafür +bunte+ Kerzen zu
verwenden; nur echte, gelbliche Wachskerzen kämen dafür in Betracht,
wie sie in der Kirche brennen.

Ein solch feierlicher Weihnachtsleuchter kann im Ausnahmefall den
Christbaum ersetzen, in manchem Stübchen wird wohl am Heiligen
Abend solch tannenumkränzter Leuchter aufgestellt werden, ein
Weihnachtsleuchter, den ein treues Gedenken für liebe Freunde und
Angehörige festlich geschmückt hat.

Ähnlich ist der +Tafelschmuck+ auf unserem nächsten Bild (Abb. 167)
gehalten: hier sieht man +kleine Tännchen+ in Blumentöpfen, die mit
dunkelgrünem Kreppapier umhüllt sind. Lametta hängt in den Zweigen und
verdeckt, lang herabhängend, die Töpfe, sie fließt über das Tischtuch
dahin, im Umkreis einen silbernen Schein verbreitend.

Sehr geschmackvoll ist der +mittlere Tafelschmuck+, etwas
schwieriger als die anderen, aber bei einigem Geschick kann man ihn
sehr schnell, noch in letzter Stunde, herstellen. Es gehört ein
hölzerner +Lichthalter+ dazu, der in den größeren Blumengeschäften
erhältlich ist. Eine Art rundes Tablett auf einem Holzständer,
weiß oder einfarbig grundiert, mit bunten Ornamenten bemalt, meist
Bauernblumen in Rot, Blau, Gelb und Grün, scharf vom Hintergrund
abstechend. Jeder Dorftischler kann diesen +Kerzenhalter+ herstellen,
die Bemalung ist so einfach, daß sie sehr leicht ausgeführt werden
kann. Man verwendet Wasserdeckfarben, die nach dem Auftrocknen mit
Hochglanzlack überstrichen werden. Der fertige +Lichthalter+ wirkt wie
ein Tafelaufsatz; der Fuß wird mit Tannengrün umkleidet, in den Kreis
stellt man die weißen Weihnachtslichte, der Rand ist durch eingebohrte
Löcher dafür vorbereitet. Die Kerzen müssen fest eingesetzt werden,
damit sie nicht umfallen. Zum Schluß stellt man eine hohe Schale in die
Mitte, die mit kleinen roten Weihnachtsäpfeln und Nüssen gefüllt wird.

[Illustration: Abb. 167. Tafelschmuck: Weihnachtsleuchter zwischen
Weihnachtstännchen.]

Solch +Weihnachtstafelaufsatz+ ist ein sehr originelles
Weihnachtsgeschenk, das sich besonders für eine Sendung nach auswärts
eignet. Man kann damit seinen Lieben, die den Heiligen Abend nicht im
Elternhause oder im Freundeskreise verleben können, eine große Freude
machen.

Eine originelle +Weihnachtsampel+ sehen wir auf Abb. 168, einen
+Weihnachtsherzkranz+ mit +Kerze+, +Lametta+ und +Perlenstern+, der
an einer Seidenschleife am besten im Türrahmen angebracht wird. Die
Herzform fertigt man aus sehr starkem Draht an, es gibt auch hölzerne
Formen für diesen Zweck, am sichersten dürften sie in Blumengeschäften
erhältlich sein. Die Form wird mit Tannengrün umkränzt, die weiße Kerze
steht in einem Lichthalter, wie er für den Christbaum verwendet wird.

Von der inneren Spitze hängt der +Perlenstern+ herab; er besteht aus
Blumendraht und großen länglichen Silberperlen; als Ersatz für diesen
Perlenstern kann ein Weihnachtsstern angebracht werden. Es ist auch
nicht unbedingt notwendig, ein kariertes Seidenband als Anhänger zu
benutzen, ein silbernes Band ist ebenso wirksam, auch ein grasgrünes,
feuerrotes oder tütenblaues Band würde sehr hübsch aussehen, wenn man
es geschickt befestigt.

[Illustration: Abb. 168. Weihnachtsherzkranz mit Kerze und Perlenstern.]

Zum +Silvesterabend+ wird man die obenbeschriebenen bunten
+Papierketten+, die farbigen +Papiernetze+ als Tafelschmuck und
Zimmerdekoration benutzen; der +Tafelaufsatz+ mit den Lichten eignet
sich ebenfalls dafür, in diesem Fall kann man bunte Kerzen verwerten.
Was sonst an Tombolageschenken und kleinen Überraschungen, an Masken
und andern Scherzen notwendig erscheint, ist an verschiedenen Stellen
in diesem Buch ausführlich beschrieben worden, eine reiche Auswahl, in
der alle etwas Passendes finden dürften.




IX. Kapitel

Handarbeiten für die Reise


Eine verregnete Sommerreise ist keine Seltenheit. Man traut sich,
wie es so schön heißt, nicht weit vom Hause fort, man ist froh, wenn
man im Park, im Garten herumsitzen darf, und kann doch schließlich
nicht andauernd „schmökern“. Wenn wir bei Bekannten oder Verwandten
als Besuch unsere Ferien verbringen, bemühen wir uns bei schlechtem
Wetter, im Sommer und im Winter, uns nützlich zu machen und unter
anderm auch mal tüchtig unter den zerrissenen Strümpfen aufzuräumen,
vom Ausbessern der Kleider abgesehen. Aber wenn wir „richtig auf Reisen
gehen“, womöglich in Badeorte mitgenommen werden, dann sind diese
intimen Handarbeiten zwar notwendig, aber nicht für die Öffentlichkeit
bestimmt. Auf einer Promenadebank macht sich eine feine +Stickerei+
schon besser, und am Strand ist eine hübsche +Häkelarbeit+ nicht zu
verachten. Handarbeiten wirken immer kleidsam in geschickten Händen,
aber gar nicht kleidsam, wenn sie kaum von der Stelle kommen und eher
schwarz als fertig werden.

Zum +Mitnehmen auf die Reise+ eignen sich heikle Sachen, wie zum
Beispiel helles Tuch oder empfindliche Seide, sowieso nicht;
Ferienarbeiten muß man schnell zusammenrollen und wegpacken können,
sie dürfen nicht viel Platz einnehmen, und schon darum verzichte man
auf große Handarbeiten, auf Decken, Läufer, Kleider und so weiter.
Wie leicht wird man im Sommer von einem Platzregen überrascht! Da muß
die Handarbeit schnell in der Tasche, im Beutel verschwinden, auf ein
paar Kniffe oder Falten darf es dabei nicht ankommen. Eine vornehme
Flügeldecke aus teurem Tuch oder aus schwerem Seidenmaterial ließe sich
solche Behandlung bestimmt nicht bieten. +Häkel-+ und +Strickarbeiten,
Bändchenarbeiten+ oder +Leinenstickereien+ können schon ein paar
Tropfen vertragen, außerdem werden sie, wenn es notwendig ist, leicht
und ohne viel Kosten gewaschen, die chemische Reinigung erübrigt sich
dafür.

Daß man sich am sandigen Strand nicht ausgerechnet mit Perlarbeiten
beschäftigt, ist selbstverständlich. Batiken und Schnitzereien lasse
man zu Hause, schon der vielen dazugehörigen Werkzeuge wegen, die --
wenn sie unterwegs beschädigt werden -- nicht überall repariert oder
ersetzt werden können. All dies Handwerkszeug nimmt viel zuviel Platz
im Koffer ein und eignet sich nicht zum Zeitvertreib für die Ferien.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 169 bis 175) verschiedene
+Handarbeiten für die Reise+, die gleichzeitig als „+Mitbringsel+“
gedacht sind. Es gibt Ferienhandarbeiten, die zum „+Mitbringen+“
unterwegs angefertigt werden, es gibt andere, die als +Gastgeschenke+,
als Dank für die erwiesene Gastfreundschaft verwendet werden sollen,
und solche, die +auf Vorrat+ angefertigt werden; die letzteren dürften
als +Gelegenheitsgeschenke+ zu Geburtstagen, in größerem Maßstab auch
zu Verlobungen und Hochzeiten und, wenn man „auf lange Sicht“ arbeitet,
zu Weihnachten -- natürlich im selben Jahre -- ihre Bestimmung
erreichen.

Auf alle Fälle ist es besser, sich mit Material für mehrere +kleine+
Handarbeiten zu versorgen, falls sich die Zeit dazu findet, als
andauernd an +einer+ Riesenarbeit herumzusticheln. Sehr wichtig ist
auch die Beschaffung der erforderlichen +Reservematerialien+, die
unterwegs oft nur unter viel Schwierigkeiten und mit größeren Kosten
als notwendig herangeschafft werden können.

Das erste Bild (Abb. 169) zeigt ein +Tellerdeckchen+ in +Rundfilet+,
aus Beyers Mustervorlagen für Handarbeiten, Band 103. Einige Stäbchen
und Nadeln in verschiedener Stärke bilden das Handwerkszeug.

[Illustration: Abb. 169. Tellerdeckchen in Rundfilet.]

Zu dem abgebildeten Deckchen ist ein starkes Stäbchen (st. St.) von 7
Millimeter Breite und eine Nadel (N.) von 2,5 Millimeter Durchmesser
erforderlich. Um letzteren bemessen zu können, sticht man die Nadel
langsam senkrecht in ein Blatt Papier und mißt dann das entstandene
Loch. Mit Häkelgarn Nummer 70 ausgeführt, wird das Deckchen etwa 15
Zentimeter groß. Man arbeitet in einen Hilfsring über die Nadel in der
1. Runde 18 Knoten (Kn.); die 2. und 3. Rd. wird glatt. 4. Rd. (st.
St.) 4 Kn. in jede Schlinge (Schl.) der vorigen Rd. 5. Rd. (N). In
die Übergangsmaschen der 4. Rd. 1 Kn., * die 3 folgenden Schl. in 1
Kn. fassen, 1 M. glatt, vom * fortlaufend wiederholen. 6. und 7. Rd.
glatt. 8. Rd. (st. St.). Fortlaufend zwischen zwei Gruppen der 5. Rd.
zweimal je 5 Kn. (das ist 1 M.) in 1 Schl., 2 M. glatt. 9. Rd. * Beide
Mu.-Teile in 1 Kn. fassen, 1 M. glatt; für den Anfang des Fächers 9
Kn. in die nächste Schl., 1 M. glatt, * fortlaufend wiederholen. 10.
Rd. (st. St.) * In die inneren 8 Schl. des Fächerteiles je 2 Kn., 4
M. glatt * fortlaufend wiederholen. 11. und 12. Rd. glatt. 13. Rd.
Die Maschen über den Mu. der 9. Rd. übergehen, sonst fortlaufend
abwechselnd 4 Schl. in 1 Kn. fassen und 1 Schl. auslassen, wie aus
der Abbildung zu ersehen ist. Die Maschen des inneren Rings werden
zusammengezogen und die Fäden verknotet.

Die zweite Vorlage (Abb. 170) stellt einige übereinanderliegende
+Wäschestücke+ dar, die in +Ausschnittechnik+ ausgeführt werden,
typische +Verlobungs-+ und +Hochzeitsgeschenke+, die verhältnismäßig
weniger Arbeit machen, als man denkt, wenn man die großzügigen Muster
sieht. Solche Arbeiten eignen sich sehr für Ferienbesuche, nicht so
sehr für „unterwegs“, trotzdem sie mancherlei aushalten können, da sie
schließlich, wenn die Stickerei fertig ist, doch „auf neu“ gewaschen
werden. Zunächst sind unsere Muster für +Kopf+- und +Paradekissen+,
+Überschlaglaken+ und +Bettdecken+ gedacht, sie kommen aber auch
für vornehme +Kaffeedecken+, für +Hemdeneinsätze+, +Vorhänge+ und
+Tischläufer+ in Betracht.

Die Ausführung der Arbeit dürfte allgemein bekannt sein. Alle Umrisse
werden mit Vorstichen von mittelstarker Baumwolle umzogen und dabei
die Stäbchen ausgeführt, welche die gestickten Figuren verbinden. Sie
werden nach dem Spannen entweder nur einfach mehrmals übernäht, daß
sie wie ein gedrehtes Schnürchen aussehen, oder mehrmals gespannt
und überbogt. Alle Umrisse werden gleichmäßig überbogt, auch die
begrenzenden Ränder des Grundstoffes. Erfahrene Stickerinnen schneiden
die Stickerei erst aus, wenn sie gewaschen ist.

Sehr fein wirkt unsere nächste Vorlage, der +Einsatz in genähter
Bändchenarbeit+ (Abb. 171).

Er ist für +Tisch-+, +Bett-+ und +Leibwäsche+ ein reizender Schmuck,
der sich leicht nacharbeiten läßt. Die Muster zur Bändchenarbeit
werden auf einfarbigen Kattun gepaust, mit Tinte ausgezeichnet, gut
getrocknet und abgerieben, damit die Zeichnung nicht abfärbt; dann kann
man mit dem Aufreihen der Bändchen beginnen. Unsere Vorlage erfordert
eine kleine Ergänzung beim Aufzeichnen, ehe das Muster fortgesetzt
werden kann. Links muß der Bogen, der in die drei Blättchen endigt,
vervollständigt werden, darüber wird man die Spitze des Blättchens
noch weiter auszeichnen und dem Muster rechts anfügen. Die füllenden
Spitzenstiche werden gespannt und übernäht.

[Illustration: Abb. 170. Ausschnittstickerei.

Entwurf und Ausführung: Anna Schmücker, Steglitz.]

Eine praktische Arbeit „für unterwegs“ ist die hübsche +Buchhülle+
aus der Werkstatt der Berliner Kunstgewerblerin +Käthe Ruppel+ (Abb.
172). Sie unterscheidet sich vorteilhaft von dem leider wieder
überhandnehmenden Krimskrams, für den noch immer, oder besser schon
wieder, viel Geld und Zeit verschleudert wird.

[Illustration: Abb. 171. Einsatz in genähter Bändchenarbeit. Von Rosa
Piltz, Berlin.]

Auf dem starken Leinenstoff steht das Muster, zwei farbige, große
Vögel, sehr wirkungsvoll. Die Linien sind stark vereinfacht, es sind
nur wenig Farben für das Ornament verwendet worden. Die Muster sind in
Flach-, Punkt- und Kettenstich gestickt; es sieht aus, als ob die Vögel
auf stilisierten Zweigen stünden.

Eine echte, rechte +Reisehandarbeit+ ist die +breite Strickspitze+,
die man für +Vorhänge+, +Bettdecken+, +Kaffeedecken+, vielleicht auch
für +Scheibengardinen+, auf alle Fälle sehr vielseitig verwenden kann.
Unser Modell (Abb. 173) ist mit starkem Garn gestrickt, es kann aber
auch, je nachdem es angewendet werden soll, in feinem und feinstem Garn
ausgeführt werden. Wird solche Arbeit unterwegs „grau“, so schadet das
nichts, gewaschen und gespannt wirkt sie wieder wie neu. Man kann sie
fest zusammendrücken, man kann die Arbeit immer wieder unterbrechen und
anfangen, wann sich die Gelegenheit bietet, und es gehört sehr wenig
Handwerkszeug dazu.

Die Spitze, nach einem alten Muster mit nicht zu feinen Nadeln und
weißer Baumwolle Nummer 7 gestrickt, kann, aus sehr feinem Garn
hergestellt, auch zur Verzierung von Kragen und dergleichen benutzt
werden.

[Illustration: Abb. 172. Bestickte Buchhülle aus Leinenstoff.

Entwurf und Ausführung: Käthe Ruppel, Berlin.]

Auf einem Anschlag von 48 Maschen strickt man zuerst 1 Reihe rechts.
Dann beginnt das Muster. Abkürzungen: abh. = abheben, r. = rechts, l. =
links, aufschl. = aufschlagen, abg. = abgenommen, vorw. abg. = vorwärts
abgenommen. Dabei faßt man die nächste Masche nach dem Aufschlagen
so, als wollte man sie rechts abstricken, hebt sie von der Nadel und
strickt die folgende M. rechts; dann wird die abgehobene M. über die M.
rechts gezogen.

Erste Reihe: 1 abh., 9 r., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 aufschl., 1
vorw. abg., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 aufschl., 1 abh., 1 abg., die
abgehobene M. über die abgenommene M. ziehen, 1 aufschl., 1 abg., 1
aufschl., 1 abg., 1 aufschl., 1 abg., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 r., 1
abg., zweimal aufschl., 3 M. r. zusammengestrickt, 2 aufschl., 1 abg.,
2 aufschl., 1 abg., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg.,
dann 1 aufschl., 2 r. Zweite Reihe: 1 abh., 9 l., 3 r., 1 l., zweimal 2
r., 1 l., dann 2 r., 7 l., 3 r., 7 l., 9 r. Dritte Reihe: 1 abh., 7 r.,
1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 3 r., viermal 1
aufschl., 1 vorw. abg., dann 10 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1 abg.,
zuletzt 1 r. Vierte Reihe: 1 abh., 9 l., 10 r., 7 l., 5 r., 7 l., 8 r.
Fünfte Reihe: 1 abh., 6 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1
aufschl., 5 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 2 r., zweimal
aufschl., 3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 1 r., 1
abg., viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Sechste Reihe: 1 abh., 9
l., 3 r., 1 l.,2 r., 1 l.,2 r., 7 l., 7 r., 7 l., 7 r. Siebente Reihe:
1 abh., 5 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 7
r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 7 r.; 1 abg., viermal 1
aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Achte Reihe: 1 abh., 9 l., 7 r., 7 l., 9
r., 7 l., 6 r. Neunte Reihe: 1 abh., 4 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl.,
1 abg., dann 1 aufschl., 9 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann
5 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Zehnte Reihe: 1
abh., 9 l., 5 r., 7 l., 11 r., 7 l., 5 r. Elfte Reihe: 1 abh., 3 r.,
1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 2 r., 1 abg.,
zweimal aufschl., 3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg.,
2 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 3 r., 1 abg., viermal 1
aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Zwölfte Reihe: 1 abh., 9 l., 3 r., 7 l.,
5 r., 1 l., 2 r., 1 l., 4 r., 7 l., 4 r. Dreizehnte Reihe: 1 abh., 2
r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 13 r., viermal
1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1
abg., zuletzt 1 r. Vierzehnte Reihe: 1 abh., 9 l., 1 r., 7 l., 15 r., 7
l., 3 r. Fünfzehnte Reihe: 1 abh., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1
abg., dann 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 r., 1 abg., zweimal aufschl.,
3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., zweimal aufschl., 1
abg., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl.,
1 abh., 1 abg., die abgehobene Masche über die abgenommene M. ziehen,
viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Sechzehnte Reihe: 1 abh., 7
l., 3 r., 7 l., 3 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 8 l., 3 r.
Siebzehnte Reihe: 1 abh., 3 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., 10
r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 3 r., dreimal
1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Achtzehnte Reihe: 1
abh., 7 l., 5 r., 7 l., 10 r., 7 l., 5 r. Neunzehnte Reihe: 1 abh., 4
r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 2 r., zweimal aufschl., 3
r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 1 r., 1 abg., dreimal
1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 5 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw.
abg., dann 1 aufschl., 2 r. Zwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l., 7 r., 7
l., 3 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 7 l., 6 r. Einundzwanzigste Reihe:
1 abh., 5 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 7 r., 1 abg.,
dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl.,7 r., dreimal 1 aufschl.,
1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Zweiundzwanzigste Reihe: 1 abh.,
7 l., 9 r., 7 l., 7 r., 7 l., 7 r. Dreiundzwanzigste Reihe: 1 abh.,
6 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 5 r., 1 abg., dreimal 1
aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 9 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw.
abg., dann 1 aufschl., 2 r. Vierundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l.,
11 r., 7 l., 5 r., 7 l., 8 r. Fünfundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7
r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 3 r., 1 abg., dreimal 1
aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 2 r., 1 abg., zweimal aufschl.,
3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 2 r., dreimal 1
aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Sechsundzwanzigste
Reihe: 1 abh., 7 l., 5 r., 1 l., 2 r., 1 l., 4 r., 7 l., 3 r., 7 l.,
9 r. Siebenundzwanzigste Reihe: 1 abh., 8 r., viermal 1 aufschl., 1
vorw. abg., dann 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1
aufschl., 13 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2
r. Achtundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l., 15 r., 7 l., 1 r., 7 l., 10 r.

[Illustration: Abb. 173. Gestrickte Spitze.]

[Illustration: Abb. 174. Teil einer Blusenstickerei in „Ajour“
(ruthenisch).]

[Illustration: Abb. 175. Allerlei Körbchen.

Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger, München.]

Wer sehr geschickt ist und sich selber Blusen und Kleider nähen
oder ausschmücken kann, wird an dem Teil einer +Blusenstickerei+ in
„+Ajour+“ (ruthenisch) viel Freude haben. Unsere Abb. 174 zeigt einen
sehr reizvollen +Zwischensatz+, der sich für leichte +Kleidung+ aus
Voile, besonders für +Blusen+ und +Kleider+ besonders gut eignet. Wir
sehen auf dem Muster eine zierliche +Durchbrucharbeit+, von feiner
Filet- und Ajourstickerei unterbrochen, auf Krepp gearbeitet, eine
Vorlage, die auch für vornehme +Tisch-+, +Bett-+ und +Leibwäsche+ in
Betracht kommt.

Als letzte Anregung, wieder für Logierbesuch geeignet, bringen wir
in Abbildung 175 reizende +Körbchen+, die als +Flick-+, +Näh-+,
+Schlüssel-+ und +Löffelkörbchen+ gedacht sind. Sie stammen aus den
Werkstätten der bekannten Kunstgewerblerin +Emilie Krüger+, München,
und sind sehr originell teils mit großen +Glasperlen+, teils mit bunt
+gehäkelten aufgenähten Wollblumen+ verziert. Dieser Schmuck ist es,
der ohne viel Mühe selber gearbeitet werden kann; die Körbchen sind
bei der Künstlerin erhältlich. Man kann auch +Glasschalen+ in die
hübschen Körbe stellen, dann kann man sie als +Blumen-+, +Obst-+ und
+Kuchenbehälter+ vielseitig verwenden, umso eher, als diese feinen
Korbarbeiten gerade in den letzten Jahren wieder sehr in Mode gekommen
sind. Da es sich um deutsches Material handelt, sollte diese vornehme
Korbarbeit besonders gern gewählt werden; sie ist nicht nur für das
Jungmädchenzimmer allein, sondern auch für die Wohnstube, die Diele und
das Schlafzimmer ein vornehmer Schmuck; hier handelt es sich nicht um
überflüssige Luxus-, sondern um brauchbare Gegenstände, die, von langer
Dauer, immer wieder zu praktischen Zwecken ausgenutzt werden können.




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Universitätsstudiums zu den Höhen der Kunst geführt, wo sie Sinn und
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4.50

Eine Frühlingsmelodie klingt durch das anmutige Jugendbuch.
Frühlingsglanz durchleuchtet die Umwelt, in der sich die
Liebeskonflikte der jungen Menschen in lebendigen Szenen und harmlos
ergötzlichen Abenteuern abspielen. Aber auch ein ernster Konflikt
erhöht den Reiz der Erzählung. Es ist ein Buch voll Fröhlichkeit und
Innigkeit, ganz besonders geeignet, junge Mädchenseelen zu erfreuen.

Hannoverscher Anzeiger.


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